Review

Reviews 9.0

PANTERA

Vulgar Display Of Power

Ausgabe: RH 59

Das Cover macht unmißverständlich klar, wo's bei PANTERA musikalisch langgeht: Das volle Brett, ohne Kompromisse und Zugeständnisse, ist angesagt. Das traf allerdings schon auf die fünf LP-Vorgänger und besonders auf "Cowboys From Hell", den überragenden '90er Longplayer, zu. Und genau da setzt "Vulgar Display Of Power" stilistisch an: energischer Thrash und mitreißende Power-Grooves, die den Hörer spätestens nach dem fünften Durchlauf süchtig machen. Die wuchtige Rhythmsection, die ohne Übertreibung zu den besten ihres Bereichs gezahlt werden darf, die abwechslungsreiche Gitarrenarbeit und die ungeheuer brutalen, extrem rohen, aber immer kontrollierten Vocals sind in dieser Form einzigartig und machen PANTERA zur erklärten Lieblingscombo vieler Musikerkollegen. Vergleichbar (vor allem in Bezug auf die Gitarre) mit den groovigeren Metallica-Stücken wie 'Eye Of The Beholder', 'Orion' oder 'Wherever I May Roam', hämmern sich PANTERA durch ihre Songs, lassen dabei aber nie ihre typische Rhythmik vermissen und streuen (wie in 'Hollow') auch vereinzelte ruhige Teile ein. Diese dienen dann dazu, die Power-Parts noch brutaler erscheinen zu lassen, so daß sich PANTERA in puncto Hörte durchaus mit Acts wie Slayer messen können. Trotzdem sind sie keine pure Thrash-Band, weil sie viel differenzierter als die meisten artverwandten Combos spielen und in der Lage sind, Hooklines mit Ohrwurmcharakter zu schreiben. Im Vergleich zu "Cowboys From Hell" haben PANTERA ihre Trademarks ausgebaut, aber gleichzeitig noch einen Zahn zugelegt, was die Brutalität der einzelnen Songs betrifft. Der definitive Kick in die Fresse, um beim etwas geschmacklosen, aber um so treffenderen Albumcover zu bleiben.

Autor:
Götz Kühnemund

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