Review

Reviews 9.0

NEVERMORE

Enemies Of Reality

Ausgabe: RH 195

(40:53)

Ehrlich gesagt weiß ich bis heute noch nicht, warum ich seinerzeit keine zehn Punkte auf das letzte NEVERMORE-Album "Dead Heart In A Dead World" gegeben habe. Vermutlich, weil ich insgeheim gehofft hatte, dass die Metalheads aus Seattle nochmals einen drauflegen könnten. Dabei kann man besagtes "Dead World..."-Scheibchen realistisch und nüchtern betrachtet nicht mehr übertreffen.

"Enemies Of Reality" erreicht das Niveau der Vorgängerplatte dann auch

nicht ganz, ist aber weit davon entfernt, so etwas wie eine Enttäuschung zu sein. Dafür ist das Songmaterial zu erhaben. Alleine die Gitarrenarbeit von Jeff Loomis ist einmal mehr eine Klasse für sich. Es ist einfach Wahnsinn, wie genial dieser Mann gefühlvolle Melodien und brutalste Riffs miteinander verknüpfen kann, ohne dass der rote Faden verloren geht. Und auch Frontmann Warrel Dane packt wieder endlos viel Seele in seine Gesangslinien - da gibt´s die Gänsehaut gleich im Dutzend. Generell haben NEVERMORE an Aggressivität noch einen Zacken zugelegt, wirken etwas thrashiger als beim letzten Album - höre das heftige Riffmassaker ´Seed Awakening´ oder das mit Morbid-Angel-ähnlichen Gitarrenläufen ausgestattete ´Ambivalent´.

Auf der anderen Seite gibt´s wieder emotional aufwühlende Nummern wie

´Tomorrow Turned Into Yesterday´, ´Who Decides´ oder den Titeltrack, die allesamt mit traumhaft schönen Melodien bestückt sind. Und dann wären da noch Songs, die erst nach dem x-ten Durchlauf ihr volles Aroma entfalten, wie beispielsweise ´Never Purify´, dessen Kombination aus ultra-heftigen Riffs und einem höchst eingängigen Refrain nur auf den ersten Blick keinen Sinn ergibt. Lediglich das Klangcollagen-ähnliche ´Noumenon´ bleibt auch auf Dauer ziemlich sperrig.

Ergibt unterm Strich 9,5 Punkte für das Songmaterial, wovon aber noch

ein halber Punkt für die Produktion abgezogen werden muss - ist zwar

irgendwie gemein, weil die Band nix dafür kann, aber objektiv betrachtet klingt die Scheibe etwas zu komprimiert. Produzent Kelly Gray hat hier keinen einwandfreien Job abgeliefert und den Sound der Band zu sehr eingeengt. Wirkt so, als würde man versuchen, eine viel zu große Schachtel in eine zu kleine Schublade zu stecken - oder als ob man mich in ein Girlie-Shirt quetschen wollte. Andererseits kann man sich auf die Dauer aber durchaus an den Sound gewöhnen, und die Songs alleine rechtfertigen eindeutig glatte neun Punkte. Well done!

Autor:
Frank Albrecht

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