Review

Reviews 8.0

MELVINS

Bullhead

Ausgabe: RH 49

Bands, die eine Kultscheibe veröffentlicht haben, kommen meist nur deshalb in den Ruf, eine solche veröffentlicht zu haben und folglich eine Kultband zu sein, weil sie sich unmittelbar nach Erscheinen ihres Meisterwerks auflösen (Ah ja? Mal ganz was Neues... - Red.). Genau das ist der Fehler der MELVINS: Sie haben sich nicht aufgelöst. Die bereits Mitte der achtziger Jahre auf dem kleinen amerikanischen Alchemy-Label erschienene erste LP mit dem Titel "Gluey Porch Treatments" setzte für die wenigen Zeitgenossen, die damals Glück hatten, in den Besitz dieser Platte zu gelangen, neue Maßstäbe, was den Begriff "Härte" betrifft. Ging man bis dahin davon aus, daß Härte gleichbedeutend mit Geschwindigkeit sei (klar, ham wir schon zu Black Sabbath-Glanzzeiten getan... - Red.), drehten die MELVINS diese Gleichung ganz frech um in "je langsamer, desto härter". Waren die langsameren Stücke bisher bei fast allen Bands reserviert für kuschelige Schmalzballaden, zermalmen die fiesen MELVINS diese "schöne" Tradition durch einen gewaltigen, zeitlupenartigen Hieb mit dem Vorschlaghammer. Wie eine mit ihrem Gift alles zersetzende Killerschnecke kroch diese Band von Song zu Song, geschockte, für immer veränderte Jugendliche hinter sich lassend. Black Sabbath und die hierzulande fast völlig unbekannten Blue Cheer wurden als Paten genannt, ohne jedoch von diesen blind abzukupfern. Die Zähigkeit, mit der eine bedrohliche, düstere Atmosphäre aus den Instrumenten gesogen wurde, war absolut neu und wegweisend. Die MELVINS sind definitiv eine, wenn nicht DIE wichtigste Gore/Doom-Band aller Zeiten. Die drei jungen Leute aus Nordkalifornien, darunter die zierliche, geradezu zerbrechlich wirkende Bassistin, fahren auch mit ihrem neuesten Werk "Bullhead" voll das brutale Brett auf, sind nach wie vor die "umgedrehten Slayer" ohne deren infantile satanische Texte. Der Aha-Effekt allerdings ist nach fünf Jahren verschwunden. Hier wird unter besseren Produktionsbedingungen die Idee von damals lediglich KULTiviert, was paradoxerweise erneut verhindert, von einer Kultscheibe zu sprechen, deshalb anstatt einer glatten Zehn "nur" eine Acht.

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