Review

Reviews 6.0

MANOWAR

The Lord Of Steel

Ausgabe: RH 303

Magic Circle Entertainment (48:02)

Es wäre zu billig, auf den ohnehin seit Jahren schwächelnden Lieblingsfeind aller echten Metaller einzutreten und dieses Album mit den Totschlagargumenten „Plastiksound“, „Drumcomputer“ und „fehlende hohe Schreie“ zu verreißen. Weil diese Band eine großartige Vergangenheit hat, die nicht mal sie selbst auslöschen kann, schauen wir deshalb - ohne Häme und Spott - etwas genauer hin:

Es gibt ein paar Songs auf „The Lord Of Steel“, die durchaus Potenzial haben: das sehr getragene, fast balladeske ´Righteous Glory´, das hymnische ´Born In A Grave´ und der straighte, aber effektive Rocker ´Touch The Sky´ zum Beispiel. Man findet gelungene Passagen im Opener ´The Lord Of Steel´, im höchst eingängigen ´El Gringo´ oder auch im Klischee-Banger ´Manowarriors´, auch wenn sie fast immer älteren Hits der Band „entliehen“ sind. Man erahnt die treibenden, schnarrenden, charakteristischen Bassläufe (auch wenn auf meiner Vorab-CD stellenweise nur ein seltsames Brummen zu hören ist), und man singt die hohen Eric-Adams-Schreie automatisch im Geiste mit, obwohl sie mittlerweile fast gänzlich fehlen. ABER: Welchen Sinn erfüllt ein Album, das bestenfalls wie eine durchschnittliche Kopie der alten Göttergaben klingt? Das Beste an MANOWAR waren für mich immer Eric Adams´ unmenschliche Schreie, die in jedem noch so simpel gestrickten Song für meterdicke Gänsehaut sorgten. Und die Gitarre hat früher bei MANOWAR echten Rock´n´Roll verkörpert, nicht Computerspiel-Gequieke. Mit einer ROHEN Produktion („Battle Hymns“) kann sicher jeder Metaller bestens leben, mit einer Digital-Homestudio-Katastrophe dagegen nicht. Und wenn man das Gefühl hat, dass MANOWARs Texte wie in ´Manowarriors´ inzwischen (bewusst) auf die Dümmsten der Dummen abzielen, weil nur noch dieselben zehn Schlagwörter irgendwie aneinandergereiht werden (Hauptsache, JEDER kann beim ersten Hören mitgrölen), dann hat das nichts mehr mit liebevollem Umgang mit den guten alten Metal-Klischees (MANOWAR früher) zu tun. Nein, es ist ganz einfach pure Berechnung und platt.

Dass man trotzdem sechs Punkte („ganz okay“) geben muss, liegt an Eric Adams, der selbst mit halber Kraft noch viele andere Sänger hinter sich lässt, und an den alten Glanzzeiten, die in meinem Hinterkopf immer noch ganz entfernt, irgendwie, irgendwo anklingen. Schade, Jungs, es war echt schön mit euch.

Autor:
Götz Kühnemund
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