Review

Reviews 9.0

MACHINE HEAD

Supercharger

Ausgabe: RH 173

Schon der wuchtige, von einem typischen Bay Area-Riff eingeleitete und äußerst treffend betitelte Opener ´Bulldozer´ zeigt, dass MACHINE HEAD ihre Lektion gelernt haben. Wurde „The Burning Red“ von Metal-Puristen noch wegen seiner angeblichen HipHop-Lastigkeit kritisiert, so hat man diese Klippe diesmal geschickt umschifft und neben diversen Soundelementen auch die kompromisslose Härte wieder an Bord geholt, die die ersten beiden Scheiben zu Genre-Klassikern machte. Bestes Beispiel für diese These sind der Titeltrack und ´Kick You When You´re Down´, die problemlos als Reminiszenz an die „guten alten Zeiten“ durchgehen.

Daraus zu schließen, dass „Supercharger“ ein reines Retro-Album geworden ist, wäre jedoch falsch; denn trotz der Rückbesinnung auf die alten Stärken haben MACHINE HEAD Trademarks neueren Datums - wie Robb Flynns Sprechgesang - nicht komplett ad acta gelegt, sondern sich konsequent weiterentwickelt. So hat das Quartett in Songs wie der ersten Single-Auskopplung ´Crashing Around You´ oder ´All In Your Head´ mal eben die melodiösesten Refrains der bisherigen Bandhistory untergebracht und mit ´Deafening Silence´ eine intensive Düster-Ballade abgeliefert, die man in dieser Form beim besten Willen nicht erwarten konnte. Demzufolge kann ich die redaktionsinterne Kritik, dass die Band mit diesem Album in Nu Metal-Gefilde abdriften würde, auch nicht wirklich nachvollziehen. Sicher: Man experimentiert mehr denn je mit bizarren Gitarreneffekten, aber die verleihen den einzelnen Stücken eher eine zusätzliche, phasenweise psychedelische Klangfarbe und verwässern das Songmaterial in keinster Weise. Von Trendreiterei oder Anbiederung an Konsorten wie Korn oder Limp Bizkit kann hier jedenfalls (gottlob) nicht die Rede sein, denn die Scheibe klingt wie aus einem Guss, und eine Nummer wie das sechsminütige ´Only The Names´, die beständig zwischen Aggression und Zerbrechlichkeit pendelt, zeigt überdeutlich, dass MACHINE HEAD in songschreiberischer Hinsicht einen großen Schritt nach vorne gemacht haben.

Aufgrund solcher Momente ist „Supercharger“ unterm Strich ein enorm facettenreiches Album, das bei jedem Durchlauf wächst und mit zusätzlichen Überraschungen aufwartet. Producer Johnny K. (u.a. Disturbed & Soil) und Mixer Colin Richardson haben den Rundling dazu soundtechnisch dermaßen brillant in Szene gesetzt, dass dieser Spagat zwischen Tradition und Moderne nur als gelungen bezeichnet werden kann. Mein persönliches Highlight des Monats!

Autor:
Thomas Kupfer

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