Review

Reviews 8.0

LIZZY BORDEN

My Midnight Things

Ausgabe: RH 374

Metal Blade/Sony (41:16)
Ich halte LIZZY BORDEN vor allem in Europa für unterbewertet: Das 1985er Debüt „Love You To Pieces“ wird viel zu selten als das bezeichnet, was es ist, nämlich als großer Power-Metal-Klassiker, der 1989er Dreher „Master Of Disguise“, der nicht mehr an die MTV-Erfolge der Jahre davor anknüpfen konnte, gilt nach wie vor als Geheimtipp (wenn überhaupt), und selbst die seltenen Lebenszeichen der nuller Jahre („Deal With The Devil“ von 2000 und „Appointment With Death“ von 2007) machen sich immer noch prima in der Sammlung. Elf Jahre nach dem letzten Album nun also „My Midnight Things“, und der Zehn-Tracker, von dem Lizzy selbst anscheinend so überzeugt ist wie nur selten zuvor von seiner Arbeit, mutet erst mal schwierig an, denn die Produktion ist schlicht und einfach keine, die Platte klingt wie ein Vorab-Demo, die Gitarren erzeugen keinerlei Druck, und die „Drums“ sind schlicht ein Witz, tatsächlich so schlecht programmiert, dass sie hier und da sogar das Gefühl eines durchgehenden „Beats“ erzeugen, was aber nicht an alte Ministry oder Helene Fischer erinnert, sondern maximal an irgendwelche schwedischen Sleaze-Bands, die neuerdings auf „modern“ machen, was in der Regel ja noch nicht mal Peters so richtig geil findet.
Und jetzt kommt das große Aber: Lizzy, der olle Lockenkopf, schafft es in seinen hellsten Momenten auch 2018, große Songs zu schreiben, die man trotz aller Skrupel immer wieder auflegen möchte, der Titeltrack stellt sogar eine seiner nachhaltigsten Hymnen überhaupt dar, ein Stück, das sich diesen Monat wirklich nur von The Night Flight Orchestras Superhit ´Barcelona´ geschlagen geben muss, und auch das Level von ´A Stranger To Love´, ´The Perfect Poison´ oder ´Obsessed With You´ erreicht momentan quasi keine dieser „jungen“ Echt-Metall-Band, die ja immer noch wie Pilze aus dem Boden sprießen. In der Endabrechnung reicht das zwar nicht, um „My Midnight Things“ in eine Reihe mit Überraschungssiegern wie W.A.S.P.s „Golgotha“ oder Riot Vs „Unleash The Fire“ zu stellen, ich habe aber kein Problem damit, das Album guten Gewissens weiterzuempfehlen.

Autor:
Boris Kaiser

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