Review

Reviews 8.0

KONG

Freakcontrol

Ausgabe: RH 143

Es ist schon etwas schade, wenn ausgerechnet eine Amsterdamer Band beim holländischen Indie-Major Roadrunner ein eher stiefmütterliches Dasein fristet, aber das originelle Konzept der quadrophonischen Instrumentalisten hat sich anscheinend noch nicht bis in alle Etagen herumgesprochen, und auch das gemeine Publikum tanzt lieber zu den allerhohlsten Raves ab, statt durchdachten Ideen eine Chance zu geben. Instrumentalmusik verkauft sich halt nicht. Fertig, aus! Dabei haben KONG mit Varneys Frickel-Egomanen der Achtziger nun wirklich nichts zu tun. Mit dem '97er Album "EARMINeD" hat die Band für meine Begriffe einen Meilenstein für das tanzbare Hardrock-Genre abgeliefert. Zunächst einmal ging der Sound von Junkie-XL-Master Tom Holkenberg voll auf die Zwölf: fette Drumbreaks, massive Gitarrenwände, klasse Melodien, spacige Soundspielereien, intelligente Samples und mitreißende Grooves bauten sich abwechselnd auf und ab! Viel besser kann man Instrumentalmusik sicher nicht mehr machen. "Freakcontrol" hingegen wirkt in allen Belangen etwas blasser und weniger knackig. Die Keyboards, obwohl sehr kompetent und ideenreich gespielt bzw. programmiert, überlagern stellenweise wichtige Gitarrenparts, und mit der Härte ist es leider auch nicht mehr so weit her. Der Fall liegt klar auf der Hand: Mit neuer Besetzung und den Schwierigkeiten der Eigenproduktion kämpfend, haben KONG erwartungsgemäß zwar ein respektables Album, aber keine Steigerung zu "EARMINeD" eingespielt. Trotz der fehlenden Feinabstimmung gibt es für Freunde der Band allerdings immer noch einiges zu entdecken. Das schwer relaxt groovende 'Undertow' eröffnet den Reigen, andere Highlights heißen 'Misty Tune' (mit folkloristisch anmutenden Parts), 'Easy Tune' (entspannend) oder 'Big Hose Forgery' (mit bombastischen Arrangements). Abwechslung ist Trumpf! Das Quartett surft ziemlich relaxt zwischen den Rock- und Dance-Welten hin und her und besticht durch eine Ungezwungenheit, die erstaunlich leichtfüßig aus dem Ärmel geschüttelt wird. Man muß schon einige Genre-Konventionen überspringen, um KONG-Fan zu werden. "Freakcontrol" ist auf jeden Fall eine weitere gute Blaupause für die schweißtreibenden Liveshows des Quartetts.

Autor:
Holger Stratmann

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