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REVIEW 8.5 16.09.2020

(Album, RH 400, 2020)

STRYPER - Even The Devil Believes

´Middle Finger Messiah´? Hell yeah! Christlicher Metal ist offensichtlich der neue Punk. In einer Szene, die längst alle Extreme ausgelotet hat, triggert kaum etwas so sehr wie das unbeirrte Propagieren christlicher Werte. Insbesondere wenn sie nicht so devot dargeboten werden wie beispielsweise von der Narnia-Posse mit ihren 777 Nebenprojekten oder Neal Morse. Natürlich waren STRYPER in den Achtzigern trotz ihrer Millionen-Fanbase hart an der Grenze zur Persiflage. Doch wer die letzten Alben der Band kennt, lacht schon lange nicht mehr. Das Gekicher ist einer Mischung aus Respekt für die musikalische Evolution und einer trotzigen Feindseligkeit gegenüber der Message gewichen (Metal muss schließlich böse und rebellisch sein, was auch immer das 2020 heißen soll). Wenn selbst die Blabbermouth-Poster, die schon aus Prinzip so gut wie alles scheiße finden, was andere mögen könnten, aus genau diesem Grund STRYPER plötzlich abfeiern, haben die „soldiers under command“ um Vorbeter Michael Sweet auf eine völlig unerwartete Weise alles richtig gemacht. Die erste Single ´Blood From Above´ ist eine famose Uptempo-Power-Metal-Granate, ´Let Him In´ und ´Invitation Only´ sind Melodic-Metal-Hits mit Langzeitwirkung, und ´This I Pray´ entpuppt sich als schöne, kraftvolle Ballade. Quasi über die gesamte Laufzeit funktioniert die Verbindung von nahezu schroffem und nach vorn gemixtem Riffing und ausgefeilter Melodik mit einer sehr angenehmen Dosis Pathos. Und ja, ´Middle Finger Messiah´ ist der Songtitel des Jahres.

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REVIEW 7.5 16.09.2020

(Album, RH 400, 2020)

COREY TAYLOR - CMFT

Schon seit über zehn Jahren bringt COREY TAYLOR immer wieder ein Soloalbum ins Gespräch. Mit „CMFT“ löst er sein Versprechen endlich ein. Im Jahr 2009 beschrieb der Slipknot- und Stone-Sour-Fronter das zum damaligen Zeitpunkt komponierte Material als Mischung aus Foo Fighters, Johnny Cash und Social Distortion. Einiges davon hat es offensichtlich aufs Album geschafft, was schon der Opener ´HWY 666´ zeigt, der in ähnlicher Form auch von Ricky Warwick stammen könnte. Im Anschluss bietet Taylor ein buntes Potpourri an Stilen, hat aber nur wenige originelle Aha-Momente im Programm. ´Black Eyes Blue´ latscht auf ausgetretenen Bubblegum-Poprock-Pfaden, während die Grunge-Szene bei ´Silverfish´ gestreift wird. ´Kansas´ orientiert sich am amerikanischen College Rock, wohingegen in ´CMFT Must Be Stopped´ ein Crossover-Battle mit den Rappern Tech N9ne und Kid Bookie angezettelt wird. Viele Songs sind solide in Szene gesetzt, verbleiben im Vergleich zu Taylors bisherigen Karrierehöhepunkten aber etwas blass. Die Punkrock-Abfahrten ´Meine Lux´ (sic!) und ´European Tour Bus Bathroom Song´ reißen noch am meisten mit, während ´Culture Head´ interessante Groove-Akzente setzt. Anderen Liedern wie ´Halfway Down´ und ´Everybody Dies On My Birthday´ fehlt es hingegen an einer deutlichen Trennschärfe zu Stone Sour (was auch daran liegen könnte, dass es mit Gitarrist Christian Martucci und Produzent Jay Ruston personelle Überschneidungen zwischen beiden Projekten gibt). Taylor hat 2019 verlauten lassen, dass er sich vorstellen könnte, irgendwann ein dunkles Jazz-Album aufzunehmen. Das fände ich persönlich spannender als eine Fortführung des „CMFT“-Materials.

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