Suche

Teaser

REVIEW 8,5 01.09.2021

(Album, RH 411, 2021)

IRON MAIDEN - Senjutsu

Dass es für IRON MAIDEN mit ihrem 17. Studioalbum schwer werden würde, den schon fast beängstigend starken Vorgänger noch einmal zu übertreffen, ließ sich bereits im Vorfeld vermuten. Am Ende kann „Senjutsu“ „The Book Of Souls“ dann auch nicht ganz das Wasser reichen. Nichtsdestotrotz bewegt sich ein Großteil der zehn Stücke auf hohem Niveau, und auch die eine oder andere Überraschung gibt es zu verzeichnen. Das fängt gleich beim Opener an, der auf das Konto Smith/Harris geht. Für Maiden-Verhältnisse ein vom Tempo her eher verhaltener Opener, der getragen wird von einem wiederkehrenden, japanisch angehauchten Drum-Muster. Die vielen unterschiedlichen Gitarrenparts im Mittelteil und die akzentuierte Keyboard-Begleitung am Ende sorgen dafür, dass 'Senjutsu' auch über die Distanz von gut acht Minuten nie langweilig wird. Noch ein wenig mehr trifft diese Feststellung auf den Harris-Longtrack 'Lost In A Lost World' zu, der den Höhepunkt des Albums markiert. Der ruhige Anfang mit Hintergrundchören und recht viel Hall auf Bruces Leadstimme erinnert entfernt an Pink Floyd in den späten Siebzigern, ehe der Chef selbst gegen Mitte des Neunminüters mit einigen wirklich wilden Bassläufen und überraschenden Rhythmuswechseln seine Liebe zum traditionellen Prog (speziell Nektar) vollends auslebt. Genau diese Fixierung auf teilweise (über-)lange und komplexe Kompositionen ist aber auch ein gewisses Problem der neuen Scheibe (ähnlich wie schon bei „Dance Of Death“ sowie „A Matter Of Life And Death“), denn vor allem die letzten drei Harris-Stücke 'Death Of The Celts', 'The Parchment' und 'Hell On Earth', die am Stück dargeboten alleine auf über 34 Minuten Spielzeit kommen, können die Spannung nicht durchgehend hoch halten. Davor sorgen allerdings beispielsweise die mit leichtem Southern-Rock-Flair im Gitarrenbereich daherkommende Smith/Dickinson-Single 'The Writing On The Wall' oder auch eine düstere Ballade wie 'Darkest Hour' (vom selben Kompositionsteam) immer wieder für Farbtupfer. Fazit: Die Tour fürs Album liegt zwar noch in ferner Zukunft, aber es ist zu vermuten, dass nur zwei oder drei Nummern der Platte eine Chance haben werden, tatsächlich in die Live-Setlist zu rutschen. „Senjutsu“ ist in seiner Gesamtheit vielmehr ein Album geworden, das es sich (vorzugsweise unter Kopfhörer) zu „erarbeiten“ gilt, eine Platte mit reichlich Tiefe, aber ohne direkten, intuitiven Zugang. Insofern schon irgendwie typisch für die dritte Schaffensperiode von IRON MAIDEN.

Teaser

Teaser

Teaser

REVIEW 28.07.2021

(Album, RH 410, 2021)

L.A. GUNS - Cocked And Loaded Live

Über das ganze Drama, das es um die diversen Inkarnationen der L.A. GUNS in den letzten Jahren gab, sollte man eines nicht vergessen: Das inzwischen weitgehend zerstrittene klassische Line-up der Band, bestehend aus Phil Lewis (v.), Tracii Guns und Mick Cripps (beide g.), Kelly Nickels (b.) und Steve Riley (dr.), hat Ende der Achtziger/Anfang der Neunziger ein paar richtig gute Dinger rausgehauen - so zum Beispiel auch den ´89er Output „Cocked & Loaded“, den wir vor nicht allzu langer Zeit in unserem Jahresrückblick sträflich vernachlässigt haben. Pünktlich zum, ähem, 31. Geburtstag der Platte haben sich mit Lewis und Guns zumindest zwei der damaligen Protagonisten gut genug vertragen, um aus dem Fremont Country Club in Vegas eine Show in die Wohnzimmer unseres Planeten zu streamen - selbstredend unterstützt von ihrer aktuellen Begleitmannschaft. Den Audio-Mitschnitt des Konzerts gibt´s in der Nachlese für all diejenigen, die die Aktion verpasst haben, ab sofort auf CD. Die kurze Setlist bietet wenige Überraschungen (nahezu alle Tracks von „Cocked And Loaded“ plus ´Speed´ vom aktuellen Longplayer), und die Performance ist so, wie man es von den Herren gewohnt ist - altersgemäß, aber alles andere als übel. Phil Lewis hat denselben krank-geilen Überschlag in der Stimme, mit dem auch W.A.S.P.-Kollege Blackie Lawless seit ein paar Jahren gesegnet ist, der Rest der Truppe geht mit Elan zu Werke. Kann man sich als Fan der Frühphase definitiv ins Regal stellen.

Teaser

Melde dich für unseren Newsletter an und verpasse nie mehr die wichtigsten Infos