Review

Reviews 8.5
Death Metal Heavy Metal

IN FLAMES

Foregone

Label: Nuclear Blast/Rough Trade
Dauer: 47:42
Erscheinungsdatum: 10.02.23
Ausgabe: RH 428

Ob die Gründung und der Erfolg von The Halo Effect einen Einfluss auf dieses Album hatten, ist spekulativ. Dass Anders und Björn das in Schweden an die Spitze der Charts geschossene Debüt ihrer alten Mitstreiter nicht kennen, wie sie in unserer letzten Titelstory behaupten, darf aber getrost bezweifelt werden. Fest steht auf jeden Fall, dass sich IN FLAMES bei etlichen Stücken so hart wie lange nicht mehr zurück zu den Wurzeln bewegen, wobei schnell klar wird: Ja, sie können es noch! Allerdings handelt es sich bei „Foregone“ nicht um ein reines Retro-Album, sondern eher um eine Rückbesinnung mit Augenmaß, die die Entwicklung der Band nicht völlig außer Acht lässt. So ist ein abwechslungsreiches Werk entstanden, dessen Referenzen in der Schnittmenge von „Colony“, „Clayman“ und „Battles“ liegen. Melodic-Death-Metal-Nummern wie ´State Of Slow Decay´, ´Meet Your Maker´, ´Foregone Pt. 1´ oder ´The Great Deceiver´ machen mit ihren Qualitäten nachdrücklich klar, warum IN FLAMES zu den Gründern des typischen Göteborg-Sounds zählen. Tempo, Härte, Riffing und Melodie stehen hier in einem perfekten Verhältnis zueinander und wecken wohlige Erinnerungen an die frühen Zweitausender, die einige Folk-Schlenker noch verstärken. Die melancholische, düstere Stimmung ist dabei omnipräsent und wird vom Coverartwork perfekt visualisiert. Auch moderner gehaltene Songs wie ´Bleeding Out´ wirken stimmiger und kompositorisch zwingender als auf dem schwachen Vorgänger, und die schöne Halbballade ´Pure Light Of Mind´ verströmt die alte Gitarren-Magie so stark wie lange nicht mehr. Dazu liefert Sängers Anders eine seiner besten Leistungen ab und glänzt sowohl beim fiesen Growlen und Keifen als auch bei seinem charismatischen Klargesang, der nicht so knödelig wie zuletzt ausfällt. Selbst wenn dem Album zum Ende hin etwas die Puste ausgeht, lässt „Foregone“ die eine oder andere Enttäuschung der letzten Jahre vergessen und präsentiert IN FLAMES wieder in Top-Form!

Autor:
Marcus Schleutermann

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