Review

Reviews 10.0

ICED EARTH

The Glorious Burden

Ausgabe: RH 201

(70:28 bzw. 78:28)

Auch wenn Ex-Iced-Earth-Sänger Matt Barlow von vielen Fans schmerzlich vermisst wird: Was sein Nachfolger Tim Owens auf diesem Meisterwerk leistet, ist schier unmenschlich! Die von Jon Schaffer in unserer letztmonatigen Titelstory angekündigte Gänsehaut überkommt den Hörer - vorausgesetzt, er steht auf traditionellen Metal zwischen Priest (Vocals) und Maiden - tatsächlich am laufenden Band. Das Kernstück dieses als Doppelalbum (inkl. drei relativ verzichtbaren Extra-Tracks) und reguläre Einzel-CD erhältlichen Longplayers, das 32-minütige Schlachtepos ´Gettysburg (1863)´, ist an Dramatik, Spannung und Ideenreichtum nicht mehr zu übertreffen und rechtfertigt im Alleingang die Höchstnote! 32 Minuten Metal-Perfektion vom Allerfeinsten, veredelt mit aufwändigen, atmosphärischen Orchester-Parts und dennoch sehr heavy, aufgeteilt in drei ineinander übergreifende Parts, die einem gigantischen Finale entgegensteuern, das so ziemlich ALLES in den Schatten stellt, was die Trad-Metal-Welt seit „Painkiller“ hervorgebracht hat, und stimmlich mit so unendlich viel Gefühl und Klasse umgesetzt, dass einem der Atem stockt! Tut euch den Gefallen und nehmt euch eine halbe Stunde Zeit, um dieses Metal-Inferno unter dem Kopfhörer mit dem Booklet in der Hand (der Begleittext erläutert auch die instrumentalen Teile) zu genießen. ´Gettysburg´ steht auf einer Stufe mit den größten Epics, die der Heavy Metal jemals hervorgebracht hat - von ´Rime Of The Ancient Mariner´ (an das es vom treibenden Rhythmus her stellenweise erinnert) über ´Roads To Madness´ und ´Battle Hymn´ bis hin zu ´Heading For Tomorrow´!

Der „andere“ Teil von „The Glorious Burden“ besteht aus acht (bzw. elf) regulären Songs, die ebenfalls sehr stark sind, das göttliche Niveau von ´Gettysburg´ aber natürlich nicht erreichen. Die Highlights ´Declaration Day´, ´Red Baron/Blue Max´, ´Attila´, ´Waterloo´, ´Valley Forge´ und ´When The Eagle Cries´ (die „echte“ Version ist - ungeachtet des pathetischen, kriegsverherrlichenden Texts - ein echter Ohrwurm) zeichnen sich allesamt durch kraftvolle, an Metallica zu „Ride The Lightning“-Zeiten erinnernde Gitarren und überragenden Gesang aus - wobei man hier einmal mehr auf die Priest-Schlagseite hinweisen muss. Wer damit nicht klarkommt, wird Matt Barlow weiterhin vermissen. Ich hätte ja gerne mal die ursprüngliche, von Matt eingesungene Version von „The Glorious Burden“ gehört, bin aber davon überzeugt, dass Tim Owens Leistung von niemandem - Halford und Dickinson eingeschlossen - zu überbieten gewesen wäre.

Verzichtbar sind für mich die Akustikversion von ´When The Eagle Cries´ (Bonus), die amerikanische Nationalhymne ´The Star-Spangled Banner´ (Bonus), der sehr aggressive, aber eher durchschnittliche Banger ´Greenface´ (Bonus) und die Vorab-Singleauskopplung ´The Reckoning´, die etwas mit ihrem klinischen Drumsound nervt. Ansonsten ist die Produktion über sämtliche Zweifel erhaben und bläst sowohl Maidens „Dance Of Death“ als auch Halfords Comeback „Resurrection“ (soundtechnisch, wohlgemerkt) zehnmal an die Wand.

Ich tue mich zwar - wie auch meine Kollegen - etwas schwer mit einigen ultra-patriotischen Texten auf „The Glorious Burden“, die - gipfelnd in ´When The Eagle Cries´ - an Einseitigkeit kaum zu übertreffen sind, muss aber andererseits feststellen, dass sie perfekt zur militanten, pathetischen Ausrichtung der Musik passen. Nimmt man sie also als „Beiwerk“ im Sinne von Slayer und Konsorten und übt sich in Toleranz (schließlich wird hier niemals M.O.D.-Niveau erreicht und auch nicht wirklich politisiert), so lässt sich ganz gut darüber hinwegsehen.

Nur wegen der schwächeren Bonustracks von der Höchstnote abzuweichen, wäre nicht korrekt, weil sich mindestens 50 Minuten dieses Meilensteins (den wir im nächsten Heft in der Richterskala benoten und in einem größeren Special von der gesamten Redaktion besprechen lassen werden) auf einem nicht zu übertreffenden Level abspielen. An einem Referenzwerk wie ´Gettysburg (1863)´ muss sich ab sofort JEDE Metal-Band mit traditioneller Ausrichtung - von Priest über Maiden, Savatage und Manowar bis hin zu Blind Guardian - messen lassen!

Autor:
Götz Kühnemund

AMAZON EMPFEHLUNG

Melde dich für unseren Newsletter an und verpasse nie mehr die wichtigsten Infos

Diese Seite verwendet Cookies. Erfahrt in unserer Datenschutzerklärung mehr darüber, wie wir Cookies einsetzen und wie Ihr Eure Einstellungen ändern und Cookies deaktivieren könnt. Darüber hinaus verwenden wir Cookies Dritter für die Einbindung audiovisueller Inhalte durch Youtube, Spotify und Soundcloud. Dem könnt ihr hier zustimmen oder dies ablehnen. Datenschutzerklärung ansehen.