Review

Reviews 8.5

GRAND MAGUS

Sword Songs

Ausgabe: RH 348

Nuclear Blast/Warner (34:47)
Das, was „Sword Songs“ im ersten Moment zwiespältig klingen lässt, der ultrarohe Sound z.B. mit seinen fast schon ZU „natürlich“ tönenden Drums oder die stellenweise beinahe aufdringliche Simplizität inklusive einer krassen Eingängigkeit, ist letzten Endes das Pfund, mit dem GRAND MAGUS (mehr denn je) wuchern, denn ihre achte Platte stellt Hörgewohnheiten in Frage: Noch mehr als viele wirkliche Underground-Bands orientieren sich die Schweden völlig kompromisslos am „echten“ Klang der (frühen) Achtziger, ihre Rainbow-, Dio- und Black-Sabbath-Einflüsse („Mob Rules“!) münden also nicht in saubere Melodic-Metal-Pervertierungen wie bei so vielen anderen stilistisch im Prinzip ähnlich gelagerten Acts, und wenn sie dann schließlich Manowar („Battle Hymns“!) miteinbauen, was sie bisher vor allem live getan haben, wie ich finde, hört sich das tatsächlich komplett homogen an, bereits der zweite Song ´Varangian´ zeugt davon, vom Rauswerfer ´Every Day There´s A Battle To Fight´ ganz zu schweigen, selbst vermeintliche Gegensätze wie Grave-Digger/Unrest/Paragon-Refrains (´Forged In Iron - Crowned In Steel´, ´Born For Battle´) und Champions-League-Klampfen im Guitar-Hero-Format (´Master Of The Land´) lösen sich ad hoc auf. Man will eine Platte wie „Sword Songs“ ja nicht überinterpretieren, das geht eigentlich auch gar nicht, ohne den Teufel mit dem Beelzebub auszutreiben, aber ich möchte es trotzdem festhalten: GRAND MAGUS sind Heavy Metal 2016 dekonstruiert, und alles, was sie behalten haben, ist im Grunde die pure Essenz.
Die bisher beste Platte des Jahres? Wahrscheinlich nicht. Aber vielleicht die schlaueste.

Autor:
Boris Kaiser

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