Review

Reviews 9.0

FILTER

Title Of Record

Ausgabe: RH 148

Was für eine Wohltat! FILTER sind die Rettung des musikalisch eher mauen Sommers, der ideale Starkstrom-Ausklang des 20. Jahrhunderts, die fast perfekte Symbiose von brachialen Gitarren, hypnotisierenden Ohrenschmeichlern und gediegenen High Tech-Industrial-Sounds. Die vierjährige Pause hat Mastermind Richard Patrick in kreativer Hinsicht einen mächtigen Schub verpaßt, und das letztjährige Appetithäppchen in Form des Covers 'One (Is The Loneliest Number)', das leider nur auf dem "X-Files"-Soundtrack zu bewundern ist, hat eher zu wenig als zu viel versprochen. In drei Bereichen konnte Patrick im Vergleich zum bereits hochkarätigen Vorgänger "Short Bus" deutlich hörbar zulegen: Der Gesang präsentiert sich enorm verbessert, der Sound kracht noch kompakter und intensiver aus den Boxen, und was am wichtigsten ist: Die Songs sind so makellos schön wie ein unberührter, verschneiter Winterwald. Zehn Tracks, zehn unwiderstehliche Klangabfahrten. Kein einziger Song ohne Refrain, bei dem nicht die chromlackierte Cyber-Sonne des dritten Jahrtausends aufgeht, kein Spannungsbogen ohne Seelenreinigungs-Faktor, keine Textzeile mit Kitschbehaftung. Egal ob der mächtig drückende Orkan 'The Best Things', das beschwingt-melancholische 'Take A Picture' oder das von Smashing Pumpkins-Bassistin D'Arcy Wretzky eingesungene Gänsehaut-Oratorium 'Cancer' - FILTER operieren auf einem Level, das ansonsten nur Devin Townsend und die Nine Inch Nails (Patricks alter Arbeitgeber) erreichen. Stilistisch erinnern die Chicago-Metaller neben den genannten Acts auch ein wenig an Rob Halfords Two-Projekt und den morbiden Fatalismus von Jane's Addiction. Aber dies nur zur groben Orientierung, denn FILTER düsen durch ihr eigenes Universum, ohne groß nach links oder rechts zu blicken. Und sie brauchen keinen Sample & Loop-Overkill, um als inoffizieller Soundtrack zum grandiosen Dark-Fiction-Streifen "Matrix" durchzugehen. Ihr Arbeitsfundament sind kilometerbreite, unzerstörbare Gitarrenwände, eine knallharte Rhythmus-Abteilung, sehr variabel gestaltete Vocals und als Gaststars einige Akustikklampfen und Percussion-Instrumente. Den Rest besorgt die geniale Produktion, die "Title Of Record" nicht ganz so depressiv und selbstzerstörerisch wie "Short Bus", dafür aber weitaus vielschichtiger und mitreißender klingen läßt. Trent Reznor wird gewaltige Geschütze auffahren müssen, um gegen dieses Prachtgeschoß anstinken zu können!

Autor:
Michael Rensen

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