Review

Reviews 9.0

ENGEL

Threnody

Ausgabe: RH 283

2005 wurde ENGELs erstes Lebenszeichen von euch zum „Demo des Jahres“ gewählt, und letztes Jahr haben wir in der Titelgeschichte „Die 20 besten neuen Bands“ (Heft 263) noch mal auf das riesige Potenzial der Schweden hingewiesen. Wegen der geschäftlichen Probleme des alten Labels gab´s dieses zweite Album lange Zeit jedoch nur in Japan, wo die Band jüngst auf dem Loudpark-Festival mächtig abgeräumt hat. Nun wird das Meisterwerk via Season Of Mist endlich auch in Europa und Amerika veröffentlicht, unterscheidet sich allerdings in einigen Details. Die Tracklist wurde munter durcheinandergewürfelt, vier Stücke fehlen, dafür gibt´s mit dem starken Opener ´Six Feet Deep´ und ´Burn´ zwei neue Songs. Am Gesamteindruck hat sich dadurch natürlich nicht viel geändert. ENGEL kombinieren das typische Riffing der Göteborger Schule und wuchtige Doublebass-Attacken mit genrefremden Einflüssen aus Industrial, Wave und Achtziger-Synthie-Pop.

Im Gegensatz zum Debüt ist das Songwriting nicht mehr ganz so streng aufs Wesentliche reduziert, sondern setzt gerne auf Laut/leise-Dynamik und lässt den beiden Gitarristen Niclas Engelin (u.a. In Flames, Passenger, Gardenian) und Marcus Sunesson (The Crown) mehr Freiräume, in denen sie zeigen, was sie draufhaben. Neben diesen beiden Klasse-Klampfern ist Sänger Mangan Klavborn der dritte Trumpf der Band. Er pendelt mit unfassbarer Selbstverständlichkeit zwischen Death-Metal-Growls, Thrash-Shouts, Nick-Cave-mäßiger Melancholie und düsterem Klargesang, wobei er vor allem die morbide Ballade ´Perfect Isis´ unglaublich emotional intoniert. Die zählt zusammen mit dem vielschichtigen Überhit ´Sense The Fire´ (läuft bei mir seit einem Jahr rauf und runter, und ich bin ihn immer noch nicht leid), dem Marilyn-Manson-mäßigen Ohrwurm ´Feed The Weak´ (so einen Volltreffer hat der abgetakelte Schock-Rocker schon lange nicht mehr zustande gebracht) sowie der epischen Halbballade ´To The End´ zu den Höhepunkten eines überragenden Albums, das nicht nur wegen seiner stilistischen Gratwanderungen höchst inspiriert klingt.

Unbedingt reinhören!

Autor:
Marcus Schleutermann

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