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REVIEW 8.5 20.02.2019

(Dynamit, RH 382, 2019)

OUR SURVIVAL DEPENDS ON US - Melting The Ice In The Hearts Of Men

Man darf sich dem Kosmos der Österreicher OUR SURVIVAL DEPENDS ON US natürlich nähern, wie man will, aber wenn man generell Eingängigkeit als passables Einfallstor ansieht, sollte man die ersten Gehversuche zweifellos mit ´Song Of The Lower Classes´, Track Nummer drei von vier überlangen auf „Melting The Ice In The Hearts Of Men“, wagen. Dieses Lied, ein politisch-soziales Statement, wie es im extremen Metal ungewöhnlich ist, textlich basierend auf einem Text Ernest Charles Jones´ aus dem 19. Jahrhundert, stellt einen Paukenschlag dar, in seinem Proklamieren und Anklagen nicht weit weg von einer Band wie Primordial (deren Frontmann Alan Averill zum Opener ´Galahad´ tatsächlich Vocals beisteuert), wenn diese ihre ganz großen Momente haben. Das andere Material des Albums kommt hingegen eher durch die Hintertür, zitiert Black Metal, Doom und Sludge, aber nicht weniger tendenziell „ruhige“ Genres wie Prog, Psychedelic, Postrock und Ambient, man macht da aus seinen Herzen auch keine Mördergruben, im Presseinfo fallen Namen wie Sigur Rós, Portishead und Steven Wilson (!). Überhaupt lässt gerade eine auffällige Unaufgeregtheit, eine sehr erwachsene Aura jenseits allen juvenilen Dicke-Hose-Gehabes, das in der Regel ja nur die Parameter „böse“ und „cool“ kennt, OUR SURVIVAL DEPENDS ON US zu einer wohltuenden Alternative im Klischee-Dschungel aufsteigen, gleichzeitig zu einer Band, die anscheinend herausgefunden hat, dass Hass und Fatalismus ja auch nichts nützen, denn meistens handelt es sich dabei eh nur um bemitleidenswerten Narzissmus. Weit gekommen sind wir 2019 zwar noch nicht, aber bis jetzt ist das hier eindeutig die beste Platte des Jahres - im Übrigen großartig organisch produziert von der Band selbst im Verbund mit den Könnern Victor Santura (Triptykon) und Michael Zech (The Ruins Of Beverast).

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REVIEW 8.0 20.02.2019

(Dynamit, RH 382, 2019)

QUEENSRYCHE - The Verdict

Nicht falsch verstehen: Dass QUEENSRYCHE seit dem Hinzustoßen von Sänger Todd La Torre (ex-Crimson-Glory) wieder in ihrer hauseigenen stilistischen Spur laufen, ist deutlich angenehmer als das Geeiere auf den Tate-Alben von „Hear In The Now Frontier“ (auf „Promised Land“ waren ja immerhin noch ein paar gute Songs...) bis „Dedicated To Chaos“. Nichtsdestotrotz sind die Vergleiche im Plattenfirmen-Info mit hochkonzentrierten, dringlichen (Progressive-)Metal-Monumenten wie „The Warning“, „Rage For Order“ oder „Empire“ natürlich deutlich übertrieben: QUEENSRYCHE 2019 (in der Besetzung La Torre/Wilton/Lundgren/Jackson; Drummer Scott Rockenfield ist auf „The Verdict“ nicht zu hören, die Schlagzeug-Spuren stammen von - Achtung! - La Torre) muten halt ein bisschen an wie diese ganzen (Früh-)Neunziger-US-Underground-Demo-Bands, denen man stets einen „Klingen wie Queensryche!“-Orden umgehängt hat - oder auch wie ´ne supertalentierte Covertruppe. Schlimm ist das indes nicht, denn diesen Stil, melodischen Heavy- und Power Metal mit progressiven Untertönen, zocken heute nur noch wenige Bands, und die Dekonstruktion gelingt ja: QUEENSRYCHE arbeiten mit Melodien und Harmonien, die aus ihrem frühen Fundus stammen könnten (´Inside Out´!), zitieren sich auch inhaltlich gerne selbst, machen sich dabei aber niemals lächerlich. Man merkt eben, dass sie großen Respekt vor dem eigenen Erbe haben und dieses mit Würde verwalten wollen. Kann sein, dass das letzten Endes ein wenig den Mut ausbremst, noch mal was Neues jenseits soundtechnischer Modernisierungen (Produktion: Chris „Zeuss“ Harris) auszuprobieren, andererseits würde sich die Katze ja eh nur in den eigenen Schwanz beißen, und der Rezensent wäre vielleicht der Erste, der „Schuster, bleib doch bei deinen Leisten!“ mosert. Nein, QUEENSRYCHE sind in guter Form, „The Verdict“ ist ein starkes Album, das man sich nach dem Erwerb gerne (und durchaus oft) anhört. Aber klar ist auch: Wenn man in ein paar Monaten Bock auf die Band hat und zum (digitalen) Plattenschrank geht, holt man mit Sicherheit doch wieder „The Warning“ oder „Operation: Mindcrime“ hervor...

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REVIEW 8.0 20.02.2019

(Dynamit, RH 382, 2019)

DREAM THEATER - Distance Over Time

Nach dem eher mäßig aufgenommenen, arg kitschigen Konzeptwerk „The Astonishing“ haben sich die DREAM THEATER-Mitglieder endlich mal wieder alle gemeinsam an einem Ort getroffen, um das 14. Studioalbum zu komponieren. Den Unterschied hört man sofort, „Distance Over Time“ klingt griffiger und organischer als die letzten beiden DT-Scheiben. Mit dem ohne überflüssiges Gehampel mitten in die Zwölf treffenden Opener ´Untethered Angels´ und der dezentes ´Another Day´-Flair verströmenden Halbballade ´Out Of Reach´ liefern die Amis gute Standardkost, drei der übrigen Nummern sind sogar noch besser: ´Fall Into The Light´ plättet mit wunderbarstem Metallica/Priest-Riffing und „Scenes...“-Vibes, beim gänsehäutigen Mini-Epos ´Barstool Warrior´ sind die Gesangslinien genauso toll wie die Gitarrenmelodien, und in ´S2N´ ergänzt sich das moderne, harte Metal-Riffing perfekt mit dem harmoniesüchtigen Refrain. Den restlichen vier regulären Stücken und auch der cheesigen Bonusnummer ´Velvet King´ merkt man hingegen an, dass das komplette Album in nur 18 Tagen und damit vielleicht ein bisschen überhastet geschrieben wurde. Manchmal sind die Melodien zu blass (´Room 137´, ´Paralyzed´), in einigen Passagen beißen sich harsche Zähnefletschgitarren mit eher süßlichen Vocals (´Pale Blue Dot´), und streckenweise wirken die Arrangements auch nach zahlreichen Durchläufen noch zu zerrissen (´At Wit´s End´). Alles nicht wirklich schlimm und immer noch besser als der Großteil von „The Astonishing“, aber ein Bandklassiker ist „Distance Over Time“ leider nicht geworden.

REVIEW 23.01.2019

(Dynamit, RH 381, 2019)

TYGERS OF PAN TANG - Hellbound, Spellbound Live ´81

Die Archive sind geplündert? Nicht alle. Dieses Kleinod der Metal-Historie schlummerte (von der obligatorischen Japan-Veröffentlichung mal abgesehen) fast 40 Jahre vor sich hin. Blenden wir zurück ins Jahr 1981: Die TYGERS OF PAN TANG (die mit dem letzten Original-Mitglied Robb Weir dieses Jahr auf dem Rock Hard Festival spielen) sind, zusammen mit Iron Maiden, Saxon, Motörhead, Venom, Raven und Diamond Head, der heißeste Scheiß der New Wave Of British Heavy Metal (Judas Priest sind ja schon etwas länger dabei). Ein knappes Dutzend Single-Veröffentlichungen und das starke „Wild Cat“-Album mit dem markanten Tigerkopf bereiten den Boden für das Zweitwerk „Spellbound“, das nicht nur für Mille Petrozza (Kreator coverten den Titel ´Gangland´), sondern auch für Metal-Insider rund um den Erdball ihr unumstrittenes Highlight ist. Aber anders als viele andere hochgejubelten Combos jener Ära haben die TYGERS OF PAN TANG richtig Substanz. Die Band ist der Einstieg von John Sykes ins professionelle Musikgeschäft (der danach seine Wanderschaft zu Thin Lizzy, Whitesnake und mit Soloalben fortsetzt), und Sänger Jon Deverill gilt seinerzeit neben Bruce Dickinson (Samson) als größtes Gesangstalent der Insel. Hört man sich „Hellbound, Spellbound Live ´81“ an, ertönt eine Band, die - obwohl noch gar nicht richtig eingespielt (Nottingham ist erst das zweite Konzert dieser Tournee) - schon auf dicke Hose macht. Gemeint ist jene Selbstsicherheit, die sich bei vollen Hallen und passenden musikalischen Mitstreitern von ganz alleine eingestellt. Ursprünglich gemischt vom erst kürzlich verstorbenen Chris Tsangarides, lässt das Album keine Wünsche offen. Es klingt unglaublich, aber auf den 16 Titeln des Konzerts (Höhepunkte u.a.: ´Take It´, ´Black Jack´, ´Insanity´, ´Gangland´, ´Hellbound´, ´Slave To Freedom´) spielt man größtenteils auf Augenhöhe mit Maiden, Saxon oder Motörhead. Perfekt ist hier nichts, aber dafür doppelt so kernig wie auf den Studioalben. Richtiger Heavy Metal, wie er sein muss. Umso bitterer, dass die Entwicklung der Band danach so steil nach unten zeigte. Heute kennt sie kaum jemand, aber diese Lücke lässt sich füllen. Die inoffizielle „Platte des Monats“!

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