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REVIEW 9.5 19.02.2020

(Dynamit, RH 394, 2020)

OZZY OSBOURNE - Ordinary Man

„I´ll make you scream, I´ll make you defecate“, schreit uns Ozzy gleich im Eröffnungssong (´Straight To Hell´) seines neuen Albums entgegen. Okay, ob man sich beim Anhören von „Ordinary Man” jetzt gleich vor Freude in die Hosen scheißen muss, sei jedem selbst überlassen (gell, Jens?), aber ein lautes „Yeeeaaaaahhhhhhh, you fuckers!“ ist in jedem Fall angebracht. Denn zehn Jahre nach seinem letzten überaus belanglosen, weil Hit-freien Solo-Output „Scream“, dem auch noch die zwei Stinker „Black Rain“ und „Down To Earth“ vorausgingen, knallt uns der Madman mit mittlerweile 71 Jahren seine beste Songsammlung seit einem Vierteljahrhundert vor den Latz. Besagter Opener shufflet wie eine aufgepumpte Version der frühen QOTSA den Highway zur Hölle hinunter. Der folgende dynamische Midtempo-Rocker ´All My Live´ wäre dank blubberiger Gitarren-Power und catchy Refrain auch auf einem Referenzwerk wie „No More Tears“ nicht negativ aufgefallen. Mit dem schleppend sägenden ´Goodbye´ kannst du Grabsteine zerteilen. Der Titeltrack mit Gesangsunterstützung von Elton John ist eine klassische Ozzy-Ballade plus ´November Rain´-Gitarrensolo. Für das Eingangs-Riff von ´Eat Me´ würde selbst Tony Iommi glatt ´ne Fingerkuppe geben. Bei ´It´s A Raid´ tritt Ozzy gar das Gaspedal durch wie selten in seiner Karriere (Alvin und die Chipmunks auf Crack mit ´Sweet Leaf´-Zwischenteil - goil!). Die pompöse Halbballade ´Holy For Tonight´ sprüht nahezu vor Queen-haftem Ahaha-Pathos. Und auch die übrigen der elf Nummern fallen kaum ab. Einzig die contemporary R&B-Nummer ´Take What You Want´ ist in ihrer elektronischen Schwülstigkeit verzichtbar, geht als Experiment aber in Ordnung. Als wäre all das nicht schon erstaunlich genug, schafft es Ozzy an diesem Punkt seiner Karriere auch noch, sich mit ´Under The Graveyard´ das ´Seven Nation Army´ der kommenden Live-Saison aus den Rippen zu leiern (ich höre die Festival-Crowds schon „Oh-oh-oh, oh-oh-oh, oh-oh“ brüllen). Offenbar haben es Duff McKagan (b.) und Chad Smith (dr.) - beide selbst keine Frühlingsküken mehr - im Verein mit Andrew Watt, der hier als Gitarrenheld (was der Typ zusammenfiedelt - Wahnsinn!) und Produzent in Personalunion fungiert, geschafft, dem Prince of Darkness noch mal so richtig die Hölle heiß zu machen. Alright now!

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REVIEW 8,5 19.02.2020

(Dynamit, RH 394, 2020)

KVELERTAK - Splid

Der eine oder andere wird KVELERTAK abgeschrieben haben, nachdem Sänger und Aushängeschild Erlend Hjelvik 2018 von Bord gegangen ist. Doch die Norweger konnten mit Ivar Nikolaisen einen neuen Frontmann gewinnen, der sich ganz hervorragend in Bühnenshow und Bandsound einfügt. An Letzterem hat auf „Splid“ wieder Kurt Ballou mitgewirkt, womit die Musiker davon abgelassen haben, sich - wie auf „Nattesferd“ - selbst zu produzieren. Die Rückkehr zu Ballou hat sich gelohnt: Der Mann sorgt dafür, dass „Splid“ eine ganze Ecke frischer und runder als das 2016er Werk klingt. Zudem sind die Kompositionen wieder zwingender ausgefallen und werden in den Refrains gern mit einer Extraportion Melodie ausgeschmückt. Dass die Band sich dabei mehr und mehr von ihren Black-Metal-Wurzeln verabschiedet, stört kaum, denn an die Stelle der teuflischen Rasereien sind Classic-Rock-Harmonien und Heavy-Metal-Riffs gerückt, denen das Sextett mit seiner Punkrock-Herangehensweise ordentlich Feuer unterm Hintern macht. Zudem wagen KVELERTAK in der zweiten Albumhälfte einige Experimente, mit denen sie ihr stilistisches Terrain neu abstecken: Während sich die Truppe in 'Uglas Hegemoni' so deutlich wie nie vor Turbonegro verneigt, flirtet man zu Beginn von 'Tevling' mit '(Don't Fear) The Reaper'-Referenzen, bevor sich der Song zu einer der dynamischsten Nummern im KVELERTAK-Kosmos wandelt. Das achtminütige 'Delirium Tremens' geht noch weiter und zieht von einem balladesken Beginn bis zu einem Blastbeat-Höhepunkt alle Register. Lediglich das dröge 'Fanden Ta Dette Hull!' kann auch durch den Metallica-artigen Thrash-Part in der Mitte nicht gerettet werden. In der Summe ist es dem Sextett gelungen, die beste und spannendste Platte seit dem 2011er Debüt abzuliefern. Willkommen zurück!

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REVIEW 9.0 22.01.2020

(Dynamit, RH 393, 2020)

HÄLLAS - Conundrum

Adventure Rock. Ein Musikjournalist, der was auf sich hält, vermeidet in der Regel jene Wortkreationen, die Plattenmanager, Promomenschen und auch manche Musiker ersinnen, um ein neues Album aus dem Wust der Releases in das Bewusstsein des Rezensenten zu heben. Je länger ich jedoch darüber nachdenke, mit welchen Worten dieses großartige zweite Vollalbum von HÄLLAS angemessen zu würdigen wäre, je mehr wird mir klar: Adventure Rock, dieser Begriff, den die Band selbst für ihren Stil verwendet, trifft es so präzise wie kein anderer. Mit großer tagträumerischer Geste huldigen die Schweden der Meisterschaft alter Heavy-Rock-Helden (Wishbone Ash, Uriah Heep) und verlieren sich in sphärischen Softprog-Welten (inklusive Robovoice à la Styx), deren Geschicke bestimmt sind von reitenden Raumfahrern, raumfahrenden Rittern und Magie, Magie, Magie. Sword & Sorcery meets Space-Märchen - das mag lächerlich klingen, in Wahrheit aber ist es kindisch im schönsten Sinne: Das Kind im Manne, im Weibe und in sonst wem staunt beseelt. Hits wie ´Astral Seer´ oder ´Star Rider´ finden sich hier nicht sofort, dafür wirkt die Band entschiedener, welchen Weg sie mit dem jeweiligen Song beschreiten will, und Tommy Alexandersson hauchnäselt etwas weniger, sondern singt mehr. Live tritt die Truppe mit Samtcapes, Glitzerlederstiefeletten und Prinz-Eisenherz-Sänger-Haarputz auf (ab März erneut auf Deutschland-Tour - go!), und böte sie ihre Songs nicht in schlichter Perfektion dar, man könnte meinen, verschüchterte Dungeons-&-Dragons-Teenies seien aus der Vergangenheit auf die Bühne zwangszeitgereist und plötzlich 15 Jahre gealtert. Caress your inner child, buy this fukkin´ album!

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REVIEW 8.0 22.01.2020

(Dynamit, RH 393, 2020)

BONDED - Rest In Violence

Dass mit Markus Freiwald (dr.) und Bernd Kost (g.) zwei bestens bekannte (Ex-Sodom-)Ruhrpott-Musiker hinter BONDED stecken, dürfte sich herumgesprochen haben. Ebenso, dass man Assassin-Shouter Ingo Bajonczak für sich gewinnen konnte. Aber wie klingt es nun? Sehr heavy jedenfalls. Der erste Track ´Godgiven´ tritt vehement die Tür ein und verschafft dem Sänger mit seiner kräftigen Röhre gleich etwas Platz. Ob man BONDED in Zukunft als echte Band wahrnehmen wird, hängt natürlich auch von seinem Wiedererkennungswert ab. Die Eröffnungsnummer sitzt jedenfalls wie ´ne Eins! Thrash auf höchstem Niveau, auch mit Overkills Bobby Blitz am Mikro (´Rest In Violence´) klingt der Fünfer keinesfalls harmloser. Freiwalds perfekt ausgeführte Drumrolls erinnern an das taktvolle Gemetzel der ersten Slayer-Alben, Bernemanns Hi-Gain-Gitarrenarbeit glänzt mit einer wohldosierten Mischung aus Dreck, Technik und dezenten Melodien. ´Suit Murderer´ besitzt das rohe Flair des unbarmherzigen Ruhrpott-Thrash (Kreator), während ´Je Suis Charlie´ sowohl von der Textidee als auch vom Gesangsarrangement her mein Höhepunkt des Albums ist. Aber natürlich gibt es auch Verbesserungspotenzial. Die Verbindung zwischen Gesang und Musik ist nicht immer so elegant wie im Titel über den feigen Angriff auf das französische Satireblatt. So quält sich ´No Cure For Life´ trotz eines guten Refrains etwas über die Runden, und mit zunehmender Spieldauer nutzt sich auch das technisch allerbeste Gedresche etwas ab. Mehr Mut zu Melodie und Abwechslung hätte für meine Begriffe nicht geschadet. Trotzdem ein Debüt, das Genre-Fans auf dem Zettel haben sollten!

REVIEW 8.0 22.01.2020

(Dynamit, RH 393, 2020)

STEVE HARRIS' BRITISH LION - The Burning

Auch wenn seit dem ersten „Soloalbum“ von Steve Harris bereits satte acht Jahre vergangen sind, ist „The Burning“ dennoch ein nahezu exaktes Spiegelbild des Debüts. Die Parallelen reichen dabei bis hin zum dramaturgischen Aufbau - wie schon der Erstling wird auch „The Burning“ mit einer Uptempo-Nummer eröffnet (´City Of Fallen Angels´) und durch eine Ballade abgeschlossen (´Native Son´). Wieder mal zeigt sich: Steve Harris ist ein Gewohnheitsmensch. Aber wie schon bei der Feuertaufe von BRITISH LION sollte man einen Fehler tunlichst vermeiden, nämlich Quervergleiche zum Werk von Iron Maiden zu ziehen. Dies verbietet sich allein schon aufgrund des Sängers Richard Taylor, der nicht besser oder schlechter ist als Bruce Dickinson, dessen Stimmumfang und Tonalität aber einfach komplett anders gelagert sind. Die Maxime kann also nur heißen, den elf neuen Stücken mit offenem Visier zu begegnen. Und dabei fällt auf, dass die Songreihenfolge ein wenig unglücklich gewählt ist, denn die wirklichen Highlights finden sich im letzten Drittel. Allen voran das bereits live ausgiebig getestete ´Spit Fire´. Aber auch ´Land Of The Perfect People´ mit einer starken Hookline und fast AOR-tauglicher Sensitivität. ´Bible Black´ geht mit seinen zahlreichen Tempowechseln als die vielleicht dynamischste Nummer des Albums durch. Der Harris´sche Hardrock-Sound fußt jederzeit im Hier und Jetzt und ist zu keiner Zeit rückwärtsgewandt. Was heutzutage fast schon wieder erfrischend ist. Unterm Strich bleibt ein höchst eigenständiges, künstlerisch absolut integeres Werk, das wohl abermals vom Gros der Maiden-Fans mit Nichtachtung gestraft werden wird, allerdings nicht ohne die Herzen einer kleinen, eigenen Anhängerschaft zu berühren. BRITISH LION sind und bleiben BRITISH LION. Nicht Iron Maiden. Und das ist auch völlig in Ordnung so.

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