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REVIEW 8.5 23.05.2018

(Dynamit, RH 373, 2018)

NECROS CHRISTOS - Domedon Doxomedon

„Endtyme Death Metal shall unfold. Forevermore. Amen.“ Auf der Suche nach „orthodoxen“ Genre-Beiträgen wird man heutzutage, trotz des Existierens so einiger karnevalistischer Pervertierungen (unangefochtener Tiefpunkt: Debauchery), ja fündiger denn je (Venenum, Degial, Dead Congregation, Grave Miasma, Sulphur Aeon, Vorum, Drowned, Sonne Adam, ca. 840 Dark-Descent-Bands), da können die Hauptstädter NECROS CHRISTOS (Story weiter vorne im Heft) ruhig noch einen draufsetzen: Ihrer „Altars Of Madness“-Huldigung mit angezogener Handbremse und weniger Hektik, die auch über lange Zeit keine Abnutzungserscheinungen erkennen lässt (bei einer Gesamtspielzeit von fast zwei Stunden!), stellen sie nachhaltiger denn je zahlreiche „Temples“ und „Gates“ an die Seite, die man zwar ignorieren kann (es schadet den „richtigen“ Songs nicht), die zusammengenommen aber nicht weniger interessant sind, denn sie zeugen von Frontmann Mors Dalos Ras großer Verbundenheit zur Berliner Schule und ergeben das vielleicht beste Album von Tangerine Dream, Klaus Schulze, Agitation Free oder vor allem Ash Ra Tempel, das die Vorreiter, fast alle noch aktiv, seit den großen Zeiten (1973/´74 war das meiste bereits gesagt) nicht aufgenommen haben. In beiden Bereichen, Death Metal und Ambient, lässt sich der Sänger und Gitarrist zusammen mit seiner Band, obwohl hier alles in gewisser Weise vollkommen „durchdacht“ ist, in erster Linie von der Intuition leiten, was die wirklich Großen von den Mitläufern unterscheidet, denn dafür muss man tatsächlich „verstanden“ haben, was man selbst macht, sich eine Art DNA angeeignet haben. Wenn es an „Domedon Doxomedon“, zudem angenehm durchdringend, dabei unaufdringlich produziert, überhaupt etwas auszusetzen gibt, dann die immer noch relativ zurückhaltende Streuung wirklich eingängiger, klar zu durchschauender Harmonien - aber das ist wahrscheinlich auch der permanenten, nötigen Ernsthaftigkeit dieses Brockens geschuldet. Ja, „Domedon Doxomedon“ stellt das letzte Album NECROS CHRISTOS´ dar. Aber, Gott sei Dank, es ist ein Paukenschlag!

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REVIEW 8.0 23.05.2018

(Dynamit, RH 373, 2018)

GRAVEYARD - Peace

Manchmal kann ein Konflikt ja ganz hilfreich sein, um die Leidenschaft am geliebt-gehassten Beruf neu zu entfachen. Auf dem letzten GRAVEYARD-Konzert, dem ich beiwohnte, hatte die Band mit einer matten Blues-Nummer ihren Set als Festival-Headliner (!) zur Prime Time eröffnet. Kann man ja mal „versehentlich“ machen, dennoch schleppte sich das Quartett mehr schlecht als recht durch das Konzert, um sich kurz danach aufzulösen. Die Attitüde ist jetzt zum Glück eine ganz andere. ´It Ain´t Over Yet´ (der Name ist Programm) tritt gleich zu Beginn des Albums ziemlich kurzweilig die Tür ein, um vom pfiffigen Rocker ´Cold Love´ abgelöst zu werden. In dem hitverdächtigen Titel singt Joakim von der Liebe wie einem Wesen, das ihn verfolgt und mitunter auch gehörig auf den Wecker geht. Cooler Vergleich. Man merkt, dass die Band willens ist, in der neuen Besetzung gleich eine kreative Höchstleistung zu vollbringen. ´See The Day´ ist allerdings nur ein nettes, ruhiges Zwischenspiel, und auch die erste Single ´Please Don´t´ wird wohl kein großer Ohrwurm werden. ´Walk On´ (mit flottem Jam) und die (fast schon obligatorische) Blues-Ballade ´Del Manic´ mit tiefer Johnny-Cash-Grabesstimme sind aber starke Albumtracks, genauso wie die letzten drei Songs, die munter drauflosrocken und kein Stück wie die allerorts übliche Auffüll-Ware erscheinen. Das dynamische wie mutige „Innocence & Decadence“-Album kann man am Ende nicht toppen. Dafür fehlt den GRAVEYARD-Boys nach dem ganzen Trouble wahrscheinlich auch die Leichtigkeit. Ein richtig gutes Comeback mit zahlreichen guten Songs ist das hier trotzdem. GRAVEYARD haben Gott sei Dank ihren Frieden gefunden.

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REVIEW 8.5 23.05.2018

(Dynamit, RH 373, 2018)

SOLSTICE - White Horse Hill

Streitbare Köpfe, die was zu sagen haben, heißt man immer willkommen, im Falle des Grantlers Rich Walker (g.) war das Problem jedoch stets, dass großen und markigen Worten 20 Jahre lang (!) keine (bzw. nur ein paar wenige sehr kleine) Taten gefolgt sind, also nicht so wie bei Alan Averill oder meinetwegen Pat Walker, da hat der Einfluss, den SOLSTICE im Underground zweifellos ausgeübt haben, auch nicht wirklich geholfen. Dennoch: Ohne SOLSTICE z.B. kein Atlantean Kodex, diese Aussage ist sicherlich nicht falsch, zumindest würden die Bajuwaren, die mit Manuel Trummer ja ebenfalls ´ne echte Type im Line-up haben, garantiert anders klingen, SOLSTICEs letztes Album, „New Dark Age“ von 1998, vor kurzem erst auf unserer „Verdammt lang´ her“-Seite besprochen, war schließlich so was wie die Blaupause für „The Golden Bough“, das Kodex-Debüt von 2010. Nun also „White Horse Hill“, und - immerhin! - die Briten liefern: Zwar ist Full-length-Dreher Nummer drei nicht das geniale Überwerk, zu dem es der eine oder andere hochjubelt, aber zweifellos doch ein toller Grenzgänger zwischen Doom- und Epic Metal (dass mehr als die Hälfte des Materials in anderen Versionen bereits von diversen limitierten Vorab-EPs bekannt ist, lassen wir einfach mal unter den Tisch fallen), dem am Ende vielleicht ein wenig die alles einnehmenden majestätischen Melodien abgehen, wie man sie auf „The White Goddess“ oder Sorcerers „The Crowning Of The Fire King“ findet, der andererseits mit großer, nachhaltiger Atmosphäre aber immer die Kurve kriegt. Die vielen ruhigen Momente des Albums stellen durchaus mehr als Beiwerk dar, am besten tönt allerdings in der Tat der pure Heavy Metal, ´To Sol A Thane´ und vor allem das wunderbare 13-Minuten-Epos ´Under Waves Lie Our Dead´. Was tatsächlich zu beweisen war.

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REVIEW 8.0 23.05.2018

(Dynamit, RH 373, 2018)

SUBSIGNAL - La Muerta

Ich bin mir nicht sicher, ob ich die von mehreren Seiten, auch aus dem Band-Umfeld, kolportierte Aussage, „La Muerta“ sei deutlich zugänglicher als seine vier Vorgänger, beinahe im Melodic Rock/AOR positioniert, unterschreiben würde, denn die inoffiziellen Sieges-Even-Nachfolger haben ihren Progressive Rock, dem man die Metal-Sozialisation der Beteiligten nach wie vor deutlich anmerkt, schon immer gerne mal nach Styx, Asia oder Achtziger-Yes tönen lassen, und auch Rush (deren ´Red Sector A´ man in ´As Birds On Pinions Free´ mehr oder weniger zitiert) oder geschliffenere Triumph waren nie meilenweit entfernt. Was indes richtig ist: Die Melodien packen hier tatsächlich so gut wie noch nie und runden überragende Technik, einen wunderbaren Ton (Frontmann Arno Menses ausdrücklich eingeschlossen!) und darüber hinaus eine meisterhafte Produktion (die vor allem auffällt, wenn man die CD nach drei, vier Soundcheck-Mitbewerbern hört) beinahe kongenial ab, in erster Linie die erste Hälfte des Albums offeriert mit dem Titelsong, ´The Approaches´ und dem hochkonzentrierten ´The Bells Of Lyonesse´ echte (nun ja, für Genre-Fans halt) Hits, denen die Konkurrenz nur wenig entgegensetzen kann. Danach wird´s etwas generischer, was man verkraften kann, wenn man von SUBSIGNAL nicht gerade das Album des Jahres erwartet, die Rauswerfer-Ballade ´Some Kind Of Drowning´ mit iamthemorning-Stimme Marjana Semkina als weiblichem Counterpart ist hingegen wirklich misslungen, denn was vorher noch extrem geschmackvoll klang, wird hier zum unangenehm müffelnden Kitsch - und kostet die deutsch-holländische Allianz in der Endabrechnung tatsächlich ´nen halben Punkt.

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