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REVIEW 8.5 25.07.2018

(Dynamit, RH 375, 2018)

DESTINIA - Metal Souls

Ein Bandprojekt auf Frontiers Records mit ´nem japanischen Shred-Gitarristen (Nozomu Wakai), Rainbow/Lords-Of-Black-Stimme Ronnie Romero, The-Dead-Daisies-Basser Marco Mendoza sowie Whitesnake-Drummer Tommy Aldridge - klingt auf dem Papier nach professioneller, gepflegter Langeweile zur Umsatzsteigerung mit sicherlich immer vorhandenen Grundqualitäten, aber null Komma null Mitreiß-Momenten. Die Wahrheit ist dagegen eine andere: Wakai, Initiator der Chose, der mit DESTINIA bereits ein Album („Requiem For A Scream“, 2014) und eine EP („Anecdote Of The Queens“, 2015) in der Vita hat, hat sich - typisch japanisch - dermaßen intensiv mit den Errungenschaften des Melodic Metal der letzten gut 30 Jahre, angefangen bei Madison, Obsession und Silver Mountain, auseinandergesetzt, dass seine dritte Talentprobe „Metal Souls“ nun kein weiteres schlichtes Durchschnittsgenerikum darstellt, sondern tatsächlich den besten Genre-Beitrag seit ´ner halben Ewigkeit - wofür es neben der akribischen Vorbereitung weitere gute Gründe gibt: Erstens hat Romero, den ich tendenziell eher unauffällig finde, nie beseelter (und powervoller!) geklungen, zweitens habe ich mich - zumindest in dieser Stilistik (von Pell abgesehen, der aber „untechnischer“ spielt) - selten mehr über die Gitarrenarbeit, so notenreich wie melodisch überragend, gefreut, und drittens kennt das Songwriting schlicht und einfach keine nennenswerten Schwächen, und das betrifft das komplette Spektrum von der Power-Ballade (´Take Me Home´) über eher Hardrockiges (´Rain´) bis zu dem halben Dutzend, nun ja, schnelleren Hits, ihreszeichens ´ne Mixtur aus weniger „klassischem“ Achtziger-Yngwie-Malmsteen, weniger kitschigen Stratovarius, als diese noch Relevanz hatten (also bis ca. Mitte der Neunziger), sowie Liebhaber-Stoff wie Royal Hunt (!), Fifth Angel zu „Time Will Tell“-Zeiten oder auch Artension. Und das stets wahrzunehmende japanische Geschmäckle im Hintergrund, quasi Metal-Umami at its best, bilde ich mir sicherlich ebenfalls nicht nur ein... (Breeze Least, anyone?)

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(Dynamit, RH 375, 2018)

NINE INCH NAILS - Bad Witch

The Null Corporation/Universal (30:17) Die Zeiten, in denen man einer neuen Veröffentlichung von NINE INCH NAILS entgegenfieberte, sind lange vorbei. Trent Reznor schien sich mit unterkühlter Computermusik zufrieden zu geben, die kaum noch rockte. Gerade deshalb grenzt es an kommerzieller Selbstverstümmelung, dass die von Fans seit langem ersehnte Rückbesinnung auf die bahnbrechende Attitüde der neunziger Jahre auf einer EP-Trilogie stattfindet, deren Veröffentlichung die Fans gerade mal per YouTube mitbekommen. Aber vielleicht ist genau dies beabsichtigt: Im Zeitalter des kostenlosen Massenkonsums von Musik ist nur noch das Entdecken in Fan-Zirkeln Kult, alles andere Kommerzkacke. Das mag jeder sehen, wie er will. 30 Minuten lang zeigt Reznor, dass mit ihm noch zu rechnen ist. ´Shit Mirror´ ist ein Punk-Brocken mit herausgekotzten Vocals und saftigen Gitarren, während der Refrain tanzbar und einflüsternd daherkommt. ´Ahead Of Ourselves´ eine verstörende Angelegenheit aus der Drum-Machine, mit Distortion-Attacken wie Peitschenhieben. ´Play The Goddamned Part´ ein mit Saxofon-Klängen aufgeschichtetes Instrumental-Stück, das Jazz- und Klassik-Vibes für das nächste David-Lynch-Psycho-Werk bereithält. ´God Break Down The Door´ klingt wie klassische The Young Gods. Reznor huldigt den Errungenschaften des Industrial Rock, zitiert sich selbst, experimentiert aber auch (endlich!) wieder mit Klängen, die selbst eine reine Collage wie ´I´m Not From This World´ noch zu einem spannenden Abenteuer für den Kopfhörer machen. Das verzweifelte ´Over And Out´ macht den Abgang für eine Trilogie, die insgesamt (mit den ähnlich gelagerten „Not The Actual Events“ und „Add Violence“) ein sehr gutes Doppelalbum abgegeben hätte. Vielleicht brauchte es die Pausen, die Wechselwirkung mit vereinzelten Konzerten. Die gute Nachricht für NIN-Fans: Trent Reznor experimentiert wieder vielschichtig und auf hohem Niveau.

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(Dynamit, RH 375, 2018)

MOTOROWL - Atlas

Letzten Endes ist es wohl Frontmann Max Hemmann, der MOTOROWL, deren „Om Generator“-Debüt eines der Top-10-Alben des vorletzten Jahres darstellte, mit seinem Alternative-Rock-Timbre dieses letzte Fünkchen Eigenständigkeit verpasst, das wichtige Bands vom großen Rest abhebt, und er bringt mit seiner Vorliebe auch den deutlichen Psychedelic-Touch mit ein, seine Krautrock-Sozialisation äußert sich nicht nur in freigeistigen Arrangements, die indes nie im Sande verlaufen, sondern auch in authentischen Sound-Spielereien, ein Orgel-Monster wie ´The Man Who Rules The World´ atmet Frumpy, Wallenstein und Murphy Blend bis zum Bersten - und endet trotzdem beinahe im schwitzigen Postrock-Inferno. Überhaupt ist die durchgehende Härte ein weiterer großer Pluspunkt, der Heavy-Metal-Background der anderen dementsprechend überlebenswichtig, Retro-Bands von der Stange gibt´s ja mehr als genug. Oder um es noch klarer auszudrücken: Wenn zum Beispiel im Titelsong die Zügel angezogen werden, müffelt es nicht nach Flokati-Weste und Räucherstäbchen, da brettert die alte Ducati oder BMW durch Kreuzberg oder Schwabing oder meinetwegen auch die Vintage-Reisschüssel durchs neonhelle Shibuya, die Japaner standen ja schon immer auf Kraut, und irgendeine abgegriffene Scheibe der Flower Travellin´ Band wird bei Disk Union schon noch vorrätig sein. Der wüste Anfang des weiteren Höhepunkts ´Cargo´ hat dagegen was Black-Metal-Mäßiges, aber natürlich nicht im Sinne diverser benachbarter Thüringer Würstchen, sondern eher mit USBM-Verliebtheit, Wolves In The Throne Room und Ash Borer grüßen kurz von links. Und der Rauswerfer dieser perfekt getimten Dreiviertelstunde, ´Norma Jean´, läuft schließlich erst nach über neun Minuten ins Ziel - manche mögen´s eben heiß!

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(Dynamit, RH 375, 2018)

CIRCLE II CIRCLE - Watching In Silence

Endlich meldet sich einer der besten Sänger des Power-Metal-Genres zurück! Als Zak Stevens Anfang der Neunziger bei den amerikanischen Power-Metallern SAVATAGE den Posten am Mikro übernahm, war nicht sofort abzusehen, dass die Band mit diesem Sänger ihre in kommerzieller Hinsicht erfolgreichste Ära einläuten sollte. Durch Alben wie "Handful Of Rain" oder "The Wake Of Magellan" sowie die grandiosen Konzerte, die SAVATAGE als eine der besten Live-Bands auswiesen, stand der Name Zak Stevens schon bald für perfekte Performance und eine unverwechselbare Stimme. Umso größer war vor drei Jahren der Schock, als Stevens die Band verließ. Jetzt präsentiert sich der charismatische Frontmann mit seiner neuen Band CIRCLE II CIRCLE und dem Debüt "Watching In Silence" wieder einmal in absoluter Topform und knüpft nahtlos an seine Zeit bei SAVATAGE an. Die Stärken seiner früheren Wirkungsstätte, nämlich Pianoparts, eingängige Riffs und markante Soli - bei denen die Bewunderung des CIIC-Gitarristen Matt LaPorte für Criss Oliva deutlich zu erkennen ist - ergeben in Kombination mit Stevens charakteristischem Gesang und vereinzelt modernen Akzenten zehn Highlights des melodischen Power Metal. Das hymnenhafte Titelstück, der starke Opener ´Out Of Reach´, das groovende ´The Circle´ und der Ohrwurmgarant ´Walls´ sind beste Beispiele für stimmiges Songwriting, woran die erneute Zusammenarbeit mit den ehemaligen Kollegen Jon Oliva und Chris Caffery nicht ganz unschuldig sein dürfte. CIRCLE II CIRCLE ist mit "Watching In Silence" ein großartiges Album gelungen, so dass man sich den garantiert ebenso hammermäßigen Auftritt der Amerikaner auf dem Rock-Hard-Festival - mit dem Mountain King als Special Guest - keinesfalls entgehen lassen sollte!

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