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REVIEW 8.0 29.08.2018

(Dynamit, RH 376, 2018)

SATAN - Cruel Magic

Metal Blade/Sony (49:47) Russ Tippins, 50 Prozent von SATANs gewaltiger Gitarren-Armee (neben Steve Ramsey), hält im Plattenfirmen-Info nicht hinterm Berg: „Auf unserem neuen Album hört ihr Patzer, und zwar ziemlich deutlich, wenn ihr die Ohren spitzt, aber ich glaube, dass euch die Songs genauso mitreißen werden wie uns selbst.“ In der Tat ist die Produktion für eine Veröffentlichung dieser, nun ja, Größe gewagt, aber auch so ziemlich das Gegenteil zum Beispiel der aktuellen Lizzy Borden, die bei aller songwriterischen Qualität ja nach Heim-„Studio“ und Computer tönt und eben nicht nach Bühne und „First Takes“, wie es hier der Fall ist. Was „Cruel Magic“, obwohl weit mehr als ein Tribut an die eigene Vergangenheit, erneut zu einem reinrassigen „modernen“ NWOBHM-Album macht, wie es auch schon die Vorgänger „Life Sentence“ (2013) und das komplexere „Atom By Atom“ (2015) waren, ein Beibehalten der Tradition ohne Muff und fiesen Konservatismus. Im Midtempo wirken die Songs der Engländer diesmal zum Teil, im Titeltrack oder bei ´Ophidian´, ein wenig unauffälliger, die Refrains neigen dazu, im Niemandsland zu versanden, aber das kann man verschmerzen, weil das Energielevel meistens eh recht hoch auch im Sinne von schnell ist, die Single ´The Doomsday Clock´ zeugt davon, der Opener ´Into The Mouth Of Eternity´ oder das stetig wachsende ´Death Knell For A King´ ebenfalls. Ansonsten alles beim Alten bei dieser legendären Truppe, bei der man nie das Gefühl hat, ihre Reunion sei überflüssig gewesen: Brian Ross´ Stimme verliert auch im Alter nichts von ihrer Eigenständigkeit, das Artwork von Eliran Kantor, der auch für die letzten beiden Cover verantwortlich zeichnete, wirkt so inspiriert wie inspirierend - und Kollege Mader kann schlussendlich ´nen weiteren neuen Lieblingsdreher in sein aus allen Nähten platzendes Super-Archiv packen. Wenn das mal nix ist!

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REVIEW 9.0 25.07.2018

(Dynamit, RH 375, 2018)

POWERWOLF - The Sacrament Of Sin

Napalm/Universal (42:42) POWERWOLF sind derzeit, daran gibt´s nichts zu rütteln, die aufstrebendste Metalband der Republik. Die jüngere Bandgeschichte ist geprägt von hohen Chartplatzierungen (Nummer eins für „Preachers Of The Night“, Nummer drei für „Blessed & Possessed“, Nummer vier für „The Metal Mass - Live“), ausverkauften Shows und Headliner-Gigs auf international renommierten Festivals. Eine ähnliche Erfolgsgeschichte können aktuell höchstens noch Sabaton verbuchen, die seit einigen Jahren ebenfalls mit Vollgas durch die Decke gehen. Mit „The Sacrament Of Sin“, also Longplayer Nummer sieben, will es der Fünfer jetzt richtig wissen. Vorbei sind die Zeiten, in denen man komplett auf Nummer sicher gespielt hat, die neue Platte ist so abwechslungsreich wie keine andere der Bandgeschichte - und das funktioniert bestens: Ob traditioneller Power Metal (´Fire & Forgive´, ´Nighttime Of Siberia´), Eighties-inspirierter Stadion-Rock (´Demons Are A Girl´s Best Friend´), Metal mit Folk-Elementen (´Incense And Iron´) oder klassische Balladen (´Where The Wild Wolves Have Gone´), POWERWOLF liefern souverän ab. Tatsächlich - man schreibt das ja gerne mal im Eifer des Gefechts, aber „The Sacrament Of Sin“ liegt mir seit beinahe zwei Monaten vor, und ich habe das Album zig Mal gehört - gibt´s auf der Platte keinen Song, der sich im Langzeittest auch nur ansatzweise als Stinker entpuppen würde, und das ist in der Tat eine reife Leistung. Damit gibt´s ´ne verdiente Neun für die bisher beste POWERWOLF-Langrille. Howl on!

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REVIEW 8.5 25.07.2018

(Dynamit, RH 375, 2018)

DESTINIA - Metal Souls

Frontiers/Soulfood (54:31) Ein Bandprojekt auf Frontiers Records mit ´nem japanischen Shred-Gitarristen (Nozomu Wakai), Rainbow/Lords-Of-Black-Stimme Ronnie Romero, The-Dead-Daisies-Basser Marco Mendoza sowie Whitesnake-Drummer Tommy Aldridge - klingt auf dem Papier nach professioneller, gepflegter Langeweile zur Umsatzsteigerung mit sicherlich immer vorhandenen Grundqualitäten, aber null Komma null Mitreiß-Momenten. Die Wahrheit ist dagegen eine andere: Wakai, Initiator der Chose, der mit DESTINIA bereits ein Album („Requiem For A Scream“, 2014) und eine EP („Anecdote Of The Queens“, 2015) in der Vita hat, hat sich - typisch japanisch - dermaßen intensiv mit den Errungenschaften des Melodic Metal der letzten gut 30 Jahre, angefangen bei Madison, Obsession und Silver Mountain, auseinandergesetzt, dass seine dritte Talentprobe „Metal Souls“ nun kein weiteres schlichtes Durchschnittsgenerikum darstellt, sondern tatsächlich den besten Genre-Beitrag seit ´ner halben Ewigkeit - wofür es neben der akribischen Vorbereitung weitere gute Gründe gibt: Erstens hat Romero, den ich tendenziell eher unauffällig finde, nie beseelter (und powervoller!) geklungen, zweitens habe ich mich - zumindest in dieser Stilistik (von Pell abgesehen, der aber „untechnischer“ spielt) - selten mehr über die Gitarrenarbeit, so notenreich wie melodisch überragend, gefreut, und drittens kennt das Songwriting schlicht und einfach keine nennenswerten Schwächen, und das betrifft das komplette Spektrum von der Power-Ballade (´Take Me Home´) über eher Hardrockiges (´Rain´) bis zu dem halben Dutzend, nun ja, schnelleren Hits, ihreszeichens ´ne Mixtur aus weniger „klassischem“ Achtziger-Yngwie-Malmsteen, weniger kitschigen Stratovarius, als diese noch Relevanz hatten (also bis ca. Mitte der Neunziger), sowie Liebhaber-Stoff wie Royal Hunt (!), Fifth Angel zu „Time Will Tell“-Zeiten oder auch Artension. Und das stets wahrzunehmende japanische Geschmäckle im Hintergrund, quasi Metal-Umami at its best, bilde ich mir sicherlich ebenfalls nicht nur ein... (Breeze Least, anyone?)

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REVIEW 8.5 25.07.2018

(Dynamit, RH 375, 2018)

NINE INCH NAILS - Bad Witch

The Null Corporation/Universal (30:17) Die Zeiten, in denen man einer neuen Veröffentlichung von NINE INCH NAILS entgegenfieberte, sind lange vorbei. Trent Reznor schien sich mit unterkühlter Computermusik zufrieden zu geben, die kaum noch rockte. Gerade deshalb grenzt es an kommerzieller Selbstverstümmelung, dass die von Fans seit langem ersehnte Rückbesinnung auf die bahnbrechende Attitüde der neunziger Jahre auf einer EP-Trilogie stattfindet, deren Veröffentlichung die Fans gerade mal per YouTube mitbekommen. Aber vielleicht ist genau dies beabsichtigt: Im Zeitalter des kostenlosen Massenkonsums von Musik ist nur noch das Entdecken in Fan-Zirkeln Kult, alles andere Kommerzkacke. Das mag jeder sehen, wie er will. 30 Minuten lang zeigt Reznor, dass mit ihm noch zu rechnen ist. ´Shit Mirror´ ist ein Punk-Brocken mit herausgekotzten Vocals und saftigen Gitarren, während der Refrain tanzbar und einflüsternd daherkommt. ´Ahead Of Ourselves´ eine verstörende Angelegenheit aus der Drum-Machine, mit Distortion-Attacken wie Peitschenhieben. ´Play The Goddamned Part´ ein mit Saxofon-Klängen aufgeschichtetes Instrumental-Stück, das Jazz- und Klassik-Vibes für das nächste David-Lynch-Psycho-Werk bereithält. ´God Break Down The Door´ klingt wie klassische The Young Gods. Reznor huldigt den Errungenschaften des Industrial Rock, zitiert sich selbst, experimentiert aber auch (endlich!) wieder mit Klängen, die selbst eine reine Collage wie ´I´m Not From This World´ noch zu einem spannenden Abenteuer für den Kopfhörer machen. Das verzweifelte ´Over And Out´ macht den Abgang für eine Trilogie, die insgesamt (mit den ähnlich gelagerten „Not The Actual Events“ und „Add Violence“) ein sehr gutes Doppelalbum abgegeben hätte. Vielleicht brauchte es die Pausen, die Wechselwirkung mit vereinzelten Konzerten. Die gute Nachricht für NIN-Fans: Trent Reznor experimentiert wieder vielschichtig und auf hohem Niveau.

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REVIEW 8.5 25.07.2018

(Dynamit, RH 375, 2018)

MOTOROWL - Atlas

Century Media/Sony (45:04) Letzten Endes ist es wohl Frontmann Max Hemmann, der MOTOROWL, deren „Om Generator“-Debüt eines der Top-10-Alben des vorletzten Jahres darstellte, mit seinem Alternative-Rock-Timbre dieses letzte Fünkchen Eigenständigkeit verpasst, das wichtige Bands vom großen Rest abhebt, und er bringt mit seiner Vorliebe auch den deutlichen Psychedelic-Touch mit ein, seine Krautrock-Sozialisation äußert sich nicht nur in freigeistigen Arrangements, die indes nie im Sande verlaufen, sondern auch in authentischen Sound-Spielereien, ein Orgel-Monster wie ´The Man Who Rules The World´ atmet Frumpy, Wallenstein und Murphy Blend bis zum Bersten - und endet trotzdem beinahe im schwitzigen Postrock-Inferno. Überhaupt ist die durchgehende Härte ein weiterer großer Pluspunkt, der Heavy-Metal-Background der anderen dementsprechend überlebenswichtig, Retro-Bands von der Stange gibt´s ja mehr als genug. Oder um es noch klarer auszudrücken: Wenn zum Beispiel im Titelsong die Zügel angezogen werden, müffelt es nicht nach Flokati-Weste und Räucherstäbchen, da brettert die alte Ducati oder BMW durch Kreuzberg oder Schwabing oder meinetwegen auch die Vintage-Reisschüssel durchs neonhelle Shibuya, die Japaner standen ja schon immer auf Kraut, und irgendeine abgegriffene Scheibe der Flower Travellin´ Band wird bei Disk Union schon noch vorrätig sein. Der wüste Anfang des weiteren Höhepunkts ´Cargo´ hat dagegen was Black-Metal-Mäßiges, aber natürlich nicht im Sinne diverser benachbarter Thüringer Würstchen, sondern eher mit USBM-Verliebtheit, Wolves In The Throne Room und Ash Borer grüßen kurz von links. Und der Rauswerfer dieser perfekt getimten Dreiviertelstunde, ´Norma Jean´, läuft schließlich erst nach über neun Minuten ins Ziel - manche mögen´s eben heiß!

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