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REVIEW 8 27.05.2020

(Dynamit, RH 397, 2020)

HORISONT - Sudden Death

HORISONT kommunizieren im Plattenfirmen-Info Einflüsse von Siebziger- und Achtziger-Acts wie The Babys, LeRoux, Airrace, Dakota und Lawrence Gowan - Namen, bei denen jeder eingefleischte Melodiker mindestens mit der Zunge schnalzt, die man zugegebenermaßen aber auch einfach nur aus Distinktionsgründen wie eine Monstranz vor sich hertragen kann. Die Schweden lassen den Worten auf „Sudden Death“ allerdings stets Taten folgen, bereits der sehr gute Opener 'Revolution' verknüpft ELO-Sounds mit Cheap-Trick-Harmonien, Early-Kiss-Gesang sowie ein paar Rush-Gitarren, 'Into The Night' eröffnet mit einem genialen Saxofon und zollt danach Toto Tribut, und die Sound-Authentizität von z.B. 'Free Riding', 'Pushin' The Line' oder dem zurückhaltenden 'Standing Here' ist so ausgeprägt, dass sie sogar die gar nicht mal so auffälligen Refrains überdeckt. Dazu gibt's diesmal ein wenig Prog: Der achtminütige instrumentale Rauswerfer 'Archaeopteryx In Flight', der das sechste Album der Band in die Überlänge befördert, hat bei aller angenehmen Noblesse ein bisschen was von einer soundästhetischen Fingerübung, 'Gråa Dagar' erinnert in erster Linie wegen der schwedischen Lyrics dagegen spontan erst mal an die kauzigsten Opeth-Momente, orientiert sich in Wirklichkeit aber natürlich eher an den Originalen, an November und Fläsket Brinner, sogar an Kebnekaise oder Bo Hansson. Alles in allem machte mir der 2017er Vorgänger „About Time“, das damit nach wie vor stärkste Album von HORISONT, einen lockereren Eindruck, es klang vielleicht frecher und gleichzeitig unaufgeregter; irgendwie habe ich den Eindruck, „Sudden Death“ ist am Ende (auch) ein wenig das Ergebnis von allzu großen Ambitionen. Indes zweifellos ein Ergebnis, das nach wie vor große Teile der Konkurrenz deutlich hinter sich lässt und in einer Liga mit dem The-Night-Flight-Orchestra-Katalog bestehen kann.

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REVIEW 9 22.04.2020

(Dynamit, RH 396, 2020)

VADER - Solitude In Madness

Die im vergangenen Jahr veröffentlichte „Thy Messenger“-EP nährte mit dem derben 'The Grand Deceiver' und der Neuaufnahme des „Litany“-Titeltracks bereits die Hoffnung, VADER könnten noch mal ein ähnlich kompromissloses Album wie den 2000er Meilenstein raushauen. Zwar haben die Polen seitdem immer mindestens gute und meist sehr gute Alben veröffentlicht, aber so entfesselt wie um die Jahrtausendwende klangen sie danach nicht mehr. Das ändert sich nun mit „Solitude In Madness“. Wie Peter (v./g.) im Interview berichtet, hatte er wieder richtig Bock auf Ballern, und auch aufnahmetechnisch haben sich VADER aus ihrer Komfortzone verabschiedet und zum ersten Mal nach einer gefühlten Ewigkeit nicht in den Hertz Studios aufgenommen. Stattdessen haben sie sich von Scott Atkins in England einen frischen Sound verpassen lassen, der mit aggressiven Gitarren und mehr Raum fürs Schlagzeug viel mehr Live-Feeling transportiert. Die meisten Songs kommen in dreieinhalb Minuten oder weniger auf den Punkt und vereinen die besten Elemente des klassischen VADER-Sounds. Single-Note-Blast-Riffs wechseln sich mit Uptempo-Thrash-Passagen ab. Und mit 'Shock And Awe', 'Into Oblivion' und 'Satan Wept' zeigen VADER, dass sie auch im vierten Jahrzehnt ihrer Karriere noch veritable Hits abliefern können. Gleichwohl halten die Polen das hohe Niveau über die gesamte Spielzeit, und mit 'Bones' steht an letzter Stelle sogar noch ein Album-Highlight.

REVIEW 9.0 22.04.2020

(Dynamit, RH 396, 2020)

LAMB OF GOD - Lamb Of God

Es hat eine Weile gebraucht, ehe sich die als obskur betitelte Mathcore-Band Burn The Priest gestarteten LAMB OF GOD an die Spitze der amerikanischen Extrem-Metal-Szene gesetzt haben, aber inzwischen gelten Fronter Randy Blythe und seine Mitstreiter als Hoffnungsträger eines ganzen Genres. Die zahlreichen Auftritte im Vorprogramm der Slayer-Farewell-Tour gehen vor diesem Hintergrund fast schon als offizielle Fackelübergabe durch, denn die in den selbstverordneten Ruhestand eingetretenen Totschläger hinterlassen natürlich eine riesige Lücke, die zu füllen man in den USA am ehesten LAMB OF GOD zutraut. Völlig zu Recht, wie „Lamb Of God“ schon nach wenigen Durchläufen klarmacht. Das Album groovt wie Hölle, lebt von den fiesen und spieltechnisch immer auf höchstem Niveau runtergerissenen Riffs und Soli des kongenialen Gitarrenduos Mark Morton und Willie Adler und hat in den brutalen Vocals von Randy Blythe einmal mehr ein prägnantes Alleinstellungsmerkmal. Zumal Mr. Blythe im Gegensatz zu viel zu vielen seiner Sängerkollegen in den Lyrics eben keine inhaltsleeren Allgemeinplätze adressiert, sondern sich einmal mehr als wacher und scharfsinniger Beobachter der globalen Entwicklung und vor allem ihrer Schattenseiten profiliert. Der Vollständigkeit halber sei darauf verwiesen, dass die Gastauftritte von Jamey Jasta (Hatebreed) und Chuck Billy (Testament) gelungen sind und sich Drummer Art Cruz perfekt in die Band eingefügt hat. Nach der sicher nicht ganz problemlosen Trennung von Gründungsmitglied Chris Adler ein Umstand, über den sich jeder Fan freuen wird.

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