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REVIEW 8.0 21.02.2018

(Dynamit, RH 370, 2018)

TURBONEGRO - RockNRoll Machine

Burger/H´Art (39:39) TURBONEGRO haben ein Riesenproblem am Hintern. Die Band muss sich nach so vielen Jahren verändern, um musikalisch nicht völlig auf der Stelle zu treten, darf aber auch nicht die treue Turbojugend vergrätzen, der der Deathsuffpunk schon längst nicht mehr dreckig genug ist. Schon wünschen sich einige lautstark das alte Line-up mit Original-Sänger Hank Von Helvete zurück, der guten alten Zeiten wegen oder weil der neue Keyboarder Crown Prince Haakon Marius musikalisch zu gut und einflussreich ist. Ich gebe zu, dass mir der auf einer Note herumklimpernde und den Rest der Zeit mit dem Hintern wackelnde Pål Pot Pamparius auch gereicht hat. Mit Punk haben TURBONEGRO auf „RockNRoll Machine“ nicht mehr viel zu tun, die Norweger sind fast im Classic Rock angekommen. Und das mit einem Sänger, der zwar eine großartige Rampensau ist, aber kein Roger Daltrey (The Who). Da tut sich eine gefährliche Lücke auf, die TURBONEGRO nur geschlossen bekommen, weil ihnen nach sechs Jahren eine Handvoll Hits gelingt, manche ironische Gags zünden und die Platte super produziert und eingespielt ist. ´Hot For Nietzsche´ und ´Special Education´ sind feine Turbo-Hits, die schon eine Weile zirkulieren. ´Hurry Up And Die´ gewinnt in dem Moment, in dem man erfährt, dass es sich um eine „Hymne für Extremsportler“ handelt. Und dass ausgerechnet eine Fanfare à la Van Halens ´Jump´ einen Titel namens ´Skinhead Rock´n´Roll´ einleitet, ist auch erfrischend. Trotzdem sind die Keyboard-Sounds, die an übelste Klischee-Klänge der Rock-Geschichte erinnern sollen, ein zweischneidiges Schwert. Es ist nicht witzig, wenn man versucht, besonders witzig zu sein. Das Auftakt-Trio des Albums, bestehend aus einem Synthie-Intro, der flotten Punkrock-Nummer ´Well Hello´ und dem an ganz frühe AC/DC erinnernden Boogie-Stampfer ´RockNRoll Machine´ (mit pseudofuturistischem Refrain), ist im Grunde großartig. Aber die „Oi!“-Rufe hätte man sich meines Erachtens echt verkneifen können, so gut das live auch funktionieren wird. Zu viel der Parodie? Ach ja, vielleicht sollte man einfach froh sein, dass sie da sind...

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REVIEW 8.0 21.02.2018

(Dynamit, RH 370, 2018)

MICHAEL SCHENKER FEST - Resurrection

Nuclear Blast/Warner (52:17) Die Meinungen in der Redaktion gehen auseinander, ich halte es tendenziell mit Schenker-Interviewer Jörg Staude (lese weiter vorne im Heft): „Resurrection“ ist vielleicht nicht die titelgebende „Auferstehung“ des exaltierten, kann man ruhigen Gewissens so schreiben: Gitarrengottes, geboren in Sarstedt in Niedersachsen, zu Hause „worldwide“ (wie er sicher sagen würde), aber tatsächlich die konzentrierteste, homogenste Album-Veröffentlichung seit - kein Scherz - „MSG“ von 1991, und die ist damals neben Nirvana & Co. ja schon mehr oder weniger unter dem Radar gelaufen. Der Ton ist derselbe wie immer, die Melodielinien, die Schenker spielt, sind aber so geschmackvoll ausgearbeitet wie lange nicht mehr, und vor allem machen die vier beteiligten Sänger - Gary Barden, Graham Bonnet, Robin McAuley sowie Doogie White - das Ganze nicht zu einem einzigen Kuddelmuddel, sondern sorgen mit ihren befristeten Arbeiten dafür, dass das eh überraschend fokussierte Songwriting in den Refrains fast immer angenehm zum Höhepunkt kommt. Den Doublebass-lastigen, am Heavy Metal kratzenden Opener ´Heart And Soul´ finde ich trotz des Kirk-Hammett-Gastsolos (!) misslungen, ´Everest´ ist ein Stinker zwischendurch, und ´Messing Around´ klingt wie ´ne Tranquilizer-Version eines verworfenen AC/DC-Outtakes, mit ´Warrior´, ´Take Me To The Church´, ´The Girl With The Stars In Her Eyes´, ´Time Knows When It´s Time´ (geiler Schenker „Philosophie“-Titel!), ´Living A Life Worth Living´ und ´The Last Supper´ findet sich hier allerdings auch ein halbes Dutzend Hardrock-Hits, für das die meisten Nachwuchskollegen nicht nur ihre Omas verkaufen würden, und das Instrumental ´Salvation´ geht vielleicht nicht als Klassiker in die Annalen ein, wirkt aber keineswegs wie ein Füller, den man am Ende halt auch noch brauchte. Trotz der eher dürftigen Produktion inklusive Pröttel-Drums: „Resurrection“ macht Spaß!

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REVIEW 8.5 24.01.2018

(Dynamit, RH 369, 2018)

MAGNUM - Lost On The Road To Eternity

Steamhammer/SPV (66:51) Ein wenig erinnert der unprätentiös-straighte „Lost On The Road To Eternity“-Opener ´Peaches And Cream´ an die „Goodnight L.A.“-Eröffnung ´Rockin´ Chair´, aber im Gegensatz zum (großartigen!) „amerikanischsten“ MAGNUM-Album (von 1990) präsentiert der 20. (!) Studio-Dreher der Briten schon ab dem wundervollen ´Show Me Your Hands´ an zweiter Stelle nahezu ausschließlich „klassische“ Tony-Clarkin-Kompositionen, gewohnt bombastisch und voller Pomp umgesetzt, dabei aber niemals ins Banale und Kitschige abdriftend - was MAGNUM nach wie vor kaum jemand nachmacht und diesmal noch erwähnenswerter als sonst erscheint, weil mit Drummer Harry James und vor allem Keyboarder Mark Stanway zwei wichtige abhanden gekommene Band-Säulen ersetzt werden mussten (Neu-Tastendrücker Rick Benton steuert sogar diverse gelungene eher ungewohnte Sounds bei, die immer wieder an Harold Faltermeyer erinnern). Ich bin ja generell kein Fan von allzu langen Alben, von den elf Songs hier mutet aber tatsächlich keiner überflüssig an, ein paar können sogar klipp und klar mit den großen Highlights im Katalog mithalten, das konzentrierte ´Storm Baby´, der brillante, extrem eingängige, mit liebevoll arrangierten Tobias-Sammet-Gast-Vocals aufgepeppte Titeltrack, die fast schon, nun ja, exaltierte Hymne ´Without Love´ oder das eher traurige als melancholische ´Glory To Ashes´ zum Beispiel. Die dem Digipak beiliegende Bonus-Live-CD mit vier Tracks (bitte zur oben stehenden Spielzeit dazuaddieren!) hätte es trotz ihrer Güte als Goodie gar nicht gebraucht, sie zeigt aber zusammen mit dem erneut einzigartigen Rodney-Matthews-Artwork, dass nicht nur MAGNUM selbst nach wie vor an MAGNUM glauben, sondern auch die dahinterstehenden Businesspartner. Schon jetzt eines der zwingenden Hardrock-Alben 2018!

REVIEW 8.0 24.01.2018

(Dynamit, RH 369, 2018)

DEADHEADS - This One Goes To 11

High Roller/Soulfood (38:26) „Loadead“ von 2015 mutete in Sachen Songwriting - und nicht wegen der generell offeneren Herangehensweise - zumindest einen Ticken weniger konzentriert an als das 2014er Debüt „This Is Deadheads First Album (It Includes Electric Guitars)“, auf ihrer dritten, nun ja, abendfüllenden Visitenkarte, einmal mehr Applaus verdienend betitelt, bündeln die Schweden, bei denen der auch bei Spiders zockende Ex-Basser Olle Griphammer (hell fuckin´ yeah!) zurückgekehrt ist, jetzt ihre Stärken: Der Action Rock, der immer noch vor allem rabaukige Landsmänner wie die Hellacopters und Gluecifer zitiert, geht nicht nahezu ausschließlich auf die Zwölf wie beim Erstling, und die Hooklines sitzen besser als beim Vorgänger - und das nicht nur, wenn´s überraschend ruhig wird (´Too Lost To Be Found´), sondern auch im gut abgehangenen, selbstbewusst gelebten Midtempo, mittlerweile vielleicht sogar die größte Stärke der Band (´Somebody Along The Way´, das Album-Highlight ´2 Steps Before The Fall´). So richtig mag ja niemand mehr an ein echtes Revival des skandinavischen Rotzrock´n´Roll, der seine Blütezeit in den späten Neunzigern und frühen Nullern hatte, glauben, aber ein paar Bands halten die Fahne dann doch noch stilsicher hoch, neben „klassischeren“ Acts wie Robert Pehrsson´s Humbucker, Black Trip und Horisont zum Beispiel Imperial State Electric, die bockstarken Hard Action oder eben DEADHEADS - Letztere neuerdings tatsächlich wieder mit ernsthaftem Anspruch auf die Pole-Position...

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