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REVIEW 8.5 23.05.2018

(Dynamit, RH 373, 2018)

SOLSTICE - White Horse Hill

Streitbare Köpfe, die was zu sagen haben, heißt man immer willkommen, im Falle des Grantlers Rich Walker (g.) war das Problem jedoch stets, dass großen und markigen Worten 20 Jahre lang (!) keine (bzw. nur ein paar wenige sehr kleine) Taten gefolgt sind, also nicht so wie bei Alan Averill oder meinetwegen Pat Walker, da hat der Einfluss, den SOLSTICE im Underground zweifellos ausgeübt haben, auch nicht wirklich geholfen. Dennoch: Ohne SOLSTICE z.B. kein Atlantean Kodex, diese Aussage ist sicherlich nicht falsch, zumindest würden die Bajuwaren, die mit Manuel Trummer ja ebenfalls ´ne echte Type im Line-up haben, garantiert anders klingen, SOLSTICEs letztes Album, „New Dark Age“ von 1998, vor kurzem erst auf unserer „Verdammt lang´ her“-Seite besprochen, war schließlich so was wie die Blaupause für „The Golden Bough“, das Kodex-Debüt von 2010. Nun also „White Horse Hill“, und - immerhin! - die Briten liefern: Zwar ist Full-length-Dreher Nummer drei nicht das geniale Überwerk, zu dem es der eine oder andere hochjubelt, aber zweifellos doch ein toller Grenzgänger zwischen Doom- und Epic Metal (dass mehr als die Hälfte des Materials in anderen Versionen bereits von diversen limitierten Vorab-EPs bekannt ist, lassen wir einfach mal unter den Tisch fallen), dem am Ende vielleicht ein wenig die alles einnehmenden majestätischen Melodien abgehen, wie man sie auf „The White Goddess“ oder Sorcerers „The Crowning Of The Fire King“ findet, der andererseits mit großer, nachhaltiger Atmosphäre aber immer die Kurve kriegt. Die vielen ruhigen Momente des Albums stellen durchaus mehr als Beiwerk dar, am besten tönt allerdings in der Tat der pure Heavy Metal, ´To Sol A Thane´ und vor allem das wunderbare 13-Minuten-Epos ´Under Waves Lie Our Dead´. Was tatsächlich zu beweisen war.

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REVIEW 8.0 23.05.2018

(Dynamit, RH 373, 2018)

SUBSIGNAL - La Muerta

Ich bin mir nicht sicher, ob ich die von mehreren Seiten, auch aus dem Band-Umfeld, kolportierte Aussage, „La Muerta“ sei deutlich zugänglicher als seine vier Vorgänger, beinahe im Melodic Rock/AOR positioniert, unterschreiben würde, denn die inoffiziellen Sieges-Even-Nachfolger haben ihren Progressive Rock, dem man die Metal-Sozialisation der Beteiligten nach wie vor deutlich anmerkt, schon immer gerne mal nach Styx, Asia oder Achtziger-Yes tönen lassen, und auch Rush (deren ´Red Sector A´ man in ´As Birds On Pinions Free´ mehr oder weniger zitiert) oder geschliffenere Triumph waren nie meilenweit entfernt. Was indes richtig ist: Die Melodien packen hier tatsächlich so gut wie noch nie und runden überragende Technik, einen wunderbaren Ton (Frontmann Arno Menses ausdrücklich eingeschlossen!) und darüber hinaus eine meisterhafte Produktion (die vor allem auffällt, wenn man die CD nach drei, vier Soundcheck-Mitbewerbern hört) beinahe kongenial ab, in erster Linie die erste Hälfte des Albums offeriert mit dem Titelsong, ´The Approaches´ und dem hochkonzentrierten ´The Bells Of Lyonesse´ echte (nun ja, für Genre-Fans halt) Hits, denen die Konkurrenz nur wenig entgegensetzen kann. Danach wird´s etwas generischer, was man verkraften kann, wenn man von SUBSIGNAL nicht gerade das Album des Jahres erwartet, die Rauswerfer-Ballade ´Some Kind Of Drowning´ mit iamthemorning-Stimme Marjana Semkina als weiblichem Counterpart ist hingegen wirklich misslungen, denn was vorher noch extrem geschmackvoll klang, wird hier zum unangenehm müffelnden Kitsch - und kostet die deutsch-holländische Allianz in der Endabrechnung tatsächlich ´nen halben Punkt.

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REVIEW 8.0 25.04.2018

(Dynamit, RH 372, 2018)

RIOT V - Armor Of Light

Die neun Punkte für das 2014er RIOT V-„Debüt“ stehen nach wie vor felsenfest, „Unleash The Fire“ war die Überraschung seiner Zeit, ein wunderbares, leichtes und lockeres Heavy-Metal-Album, das nicht nur die Geschichte RIOTs vom Hardrock der frühen Tage bis zum 1990er „The Privilege Of Power“-Geniestreich komprimieren konnte, sondern vor allem mit formidablem Songwriting glänzte. Der Erfolg der Platte dürfte die Amerikaner selbst ein wenig überrascht haben, und den leichten Druck merkt man dem Nachfolger „Armor Of Light“ an, denn der Dreher klingt mit seiner homogeneren Power-Metal-Lastigkeit, die ich gar nicht mal so sehr (ausschließlich) in Richtung „Thundersteel“ drücken würde, „europäischer“ (mit dem „Bombast“-Lowlight ´Ready To Shine´) und damit auch weniger spontan, so, als wolle man es der Zielgruppe unbedingt recht machen; dazu kommt ein deutlicher qualitativer Abfall hinten raus mit, man muss das leider so sagen, vier lupenreinen Skip-Kandidaten am Ende (die Bonus-Neuinterpretation von ´Thundersteel´ lag uns noch nicht vor). Dennoch: Mit über 55 Minuten ist das Album lang genug, um es in „Empfehlenswert“-Regionen zu drücken, die ersten acht Tracks laufen nämlich bis auf das generische ´Messiah´ haste nicht gesehen durch, eine EP mit dem flotten Opener ´Victory´, der knackigen Hymne ´Heart Of A Lion´, dem Midtempo-Meisterbrief ´Angel´s Thunder, Devil´s Reign´ sowie dem zurückhaltenden (eine „richtige“ Ballade gibt´s leider nicht) ´Set The World Alight´ wäre sogar der Wahnsinn und würde als Achtziger-Vinyl-Eigenproduktion heutzutage mindestens 666 Euro erzielen. Sonst noch was? Ja, klar: Todd Michael Hall ist immer noch der perfekte „neue“ RIOT-Frontmann, und Mike Flyntz und Nick Lee spielen wie schon auf dem Vorgänger fast alle anderen aktuellen Gitarren-Tandems komplett an die Wand. Da muss man sich die komischen Pröttel-Bassdrums eben irgendwie schönhören...

REVIEW 8.5 25.04.2018

(Dynamit, RH 372, 2018)

SPIDERS - Killer Machine

»Wäre Alice Cooper mit Stevie Nicks verheiratet, ihr Kind hieße „Killer Machine“« - normalerweise tun sich Bands mit einer Selbstverortung ja schwer (es soll auch nicht ihre Aufgabe sein), in diesem Falle liegt SPIDERS-Super-Frontfrau Ann-Sofie Hoyles aber nicht falsch, der Mix aus Garage Rock, Roots-Hardrock und klassischem Pop, den ihre Band nun zum dritten Mal raushaut, hat, so straight er im Grunde komponiert sein mag, etwas Versponnenes, Ungreifbares, ohne dabei auch nur eine Sekunde in stets latent prätentiösen Indie-Regionen zu wildern (höre Kadavar), und auch frühe Girlgroups wie die Runaways oder, ähem, Girlschool schimmern immer wieder durch. Hinten raus evozieren ´So Easy´ und die Ballade ´Don´t Need You´ fast schon die Landsfrauen/-männer Blues Pills, besonders stark zeigen sich die Spinnen aber in der ersten Hälfte, wenn knarzig-warm produzierte Talentproben wie der No-bollocks-Opener ´Shock And Awe´, ´Burning For You´ oder der Rockdisco-Feger ´Like A Wild Child´ selbst nach massivem Playlist-Einsatz nicht an Reiz verlieren, und dann wäre da ja noch Track Nummer zwei: ´Dead Or Alive´ ist mit seiner typisch schwedischen Monster-Hookline im Refrain, die die Tradition von Abba bis Ghost fortführt, für mich schon jetzt der Song des Jahres, ein simpler Zehn-Punkte-Über-Ohrwurm, der einen trotz (oder gerade wegen) seiner fein gesponnenen Melancholie sofort die Welt umarmen lässt. Genial bis zum Gehtnichtmehr!

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