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REVIEW 8 24.10.2018

(Dynamit, RH 378, 2018)

WARREL DANE - Shadow Work

Das posthum veröffentlichte WARREL DANE-Album „Shadow Work“ stellt in mehrfacher Hinsicht eine Überraschung dar. Erst mal war nicht damit zu rechnen, dass dieser Longplayer überhaupt veröffentlicht wird. Schließlich ist der Nevermore- und Sanctuary-Sänger während der Aufnahmen verstorben, weshalb nur die Hälfte des vorgesehenen Materials fertiggestellt werden konnte. Größtenteils wurde dafür auf Warrels Gesänge aus der Vorproduktion zurückgegriffen, was qualitativ - und das ist die nächste Überraschung - nicht groß auffällt. Die dritte Überraschung stellt die stilistische Ausrichtung dar: Während Warrel mit seinem ersten Soloalbum „Praises To The War Machine“ 2008 versucht hatte, sich vom komplexen Nevermore-Sound freizuschwimmen, bewegt sich „Shadow Work“ genau in dem Fahrwasser der Seattle-Combo. Das ist auch Warrels brasilianischer Band geschuldet, die ursprünglich engagiert wurde, um das „Dead Heart In A Dead World“-Album auf die Bühne zu bringen. Und so bietet „Shadow Work“ fast alle Elemente, die Nevermore ausgezeichnet haben. Das überlange 'Mother Is The Word For God' wandelt gar auf den Spuren des „This Godless Endeavour“-Titelstücks, während das The-Cure-Cover 'The Hanging Garden' in bester Nevermore-Tradition mit einer Metall-Legierung überzogen wurde. Der berührende Gesang und die tiefgründigen Lyrics zeigen erneut, welch großer Künstler von uns gegangen ist. R.I.P., Warrel!

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REVIEW 9.0 26.09.2018

(Dynamit, RH 377, 2018)

VOIVOD - The Wake

Century Media/Sony (56:02) Klappern gehört zum Handwerk, und manchmal muss man ja auch einfach mal einen raushauen, aber ich meine die folgende Aussage genauso ernst wie die letztmonatige, dass „Rainier Fog“ die vielleicht beste Alice-In-Chains-Platte ever darstellt: „The Wake“ ist VOIVODs stärkster Release seit „The Outer Limits“, also seit ziemlich genau 25 Jahren - herzlichen Glückwunsch nach Kanada! Herzlichen Glückwunsch aber auch an uns, denn dass Away, Snake & Co. nach dem Tod von Piggy tatsächlich noch mal so locker aufspielen, quasi von allen Fesseln befreit, grenzt an ein Wunder, wer das durchaus starke „Comeback“ von 2013, „Target Earth“, als auch kommenden Status quo abgehakt hat, muss umdenken, schließlich hätte „The Wake“ tatsächlich direkt nach eben „The Outer Limits“ erscheinen können, es besitzt in den „ruhigeren“, offeneren Parts eine formidable „Angel Rat“-Rockigkeit, sogar beim Opener ´Obsolete Beings´, wartet andererseits aber mit so vielen progressiven, extrem durchdachten Spielereien auf, dass man sich stellenweise in E-Musik-Dimensionen wähnt, und das liegt sicherlich nicht nur am formidablen Streichquartett, das seinen Haupteinsatz am Ende des knapp 13-minütigen Rauswerfers ´Sonic Mycelium´ hat, einem Prachtwerk, das man unter der Hand auch gerne als ´Jack Luminous 2´ bezeichnen darf. Das Krasse dabei: VOIVOD geben sich bei aller Vertracktheit so eingängig wie vielleicht noch nie (´The End Of Dormancy´, ´Spherical Perspective´, ´Event Horizon´), wofür die einmal mehr verbesserten Vocals sorgen, aber auch Gitarrist Chewy, der - mittlerweile seit einer Dekade Teil des Band-Kosmos - das Erbe Piggys mit Bedacht aufnimmt und es zu einem eigenen Signature-Sound entwickelt hat, den man nicht (mehr) kopieren kann. Begriffe wie „Prog“, „Thrash“ und „Punk“ führen bei VOIVOD endgültig ins Leere: „The Wake“ steht als „Red“ der zehner Jahre höchstens in der Tradition einer Band wie King Crimson und damit letzten Endes auch in der Metalszene komplett für sich. Vielleicht ist das sogar ein Stück weit prätentiös, ich finde es in seiner Unaufgeregtheit allerdings vor allem sympathisch. Leaders - not followers.

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REVIEW 8.0 26.09.2018

(Dynamit, RH 377, 2018)

URIAH HEEP - Living The Dream

Frontiers/Soulfood (52:31) War klar, dass Peters die von Jeff Scott Soto (!) verfassten Lyrics des „Living The Dream“-Openers ´Grazed By Heaven´ („The song is clearly about sexual tension and desire, very much in the form of ´Fifty Shades Of Grey´“) dermaßen „goutiert“, dass er sich den halben Beate-Uhse-Katalog zulegt, allerdings erinnert er mit seiner, nun ja, Henkersmaske, die er momentan bereits zum Frühstück trägt, fatalerweise eher an El Duce von den Mentors als an Desperate-Housewife-Traum Christian Grey, schließlich muss unser Bochumer Lausbub, einmal „on fire“, ja immer übertreiben... Wirklich wichtig ist, wenn wir über die neue URIAH HEEP reden, eh was anderes, die letzten Alben der Band, also so ca. alles nach „Fallen Angel“ (kleiner Spaß...), waren nämlich okay, manchmal überraschend gut, einen späten Klassiker findet man aber nicht, auch nicht mit rosaroter Fanbrille (Felix hat sich letztens eine bei Fielmann zugelegt...). Auch „Living The Dream“, erster Langdreher seit „Outsider“ von 2014 und Studioplatte Nummer drei für Frontiers, stellt die Welt nicht auf den Kopf, darf in seiner Entspanntheit, wegen seines „echten“, organischen Sounds und vor allem mit seiner formidablen A-Seite (´Take Away My Soul´, der mehr nach Purple als nach Heep klingende Titelsong) aber durchaus als nachhaltiger Ausreißer nach oben bezeichnet werden, hier gibt es für den Hardrock- und Classic-Rock-Gourmet weit mehr Futter, als er erwarten durfte, die ollen Haudegen, Gitarrist Mick Box und Keyboarder Phil Lanzon genauso wie Frontmann Bernie Shaw (in absoluter Hochform!), lassen diesmal echt wenig Raum für nachfolgende Generationen, die sich, um nur bei URIAH HEEP zu bleiben, an Alben wie „Salisbury“, „Look At Yourself“ oder „Demons And Wizards“ bekanntlich sowieso nach wie vor die Zähne ausbeißen. Ob das ein gutes oder ein schlechtes Zeichen ist, muss letzten Endes jeder selbst entscheiden...

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REVIEW 8.5 26.09.2018

(Dynamit, RH 377, 2018)

ASHBURY - Eye Of The Stygian Witches

High Roller/Soulfood (54:07) Meistens hat man ja Angst, wenn alte Helden meinen, auf einmal ein neues Album aufnehmen zu müssen, viel zu oft kratzen Releases dieser Art letzten Endes am Legendenstatus und machen mehr kaputt, als dass sie irgendeinen Zweck erfüllen, und auch im Falle ASHBURY war der Nachfolger des „Endless Skies“-Geschenks (von 1983!), „Something Funny Going On“ von 2010, mit seinem Pop-Rock zumindest nicht der Rede wert. Die Konzerte der letzten Jahre, bevorzugt auf diversen Oli-Weinsheimer-Festivals inklusive Keep It True, sowie das viel zu selten erwähnte 2013er Tape „Out Of The Blue“ (okay, die Auflage betrug 100 Stück...) ließen von den beiden Brüdern aus Arizona und ihrer Hintermannschaft aber noch mal ein kleines bisschen (Studio-)Magie erwarten, eine weitere unnachahmliche Mischung aus Classic Rock, frühem Hardrock, Southern-Einflüssen, Prog und Singer-Songwriter, wie man sie in dieser Qualität sonst höchstens noch bei (den härteren) Winterhawk, Legend (US) oder der Henry Paul Band, wenn diese ins Epische driftet, zu finden in der Lage ist. Und ja, „Eye Of The Stygian Witches“ klingt nun tatsächlich durch und durch so, wie man ASHBURY hören möchte, es ist kein zweites „Endless Skies“, natürlich nicht, aber es offeriert in über 54 Minuten jede Menge melancholische Meisterwerke, denen noch nicht mal der (zudem nicht gerade an der Grenze des Möglichen programmierte) Drumcomputer besonders viel anhaben kann (auch wenn hier mit echtem Schlagzeug wahrscheinlich eine Neun stünde); die neu verwendeten Kassetten-Tracks ´End Of All Time´, ´Out Of The Blue´ und ´Searchin´´ gehören dazu, zudem das sehr ruhige ´Summer Fades Away´, der Longtrack-Meisterbrief ´Waited So Long´ und der formidable, hochkonzentrierte Doppelabschluss aus dem verflixt eingängigen ´Amber Glass´ sowie dem Titelsong. ´Good Guitar´ wirkte dagegen schon in der Live-Situation eher charmant als zwingend, und das Instrumental ´Celtic Cross´ plätschert halt dahin, aber hey: Ein bisschen Schwund ist eben immer... Echt schön, wieder von euch zu hören, ASHBURY - die Gänsehaut bleibt!

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