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REVIEW 7.5 27.05.2020

(Dynamit, RH 397, 2020)

PARADISE LOST - Obsidian

Das etwas einseitige Death-Doom-Werk „Medusa“ hatte (berechtigte) Kritik hervorgerufen. PARADISE LOST können wesentlich mehr, haben sich in ihrer langen Karriere ja teilweise meisterhaft in Stilübungen versucht. „Obsidian“ ist daher eine willkommene Rückkehr zur Vielseitigkeit. Die Platte beinhaltet einige Referenzen an die großen Alben der Band. So hat der Opener ´Darker Thoughts´, der lange in Pianoklängen mit Nicks nachdenklichem Timbre verweilt (ehe er kraftvoll losstürmt), endlich mal wieder die noble Ausstrahlung, die „Draconian Times“ zum beliebtesten Album des Fünfers emporhob. Noch besser: Weite Strecken der Platte zeichnet ein wohltemperiertes, dynamisches Zusammenspiel aus, das sich kompositorisch stellenweise an Gothic-Rock-Vorbilder der Achtziger anschmiegt, im richtigen Moment aber auch ein galliges Metal-Fallbeil auszulösen vermag. PL-Hauptsongwriter Gregor Mackintosh nutzt die komplette Palette der Klangfarben. Zirpende Halbakustikgitarren, Keyboard-Choräle und dezente Streicher sind abwechselnde Begleiter des satt heruntergestimmten Gesamtsounds, den der junge Finne Waltteri Väjrynen erstaunlich routiniert an den Kesseln begleitet. Dass sich die Band damit auf Spurensuche im eigenen Best-of-Katalog („Gothic“, „Icon“, „One Second“) begibt, dürften die meisten Fans ziemlich erleichtert aufnehmen, zumal man musikalisch und klanglich inzwischen in einer ganz anderen Liga angekommen ist. Die Album-Mitte (mein Favorit: ´The Devil Embraced´) ist äußerst gelungen, die abwechslungsreiche Spannung hält sogar bis zum Ende vor. ´Fall From Grace´ und ´Ghosts´ auf den Positionen zwei und drei sind hingegen „nur“ gute Live-Smasher, die dem eigenen Werk nichts Innovatives hinzufügen können. Ein starkes Album mit Schönheitsfehlern.

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REVIEW 8 27.05.2020

(Dynamit, RH 397, 2020)

HORISONT - Sudden Death

HORISONT kommunizieren im Plattenfirmen-Info Einflüsse von Siebziger- und Achtziger-Acts wie The Babys, LeRoux, Airrace, Dakota und Lawrence Gowan - Namen, bei denen jeder eingefleischte Melodiker mindestens mit der Zunge schnalzt, die man zugegebenermaßen aber auch einfach nur aus Distinktionsgründen wie eine Monstranz vor sich hertragen kann. Die Schweden lassen den Worten auf „Sudden Death“ allerdings stets Taten folgen, bereits der sehr gute Opener 'Revolution' verknüpft ELO-Sounds mit Cheap-Trick-Harmonien, Early-Kiss-Gesang sowie ein paar Rush-Gitarren, 'Into The Night' eröffnet mit einem genialen Saxofon und zollt danach Toto Tribut, und die Sound-Authentizität von z.B. 'Free Riding', 'Pushin' The Line' oder dem zurückhaltenden 'Standing Here' ist so ausgeprägt, dass sie sogar die gar nicht mal so auffälligen Refrains überdeckt. Dazu gibt's diesmal ein wenig Prog: Der achtminütige instrumentale Rauswerfer 'Archaeopteryx In Flight', der das sechste Album der Band in die Überlänge befördert, hat bei aller angenehmen Noblesse ein bisschen was von einer soundästhetischen Fingerübung, 'Gråa Dagar' erinnert in erster Linie wegen der schwedischen Lyrics dagegen spontan erst mal an die kauzigsten Opeth-Momente, orientiert sich in Wirklichkeit aber natürlich eher an den Originalen, an November und Fläsket Brinner, sogar an Kebnekaise oder Bo Hansson. Alles in allem machte mir der 2017er Vorgänger „About Time“, das damit nach wie vor stärkste Album von HORISONT, einen lockereren Eindruck, es klang vielleicht frecher und gleichzeitig unaufgeregter; irgendwie habe ich den Eindruck, „Sudden Death“ ist am Ende (auch) ein wenig das Ergebnis von allzu großen Ambitionen. Indes zweifellos ein Ergebnis, das nach wie vor große Teile der Konkurrenz deutlich hinter sich lässt und in einer Liga mit dem The-Night-Flight-Orchestra-Katalog bestehen kann.

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