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REVIEW 8 02.11.2018

(Dynamit, RH 378, 2018)

SICK OF IT ALL - Wake The Sleeping Dragon!

Das Fünfziger-Jahre-Monsterfilm-Cover mit dem Drachen, der das Empire State Buildung umschlingt, gehört zum unterhaltsamsten, was die Hardcore-Legende seit ihrem Start Ende der Achtziger um ihre Tonträger geschlungen hat. Niedergerissen wird in ihren 17 kurzen neuen Brettern aber nicht nur das Empire, sondern auch andere Ärgernisse wie etwa die systematische Tierquälerei oder der Egowahn moderner Selbstdarsteller. Für Letztere nehmen sich die zornigen Männer auf 'Self Important Shithead' gerade mal 58 Sekunden Zeit. Mehr haben die Selfie-Trottel nicht verdient. An anderen Stellen der Platte wird es überraschend langsam und melodisch, wenn man unter Melodie Kneipengesang und Fußballchöre versteht. Chuck Ragan von Hot Water Music und Tim McIlrath von Rise Against sind zu Gast, selbst Letzterer trotz des Breitwanderfolges seiner Band von Natur aus ebenfalls mit dem groben Schleifpapier gesegnet. Doch nicht nur zwischen den Stücken, sondern auch innerhalb von ihnen stimmt die Varianz. Mag ja sein, dass SICK OF IT ALL „still pissed“ sind, doch das Timing und die Konstruktion von Qualitäts-Hardcore beherrschen sie so rational wie perfekt. Wann immer es genug ist mit der Galopping Drum, starten sie den Groove-Teil eines Songs. Wann immer das Publikum von Lou Kollers Gebell ermüdet sein könnte, öffnet sich der Song zum Group Shout und Chorus. Klanglich hat Jerry Farley das Ding so produziert, dass Drums und Stimme die Gitarren zum bloßen Straßenbelag degradieren, während die Felle und die Stimmbänder die Go-Karts immerfort gegen die Banden bumpern lassen. Ein Album frei von zukünftigen Klassikern, aber durchweg kurzweilig.

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REVIEW 8 26.10.2018

(Dynamit, RH 378, 2018)

WARREL DANE - Shadow Work

Das posthum veröffentlichte WARREL DANE-Album „Shadow Work“ stellt in mehrfacher Hinsicht eine Überraschung dar. Erst mal war nicht damit zu rechnen, dass dieser Longplayer überhaupt veröffentlicht wird. Schließlich ist der Nevermore- und Sanctuary-Sänger während der Aufnahmen verstorben, weshalb nur die Hälfte des vorgesehenen Materials fertiggestellt werden konnte. Größtenteils wurde dafür auf Warrels Gesänge aus der Vorproduktion zurückgegriffen, was qualitativ - und das ist die nächste Überraschung - nicht groß auffällt. Die dritte Überraschung stellt die stilistische Ausrichtung dar: Während Warrel mit seinem ersten Soloalbum „Praises To The War Machine“ 2008 versucht hatte, sich vom komplexen Nevermore-Sound freizuschwimmen, bewegt sich „Shadow Work“ genau in dem Fahrwasser der Seattle-Combo. Das ist auch Warrels brasilianischer Band geschuldet, die ursprünglich engagiert wurde, um das „Dead Heart In A Dead World“-Album auf die Bühne zu bringen. Und so bietet „Shadow Work“ fast alle Elemente, die Nevermore ausgezeichnet haben. Das überlange 'Mother Is The Word For God' wandelt gar auf den Spuren des „This Godless Endeavour“-Titelstücks, während das The-Cure-Cover 'The Hanging Garden' in bester Nevermore-Tradition mit einer Metall-Legierung überzogen wurde. Der berührende Gesang und die tiefgründigen Lyrics zeigen erneut, welch großer Künstler von uns gegangen ist. R.I.P., Warrel!

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REVIEW 8.5 19.10.2018

(Dynamit, RH 378, 2018)

DISTURBED - Evolution

Dass DISTURBED nach dem unerwarteten Erfolg ihres Simon-&-Garfunkel-Covers ´The Sound Of Silence´ aus ihrem Modern-Metal-Korsett ausbrechen, war zu erwarten. Welche Motive dahinterstecken, ob künstlerische Bestätigung oder die Aussicht auf weitere kommerzielle Höhepunkte den Ausschlag gegeben haben, ist egal. Dem Die-hard-DISTURBED-Fan könnte „Evolution“ aufgrund seiner Classic-Rock-Affinität zu weich sein. Aber: Auch wenn vier der zehn Basis-Tracks Balladen sind, der Vierer aus Chicago ist noch immer eine Metalband. Deshalb haben sich die Fans in ihrem Voting auch für den Opener ´Are You Ready´ als erste Single entschieden: ein typisches DISTURBED-Manifest, Old School eben. Vielleicht ist das der rote Faden, der dieses Album so abwechslungsreich und gut macht: DISTURBED lassen sich von ihren Einflüssen leiten und setzen sich selbst keine Grenzen mehr. ´No More´ klingt nach Manson, hat aber den ohrwurmigsten aller ihrer bisherigen Refrains. Die Ballade ´A Reason To Fight´ hätte auch auf einer der ersten Rainbow-Scheiben mit Dio sein können. ´In Another Time´, ´Stronger On Your Own´ und ´Savior Of Nothing´ sind gewohnte Hymnen, während ´Hold On To Memories´ mit seiner Lagerfeuer-Atmo überrascht. ´Watch You Burn´ hat viel von den Paul-O´Neill-Kompositionen für das Trans-Siberian Orchestra, ´Best Ones Lie´ hätte auch von Queensryche aus der Post-DeGarmo-Ära stammen können. Und der Rausschmeißer ´Already Gone´ ist eine gelungene Zeppelin-Hommage.

REVIEW 7.5 12.10.2018

(Dynamit, RH 378, 2018)

HEIR APPARENT - The View From Below

Es wäre müßig, „The View From Below“, HEIR APPARENTs drittes Album nach einer Studiopause von 29 Jahren (!), am überragenden 1986er Erstling „Graceful Inheritance“, einer der besten Melodic-Power-Metal-Platten aller Zeiten, messen zu wollen, denn schon der 1989er Nachfolger „One Small Voice“ klang deutlich anders, zurückhaltender, „progressiver“, auf die Art „kommerzieller“, auf die halt auch Fifth Angels „Time Will Tell“ oder „Vivas Machina“ von Hittman „kommerzieller“ tönten. Hilfreich für die Karriere war das damals nicht, aber Mainman Terry Gorle & Co. wollten es so, und auch die Rückkehr zeugt von einer eigenbrötlerischen Band, die im Quasi-„Graceful...“-Line-up mit neuem Sänger Will Shaw u.a. wegen der zurückhaltenden Geschwindigkeit in Verbindung mit komplexen, auf den ersten Hör nicht immer schlüssigen, hin und wieder sogar „alternativen“ Arrangements frappierend an diverse Underground-Kollegen der (frühen) Neunziger erinnert, an Acts wie Without Warning, die Kingsbane-Nachfolger In The Name oder vor allem Opposite Earth, die mit ihrem einzigen Album „Headspace“ (1997) qualitativ von Anfang an nicht an ihre großartigen Demotapes „Omed“ und „Visuals“ anknüpfen konnten. Die eher komprimierte, „dunkle“ Produktion des originalen „Graceful Inheritance“-Knöpfchendrehers Tom Hall, bei der sich die Snare noch wie eine Snare anhört, entspricht zudem kaum aktuellen Hörgewohnheiten, steht in erster Linie den vielen ruhigen Songs und Parts (´Here We Aren´t´, ´Further And Farther´ mit Fates-Warning-Touch) aber durchaus gut. Das macht „The View From Below“ alles in allem nicht zum Knaller für „engstirnigere“ Altfans, so ehrlich darf man sein, aber immerhin zu einer inspirierenden Talentprobe, die eine Zeit zurückbringt, die in den meisten „Weißt du noch?“-Diskussionen nach wie vor viel zu kurz kommt.

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