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REVIEW 8,5 16.12.2020

(Dynamit, RH 403, 2020)

SAMSARA BLUES EXPERIMENT - End Of Forever

Der Name irritiert wahrscheinlich immer noch. Deshalb zunächst Klartext: SBE gehören zu den besten Stoner/Psychedelic/Prog-Bands des Landes. Ihr Vorsteher, Gitarrist/Sänger Chris Peters, ist wohl einer der letzten musizierenden Individualisten, weshalb die Band trotz der vielen guten Kritiken nach wie vor auf totale Autonomie setzt. Seit ein paar Jahren gehört ein Moog-Synthie zum festen Instrumentarium, bei einem Trio eine gewagte Sache. Peters muss sich also stets entscheiden, ob er live in einem Part Synthie oder Gitarre spielen will. Das elfminütige, trotzdem kurzweilige 'Second Birth' dreht deshalb erst mal ein paar wunderschöne Runden mit Bass (fetter Delay, fast wie eine Gitarre gespielt), Drums und sinfonisch klingenden Synthie-Soundscapes. Dann setzt der Gesang ein, und Peters bringt die Nummer im Stile eines Metal-Blues-Erzählers und einer Riff-Folge, auf die Black Sabbath stolz wären, zu Ende. Das ist allein schon sehr innovativ gemacht. 'Massive Passive' wird mal als einer der wenigen SBE-Songs gelten, die so was wie Hit-Appeal hatten. Mit Strophen und Refrains und einer zupackenden Melodie. 'Southern Sunset' setzt auf südamerikanisches Santana-Jam-Feeling, während das instrumentale 'Lovage Leaves' folkiges Led-Zeppelin-Flair verströmt. Das Titelstück setzt wieder auf Black-Sabbath-artige Schwere, ehe ein Tastensolo mit ruhigerer Begleitung in den Raum schwebt (liebt man auch von Opeth). Das sind natürlich alles verzweifelte Vergleiche mit etablierten Namen. Christian Peters, Hans Eichelt (b.) und Thomas Vedder (dr.) spielen seit Jahren in ihrem eigenen Universum. Es wäre auch nicht verkehrt, ihnen einen Krautrock-Einfluss oder den freiheitsliebenden Songwriting-Stil von Rush anzudichten. Letztlich stimmt alles und auch nichts. Man braucht schon ein paar Durchläufe, um sich an diese eigenwillige Idee von Musik zu gewöhnen, wird aber wieder mal mit einem außergewöhnlich entspannenden Hörerlebnis belohnt. Auch das abschließende 'Orchid Annie' mischt Folk und psychedelischen Heavy Rock auf eine Weise, wie sie weltweit eigentlich nur SBE zelebrieren. Der klagende Sprechgesang sorgt für Melancholie. Ist dies ein musikalischer Abschiedsgruß? Peters ist nach Beendigung des Albums mit den Worten „Ich war eh nie ein Berliner!“ nach Brasilien ausgewandert. Schluck!

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REVIEW 8.5 18.11.2020

(Dynamit, RH 402, 2020)

HATEBREED - Weight Of The False Self

Ursprünglich hätte das achte HATEBREED-Album bereits im Frühjahr erscheinen sollen, wurde dann aber wegen Corona und fehlender Live-Perspektive bis jetzt geschoben. Somit hatte ich reichlich Zeit, mir die Songs anzuhören. Ungeachtet ihrer betont straighten Ausrichtung und kurzen Spieldauer (jeweils um die drei Minuten) haben sie eine beachtliche Halbwertszeit, denn bei mir läuft „Weight Of The False Self“ seit einem halben Jahr regelmäßig im Auto - vorzugsweise, um mit offenem Fenster fistraisend und headbangend an der Ampel rumzuprollen. Das geht damit nämlich ganz vorzüglich! Jamey Jasta & Co. bewegen sich wie Prong und Biohazard zu ihren besten Zeiten mit traumwandlerischer Sicherheit in der Schnittmenge von Hardcore und Metal, ohne das Pendel dabei zu sehr in die eine oder andere Richtung ausschlagen zu lassen. Technische Fähigkeiten und rohe Attitüde haben genau die richtige Balance. Ultra-fette Grooves, im besten Sinne stumpfe Riffs, bemerkenswerte Soli und wuchtiges Midtempo, das immer wieder von kurzen Uptempo-Passagen und fiesen Downbreaks aufgelockert wird, sind einfach eine unwiderstehliche Mischung. Besonders der aufeinanderfolgende Dreierpack ´Let Them All Rot´, ´Set It Right (Start With Yourself)´ und dem thrashigen Titelstück killt komplett, zumal Stammproduzent Zeuss mal wieder für einen brachialen In-your-face-Sound gesorgt hat. Abgerundet wird die Scheibe von metaphorischen Selbstfindungstexten, die auf die im Hardcore leider weit verbreiteten Plattitüden verzichten. Goil!

REVIEW 8.5 18.11.2020

(Dynamit, RH 402, 2020)

COMMUNIC - Hiding From The World

Dass COMMUNIC seit ihrem „Conspiracy In Mind“-Debüt aus dem Jahr 2005 meist in einem Atemzug mit Sanctuary und Nevermore genannt werden, hat die „norwegische Eiche“ Oddleif Stensland (g./v.) noch nie gejuckt. Schließlich hat der Songwriter des Trios aus Mandal aus seinem Faible für die beiden Hartwurst-Institutionen aus Seattle nie einen Hehl gemacht. Außerdem war die Mucke der Skandinavier schon immer viel mehr als nur ein müder Abklatsch von Göttergaben der Marke „Into The Mirror Black“ oder „Dead Heart In A Dead World“. Das untermauern COMMUNIC auch auf ihrem aktuellen sechsten Streich mit Nachdruck. Zwar stehen im Zentrum von „Hiding From The World“ erneut zahllose opulente, düstere Melodien, wie sie von Sanctuary/Nevermore-Goldkehlchen Warrel Dane (R.I.P.) und Gitarrist Jeff Loomis jahrzehntelang in Vollendung zelebriert wurden, am Ende des Tages sind aber auch gewisse Wahlverwandtschaften zu wichtigen Genrevertretern wie Candlemass, Fates Warning, Psychotic Waltz, Mercenary oder Dio nicht von der Hand zu weisen. Anders gesagt: Auf „Hiding From The World“ feiert das Beste aus den vier Welten Power-, Prog-, Doom- und Classic Metal Hochzeit, selbst wenn Stensland kein zweiter Messiah Marcolin oder Warrel Dane ist. Dafür harmonieren Stimme und die exzellenten Gesangslinien wunderbar mit den sieben überlangen, vor Melancholie strotzenden Hymnen, aus denen der epische Titeltrack, das abwechslungsreiche ´My Temple Of Pride´ und die beiden zehnminütigen Kaventsmänner ´Born Without A Heart´ und ´Forgotten´ herausragen.

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