Review

Reviews 8.5

CHARN

Blast Off

Ausgabe: RH 100

Noch großartig Worte über Harris Johns zu verlieren, hieße Eulen in den Rhein, Wasser nach Dortmund und Bier nach Athen zu tragen - schließlich hat Harris grob geschätzt bei jeder zweiten deutschen Band, die in den letzten zehn Jahren zu Vinyl- bzw. sonstigen Kunststoffehren gekommen ist, die Griffel im Spiel gehabt. Daß Harris jedoch nicht nur ein flinker Finger am Mischpult, sondern auch am Griffbrett ist, konnte man schon länger raunen hören. Mit dem Debüt seines Projekts CHARN tritt er jetzt endlich den unumstößlichen Beweis an, da er auf dem Rundling neben der Produktion (logo!), dem Songwriting und dem Gesang auch noch für den Großteil der Saitenarbeit verantwortlich zeichnet. In ein Klasse-Cover gehüllt, verbirgt sich auf ,,Blast Off'' Space Metal, auf den selbst Zaphod Beeblebrox stolz wäre. Diese Musikrichtung, die erst im Jahre 2013 geboren werden wird, aber dank einer Zeitmaschine ihren Weg zurück in unser Jahrhundert gefunden hat, würden vom Affen abstammende Bioformen, die so erstaunlich primitiv sind, daß sie selbst Digitaluhren noch immer für eine unwahrscheinlich tolle Erfindung halten, in der Schnittmenge aus Heavy und Power Metal lokalisieren. Diese Mixtur wird von CHARN experimentell aufgearbeitet und durch spacige Sounds aufgepeppt. Dabei stechen einige Blaster sofort ins Auge, wie z.B. der Fetzer 'Queen Of Hate', der jedem vogonischen Schiffskommandanten die Lyrik in der Kehle gerinnen ließe, das ganz besonders schräge 'Saved', das die passende Untermalung zum zehnten Pangalaktischen Donnergurgler darstellen würde, oder der clevere Ohrwurm 'Welcome', der jeden Babelfisch an den Rand des Ohrgasmus brächte. Gleichsam sollten die Sondcollagen und Rezitationen, die auf ,,Blast Off'' als Verbindungsstücke zwischen den einzelnen Songs dienen, nicht vergessen werde. Einziges Problem in Sachen CHARN stellt die Tatsache dar, daß die Stimme von Harris nicht gerade zur Athletenriege seiner Gilde gehört, aber dank technischer Möglichkeiten hat er die Kiste so gedreht, daß er problemlos mit dem gefräßigen Plapperkäfer von Traal im Duett singen könnte. Eine hoopy Scheibe, die jeder Anhalter direkt neben seinem Handbuch im Gepäck haben sollte, auch wenn nicht in großen roten Lettern ,,KEINE PANIK'' draufsteht.

Autor:
Stefan Glas

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