Review

Reviews 8.5

CALIFORNIA BREED

California Breed

Ausgabe: RH 325

Frontiers/Soulfood (52:15)
Ich geb´s gerne zu, bei Deep Purple konnte ich Glenn Hughes nie leiden, weil seine affektierten Soul- und Funk-Schlenker für mich unvereinbar waren mit dem erdigen No-Bullshit-Arbeitsethos von Jon Lord und Ian Paice. Die Black-Country-Communion-Scheiben und Glenns Soloalben vermochten ebenfalls nicht völlig zu überzeugen, „California Breed“ hingegen haut mich so gründlich um wie Hughes´ beste Momente mit seiner ersten Band Trapeze. Was der Sänger und Basser braucht, um sich richtig entfalten zu können, ist ein stilistisch möglichst barrierefreier Seventies-Rock-Spielplatz, und genau den hat er sich mit seinem gewohnt wuchtig trommelnden BCC-Kumpel Jason Bonham und dem erst 23-jährigen Gitarristen Andrew Watt perfekt eingerichtet. Watt - definitiv einer der begnadetsten Gitarristen seiner Generation - zockt nicht selten wie ein junger Jimmy Page (und manchmal auch wie Tom Morello in seiner Nach-R.A.T.M.-Ära), Hughes darf äußerst gekonnt den Robert Plant geben, und aus all den Hardrock-, Soul-, Blues- und Funk-Puzzleteilen fügen sich erstklassige Songs zusammen, die die musikalische Essenz des goldenen Classic-Rock-Zeitalters mit der Frische von etwas jüngeren Acts wie Lenny Kravitz oder Audioslave verbinden. Die ersten fünf Songs sind ausnahmslos Geniestreiche: Die hymnische Dampframme ´The Way´, das leicht psychedelische ´Chemical Rain´ und die überragende Halbballade ´All Falls Down´ jonglieren grandios mit Led-Zep-Erbstücken, der stampfende Zähnefletscher ´Sweet Tea´ entfaltet einen mörderischen Groove, und die knüppelharte, leicht soulige Single ´Midnight Oil´ hätte in den Seventies die Stadien gerockt. Aber auch in der zweiten Albumhälfte fällt das Niveau kaum ab, wobei insbesondere die unglaubliche Gesangsleistung des 62-jährigen Hughes immer wieder Kinnladen runterklappen lässt. In dieser späten Topform und mit diesen exzellenten Sidekicks darf uns Glenn gerne noch diverse weitere Scheiben um die Ohren hauen!

Autor:
Michael Rensen

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