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REVIEW 22.04.2015

(Buch, RH 336, 2015)

KISS - OUT ON THE STREETS

Peter Oreckinto, J.R. Smalling, Rick Munroe, Mick Campese (Tokk Publishing) „The True Tales Of Life On The Road With The Hottest Band In The Land Kiss“ lautet der bandwurmige Untertitel dieses englischsprachigen 350-Seiten-Werks. Die vier Verfasser nennen sich The Original Kiss Krew und waren Mitte der siebziger Jahre Kern der Stanley-Simmons-Frehley-Criss-Roadcrew. Es gibt in Sachen KISS inzwischen tonnenweise Bücher von irgendwelchen Trittbrettfahrern. Diese Typen hier gehörten hingegen zum wahren Inner Circle. Schade, dass sie daraus nix machen. Beschrieben wird vor allem ein leidlich aufregender Tour-Alltag mit den üblichen Aufregern (stressige Bullen, willige Groupies, widerspenstige Technik, verwüstete Hotels, ausufernde Schlägereien, freche Diebe). Gefüllt wird „Out On The Streets“ mit diversen Nichtigkeiten, semiinteressanten nachgedruckten Dokumenten, Andeutungen über irgendwelche Mafiaverstrickungen des KISS-Umfelds und überwiegend unspannenden Fotos. KISS selbst bleiben hingegen Statisten, obwohl Oreckinto, Smalling & Co. bestimmt ´ne Menge über sie zu erzählen hätten. Immerhin erfahren wir, dass Smalling 1975 15 Demo-Tracks mit KISS eintrommelte. Sich deshalb als „zweiten KISS-Drummer“ zu bezeichnen, passt zu dem latent selbstherrlichen Stil des gesamten Buchs. Empfehlenswert ist „Out On The Streets“ nur für KISSaholics, die wirklich alles in ihrer Sammlung stehen haben müssen. Weitere Infos: www.theoriginalkisskrew.com

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REVIEW 25.03.2015

(Buch, RH 335, 2015)

DIE TOTEN HOSEN - DIE TOTEN HOSEN - AM ANFANG WAR DER LÄRM

Philipp Oehmke (Rowohlt Verlag) „Am Anfang war der Lärm“ ist zwar nicht das erste Buch über DIE TOTEN HOSEN – neben „Die Toten Hosen. Punkrock made in Germany“ von 1996 und „Die Toten Hosen“ von 2007 berichtete die Band bereits 1996 in „Bis zum bitteren Ende... Die Toten Hosen erzählen ihre Geschichte“ von ihren frühen Karrieretagen –, aber dennoch sehr lesenswert. Und das nicht nur, weil Autor Philipp Oehmke, der seit 2006 als Kulturredakteur für den „Spiegel“ tätig ist und die Band seit 1992 kennt, mit einem informativ-unterhaltenden Schreibstil überzeugt und seine Beobachtungen gelegentlich um seine eigene, nie aufdringlich wirkende Meinung ergänzt, sondern auch weil „Am Anfang war der Lärm“ mehr als nur eine Aneinanderreihung von historischen Fakten ist. Das 384-seitige Werk taucht tief ein in die Psyche der Düsseldorfer Combo und pendelt von Kapitel zu Kapitel zwischen frühen Karrieretagen, jüngerer Vergangenheit und Gegenwart. Es geht um Krisen, Tiefpunkte (z.B. das 1.000. Konzert), rauschende Erfolge, die das Quintett manchmal eher nachdenklich als glücklich machten, und die Einordnung einer Punkband in ihre Zeit. „Am Anfang war der Lärm“ kann man auch deswegen Lesern jenseits der typischen Fan-Klientel empfehlen, weil das Buch Einblicke in eine Dekade gibt, in der sich DIE TOTEN HOSEN erstmals gegen die beschauliche, heile Vorgarten-Welt der Nachkriegsgeneration auflehnten. Das Werk vereint perfekt nie zu klobig wirkenden Tiefgang und persönliche Nähe mit schrägen Punkrock-Anekdoten und kurzweiligen Blicken hinter die Kulissen einer der erfolgreichsten Bands Deutschlands.

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REVIEW 25.03.2015

(Buch, RH 335, 2015)

SCHWARZMETALL UND TODESBLEI

Sarah Chaker Archiv der Jugendkulturen Mit „Schwarzmetall und Todesblei - Über den Umgang mit Musik in den Black- und Death-Metal-Szenen Deutschlands“ veröffentlicht der Archiv-der-Jugendkulturen-Verlag die Doktorarbeit der in Szenekreisen nicht unbekannten Musikwissenschaftlerin Sarah Chaker. In ihrer über 400 Seiten starken Dissertation beschäftigt sich Chaker eingehend damit, was die Black- und Death-Metal-Szene in Deutschland ausmacht, wie ihre Anhänger ticken und wodurch das Szeneleben bestimmt wird. Mit musikwissenschaftlichen und soziologischen Methoden untersucht Chaker, wie die Szeneanhänger Zugang zur Szene finden, was sie daran schätzen, inwieweit sie sich in die musikalische Praxis einbringen und ob es über die musikalische Vorliebe hinaus noch weitere Gemeinsamkeiten gibt. In diesem Kontext beleuchtet sie auch die soziale Herkunft, das Bildungsniveau und die politische Orientierung der Szenemitglieder. Da es sich hierbei um eine Doktorarbeit handelt, folgen der Aufbau und die Sprache des Buches wissenschaftlichen Erfordernissen. Das mag erst mal etwas trocken und manchmal umständlich erscheinen, dennoch kann man sich durchaus an den analytischen und präzisen Schreibstil gewöhnen. Die gewonnenen Erkenntnisse dürften indes für die meisten SzenegängerInnen keine großen Überraschungen bereithalten, da hier ja untersucht wird, was wir in unserer Szene so treiben. Wer sich aber dafür interessiert, wie sich die Wissenschaft einer Musikszene nähert, welche Theorien es dazu gibt und welche Erkenntnisse dabei gewonnen werden, dem sei das Buch wärmstens empfohlen.

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REVIEW 25.02.2015

(Buch, RH 334, 2015)

BLIND PETITION - Keine Gnade! - Die Blind Petition Story

Andi Appel (Resonace) Okay, BLIND PETITION haben in Deutschland nie viel gerissen. Dennoch hat die Truppe aus Wien eine eindrucksvolle Geschichte, die in der Biographie von Andi Appel erzählt wird. Im Buch geht es aber nicht nur um die Band, sondern in erster Linie um Mastermind Hannes „Fussel“ Bartsch, der als einzig verbleibendes Originalmitglied seit vierzig Jahren den Laden zusammenhält und dessen musikalischer Lebensweg auf 220 Seiten chronologisch erzählt wird. Klar, dass dabei Sex, Drugs und Rock`n`Roll nicht zu kurz kommen, aber es geht auch um Freundschaften, Familie, Hells Angels und um Zeitgeschichte. Herausgekommen ist eine kurzweilige und liebevolle Lektüre, die schön bebildert ist. Immerhin hat der Gitarrist eine Menge erlebt, ist mit Bands wie Iron Maiden, Brian May, Gotthard und UFO aufgetreten, als Headliner auf einem großen Festival in der Ukraine gespielt, in einem Werbefilm aufgetreten - und hat den Überblick über eine drehfreudiges Besetzungskarusell behalten. Ganz wie nach dem Genuss des Anvil-Films wünscht man Hannes und seinen aktuellen Mitmusikern (mittlerweile sind BLIND PETITION dank der Mitarbeit seines Sohn und seines Bruders fast eine Familienband) einen späten Karriereschub. Wie heißt es in der Einleitung so schön: „Holen Sie sich ein Bier, machen Sie es sich gemütlich. Und ich wünsche Ihnen viel Spaß mit meiner Geschichte.“ Es lohnt sich!

REVIEW 28.01.2015

(Buch, RH 333, 2015)

SCOTT IAN - I´M THE MAN - THE STORY OF THAT GUY FROM ANTHRAX

Scott Ian with Jon Wiederhorn (DaCapo) Endlich mal eine Musikerbiografie, die ohne Drogenexzesse und anschließende Reha-Aufenthalte und Gottfindung auskommt. ANTHRAX-Gitarrist Scott Ian konsumierte in den Achtzigern noch nicht mal Alkohol, weshalb seine Erinnerungen an die frühen ANTHRAX-Tage in „I´m The Man“ einen recht ungetrübten Eindruck machen und sehr detailreich geschildert sind. Neben der spannenden ANTHRAX-Geschichte, bei der u.a. auch die schwierige Trennung von Danny Lilker thematisiert wird, beleuchtet Scott auch immer wieder Begegnungen mit anderen Musikern, besonders interessant sind die ersten Treffen mit Metallica und Motörhead-Lemmy. Nach einer vermurksten Ehe und dem Rauswurf von Joey Belladonna lässt Scott es mit Neu-Sänger John Bush in den Neunzigern alkoholtechnisch so richtig krachen. Anschließend folgt die Ausbildung zum professionellen Schnapstrinker durch Dimebag Darrell. Kein Wunder, zu der Zeit wurden ANTHRAX vom Major Elektra gekickt und im Laufe der nächsten Jahre von weiteren Labels in der Luft hängen gelassen. Scott legt sein Kartenblatt bezüglich der Business-Entscheidungen erstaunlich offen auf den Tisch, auch die umstrittene Reunion-Tour, aus der die finale Trennung von John Bush resultierte, wird verständlicher, wenn man „I´m The Man...“ gelesen hat. Lediglich eine Karte lässt Scott unter den Tisch fallen: Die zwei Jahre mit Interimssänger Dan Nelson werden mehr oder minder geschickt ausgespart, der Stachel scheint nach der Klage von Nelson noch zu tief zu sitzen. Dafür gibt es mit der Kennenlerngeschichte seiner Frau Pearl noch was Herzerwärmendes, während das Vorwort von Metallica-Gitarrist Kirk Hammett verdeutlicht, wie dick die beiden befreundet sind. „I´m The Man“ ist eine durch und durch starke Biografie, die man förmlich verschlingt und die so richtig Lust macht, sich durch Ians Diskografie zu hören. Derzeit ist das Buch nur auf Englisch erhältlich.

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