Teaser

REVIEW 23.03.2016

(Buch, RH 347, 2016)

THE VERTIGO SWIRL GUIDE

Vertigo Swirl (eigentlich nur „Vertigo“, denn der Zusatz „Swirl“ war nie eine offizielle Bezeichnung, sondern beschreibt lediglich das Layout der Labels) gehört zu den Plattenfirmen, die weltweit am leidenschaftlichsten zusammengetragen werden, zumindest im Durchschnitt existiert wohl kein teureres Sammelgebiet (allein die zehn wertvollsten UK-Pressungen bringen es, wie im Buch korrekt berichtet wird, zusammen locker auf den Wert eines neuen Mittelklassewagens). Dass ein solches Thema Begehrlichkeiten weckt, ist klar, und insofern stellt „The Vertigo Swirl Guide“ (das den Untertitel „Worldwide Discography & Price Guide“ trägt) für Plattensammler ein enorm wichtiges Buch dar, dessen jetzt vorliegende zweite Auflage die noch deutlich dünnere erste locker in der Pfeife raucht. Auf über 320 Seiten finden sich hier sämtliche verfügbaren Infos zu allen Releases (inklusive Fotos), und die Wertangaben sind zuverlässig und reell - also weder zu niedrig angesetzt noch im Mondpreise-Bereich angesiedelt. Natürlich werden „Normal-User“ nur noch mit den Ohren schlackern, wenn sie sehen, für welche Summen manche Black-Sabbath- und Uriah-Heep-Pressungen (die allerdings eher das untere Ende markieren) gehandelt werden, für längst versaute Jäger an der Grenze zum Wahnsinn sind solche Infos aber nur süchtig machender Ansporn und kein Ärgernis. Die einschlägige Klientel weiß also, was am besten noch heute zu tun ist, und surft auf www.cpg-books.com, um sich ein Exemplar zu sichern (oder besser zwei, damit eines „mint“ bleibt).

Teaser

REVIEW 24.02.2016

(Buch, RH 346, 2016)

AC/DC - AC/DC – LOVE AT FIRST FEEL

Anders Hedman & Mats Larsson (Premium Publishing) Bis vor gar nicht allzu langer Zeit galt die erste AC/DC-Tour durch Schweden für viele noch als unbestätigtes Gerücht. Doch es stimmt tatsächlich: Im Juli 1976 absolvierten die Australier eine Mini-Tour durch Südschweden. Die Auftritte in Stockholm, Växjö, Vinberg, Anderstorp und Höllviken markierten nach dem Warm-up im „Red Cow“-Pub in Hammersmith die ersten Live-Shows von AC/DC in Europa überhaupt. Im Glädjehuset in Stockholm zahlten laut Aufzeichnungen des örtlichen Promoters exakt 112 Personen Eintritt, der ebenfalls anwesende Hund (ein Schnauzer) wurde nicht zur Kasse gebeten. Noch kurioser gestalteten sich die beiden vorangegangenen Gastspiele in der südschwedischen Provinz (Vinberg und Höllviken). Hier traten AC/DC jeweils für eine gute halbe Stunde zwischen zwei Tanzkapellen auf, deren Repertoire aus Polka und einheimischer Folklore bestand. Bon Scott staunte nicht schlecht und musste sich seine obligatorische Flasche Whiskey auf Wartenummer in der staatlichen Alkoholausgabestelle besorgen. Die Autoren Anders Hedman und Mats Larsson haben jahrelang für dieses Buch recherchiert, es kommen Dutzende von Augenzeugen der fünf legendären Gigs zu Wort. Der damalige AC/DC-Bassist Mark Evans steuert ebenfalls die eine oder andere lustige Anekdote zu „Love At First Feel“ bei. Die limitierte Erstauflage enthält ein Dutzend originaler Fotoabzüge, ein (per Zufallsprinzip ausgewähltes) Motiv ist dabei von Hans Hatwig selbst signiert worden. Hatwig arbeitete seinerzeit für ein Magazin namens „Poster“ (das schwedische Äquivalent zur „Bravo“) und zeichnete für die einzige Fotosession der Tour verantwortlich, bestehend aus den besagten zwölf Shots von Angus aus Stockholm. AC/DC-Fans kommen an diesem liebevoll gestalteten Schmöker (in englischer Sprache) definitiv nicht vorbei.

REVIEW 24.02.2016

(Buch, RH 346, 2016)

BRUCE DICKINSON - BRUCE DICKINSON - INSIGHTS

Brigitte Schön (Matador) „Da bist du meinen persönlichen Ansichten und Gefühlen ganz schön nahe gekommen“, grinst Bruce Dickinson, als Brigitte Schön 2012 die Möglichkeit nutzt und ihm einen ersten Entwurf ihres Buches „Bruce Dickinson - Insights. An Interpretation Of His Solo Albums“ präsentiert. Leider reicht es am Ende jedoch aus Copyright-Gründen nicht dazu, den (im Grunde genommen unverzichtbaren) Abdruck der Songtexte zu autorisieren. Damit ist der größte Makel der intellektuell sowie sprachlich gleichermaßen fordernden 186 Seiten bereits genannt. Entweder der geneigte Leser kennt eh sämtliche Lyrics des Dickinson´schen Solo-Werks auswendig, oder aber er studiert parallel zur vorliegenden Textanalyse die jeweiligen CD-Booklets. Die sowohl musikalisch als auch inhaltlich verhältnismäßig banalen Alben „Tattooed Millionaire“, „Balls To Picasso“ sowie „Skunkworks“ sind relativ schnell abgehakt – danach aber geht es mit „Accident Of Birth“, „The Chemical Wedding“ und „Tyranny Of Souls“ in die Vollen: Alchemie und Okkultismus, Willam Blake und Aleister Crowley. Spannender geschildert als in jedem Philosophie-Proseminar. „Bruce Dickinson - Insights“ ist mit seinem wissenschaftlichen Duktus natürlich alles andere als massenkompatibel. Noch dazu sind fundierte Englischkenntnisse unverzichtbar. Alles in allem also kein Vorläufer der für 2018 erwarteten Autobiografie des insgesamt vierten Maiden-Sängers. Wer sich dennoch die Mühe macht, der Argumentation von Brigitte Schön zu folgen, wird dafür mit geisteswissenschaftlich tiefschürfenden Einsichten belohnt werden.

Teaser

REVIEW 27.01.2016

(Buch, RH 345, 2016)

BERND JONKMANNS - RECORD STORES

Immer wieder ertappe ich mich dabei, wie ich die Bargain Bins danach durchforste, ob nicht doch die erste Attentat Rock in einer verstaubten Grabbelkiste gelandet ist. Nicht etwa im wirklichen Leben (gut, zugegeben, da auch...). Nein, in Bernd Jonkmanns´ famosem Bildband „Record Stores“. Der Hamburger hat in 33 Städten über fünf Kontinente verteilt mehr als 200 real existierende Plattenläden besucht. Herausgekommen ist ein locker drei Kilo auf die Waage bringendes Schwergewicht im schnieken LP-Format, das auf 384 matt glänzenden Seiten über 500 Zeitgeschichte atmende Fotografien präsentiert. Besonders die exotisch wirkenden Shots japanischer Record Stores entfalten eine ganz besondere Atmosphäre. Der eine oder andere überflüssige Hipster-Laden (in Hamburg und Berlin) ist Jonkmanns zwar auch ins Buch gerutscht, aber insgesamt geht die alles andere als repräsentative Auswahl völlig in Ordnung: Bei Repulsive Records in Stockholm trägt der kurzhaarige Disponent geschmackssicher ein Exorcist-Shirt, in Brighton steht mit George Ginn der gerade mal 86 Jahre junge Ladenbesitzer höchstpersönlich hinter der Registrierkasse von „The Record Album“. Dieses Buch ist mit viel Herzblut erstellt worden (von den Reisespesen mal ganz abgesehen) und deswegen hundertmal wertvoller als jeder Record Store Day, jeder Black Friday oder jede Plattenladenwoche, die sich die untergegangene Phonoindustrie einfallen lässt... Den Verkaufspreis von angemessenen 49 Euro kann man deswegen auch getrost als Beitrag zum Kultursponsoring verbuchen.

Teaser

REVIEW 27.01.2016

(Buch, RH 345, 2016)

MATHIAS SCHERER - HELLTAL

Mathias Scherer alias Matze Aicher war in den frühen Neunzigern Gitarrist bei den Berliner Party-Rockern Eggmen Five. Inzwischen lebt er wieder in der Pfalz und arbeitet als erfolgreicher Drehbuchautor für „Soko Köln“ und „Soko Stuttgart“. Nun hat er seinen fast 400 Seiten starken Debütroman veröffentlicht, der vor autobiografischen Bezügen nur so strotzt. So liest sein Protagonist Mark Andersen neben „Kicker“ auch gerne Rock Hard, steht auf Classic Rock (Gillan!), mag Youngtimer und wird vom Spannungsfeld zwischen der pulsierenden Hauptstadt und der beschaulichen Pfalz geprägt. Um die Unschuld seines alten Kumpels zu beweisen, der zu Unrecht des Mordes verdächtigt wird, reist der abgehalfterte Ex-Bulle und Detektiv aus Hipsterhausen zurück in seine eigene Vergangenheit nach Helltal. Dort trifft er auf stark entwickelte Charaktere und viele Vorbehalte, die ihm das Leben zur Hölle machen. Die Geschichte ist mit mehreren Handlungssträngen und Rückblenden sehr vielschichtig und bleibt bis zum Ende spannend (daher an dieser Stelle keine Vorgriffe). Mathias benutzt eine sehr anschauliche Sprache, die immer wieder Bilder im Kopf entstehen lässt und sich flüssig liest. Einen besonderen Reiz erhält der Krimi durch die vielen Rush-Referenzen, die nicht nur als geschickt eingestreute Textauszüge und Erinnerungen an alte Konzerte (inklusive des Schreibfehlers „Heidelburg“ auf dem ´83er Tourshirt) auftauchen, sondern mit Zitaten auch die Hauptkapitel einleiten. Ein großer Lesespaß für Krimi- und Rock-Fans gleichermaßen!

Teaser

Melde dich für unseren Newsletter an und verpasse nie mehr die wichtigsten Infos

Diese Seite verwendet Cookies. Erfahrt in unserer Datenschutzerklärung mehr darüber, wie wir Cookies einsetzen und wie Ihr Eure Einstellungen ändern und Cookies deaktivieren könnt. Darüber hinaus verwenden wir Cookies Dritter für die Einbindung audiovisueller Inhalte durch Youtube, Spotify und Soundcloud. Dem könnt ihr hier zustimmen oder dies ablehnen. Datenschutzerklärung ansehen.