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REVIEW 19.12.2018

(Buch, RH 380, 2018)

DEEP PURPLE - Deep Purple In Rock - Der lange Weg zu einem Meisterwerk

Mal Hand aufs Herz: Wer hätte gewusst, wie der ursprüngliche Titel von ´Speed King´ lautete? ´Kneel And Pray´. Diese kleine Quizfrage mag schon andeuten, dass „Deep Purple In Rock – Der lange Weg zu einem Meisterwerk“ nicht gerade leichte Lektüre für diejenigen ist, die sich in kompakter Form mit der Historie der englischen Hardrock-Pioniere beschäftigen möchten. Wer sich jedoch tiefgreifend mit dem Entstehen und der Wirkungsgeschichte eines der wichtigsten Hardrock-Alben aller Zeiten auseinanderzusetzen bereit ist, für den öffnet DEEP PURPLE-Archivar Simon Robinson (u.a. auch „Whitesnake – The Definitive Biography“ zusammen mit John Tucker) seine Schatzkiste. Und in der Tat ist die Informationsfülle auf den 168 Seiten fast erdrückend, Robinson und sein Co-Autor Stephen Clare präsentieren eine Vielzahl von Zitaten aus der damaligen Musikpresse, ergänzt durch eigene Interviews. So entsteht ein überaus lebhaftes Gesamtbild. Ihre Recherche wird gekrönt von den originalen Tagebuchauszügen Roger Glovers. Mehr geht nun wirklich nicht. Nur hier und da übertreiben es Robinson und Clare ein bisschen, etwa wenn bestimmte Live-Interpretationen des „In Rock“-Materials haarklein musiktheoretisch auseinandergenommen werden. Das stört ein wenig den insgesamt angenehmen Lesefluss, beweist aber noch einmal mit Nachdruck, dass sich das Autorenteam eben nicht mit halben Sachen zufriedengeben wollte.

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REVIEW 21.11.2018

(Buch, RH 379, 2018)

Komm nach Hagen, werde Popstar, mach dein Glück!

Nicht Wolfsburg. Auch nicht West-Berlin. Ausgerechnet Hagen, hart am Rande des Ruhrgebiets gelegen, entwickelte sich in einem kleinen Zeitfenster zwischen Mitte der siebziger Jahre bis zum Aufkeimen der Neuen Deutschen Welle zur heimlichen Musikmetropole des Landes. Die Bezeichnung als das Liverpool Deutschlands machte die Runde in Hagen, das sich seit jeher zu groß für eine Kleinstadt, aber zu klein für eine Großstadt angefühlt hat. „Hart wie Marmelade“ eben. Auf 352 Seiten mit über 1.000 Abbildungen erfährt man alles über die Musikszene der Stadt, von Veranstaltungsorten über Kneipen bis hin zu ortsansässigen Produktionsfirmen und Managements. Natürlich bilden die damals aktiven Bands das Herzstück des Schmökers, etwa The Ramblers oder The Stripes (mit Gabriele Kerner alias Nena am Gesang). Quasi als inhaltliche Klammer beinhaltet die Anthologie ausführliche Mini-Autobiografien der zwei wichtigsten Hagener Rockformationen überhaupt: Grobschnitt und Extrabreit. Ausführlich zu Wort kommen aber auch die Drahtzieher hinter den Kulissen wie etwa Ulli Wiehagen, der von Hagen aus im Jahre 1983 mit „Desaster“ zum ersten Mal ein Metal-Magazin mit einer Auflage von 10.000 Exemplaren über den Bahnhofsbuchhandel landesweit in den Vertrieb gebracht hat. „Komm nach Hagen, werde Popstar, mach Dein Glück!“ ist als flankierender Ausstellungskatalog konzipiert, nach der Lektüre weiß ich jedenfalls mehr über die Musikszene Hagens als von meiner eigenen Heimatstadt. Ein größeres Kompliment kann man den Machern wohl kaum ins Muttiheft schreiben.

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REVIEW 21.11.2018

(Buch, RH 379, 2018)

TEZZ ROBERTS, DISCHARGE - But After The Gig...

Discharge, Broken Bones, U.K. Subs, Ministry, The Business, Battalions Of Saints… Tezz Roberts ist als – je nach Lust, Laune und Bedarf – Gitarrist, Bassist, Drummer oder Sänger ganz schön rumgekommen. Zugegeben, er war nur selten zu kreativen oder kommerziellen Hochzeiten der jeweiligen Band an Bord und verpisste sich meist schon nach kurzer Zeit wieder. Diese Rastlosigkeit dominiert auch das gesamte Buch. Der Brite hält es in seinem Heimatkaff und -land Anfang der Achtziger trotz erster Erfolge mit Discharge nicht mehr aus und geht in die USA. Dort gibt´s ´ne Vollbedienung aus Schlägereien, Suff, Meth, Crack, Sackratten, Saalschlachten, Scheißjobs, Knast, Leistenbruch, Kugelhagel, falschen Frauen, falschen Frauen mit Holzbein und allem, was das Punkrock-Herz sonst noch so begehrt. Im Koma liegt er auch mal ´ne Weile, nachdem er vollgedröhnt von einem Balkon springt, weil er gerade Bock auf ´ne Scheibe Toast verspürt, aber keine Lust hat, die Treppe zu nehmen. Zwischendurch probiert er sich erfolglos am spießigen Vorstadtleben, verfällt aber bald wieder in alte Gewohnheiten, bis er (endgültig?) die Kurve kriegt, wieder nach England zieht (die Amis lassen ihn eh nicht mehr ins Land) und mit Discharge seinen x-ten Frühling erlebt. Tezz ist jetzt Mitte Fünfzig, lebt von der Hand in den Mund, und wenn er irgendwann keine Musik mehr machen kann, hat er nicht mal einen „pot to piss in“. Bedauern tut er dennoch nichts, und sein Selbstbewusstsein ist nach wie vor (sehr!) intakt („Discharge und die Broken Bones waren meine Bands“). „But After The Gig…“ ist nach einem Discharge-Song benannt. Hätte Tezz einen Track von The Business gewählt, würde das Ding bestimmt „Loud, Proud ´n´ Punk“ heißen. 214 englischsprachige Seiten mit ein paar nicht wirklich spektakulären Fotos, was aber nix daran ändert, dass das Ding ´ne absolute Empfehlung für jeden Fan von ungeschönten Musikerbiografien ist.

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REVIEW 24.10.2018

(Buch, RH 378, 2018)

GENE SIMMONS - 27 – The Legend & Mythology Of The 27 Club

Krass, ein GENE SIMMONS-Buch, in dem der Kiss-Basser nicht vor allem über sich selbst bzw. über Geld philosophiert. Überhaupt ist das Thema „27 Club“ für Simmons etwas abwegig. Die hier überwiegend beschriebenen, im zarten Alter von 27 Jahren gestorbenen Musiklegenden führten einen Lifestyle, der Simmons grundsätzlich zuwider ist. Speziell Drogen, Depressionen und Selbstmord waren für Gene immer gleichbedeutend mit Disziplinlosigkeit, Schwäche und Dummheit (die Sucht nach Kohle, Ruhm und Schokokuchen jetzt mal ausgenommen). Inzwischen vermarktet Simmons jedoch Marihuana und hat gemerkt, dass eine klinische Depression durchaus ´ne Krankheit ist. Er wertet daher nicht mehr, sondern zeigt sich als neugieriger Beobachter von Leben und Leiden solch illustrer Gestalten wie Grunge-Guru Kurt Cobain, R´n´B-Reibeisen Amy Winehouse, Doors-Drughead Jim Morrison, „Teufels-Blueser“ Robert Johnson, Ur-Rolling-Stone Brian Jones, Hippie-Röhre Janis Joplin oder Guitar Hero Jimi Hendrix (dessen „Gitarren-Cunnilingus“ wir Genes Zungenspielereien bei Kiss zu verdanken haben). Gene skizziert Lebensläufe, fügt eigene subjektive Gedanken hinzu, ohne zu verurteilen oder sich selbst zu profilieren. Erstmals wirkt Simmons in einer seiner Lektüren durch und durch sympathisch und angesichts des eigenen langen Lebens regelrecht dankbar. 270 englischsprachige Seiten, die man locker in einem Rutsch durchliest.

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