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REVIEW 18.12.2019

(Buch, RH 392, 2019)

GONZO - DIE OFFIZIELLE UND AUTORISIERTE BIOGRAFIE VON MATTHIAS RÖHR

Es hat seine Berechtigung, dass die Bio des Gitarristen der BÖHSEN ONKELZ direkt in der Erscheinungswoche auf den zweiten Platz der „Spiegel“-Bestsellerliste gerauscht ist. Zum einen bieten satte 390 Seiten einen echten Gegenwert zum Verkaufspreis von 25 Euro, zum anderen machen die Fotos aus dem Privatarchiv sowie die von Lennart Menkhaus erstellten Illustrationen die Schwarte auch optisch zu einem Must-have für Onkelz-Fans. Dass „Gonzo“ nicht zu einer dieser typischen Musiker-Biografien geworden ist, die sich sklavisch am Platte/Tour/Platte/Tour-Kontext orientieren, ist den Autoren Dennis Diehl und Marco Matthes zu verdanken. Auch wenn beide schon seit Jahren in unterschiedlichen Funktionen für die Band tätig sind, haben sie es trotzdem geschafft, sich eine gewisse Distanz zur Band zu bewahren, wie die sachlich und angenehm unaufgeregt erzählte Lebensgeschichte von Matthias „Gonzo“ Röhr beweist. Über 300 Stunden Interviewmaterial haben die Autoren ausgewertet, recherchiert und die Lebensstationen des BÖHSE ONKELZ-Gitarristen akkurat nachgezeichnet. Beginnend in den Siebzigern, in denen Gonzo musikalisch sozialisiert wird, über seinen Einstieg bei den Onkelz bis hin zum Bandsplit im Jahr 2005, der jetzt, mit dem notwendigen Abstand, ausführlich erklärt wird und interessante Details aus dem Innenleben der Band preisgibt. Es folgen die Jahre ohne die Onkelz, in denen sich der Protagonist der musikalischen Weiterentwicklung verschreibt, nach Uruguay auswandert, als Solokünstler Platten veröffentlicht und auf Tour geht, ehe mit der Reunion der BÖHSEN ONKELZ 2014 auch die neunjährige Funkstille zwischen Matthias Röhr und Stephan Weidner ihr Ende findet. Und als ob all diese Stationen und Ereignisse einer 40-jährigen Musikerkarriere für sich nicht schon beeindruckend genug wären, hat man am Ende des Buches das Gefühl, nicht nur den Gitarristen, sondern vor allem den geerdeten Familienmenschen hinter ihm ein ganzes Stück besser kennengelernt zu haben. Lesens- und empfehlenswert.

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REVIEW 25.09.2019

(Buch, RH 389, 2019)

DE ROCK ET DE METAL: Pascal Paillardet

Der erschöpfende Rundumschlag zur Metal-Szene im Hexagon (Professor Mader meint Frankreich... - Red.) ist „De Rock Et De Metal“ mit seinen 164 Seiten in französischer Sprache leider nicht geworden. Dennoch: Als erster grober Überblick taugt das Buch von Pascal Paillardet durchaus. Zu Beginn muss man sich erst an die doch sehr ungewöhnliche Erzählstruktur des Textes gewöhnen, denn die fortlaufende Chronologie wird immer wieder sprunghaft aufgebrochen. Gerade noch wurde über die Bedeutung des „Teufelszeichens“ („signe du diable“) referiert, und im nächsten Kapitel geht es um die Gründungsgeschichte des Heavy Metal in den späten Sechzigern. Im Zentrum steht allerdings tatsächlich die Evolution der französischen Szene seit den späten Siebzigern. Besonders interessant sind dabei die Ausführungen über die einheimischen Medien, die über Metal zu berichten pflegten: Im Radio feierte die Sendung „Wang Tango“ auf RTL am 8. August 1980 Premiere, im Bereich der Printmedien wurden die allgemeinen Rockmagazine „Best“ (proletarisch) und „Rock & Folk“ (intellektuell) in der Gunst der Headbanger dagegen erst im Jahre 1983 von „Enfer“ und kurz danach „Metal Attack“ abgelöst (übrigens gegründet vom späteren Black-Dragon-Chef Michel Desgranges). Die Lebensläufe von stilprägenden Gruppen wie Warning, Satan Jokers oder Ocean werden recht ausführlich wiedergegeben. Den größten Platz nehmen diesbezüglich allerdings, wie kann es auch anders sein, Trust ein (deren letztes Album „Dans Le Même Sang“ hierzulande leider so gut wie überhaupt nicht gewürdigt wurde). Bernie Bonvoisin erzählt viel und regt auch öfter zum Nachdenken an. Allerdings dürfte die folgende Aussage zum Cover des 1995er Albums „Europe Et Haines“ doch mindestens diskussionswürdig sein: „Der Vergleich der ethnischen Säuberungen in Ex-Jugoslawien mit Auschwitz ist historisch gerechtfertigt.“

REVIEW 28.08.2019

(Buch, RH 388, 2019)

Eine SubkulTOUR durch Südostasien

(Buch: Ventil Verlag / DVD: Eigenvertrieb / Vinyl-Sampler: Concrete Jungle) Dass die Punk-, Metal- und generelle Aktivismus-Subkultur weltumspannende Phänomene sind, ist sicherlich keine neue Erkenntnis, aber wie diese Szenen abseits von Europa und Amerika aussehen und vor welchen Problemen sie dort stehen, wissen sicherlich die wenigsten. Das hat offensichtlich auch Felix Bundschuh und Diana Ringelsiep umgetrieben, die für „A Global Mess“ kurzerhand durch Südostasien gereist sind, um sich vor Ort einen Eindruck zu verschaffen. Herausgekommen ist eine Multimedia-Dokumentation, bestehend aus Buch, Film und Vinyl-Sampler. Den ausführlichsten Einblick bietet das Buch, das kein Sachbuch im klassischen Sinne ist, sondern im Tagebuch-Stil von der Reise erzählt und so nicht nur die Szene, sondern auch die Gedanken der beiden Autoren abbildet, was die Lektüre sehr kurzweilig macht. Der Film hat seinen Schwerpunkt hingegen bei den Interviews mit den Szene-Protagonisten (die auch im Buch festgehalten sind). Leider fehlt ihm dadurch etwas der rote Faden, ist aber als visuelle Ergänzung zum Buch durchaus interessant. Als Hörprobe der angesprochenen Bands dient der Sampler, der die komplette Bandbreite von Metal über Punk bis zu HipHop (!) abdeckt. Insgesamt ein spannender Reisebericht, dem hoffentlich bald noch weitere Teile folgen werden. 3 FRAGEN AN FELIX BUNDSCHUH UND DIANA RINGELSIEP: Diana, Felix, was war der eindrücklichste Moment auf der Reise? Felix: »So ein Best-of ist immer schwierig (lacht). Ich glaube, es war die Situation, als wir mit einem Künstlerkollektiv in Kuala Lumpur T-Shirts gegen Polizeigewalt bedruckt haben und die Künstlerin Syahida uns erzählte, welchen Druck die Polizei auf sie ausübt und welche Zustände in den Gefängnissen herrschen. Das hat uns wirklich schockiert, auch wenn wir natürlich davon gehört hatten. Syahida wurde beispielsweise verhaftet, weil sie mit Männern in einer WG lebte, und generell gibt es in Malaysia noch die Prügel- und sogar die Todesstrafe für aus westlicher Sicht relativ harmlose Straftaten wie Marihuana-Besitz.« Habt ihr Tipps für Leute, die nach Asien reisen und etwas von der Punk- oder Metalszene mitbekommen wollen? Viele Dinge, die ihr im Buch beschreibt, sind ja mehr oder weniger Geheimveranstaltungen. Diana: »Prinzipiell macht es Sinn, vor der Reise im Internet zu schauen, wo internationale Bands schon gespielt haben. Darüber kommt man dann auch an die lokalen Supportbands, bei denen man einfach mal nachfragen kann. Die meisten freuen sich sehr und zeigen gerne ihre Szenetreffs. Das gilt auch, wenn man vor Ort jemanden mit Szene-Klamotten trifft.« Felix: »Einen ganz konkreten Tipp hätte ich tatsächlich noch, und zwar die Twice Bar auf Bali. Die findet man im Internet relativ einfach, man kann einfach hingehen, und Bali ist ja ganz allgemein auch ein Touristenziel. Dort spielen fast täglich coole Bands von der Insel. Leider gibt es in Südostasien nur wenige solcher dauerhaften Treffpunkte, weil die ganze Region sehr schnell wächst und viele Läden nur eine kurze Lebenszeit haben.« Euer Projekt heißt „A Global Mess“, für dieses Buch wart ihr aber „nur“ in Südostasien. Habt ihr eine Fortsetzung geplant und wisst vielleicht auch schon, wo es hingeht? Diana: »Wir haben den Namen bewusst gewählt, und daher ist es schon unser Ziel, einen zweiten Teil zu machen. Wohin es uns dann verschlägt, wissen wir aber noch nicht. Wir haben auch momentan wenig Zeit, darüber nachzudenken, weil wir gerade mit der Veröffentlichung des ersten Teils beschäftigt sind. Aber wir sind uns einig, dass es in diesem Rahmen weitergehen soll.« (mbl)

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REVIEW 17.04.2019

(Buch, RH 384, 2019)

Contract In Blood - A History Of UK-Thrash-Metal

Beim Auspacken des neuen Schinkens von Ian Glasper hätte ich mir fast das Handgelenk verstaucht. Ob das wohl als Arbeitsunfall durchgegangen wäre? (Okay, dieser Joke ist zugegebenermaßen von Jan geklaut...) Auch ohne Hardcover-Umschlag bringen es die eng bedruckten 712 Seiten locker auf über ein Kilo Gewicht. Eine derart epische Abhandlung über Thrash Metal aus Großbritannien? Wir reden hier wohlgemerkt nicht über Slayer, Metallica und Exodus. Wir reden über LAWNMOWER DETH, METAL DUCK und DRUNKEN STATE. Natürlich stand der britische Thrash immer im Schatten der Amerikaner, aber ein paar unbestrittene Klassiker hat das Königreich dennoch hervorgebracht: allen voran selbstverständlich Andy Sneaps SABBAT, ONSLAUGHT oder die unlängst beim Headbanger´s Open Air schwer abgefeierten XENTRIX. Glasper, der ursprünglich aus der Punk-Szene kommt, berücksichtigt bei seinem Ansatz auch nicht unbedingt linientreue Thrash-Acts wie die ENGLISH DOGS, CEREBRAL FIX oder HELLBASTARD. Des Weiteren schlägt er auch die Brücke zur aktuellen Szene mit Protagonisten wie den nordirischen GAMA BOMB, SSS und SHRAPNEL. Es bleibt kein Stein auf dem anderen, selbst Demo-Bands ohne eigenständige Vinyl- oder CD-Veröffentlichung werden ausführlich gewürdigt. Fazit: „Contract In Blood“ ist die absolute Vollbedienung in Sachen Thrash von der Insel, Oberstufen-Pflichtlektüre. Und ganz nebenbei: Eine derart akribische und liebevolle Huldigung der einheimischen Thrash-Szene hat es in Amerika noch nicht gegeben (in Deutschland freilich ebenfalls nicht).

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