Review

Reviews 8.5

BROILERS

Noir

Ausgabe: RH 321

BONUSBOMBE

People Like You/Universal (52:07)

Platz drei in den deutschen Albumcharts mit dem Vorgänger „Santa Muerte“ war eine Ansage, aber die BROILERS wischen bereits mit den ersten beiden „Noir“-Songs sämtliche etwaige Zweifel vom Tisch: ´Ist da jemand?´ und ´Zurück in Schwarz´ sind locker getextete, perfekt arrangierte, hart, aber herzlich produzierte Punkrock-Hits, die an die größten (Live-)Gassenhauer der DüsseldorferInnen anschließen. Und auch im weiteren Verlauf (16 Tracks!) tut sich die Band nicht sehr schwer, dem Druck standzuhalten: Klar, das schon auf „Santa Muerte“ stark zurückgenommene juvenile Ungestüm ist endgültig perdu; wenn man heute übers Saufen singt, lugt der dicke, fette Kater gleich mit um die Ecke (´Die Letzten (an der Bar)´). Und ja, trotz des großen kommerziellen Erfolgs der letzten Jahre merkt man, dass die BROILERS, alle Mitte 30, gerade in einer Phase sind, in der sie sich fragen, ob das, was ist, denn auch reicht im Leben. Aber sie sind nun mal schlau genug, ihre Zweifel und Anliegen nie weinerlich klingen zu lassen, nichts schlägt in aufdringliche Koketterie um, nichts wird allzu pathetisch. Im Gegenteil: Frontmann Sammy Amara, Texter der Band, trifft fast immer den richtigen Ton, seine unprätentiösen Lyrics spiegeln die Gedanken seiner Generation wider, ohne anbiedernd zu wirken.
Musikalisch lassen es die vier Kerle und ihre Bassistin immer öfter etwas ruhiger angehen, sie schrecken nicht mehr vor einzelnen Singer/Songwriter-Ausflügen zurück, und sie wildern - durchaus am Puls der Zeit - auch in leicht kühlen Wave- und Postpunk-Gefilden (das tolle ´Ich brenn´´, das leider weniger tolle ´Ich hol´ Dich da raus´). Die Herzstücke sind aber natürlich auch auf „Noir“ die charmanten Mid- und Uptempo-Schoten, die man auch ohne Onkelz- (nichts gegen die Onkelz!) und Frei.Wild-Sammlung toll finden kann, die aber trotzdem nicht den Eindruck von läppischem „Abiturienten-Oi!“ erwecken. Wer´s nicht glaubt, checkt ´Die Hoffnung stirbt nie´, ´Ich will hier nicht sein´, ´Grau, Grau, Grau´ oder ´Gutes Leben´.

Autor:
Boris Kaiser

AMAZON EMPFEHLUNG

Melde dich für unseren Newsletter an und verpasse nie mehr die wichtigsten Infos

Diese Seite verwendet Cookies. Erfahrt in unserer Datenschutzerklärung mehr darüber, wie wir Cookies einsetzen und wie Ihr Eure Einstellungen ändern und Cookies deaktivieren könnt. Darüber hinaus verwenden wir Cookies Dritter für die Einbindung audiovisueller Inhalte durch Youtube, Spotify und Soundcloud. Dem könnt ihr hier zustimmen oder dies ablehnen. Datenschutzerklärung ansehen.