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REVIEW 28.09.2016

(DVD - Musik, RH 353, 2016)

KISS - Kiss Rocks Vegas

(Eagle Rock) Wenn eine Rockband ein Multi-Show-Engagement in Las Vegas präsentiert, gehört sie zum Genre-Establishment (was bei KISS jetzt eh nicht zu bezweifeln ist), hat aber ihren kreativen Zenit für gewöhnlich längst hinter sich (was bei KISS nicht mal die Band selbst abstreitet). Also stellt man sich vor ein zahlungskräftiges und recht gesittetes Auditorium, präsentiert eine State-of-the-art-Show (die Casinos dort sind ungefähr so groß wie ´ne Arena in einer europäischen Metropole) und geht bei der Setlist auf Nummer sicher, um das „casual“ Publikum nicht zu vergraulen. Auf „Kiss Rocks Vegas“ sind zwei Songs jünger als 30 Jahre (was ganz besonders schade ist, wenn man sich vor Ohren führt, wie fett das für KISS-Verhältnisse brandneue ´Hell Or Hallelujah´ rockt), und von den noch älteren überrascht kein einziger, auch wenn ´Parasite´ und ´Deuce´ hier immerhin formidabel knallen. Dass die Show keine 90 Minuten dauert – geschenkt. Dass Paul Stanleys Stimme auch bei einer nachbearbeiteten Liveaufnahme oftmals so brüchig klingt, dass man für die kommende „KISS Kruise“ angekündigten „Creatures Of The Night“-Granaten wie ´Danger´ und ´Keep Me Comin´´ eher mit Unbehagen entgegensieht – egal. Komposition und physische Konstitution sind auf „Kiss Rocks Vegas“ nur ein Teil des Puzzles. Der Mitschnitt ist dermaßen perfekt inszeniert (Bühne, Effekte, Sound, Kamera, Schnitt), dass man nur noch staunend vor dem Fernseher sitzt, vorausgesetzt, man gehört nicht zu den Leuten, die chronisch dem Original-Line-up und seinen hochenergischen Mittsiebziger-Performances hinterhertrauern. Zudem gibt´s als Bonus sieben Akustik-Live-Tracks, die normalerweise einer spendablen Klientel auf Kreuzfahrten und Meet & Greets vorbehalten sind.

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REVIEW 28.09.2016

(DVD - Musik, RH 353, 2016)

TWISTED SISTER - Metal Meltdown - Live From The Hard Rock Casino Las Vegas

(Loud & Proud) Forty & fuck it. Das war´s, TWISTED SISTER sind Geschichte – und hinterlassen im Live-Sektor eine Lücke, die so leicht niemand füllen können wird. Bereits im letzten Heft haben wir uns mit Frontmann Dee Snider ausführlich über den Split unterhalten, jetzt liegt uns die letzte Veröffentlichung der schrillen Truppe aus Long Island vor. Das Package besteht aus drei Discs: Auf der CD findet sich das komplette Konzert, das die Band 2015 im Rahmen der „Metal Meltdown“-Konzertserie in Las Vegas gegeben hat, auf DVD und Blu-ray (inhaltsgleich, Letztere ist technisch aber deutlich besser) sowohl die Show als auch eine gut anderthalbstündige Doku. Während das Konzert an sich über alle Zweifel erhaben ist, in hervorragender Bild- und Tonqualität kommt und reichlich Schauwerte (Pyros! Videoleinwände! Dee Snider!) bietet, hapert es an der Umsetzung: Auf der CD wird nach jedem Song kurz ausgeblendet, in der gefilmten Fassung fehlen die Ansagen, dafür werden Interviewpassagen aus der Doku dazwischengeschnitten. Umgekehrt enthält die Doku aber auch Live-Aufnahmen, was doppelt gemoppelt wirkt. Eine klarere Trennung wäre wünschenswert gewesen. Ansonsten: top und für alle TWISTED SISTER-Fans als Abschiedsgeschenk sowieso unverzichtbar. 3 FRAGEN AN TWISTED SISTER-FRONTER DEE SNIDER: Dee, „Metal Meltdown“ ist euer finales Geschenk an die SMFs, euer Vermächtnis. Habt ihr im Vorfeld darüber nachgedacht, statt eines Live-Albums eine reguläre Platte zu veröffentlichen? »Nein, keine Sekunde. Seit unserer Reunion im Jahr 2003 sind keine neuen TWISTED SISTER-Songs mehr entstanden. Das hat auch einen Grund, denn die Leute wollen lieber unsere Klassiker hören. Vor einer Weile habe ich ein Interview mit Elton John gesehen, in dem er sagte, dass er vor seiner nächsten Show Angst hat, weil er Stücke von seiner neuen Platte spielen wird.« Traurig, aber so geht es wohl leider vielen alten Helden. »Ja, in der Tat. In dem Moment, in dem man mit einer Band, die so lange wie TWISTED SISTER im Geschäft ist, neue Tracks spielt, geht die Energie im Publikum verloren. Die Leute gehen zur Bar oder aufs Klo. Das ist fast schon ein Pawlow´scher Reflex. Man läutet quasi die Glocke, und auf einmal haben alle Durst, obwohl sie vorher nie daran gedacht hätten, ihren Platz zu verlassen. Ziemlich verrückt (lacht).« Dennoch bringst du demnächst ein Soloalbum raus. »Die Musik auf „We Are The Ones“ ist viel zeitgenössischer und eher mit den Foo Fighters oder Thirty Seconds To Mars als mit TWISTED SISTER vergleichbar. Die Songs sind Hardrock, kein Metal. Die Message bleibt aber dieselbe. Es geht darum, dass man den Glauben an sich selbst nicht verlieren darf. Wenn jemand versucht, dir Scheiße aufzutischen, dann akzeptiere das nicht und lehne dich auf. Daran hat sich seit ´We´re Not Gonna Take It´ nichts geändert!«

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REVIEW 27.07.2016

(DVD - Musik, RH 351, 2016)

AYREON - The Theater Equation

(InsideOut/Sony) Vier denkwürdige Abende im September letzten Jahres. Arjen Lucassen bringt sein 2004er Konzeptalbum „The Human Equation“ in voller Länge auf eine Rotterdamer Bühne – als klanglich wie dramaturgisch nahezu perfekte Rock-Musical-Produktion, die problemlos auch im Londoner West End laufen könnte. Von der aufwendigen Licht- und Videoshow über das mehrdimensionale Bühnenbild, die neunköpfige Band (mit Atomuhr-Drummer Ed Warby) und den sensationellen Chor bis hin zum hochkarätigen, überwiegend mit dem Studio-Cast identischen LeadsängerInnen-Ensemble stimmt jedes Detail. Könner wie James LaBrie, Anneke van Giersbergen, Devon Graves und Eric Clayton erwecken „The Human Equation“ zum Leben, als sei die Platte nie für etwas anderes als die Bühne geschrieben worden, und sind in ihrer Performance angenehm weit vom Ami-Kitsch à la Trans-Siberian Orchestra entfernt. Auch ohne den verstorbenen Mike Baker, die verhinderten Mikael Åkerfeldt und Devin Townsend und den konzertscheuen Lucassen, der lediglich am Ende kurz auftaucht, entfaltet die Story eine Sogwirkung, die weit über den akustischen Zauber des Doppelalbums hinausgeht. Zum Glück halten diverse Kameras den letzten der vier Gigs für die Ewigkeit fest. Wer damals nicht dabei war, kann das Spektakel jetzt im Heimkino genießen, bei Interesse sogar mit deutschen Untertiteln. Behind-the-scenes-Dokus mit Musikerinterviews gibt´s obendrauf auch noch. So, und jetzt das Gleiche bitte noch mal mit „Into The Electric Castle“, Herr Lucassen!

REVIEW 27.07.2016

(DVD - Musik, RH 351, 2016)

ALL THINGS MUST PASS – THE RISE AND FALL OF TOWER RECORDS

(Universal Pictures) (FSK 0) 1999 lag der Umsatz von Tower Records, der damals weltweit größten Plattenladen-Kette, bei über einer Milliarde US-Dollar. Fünf Jahre später meldete das Unternehmen Konkurs an, und 2006 schloss die letzte Tower-Records-Filiale in den Vereinigten Staaten ihre Pforten. Mit dem Dokumentarfilm „All Things Must Pass – The Rise And Fall Of Tower Records“ erzählt Regisseur Colin Hanks (der Sohn von Hollywoodstar Tom Hanks) die Geschichte vom Aufstieg und Fall eines Unternehmens, wie es in der Historie der Musikindustrie beispiellos ist. 1960 eröffnet der damals 35-jährige Russell Solomon im kalifornischen Sacramento seinen ersten Plattenladen. Der junge Mann hatte zuvor die Musikabteilung im Drugstore seines Vaters, Tower Drugs, geleitet. Als er die Abteilung vergrößern will, bietet sein Vater ihm an, sie aus dem Familienunternehmen auszugliedern. Gesagt, getan – eine Unterschrift und die Zahlung einer nicht spezifizierten Summe später ist Tower Records geboren. In den folgenden Jahrzehnten expandiert die Firma zunächst in Kalifornien, später an die Ostküste, nach Japan, Südamerika und Europa. In „All Things Must Pass“ kommen neben Solomon zahlreiche weitere ehemalige Angestellte, Musiker und Zeitzeugen zu Wort. Der Film erzählt einfühlsam, emotional und nostalgisch von einer Zeit, in der es das Internet noch nicht gab, Fernseher eine Seltenheit waren und Musik für viele Menschen im Mittelpunkt des Lebens stand. Überaus sehenswert.

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