Review

Reviews 8.0

ANNIHILATOR

Waking The Fury

Ausgabe: RH 179

Tightes Geschrattel, gnadenloses Gebrettere bis zum Anschlag und schwergewichtige Ausflüge in die Dampframmen-Abteilung des Midtempo-Power Metal: Der sagenhafte kanadische Ultra-Gitarrist Jeff Waters und seine Gang walzen auf Studiowerk Nummer neun mal wieder nach allen Regeln der Thrash-Kunst durchs Gehölz - angetrieben von Jeffs unverwechselbar präzisen Stakkato-Rifforgien, umschwirrt von seinen ebenfalls einzigartig singenden Melodie-Akzenten und getoppt von gestochen scharfen, vor Seele und Leidenschaft vibrierenden Solo-Ausbrüchen. Angesichts dieses dominanten eigenen Stils, der wie gewohnt perfekt zwischen Tradition und Moderne balanciert, ist es mehr als legitim, den einen oder anderen Einfluss als Tribut oder Karikatur in die eigenen Songs einzubauen, was Jeff in glänzender Manier gelingt.

Resultat sind Doppelzentner wie der dezent an Metal Church und die älteren Vicious Rumors erinnernde Saftschinken ´Torn´, die unwiderstehliche Pflasterstein-Hymne ´Ritual´ (Killer!), der mit Metallica-Zügeln versehene Galoppel-Bolzer ´Prime Time Killing´, die in der Art des ?Carnival Diablos?-Tracks ´Shallow Grave´ aufgezogene Verbeugung vor AC/DC (´Nothing To Me´) oder Gimmicks wie der im Stil von Altmeister Ritchie Blackmore inszenierte Abgang von ´Fire Power´.

Womit man sich bei der Einfuhr des neunten ANNIHILATOR-Studioalbums allerdings erst mal arrangieren muss, ist der in Industrial-Manier verzerrte und angespitzte (Rhythmus-)Gitarrensound, der über weite Strecken wie ein Telefonrauschen zu Zeiten des ersten Transatlantik-Kabels klingt, als handelsübliche Fernsprecher noch wie überdimensionale Kaffeemühlen an der Wand hingen. Sobald das Unterbewusstsein diese Störgeräusche beim zweiten oder dritten Durchlauf nicht mehr zur Kenntnis nimmt, entfalten sich die Qualitäten des Albums - minus zwei, drei kompositorischer Füllnummern - allerdings ungehemmt. Und wer solche Klänge richtig amtlich findet, sollte sich ?Waking The Fury? erst recht auf seiner Antest-Liste notieren.

PS: Es wäre schön, wenn zur nächsten Tour ein paar Mann bzw. Mädels mehr ihren Hintern vom Sofa hieven könnten als bei den vergangenen ANNIHILATOR-Europareisen. Zuletzt ist der begnadete Thrash´n´Roll-Entertainer Waters mit seiner hochklassigen Band im Schnitt vor gerade mal 300 Liebhabern auf Club-Bühnen in einem Funken sprühenden Feuerball der guten Laune explodiert. Wer da zu Hause hinterm Ofen hocken bleibt, betreibt nix anderes als Gotteslästerung. Man kann´s aber auch Selbstverarschung nennen.

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