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AN ODE TO JOY

Wie lange darf ein Künstler von Glaubwürdigkeit und Idealismus sprechen, wenn er in den Medien bereits als Popstar tituliert wird – obwohl er gar keine Musik macht? Darf der Grafiker, Labelinhaber und Berufsfreak Frank Kozik die oben genannten, ethischen Begriffe für sich beanspruchen, wenn er seine Fans mittlerweile ausquetscht wie reife Tomaten? Der Entwurf und Vertrieb seiner berühmten Konzertplakate geht mittlerweile in galaktischem Tempo voran, die Preise für seine Erzeugnisse steigen wie Mannesmann-Aktien, sein Label Man’s Ruin veröffentlicht mittlerweile auch im Monatstakt, und sein neuestes Buch kostet (inklusive Versand) satte 75 Mark bei nur 114 Seiten.

Aber richtig schön ist es, das bunte Ding mit dem Hardcover. Frank Kozik bleibt das Nonplusultra, wenn es um Comic-Pop-Art geht. Die Augen und die Gefühlswelt des Kindes vermischt der Hornbrillenmaestro mit Blut, Gewaltrausch, Ekel und Abnormitäten aus den tiefsten Abgründen der Menschheit. Somit lässt Kozik oft ein “Walt Disney meets Weltkrieg”-Szenario entstehen, das sich auf Plattencovern und Konzertplakaten wiederfindet. „An Ode To Joy“ ist eine Ansammlung von Objekten der Sammlerleidenschaft, die zwischen 1995 und 1999 entstanden sind, darunter das berühmte Plakat vom letzten Kyuss-Gig (gemeinsam mit den Melvins) im Berliner Loft im August 1995.

Absurdes, Seltsames, Sarkastisches gibt es in Form von Plakaten von Filter-, Soundgarden- oder Antiseen-Konzerten. Jede Grafik wird vom Meister kurz und oft ironisch kommentiert. Bestes Beispiel: Ein Soundgarden-Gig wird mit einem Bild von einer Atombombenexplosion angekündigt. Kozik dazu: „I really, really, really miss the cold war.” Schluck...

Nun denn, wer kürzlich bei Günter Jauchs Millionenshow gewonnen hat und nicht weiß, wohin mit dem Geld: 75 Mark gehen an Popdom Bookshop, Vogteistraße 12-18, 50670 Köln.

Autor:
Wolf-Rüdiger Mühlmann

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