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REVIEW 9.5 30.05.2012

(Album des Monats, RH 301, 2012)

KREATOR - Phantom Antichrist

Nuclear Blast/Warner (45:34) Dass die neue KREATOR-Platte gut ist, belegt allein schon das gigantische Titelstück, das mittlerweile jeder Schwermetaller kennen sollte. Respekt! Der Song ist für mich noch einmal ein Klassiker des Thrash, in einer Qualität, die man auf jeder neuen Slayer- oder Megadeth-Platte nur allzu gerne finden würde. Mit ´Death To The World´ laden die Essener dann einen typischen KREATOR-Klopfer nach. So weit, so gut. Was ist neu an diesem Album? Sicherlich die Tatsache, dass man die spontane Arbeitsweise von „Hordes Of Chaos“ gegen die schwere Metal-Maschinerie von Jens Bogren eingetauscht hat: Präzise Rifforgien en masse, mehrstimmige Gitarrenmelodien in nahezu allen Songs, und eine Prise Bombast mit Akustikgitarren und fetten Chören hat sich ebenfalls hier und da eingeschlichen. Die Platte klingt reif und fett. Mille entdeckt (neben den Thrash-Trademark-Elementen nahezu gleichberechtigt) seine Heavy-Metal-Roots neu, und Sami Yli-Sirniö blüht besser denn je in diesem Umfeld auf. Die überschäumende Freude an Gitarrensoli und Twin-Guitar-Läufen steckt jedenfalls an und ist eine logische Konsequenz, wenn man einen der besten Metal-Solisten Europas in seinem Orchester hat. Meiner Meinung nach alles im Rahmen, aber es wird Fans geben, die das primitive, direkte, punkige Element von KREATOR vorziehen. Was mir an der Platte am besten gefällt, sind die vielen überraschenden Wendungen, die „Phantom Antichrist“ auch nach mehrmaligen Durchläufen noch parat hält. ´The Few, The Proud, The Broken´ beginnt als gradlinige Hymne, ehe die Nummer schichtweise ins Progressive driftet und man den Refrain wie aus dem Nichts gekonnt hervorzaubert. Oder nehmen wir nette Details wie den Percussion-Part in ´Civilisation Collapse´, der dem Song noch mal zusätzlichen Auftrieb verschafft. Auf „Phantom Antichrist“ wirkt trotz eines Maximums an Abwechslung nichts aufgesetzt, am Rechner zusammengeflickt oder deplatziert. Das ist echte Metal-Kunst! Einziger Kritikpunkt ist vielleicht die Tatsache, dass sich einige Gitarrenmelodien doch etwas ähneln. Trotzdem besitzt jeder einzelne Song so viel Substanz, dass man KREATOR wiederum ein Highlight ihrer Diskografie bescheinigen darf. Klar, es geht immer NOCH besser, aber für den Moment haben KREATOR zweifelsohne eines der allerstärksten Metal-Alben des Jahres herausgebracht. Da wird sich die internationale Konkurrenz mächtig strecken müssen. DISKOGRAFIE (Studioalben) Endless Pain (1985) Pleasure To Kill (1986) Terrible Certainty (1987) Extreme Aggression (1989) Coma Of Souls (1990) Renewal (1992) Cause For Conflict (1995) Outcast (1997) Endorama (1999) Violent Revolution (2001) Enemy Of God (2005) Hordes Of Chaos (2009) Phantom Antichrist (2012) LINE-UP Mille Petrozza (v./g.) Sami Yli-Sirniö (g.) Christian „Speesy“ Giesler (b.) Jürgen „Ventor“ Reil (dr.) DIE PATEN Wer auf aktuelle KREATOR steht, mag bestimmt auch: Slayer * Megadeth * Judas Priest * Dark Angel * Annihilator * Warbringer * Mortal Sin * Testament * Suicidal Angels * Destruction * Vio-lence * Sacrifice * Onslaught Und das sagt Mille zum Soundcheck-Sieg: »Wow, es freut mich unglaublich, dass wir wieder Album des Monats in unserem Lieblings-Megazine geworden sind. Es war eine wunderbare musikalische Reise, „Phantom Antichrist“ zu schreiben, und nun hoffen wir, dass es unseren Fans in Deutschland und dem Rest der Welt genauso gut gefällt wie uns. Auch im Namen von Ventor, Sami und Speesy möchte ich allen Maniacs für den Support danken. Keep Metal alive!«

REVIEW 8.5 25.04.2012

(Album des Monats, RH 300, 2012)

PENNYWISE - All Or Nothing

Epitaph/Indigo (37:17) Plattenfirma, geht´s noch? Im „Waschzettel“ zur neuen PENNYWISE-Scheibe zu verschweigen, dass bei den Herrschaften aus Südkalifornien inzwischen Ignite-Gesangsikone Zoli Téglás am Mikro steht, ist ein Sakrileg, selbst wenn die Gesangslinien auf „All Or Nothing“ nicht so stark auf den „Klaus Meine des Hardcore“ zugeschnitten sind wie bei seiner Hauptband. Ansonsten gibt es am zehnten Studioalbum von Gitarrenhüne Fletcher Dragge und Konsorten nicht das Geringste auszusetzen. Im Gegenteil: Mit ´Revolution´ und ´Let Us Hear Your Voice´ haben die Amis zwei Melodycore-Kracher am Start, die auf jeder Bad-Religion-Scheibe eine gute Figur machen würden. Da auch der Rest der Songs prima ins Ohr geht und Zolis Stimme unterm Strich gut zur Mucke passt, kann man „All Or Nothing“ getrost als bestes PENNYWISE-Album seit „About Time“ aus dem Jahre 1995 bezeichnen. DISKOGRAFIE (nur Studioalben) Pennywise (1991) Unknown Road (1993) About Time (1995) Full Circle (1997) Straight Ahead (1999) Land Of The Free? (2001) From The Ashes (2003) The Fuse (2005) Reason To Believe (2008) All Or Nothing (2012) LINE-UP Fletcher Dragge (g.) Zoli Téglás (v.) Randy Bradbury (b.) Byron McMackin (dr.) DIE PATEN Wer auf die folgenden Bands abfährt, dürfte auch an „All Or Nothing“ seine helle Freude haben: Bad Religion * Ignite * Millencolin * Gorilla Biscuits * NOFX * Lagwagon * Rise Against * Green Day * The Offspring * Death By Stereo * Good Riddance * Sum 41 Das sagen Basser Randy Bradbury und Gitarrist Fletcher Dragge zu „All Or Nothing“: »Wir wussten, dass für uns viel auf dem Spiel stand und wir die beste Scheibe unserer Karriere schreiben mussten. Ich denke, das ist uns auch gelungen, obwohl das im Endeffekt natürlich die Fans entscheiden. Ich für meinen Teil bin auf alle Fälle sehr stolz auf „All Or Nothing“. Das letzte Mal war ich bei der „Full Circle“ aus dem Jahre 1997 so aufgeregt.« (Brad) »Für mich hat es sich so angefühlt, als wären wir während der Songwritingphase zu unseren Wurzeln zurückgekehrt - das heißt, es gab viele hitzige Diskussionen untereinander. So sind früher unsere besten Platten entstanden – wenn wir uns gegenseitig angeschrien haben und dabei manchmal sogar Dinge zu Bruch gegangen sind. Am Ende des Tages ist „All Or Nothing“ eine laute, harte, schnelle und aggressive Punkrockscheibe, also das, was wir am besten können.« (Fletcher)

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REVIEW 9.0 28.03.2012

(Album des Monats, RH 299, 2012)

ACCEPT - Stalingrad

Nuclear Blast/Warner (51:39) Haben sie es nun geschafft oder nicht? Ist „Stalingrad“ ein würdiger Nachfolger für den weltweit abgefeierten Knaller „Blood Of The Nations“ (immer noch ganz oben in unseren Lesercharts) geworden? Oder doch nur ein enttäuschender Nachschlag? Nun, die Antwort ist nicht leicht, und ich habe „Stalingrad“ wochenlang rauf- und runtergehört (obwohl mir schon der allererste Durchlauf - und da waren es noch unfertige Demos - gefiel), bevor ich mir wirklich sicher war: Ja, ACCEPT haben es geschafft! Sie haben ein genauso starkes Album hingekriegt. Und es gibt sogar einzelne Aspekte an „Stalingrad“, die das Wort „Steigerung“ rechtfertigen. Zuallererst wäre da Wolf Hoffmanns unglaublich gute Gitarrenrbeit, díe NIE besser war. Klingt maßlos übertrieben, ich weiß, ist aber absolut ernst gemeint: Die vielen kleinen Geniestreiche im Rhythmus- und Leadgitarrenbereich stellen alle ACCEPT-Alben der Vergangenheit in den Schatten und verdeutlichen (einmal mehr), wie verdammt unterbewertet dieser Mann ist. Wolf erreicht stellenweise sogar das Niveau eines Michael Schenker Ende der Siebziger/Anfang der Achtziger, der sich ja ebenfalls durch „mitsingbare“ Soli, Klassik-Einflüsse und charakteristisches Rhythmusspiel ausgezeichnet hat. Und wer heutzutage der (viel) bessere Gitarrist von beiden ist, versteht sich ja eh von selbst. Aber es ist nicht nur das Gitarrenspiel, das aus „Stalingrad“ ein tolles Album macht. Die Band hat es einfach NOCH besser verstanden, ihre Stärken zu bündeln und mit allen (!) zehn Songs genau das abzuliefern, was sich ein ACCEPT-Fan wünscht. Trotzdem ist genügend Licht und Schatten vorhanden, um auch Abwechslung zu garantieren und nicht eintönig oder ZU berechenbar zu klingen. Es gibt den Epic (´Stalingrad´) ebenso wie den Melodic-Banger (´Shadow Soldier´), den düsteren Stampfer (´The Galley´), den groovigen Nackenbrecher (´Hellfire´) oder den gnadenlosen Hardrock-Ohrwurm (´Twist Of Fate´). Viel Dynamik, viel Tempo, viel Gedrosselteres, viel Härte, viel Melodie - alles da! Und Mark Tornillo singt, kreischt und brüllt sich durch sämtliche Facetten des ACCEPT-Sounds, als hätte er nie was anderes im Leben gemacht. Dabei klingt er zwar MANCHMAL wie Udo, aber längst nicht immer. Mark hat, vor allem wenn er singt, eine eigene, charakteristische Stimme und genügend Souveränität, um die ACCEPT-Trademarks würdevoll umsetzen zu können. Der Vorgänger „Blood Of The Nations“ ist nicht zu toppen, das weiß auch die Band. Aber das Kunststück, einen ebenbürtigen Nachfolger rauszuhauen, der auch in ein paar Jahren noch als solcher wahrgenommen wird, ist mit etwas Zauberei zu schaffen. Am Ende des Tages müsst ihr entscheiden, ob „Stalingrad“ auf derselben Stufe wie „Blood Of The Nations“ steht. Meine Antwort kennt ihr ja. DISKOGRAFIE (nur Studioalben) Accept (1979) I´m A Rebel (1980) Breaker (1981) Restless And Wild (1982) Balls To The Wall (1983) Metal Heart (1985) Russian Roulette (1986) Eat The Heat (1989) Objection Overruled (1993) Death Row (1994) Predator (1996) Blood Of The Nations (2010) Stalingrad (2012) LINE-UP Wolf Hoffmann (g.) Peter Baltes (b.) Herman Frank (g.) Stefan Schwarzmann (dr.) Mark Tornillo (v.) DIE PATEN Wer auf ACCEPT steht, mag auch: Judas Priest * MSG * UFO * Rainbow * AC/DC * W.A.S.P. * U.D.O. * Bullet * Krokus * Gamma Ray * Warlock * Killer * Ram * Torch * High Spirits Und das sagt die Band: »Nee! Das gibt´s doch nicht! Schon wieder Album des Monats? Wir fühlen uns geehrt und sind gerührt; auf der Tour werden wir noch einen drauflegen. Wie könnten wir uns auch anders bei unseren Fans bedanken? Im Namen von uns allen: ein fettes Metal-Thank-you!« Wolf, Peter, Mark, Herman & Stefan

REVIEW 9.5 29.02.2012

(Album des Monats, RH 298, 2012)

ASPHYX - Deathhammer

Century Media/EMI (47:33) Jawohl! Kniet nieder, ihr Würmer! Erstarrt in Ehrfurcht vor den holländischen Großmeistern! Die haben den „Deathhammer“ ausgepackt, der alles plattwalzen wird, was gegen ihn aufmuckt. ASPHYX kommen ohne Umschweife zur Sache. Kein Intro, kein Vorspiel, keine Zeit zu fliehen: ´Into The Timewastes´ krallt sich von der ersten Sekunde an in deinem Fleisch fest, bevor dich der mächtige Titeltrack unter Strom setzt und dich ins siebenminütige ´Minefield´ schickt. Mit einer bedrückenden Intensität brechen ASPHYX entweder im Uptempo-Format oder im zähen Doom-Tempo über dich hinein, und sie sind dabei zu jeder Sekunde vor allem eins: echt und ehrlich bis auf die Knochen. Kein Schnickschnack, nur Death und Doom in unverfälschter Form, aggressiv, böse, packend. Abgerundet vom genialen Rausschmeißer ´As The Magma Mammoth Rises´, einem fast achtminütigen Song, der im Prinzip nur auf einem Riff basiert, aber trotzdem keine Sekunde langweilig wird und durchaus als Verneigung vor Bathory zu werten ist. Nie waren ASPHYX besser als auf „Deathhammer“, einer Platte, die mehr als nur ein Pflichtkauf für jeden Death-Metaller ist, der auch nur einen Funken Anstand hat. DISKOGRAFIE The Rack (1991) Last One On Earth (1992) Crush The Cenotaph (EP, 1992) Asphyx (1994) Embrace The Death (1996) God Cries (1996) On The Wings Of Inferno (2000) Death...The Brutal Way (2009) Deathhammer (2012) LINE-UP Martin van Drunen (v.) Paul Baayens (g.) Alwin Zuur (b.) Bob Bagchus (dr.) DIE PATEN Wer auf die folgenden Bands abfährt, dürfte auch mit dem „Deathhammer“ seine helle Freude haben: Obituary * Celtic Frost * Hellhammer * Desaster * Pentacle * Bolt Thrower * Autopsy * Grave * Hail Of Bullets * Necros Christos * Grave Miasma * Funebrarum * Godgory Das sagt Sänger Martin van Drunen zum „Deathhammer“: »Nachdem ich den letzten Mix von Dan Swanö ein paar Mal angehört hatte, musste ich Bob anrufen. Ich fragte ihn: ”Du? Hast du auch so ein komisches Gefühl in deinen Eingeweiden? Was ist das? Woher kommt das?“ Er meinte auch: „Ja, das könnte so eine Scheibe sein, die man nur einmal im Leben macht.“ Meine ASPHYX-Brüder und ich sind jetzt einfach megastolz, „Album des Monats“ im Rock Hard zu sein. Auch weil es bedeutet, dass die Redaktion versteht, was wir machen. Ihr seid richtige Metalheads - genauso wie wir. 25 Jahre gibt es den Namen ASPHYX, und 25 Jahre bin ich jetzt selbst im Geschäft. Das ist das schönste Geschenk, was man uns machen kann. Danke euch allen!«

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REVIEW 8.5 25.01.2012

(Album des Monats, RH 297, 2012)

FREEDOM HAWK - Holding On

Small Stone/Cargo (51:49) Ha! Count-Raven-Frontmann Dan „Fodde“ Fondelius, dem man nachsagt, er orientiere sich doch gerne mal an good old Ozzy, ist hiermit rehabilitiert, denn FREEDOM HAWK-Vorsteher T.R. Morton klingt eben nicht wie Ozzy (nun gut, vielleicht ein bisschen), sondern - genau! - eher wie Fodde, was bedeutet, dass dieser, also Fodde, ganz eindeutig eine eigene Herangehensweise pflegt, denn sonst könnte man ihn sich ja schließlich nicht direkt zum Vorbild nehmen. Wobei allerdings fraglich ist, ob FREEDOM HAWK Count Raven überhaupt kennen, denn der Virginia-Vierer benutzt Doom höchstens als Atmosphäre und tritt das Gaspedal lieber etwas weiter durch. Die im Infozettel angeführten Vergleiche Sheavy, Clutch, Fu Manchu, Kyuss und Monster Magnet können ebenfalls nicht wirklich als Anhaltspunkte dienen, denn FREEDOM HAWK sind - ja, ja! - erstens nicht nur besser als ALLE diese Bands, sondern zweitens auch viel deutlicher im Classic Rock verwurzelt und haben mit Man-nannte-es-mal-Indie/Alternative nicht die Bohne zu tun. Sagen wir lieber so: Hätten Sabbath sich 1979 nicht von Ozzy (huch!) getrennt, „Holding On“ mit seinen Anspielhits ´Edge Of Destiny´ und ´Her Addiction´ wäre stilistisch der perfekte „Never Say Die!“-Nachfolger gewesen. Line-up T.R. Morton (v./g.) Matt Cave (g.) Mark Cave (b.) Lenny Hines (dr.) DISKOGRAFIE Universal (EP, 2007) Sunlight (2008) Freedom Hawk (2009) Holding On (2011) Die Paten Wer auf folgende Bands steht, dreht auch bei FREEDOM HAWK am Rad: Black Sabbath * Count Raven * Revelation * Monster Magnet * Orchid * Sheavy * Hawkwind * Blue Öyster Cult * Ted Nugent * Orange Goblin * Krux * The Obsessed * Grand Magus * The Sword * Bible Of The Devil * Trouble Das sagt die Band über „Holding On“: »Wir sind klar der Meinung, dass „Holding On“ unsere bis dato stärkste Platte ist - was vielleicht auch daran liegt, dass das Mixing-Board, an dem unser Album seinen Feinschliff verpasst bekommen hat, aus den legendären Cambridge-Studios stammt, in dem so illustre Größen wie Black Sabbath, Thin Lizzy oder Robert Plant zugange waren. Was ihr hört, ist unverfälschter, echter Analogsound!«

REVIEW 9.0 14.12.2011

(Album des Monats, RH 296, 2011)

KRUX - III - He Who Sleeps Amongst The Stars

GMR (45:18) Der Meister lässt sich definitiv viel Zeit. Das gleichnamige KRUX-Debüt erschien 2002, der schlicht „II“ betitelte Nachfolger wurde 2006 veröffentlicht, und nun - weitere fünf Jahre später - findet die Albentrilogie endlich ihren Abschluss. Und was für ein Abschluss das ist! Ohne Wenn und Aber ist „III - He Who Sleeps Amongst The Stars“ die bisher stärkste und kompletteste Veröffentlichung der schwedischen Supergroup um Candlemass-Boss Leif Edling. Doom und epischer (Power) Metal stehen mittlerweile komplett gleichberechtigt nebeneinander. Tonnenschwere Riffs werden von episch breiten Keyboard-Melodien flankiert, Opeth-Gitarrist Fredrik Åkesson zaubert ein Gänsehautsolo nach dem anderen aus dem Handgelenk, und darüber thront Power-Röhre Mats Levén mit geradezu traumwandlerischer Sicherheit und zum Sterben schönen Gesangsmelodien. Vergleicht man "III..." mit dem Erstling "Krux", so fällt auf, dass die Band mittlerweile mehr denn je im klassischen Heavy Metal verwurzelt ist. Damals klangen die Gitarren noch dreckiger und rauer, wodurch einige Songs einen deutlichen Hang in Richtung Stoner-Rock/Metal entwickelten. Mittlerweile tönen die Äxte - auch die von Ex-Grave/Entombed-Haudegen Jörgen Sandström - wesentlich "klassischer". Dadurch und durch das sehr präsente Keyboardspiel von Carl Westholm (von den SciFi-Proggies Jupiter Society) hat sich der Fokus etwas mehr in Richtung Dio oder Black Sabbath (in der Dio- bzw. Tony-Martin-Ära) verlagert. Hört euch einfach das spacig-epische Titelstück oder das mächtig doomwalzende ´The Death Farm´ an, und ihr wisst, was ich meine. Ganz großes Ohrenkino! DISKOGRAFIE Krux (2002) II (2006) III - He Who Sleeps Amongst The Stars (2011) LINE-UP Mats Levén (v.) Fredrik Åkesson (g.) Jörgen Sandström (g.) Peter Stjärnvind (dr.) Carl Westholm (key.) Leif Edling (b.) DIE PATEN Wem die folgenden Bands gefallen, der wird auch "III - He Who Sleeps Amongst The Stars" mögen: Candlemass * Abstrakt Algebra * Rainbow * Dio * Black Sabbath * Grand Magus * Solitude Aeturnus * Memory Garden * Memento Mori * Forsaken * At Vance * Veni Domine Und das sagt Bandkopf Leif Edling zum Album des Monats: »Wow. Unglaublich! Dass die Platte bei euch Album des Monats wird, hätte ich echt nicht erwartet. Na ja, vielleicht ist das in Sachen Metal ja auch ein Saure-Gurken-Monat. Haha! Aber ernsthaft: Das ist eine große Ehre, und ich hätte echt nicht darauf getippt, dass so viele Leute auf das Album abfahren, wie es derzeit den Anschein hat. Versteht mich nicht falsch: Ich denke schon, dass es eine richtig gute Platte geworden ist. Aber es ist letztlich auch ein ziemlich straightes Metal-Album mit der einen oder anderen Wendung. Da kann man nicht wirklich vorhersagen, wie es von den Leuten aufgenommen wird. Aber gut, wahrscheinlich sollte ich jetzt doch mal so langsam anfangen, ein paar Gigs für KRUX zu buchen!«

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REVIEW 9.5 16.11.2011

(Album des Monats, RH 295, 2011)

THE DEVIL'S BLOOD - The Thousandfold Epicentre

Ván Records/Soulfood (73:59) Das neue Meisterwerk aus dem Hause THE DEVIL´S BLOOD kommt auf Anhieb bei allen, die mir gegenüber bisher ihre Meinung geäußert haben (und das waren nicht wenige), noch besser an als der erste Longplayer „The Time Of No Time Evermore“. Jenes Album enthält Jahrhundertkracher wie ´The Anti-Cosmic Magick´, ´Christ Or Cocaine´ oder ´House Of Ten Thousand Voices´, was bereits verdeutlicht, wie stark dann der Nachfolger sein muss. Und nachdem „The Thousandfold Epicentre“ in den meisten Büros unserer Redaktion seit Wochen heiß gelaufen ist, kann man ein Resümee ohne Fragezeichen ziehen: Das zweite vollständige Album der holländischen Ausnahme-Band ist nicht nur das Album des Monats, sondern des Jahres geworden. Es gibt hier so dermaßen viel zu entdecken, dass man sich eigentlich tagelang mit der Platte einschließen und sie über Kopfhörer hören müsste, um einen halbwegs „richtigen“ Eindruck zu haben. Und doch - darin liegt eine große Stärke der Band - sind diese höchst komplexen Songs so eingängig, dass sie keine lange Anlaufzeit benötigen, um süchtig zu machen. ´Cruel Lover´? Ein Hit. ´She´? Treibt alle weiblichen TDB-Fans, die ich kenne (plus Krugi), in den Wahnsinn. ´The Thousandfold Epicentre´? Der Himmel auf Erden (ist die Hölle der anderen). ´On The Wings Of Gloria´? Der neue Live-Oberhammer. ´Die The Death´? Welch grandiose Gitarrensounds, welch hypnotische Melodieführung. Rein stilistisch haben sich THE DEVIL´S BLOOD auf dieser Scheibe noch tiefer in den Classic-Rock-Bereich gewagt. Von „Metal“ im herkömmlichen Sinne oder gar von „Black Metal“ kann musikalisch nicht mehr die Rede sein, auch wenn die Band vom Gitarren-Feeling her tief in der NWOBHM verwurzelt ist und der Gesang oft die erhabene Ausstrahlung alter Rainbow besitzt. Gerade die drei Gitarren sind so unglaublich geil gespielt, dass man als Hardrocker oder Metaller nicht an THE DEVIL´S BLOOD vorbeikommt. Ich würde tatsächlich behaupten, dass Bandkopf Selim in seiner Generation momentan kein anderer Gitarrist in puncto Feeling das Wasser reichen kann - ausgenommen sein Sidekick Ron, der schon lange als bester Gitarrist Hollands gilt. Der dritte Mann im Bunde ist gerade mal 21, erst vor wenigen Wochen bei TDB eingestiegen und ebenfalls ein Supertalent. Wo bitte soll das noch hinführen? Natürlich polarisieren TDB auch weiterhin kräftig. Man kann sie nur lieben oder hassen. Wer sie teilnahmslos „ganz gut“ findet, hat nicht richtig hingehört oder aufgrund des extremen Images Berührungsängste. Diese Leute wissen nicht, was ihnen entgeht. Aber egal, das soll ja nicht unser Problem sein. „The Thousandfold Epicentre“ hat alles, was eine klassische Rockplatte haben kann: grandiose Songs, tolle Performance aller Musiker, viel Wärme und Feeling, eine geschmackvolle, aufwändige Old-School-Produktion und extrem viel Tiefgang. Dass das Album 74 Minuten dauert, merkt man trotz der ausufernden, trippigen Jam-Parts gegen Ende (´The Madness Of Serpents´ und ´Feverdance´; beide hätten auch auf dem tollen Minialbum „Come, Reap“ stehen können) kaum - und das ist als großes Kompliment zu verstehen. Der Kreis der eingeschworenen Fans wird sich mit dieser Scheibe erheblich erweitern - ob das den Ignoranten nun passt oder nicht. Diskografie The Graveyard Shuffle (Single, 2008) Come, Reap (Mini-CD, 2008) I´ll Be Your Ghost (Single, 2009) The Time Of No Time Evermore (2009) The Thousandfold Epicentre (2011) Die Paten All diese Bands haben Spuren im Sound von TDB hinterlassen - und umgekehrt: Coven * Black Widow * Rainbow * Roky Erickson * Hawkwind * Jefferson Airplane * Heart * Dio * Iron Maiden * Rush * Watain * While Heaven Wept * Queen * Uriah Heep * Black Sabbath * Jex Thoth * Blood Ceremony * Devil * Black Oath * Year Of The Goat Das sagt Bandkopf SL zum Album des Monats: »Es tut gut zu sehen, dass unsere Arbeit Beachtung findet und dass so viele unterschiedliche Leute - unabhängig von ihrer Position oder ihrem Intellekt - etwas aus ihr herausziehen können. Und es tut gut zu wissen, dass die besondere Aufgabe, die THE DEVIL´S BLOOD ausmacht, noch längst nicht erfüllt ist.«

REVIEW 8.5 19.10.2011

(Album des Monats, RH 294, 2011)

ICED EARTH - Dystopia

Century Media/EMI (45:11) Seien wir mal ehrlich: Die letzten beiden Alben der Florida-Metal-Institution waren alles andere als das Gelbe vom Ei, und auch deren Vorgänger „The Glorious Burden“ bot neben viel Licht auch einiges an Schatten. Insofern waren die Erwartungen an „Dystopia“ eher gering - zumal ja auch schon wieder ein neuer Sänger... Tja, so kann man sich täuschen! Jon Schaffer nimmt mit „Dystopia“ gekonnt sämtlichen Kritikern den Wind aus den Segeln und überrascht mit einem unerwartet starken Album. Der tolle titelgebende Opener wütet zeitweilig in fast schon ´Painkiller´-kompatibler Priest-Manier, ´Anthem´ macht seinem Namen alle Ehre und mutiert blitzschnell zum Widerhaken-bewehrten Langzeit-Ohrwurm, ´Anguish Of Youth´ und ´V´ sind hymnenhafte ICED EARTH-Klassiker in Reinkultur, mit dem Maiden-artig beginnenden ´Dark City´ ist eine sehr vielschichtige und beschwingte Nummer am Start, während sich ´Days Of Rage´ als eines der härtesten Bandstücke ever entpuppt. Auch der Rest überzeugt. Und Stu Block brilliert als extrem vielschichtiger Sänger, der in den mittleren Tonlagen absolut an Matt Barlow erinnert, gleichzeitig aber auch geile Screams in bester Halford/Owens-Manier beherrscht. Unterm Strich die stärkte ICED EARTH-Platte seit „Horror Show“. DISKOGRAFIE Iced Earth (1990) Night Of The Stormrider (1991) Burnt Offerings (1995) The Dark Saga (1996) Days Of Purgatory (Demos & Re-Recordings, 1997) Something Wicked This Way Comes (1998) The Melancholy EP (EP, 1999) Alive In Athens (Live, 1999) Horror Show (2001) Tribute To The Gods (Coveralbum, 2002) The Reckoning (EP, 2004) The Glorious Burden (2004) Framing Armageddon (2007) The Crucible Of Man (2008) Dystopia (2011) LINE-UP Stu Block (v.) Troy Seele (g.) Jon Schaffer (g.) Freddie Vidales (b.) Brent Smedley (dr.) DIE PATEN Wem die folgenden Bands gefallen, der könnte auch „Dystopia“ mögen: Jag Panzer, Blind Guardian, Demons & Wizards, Judas Priest, Wolf, Steel Prophet, Tad Morose, Eidolon, Charred Walls Of The Damned, Brainstorm, Iron Maiden, Metallica Und das sagt Gitarrist Jon Schaffer über seinen erstmals auf „Dystopia“ zu hörenden neuen Frontmann Stu Block: »Ich habe ganz sicher nicht nach einem Matt-Barlow-Klon gesucht, und das ist Stu auch nicht. Ich brauchte jemanden mit einer flexiblen Stimme, der die mittleren Tonlagen gut draufhat, weil diese bei ICED EARTH am meisten eingesetzt werden.«

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REVIEW 9.0 21.09.2011

(Album des Monats, RH 293, 2011)

THE ANSWER - Revival

Spinefarm/Universal (50:01) Knapp fünf Millionen Zuschauer besuchten die 168 Shows der AC/DC-„Black Ice“-Tour, bei der THE ANSWER als Opener fungierten. Auf der einen Seite beeindruckende Zahlen, aber es wäre auch keine große Überraschung gewesen, wenn man „Revival“ den gestiegenen Erfolgsdruck und die hohe Erwartungshaltung anhören würde. Aber nichts da! THE ANSWER schultern diese Aufgabe mit beeindruckender Unbeschwertheit, von Verkrampfung oder kalkuliertem Songwriting keine Spur. Im Gegenteil: Man glaubt, jeder Sekunde und jedem Takt dieser zwölf Songs anzuhören, wie viel Spaß die vier Iren auf diesem Trip hatten. Unglaublich locker und vollkommen schlüssig hält die Band das hohe Niveau ihrer ersten beiden Scheiben, überrascht mit fantastisch souligen Gastvocals von Saint-Jude-Frontfrau Lynne Jackaman bei ´Nowhere Freeway´ und glänzt mit warmem und natürlichem, aber dennoch druckvollem und zeitgemäßem Sound. Selbst wenn nur zehn Prozent der Besucher der AC/DC-Tour THE ANSWER eine Chance geben, könnte der Band verkaufsmäßig der erste richtig große Wurf ihrer Karriere gelingen. Die Qualität hierzu hat „Revival“ ohne Frage. DISKOGRAFIE Rise (2007) Everyday Demons (2009) Revival (2011) LINE-UP Cormac Neeson (v.) Paul Mahon (g.) Micky Waters (b.) James Heatley (dr.) DIE PATEN Wem die folgenden Bands gefallen, der könnte auch „Revival“ mögen: Led Zeppelin * Aerosmith * The Black Crowes * Free * The Who * Bad Company * Fleetwood Mac * Badlands * Rival Sons Und das sagt Bassist Micky Waters zu „Revival“: »Direkt nach der AC/DC-Tour haben wir angefangen, Songs zu schreiben, und waren insgesamt ein Jahr mit dem Album beschäftigt. Wir hatten an die 40 Songs, von denen wir letztendlich 19 aufgenommen haben. Der Bluesrock-Vibe ist in die Band zurückgekehrt, und das Album hat deutlich mehr Party-Feeling als unsere zweite Platte „Everyday Demons“.«

REVIEW 9.0 24.08.2011

(Album des Monats, RH 292, 2011)

ARCH/MATHEOS - Sympathetic Resonance

Metal Blade/Sony (54:47) „Mjam, mjam“, sagte Miraculix, der Nachbar von Fates-Warning-Gitarrist Jim Matheix, Quatsch: Matheos, „der Zaubertrank ist mir diesmal aber besonders gut gelungen, und der lustige Lockenkopf von nebenan haut, nachdem ich ihm ein Fläschen abgefüllt habe, neuerdings Riffs wie Hinkelsteine raus, da gucken sich die Leute um!“ In der Tat: Was Matheos für das erste unter dem ARCH/MATHEOS-Banner laufende Album komponiert hat, erinnert an Zeiten, in denen bei der Stammband noch gefrickelt wurde, die ersten paar Minuten des knapp viertelstündigen 'Stained Glass Sky' könnten mit einem etwas wärmeren, natürlicheren Gitarrensound (ja, ein Kritikpunkt!) glatt auf „No Exit“ (23 Jahre alt!) stehen, beim knapp elfminütigen 'Any Given Day (Strangers Like Me)' gerät der Unterton mit seinen Thrash-Annäherungen fast schon ein wenig ZU heavy. Muckis schlagen also Melodie? Nein, keineswegs. Alleine John Arch, Gottsänger der ersten drei Fates-Warning-Platten, errichtet mit seiner unverändert magischen, majestätischen, einzigartigen Stimme Kathedralen, 'Neurotically Wired' zeugt bereits als Opener davon, die Hammer-Hook von 'Midnight Serenade' ist fast so nahe an Fates Warning 'Another Perfect Day', wie 'Eye To Eye' damals an 'Through Different Eyes' war, und ganz hinten raus, kurz bevor „Sympathetic Resonance“ zu Ende ist, in den letzten Zügen des recht zurückhaltenden 'Incence And Myrrh', gibt’s noch mal einen ganz großen Moment, einen Moment, bei dem wirklich jeder, der noch nicht tot ist oder scheintot oder doof, die eigene Gänsehaut zelebrieren wird und verdientermaßen auch sich selbst, weil er so geil war, dieses Progressive-Metal-Superwerk, bestimmt das Genrehighlight des Jahres, auf das selbst Römer stehen, in den Einkaufswagen zu befördern.

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