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REVIEW 9.0 26.06.2002

(Album des Monats, RH 182, 2002)

NIGHTWISH - Century Child

Ursprünglich hatten NIGHTWISH vor, auf dem neuen Longplayer mit einem ?echten? Orchester zu arbeiten, um dadurch noch pompöser und bombastischer zu klingen. Nun, das Orchester war im Studio und hat bei fünf Tracks mitgespielt, sogar einen Chor hat man noch verpflichtet, und trotzdem hat ?Century Child? weniger Breitwandformat als sein Vorgänger ?Wishmaster?. Erstaunlicherweise klingt die Platte ganz und gar nicht überfrachtet. Eher das Gegenteil ist der Fall, denn NIGHTWISH haben bei einigen Stücken deutlich Gewicht abgespeckt und sich auf das Komponieren schlichter und äußerst eingängiger Songs konzentriert. ´End Of All Hope´ ist so ein Stück, das anfangs wie der Nachfolger zum Track ´Wishmaster´ klingt, dann aber zu einem sehr erdigen, trockenen Riffrocker mutiert. Sehr fein und ungewöhnlich ist auch ´Slaying The Dreamer´ mit einem geilen, Megadeth-artigen Mittelpart - und die traumhaft schöne Ballade ´Forever Yours´ wird sicher nicht nur mich dahinschmelzen lassen. Doch natürlich kommen auch die Freunde des Bombasts nicht zu kurz, wofür alleine schon ´The Phantom Of The Opera´ und ´Beauty Of The Beast´ und zahlreiche andere großartige Gänsehaut-Melodien sorgen - wie z.B. bei ´Ocean Soul´, einem Spätzünder, den man zunächst leicht überhört, der sich dann aber zu einem absoluten Highlight mausert. Lediglich auf die typischen, aber inzwischen doch recht öden schnellen Doublebass-Nummern der Marke ´Sacrament Of Wilderness´ haben NIGHTWISH diesmal dankenswerterweise verzichtet. In diesem Bereich ist´s eh schwer, noch neue Akzente zu setzen. Bleibt noch der Gesang: Da ist als Pluspunkt zu vermerken, dass Tarja noch weniger opernhaft singt, sondern immer mehr ihre ?normale? Stimme einsetzt; allerdings sind die Vocals von Neu-Basser Marco Hietala, der doch einige Einsätze hat, sehr gewöhnungsbedürftig. Ich für meinen Teil komme gar nicht mit seiner Stimmlage zurecht, aber das dürfte eine klare Geschmacksfrage sein. Über ?Century Child? sollte es allerdings keine zwei Meinungen geben: Das Ding ist ein fantastisches, erwachsenes Album geworden. Bleibt nur zu hoffen, dass es nicht der letzte NIGHTWISH-Longplayer in dieser Besetzung gewesen ist...

REVIEW 9.0 22.05.2002

(Album des Monats, RH 181, 2002)

RUSH - Vapor Trails

Jetzt höre ich „Vapor Trails“ schon zum 20. Mal und kann die Scheibe immer noch nicht so recht ins Gesamtschaffen dieser begnadeten Band einordnen. Irgendwie passt das Album, das künstlerisch natürlich über jeden Zweifel erhaben ist, weder zu den poppigeren, moderneren Werken à la „Roll The Bones“, „Counterparts“ oder „Test For Echo“ noch zu den klassischen Meilensteinen „2112“, „Permanent Waves“ oder „Moving Pictures“, obwohl „Vapor Trails“ Anklänge an sämtliche Phasen der RUSH-History beinhaltet. So wundert man sich beispielsweise über die Tatsache, dass das kanadische Power-Trio diesmal gänzlich auf Keyboards verzichtet und Alex Lifesons Gitarre dafür wieder mehr in den Vordergrund geschoben hat, und nimmt andererseits zur Kenntnis, dass Geddy Lees Gesang stellenweise noch sentimentaler und melodischer geworden ist. „Weder Fisch noch Fleisch“, möchte man im ersten Moment sagen, weil keiner der Songs auf Anhieb ins Ohr gehen will - um dann nach kurzer Eingewöhnungsphase festzustellen, dass „Vapor Trails“ genauso wie jedes andere RUSH-Album (das „nur“ gutklassige Debüt mal ausgeklammert) süchtig macht. Letztlich ist es aber völlig egal, ob RUSH nun härter, softer, experimenteller oder bodenständiger geworden sind (was alles irgendwie zutrifft) - denn als Fan dieser Band saugt man vorbehaltlos jede Note in sich auf und freut sich über die Tatsache, dass Geddy Lee, Alex Lifeson und Neil Peart überhaupt noch Musik machen. RUSH sind so zeitlos wie Led Zeppelin und zieren deshalb zusammen mit den Urvätern des progressiven Hardrocks den Titel dieser Ausgabe.

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REVIEW 8.5 20.04.2002

(Album des Monats, RH 180, 2002)

STAR ONE - Space Metal

Auf Arjen Lucassen ist Verlass. Seine neue Science Fiction-Achterbahnfahrt ?Space Metal? erscheint zwar nicht unter dem bewährten Projektnamen Ayreon, klingt jedoch kaum anders als ?Into The Electric Castle? und die ?Universal Migrator?-CDs. Abgesehen davon, dass die ganz ruhigen Passagen fehlen und dafür zumeist fette Gitarren im Vordergrund stehen, bekommt der Fan gewohnte Kost serviert, deren hochwertige Zutaten dankenswerterweise nur selten von Schlemmer-Schlachtplatten der Vergangenheit gemopst sind. Mit dem untrüglichen Gespür für immer neue Ohrwurm-Melodien, das nur absoluten Sahne-Komponisten gegeben ist, inszeniert Zeremonienmeister Lucassen grandiose Heavy-Prog-Hymnen wie das rasante ´Set Your Controls´, das ein wenig an Led Zeppelins ´Kashmir´ erinnernde ´High Moon´, das treibende, von atemberaubenden Gitarren/Synthie-Soli gekrönte ´Master Of Darkness´, das von mächtigen Chören getragene Epos ´The Eye Of Ra´ oder das Spannungsbogen-Wunder ´Starchild´. Mit ´Sandrider´ und ´Perfect Survivor´ laufen zwar auch zwei schwächere Songs mit, doch der lupenreine Powerrock-Hit ´Intergalactic Space Crusaders´ und das geniale, mit ABBA(!)-Anleihen gewürzte ´Songs Of The Ocean´ lassen Rock-Gourmets den Sabber so dermaßen unkontrolliert aus den Mundwinkeln tropfen, dass die leichten Durchhänger unterm Strich kaum ins Gewicht fallen. Warme Analog-Synthies, sehr druckvoll produzierte Gitarren, furiose Soli von Jens Johansson (Stratovarius), Gary Wehrkamp (Shadow Gallery) und Erik Norlander (Lana Lane) sowie die großartigen Stimmen von Russell Allen (Symphony X), Dan Swanö (ex-Edge Of Sanity), Damian Wilson (ex-Threshold) und Floor Jansen (After Forever) kleiden die komplexen, aber nie zu verwinkelten Kompositionen in ständig wechselnde, trommelfellfreundliche Klanggewänder. Endgültig in den Adelsstand erhoben wird ?Space Metal? durch den festen Bucheinband der Limited Edition-Erstauflage, das dicke, mit phantastischem Artwork bestückte Booklet und die 41-minütige Bonus-CD, auf der u.a. zwei Studio-Outtakes, ein zehnminütiges Hawkwind-Medley (mit Hawkwind-Urgestein Dave Brock am Mikro) und das David Bowie-Cover ´Space Oddity´ auf den geneigten Fan warten. Für Arjen-Freunde (und nicht nur die) mal wieder ein absoluter Pflichtkauf!

REVIEW 9.0 20.03.2002

(Album des Monats, RH 179, 2002)

HAREM SCAREM - Weight Of The World

Schon mal versucht, die History der kanadischen Hardrock-Institution HAREM SCAREM, die sich zu Recht den Orden ?big in Japan? ans Revers heften darf, zu durchleuchten? Nee? Dachte ich mir. Denn ansonsten hättet ihr wahrscheinlich auch keine Zeit, dieses Review zu lesen. ?Weight Of The World? ist meines Wissens nach nämlich bereits der 27. (!) Release der Truppe (zählt man alle EPs, Live-Alben und Compilations mit), wobei man sich bis vor kurzem für einige Zeit in Rubber umbenannt hatte. Unter diesem Namen erschien vor zwei Jahren in Kanada auch eine selbstbetitelte CD voller Power-Pop, die in Japan allerdings als neue HAREM SCAREM-Veröffentlichung in die Shops gewuchtet wurde. Um das ganze Wirrwarr noch komplett zu machen, verschweigt das CD-Info dieses letzte Studioalbum komplett und spricht in der Discografie von lediglich elf Scheiben (inklusive Live-Platten & Co.). Hrmpf. Auf jeden Fall haben die Jungs ihre poppigen Ausflüge erst mal wieder ad acta gelegt und hauen mit ?Weight Of The World? das beste Hardrock-Album seit Monaten raus, das eine ziemlich gelungene Mischung aus den frühen Melodic-Rock-Zeiten (?Mood Swings?) und dem anspruchsvollen, fast progressiven Songwriting des ´95er Underground-Klassikers ?Voice Of Reason? darstellt. Oder anders gesagt: HAREM SCAREM erinnern anno 2002 tierisch an ?Psychoschizophrenia?-Lillian Axe und liefern elf grandiose Ohrwürmer ab, die man nie, nie wieder aus dem Ohr bekommt. Beste Beispiele hierfür: der überragende Opener ´Weight Of The World´, die melodisch-knackigen ´Killing Me´, ´All I Want´ oder ´Voice Inside´ und die amtliche Ballade ´This Ain´t Over´, die von sechs weiteren Smashern unterstützt werden, die kaum abfallen. Wer dieses Album, das im Übrigen mit einem wunderhübschen Cover versehen wurde, links liegen lässt, sollte seine Kohle am besten in ein amtliches Zwei-Meter-Hörrohr investieren.

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REVIEW 9.0 20.02.2002

(Album des Monats, RH 178, 2002)

BLIND GUARDIAN - A Night At The Opera

Nach dem ersten Durchlauf der neuen BLIND GUARDIAN-CD sitzt man geplättet im Sessel, reibt sich die Ohren und fragt sich mit völlig geleertem Hirn, was zur Hölle man da eigentlich gerade gehört hat. Ultrafetter, vielstimmiger Bombast, rasend schnelle Drum-Patterns und unzählige, ineinander verschachtelte Gitarrenmelodien in immer neuen, sich nur selten wiederholenden Abfolgen sind in dieser Dichte und Intensität einfach zu viel, um beim ersten Mal auch nur halbwegs verarbeitet werden zu können. Aber clever, wie die Guardians sind, haben sie den zehn komplexen Tracks, die die Vorgängerscheibe?Nightfall In Middle-Earth? in puncto musikalischer Anspruch mit links aus der Kurve drücken, extrem eingängige Refrains verpasst. Die wuchtigen Epen ´Precious Jerusalem´ und ´Sadly Sings Destiny´, die etwas arg dick mit Pathos bestrichene Halbballade ´The Maiden And The Minstrel Knight´ und ganz besonders die beiden Überhits ´Battlefield´ und ´The Soulforged´ haben sich nach zwei- bis dreimaligem Hören zentimetertief in die Hirnrinde gefräst. Und dann beginnt erst das eigentliche Abenteuer: Mit den Refrains als Fixpunkten durchwandert man eine Klangwelt, deren Detailreichtum im Metal seinesgleichen sucht. Nahezu jeder Song enthält Highspeed-Attacken, ruhige Intermezzi, groovige Riff-Passagen, unfassbar mächtige Chöre, aggressive Metal-Vocals, vertrackte Breaks, einprägsame Gitarrenleads und variables High-Tech-Drumming von einem anderen Planeten. Die Experimentierfreude von ?Nightfall...? trifft auf die Hitdichte von ?Imaginations...? und erschafft ein metallisches Wunderland, durch das man immer und immer wieder streifen kann, ohne sich auch nur einen einzigen Takt zu langweilen. Eine derart lange Halbwertzeit dürfte ansonsten nur schwerst radioaktives Material haben. BLIND GUARDIAN ist tatsächlich das gelungen, was ihnen nach den letzten Meisterwerken kaum noch jemand zugetraut hatte: ihre Mischung aus Melodiösität, vielschichtigen Songstrukturen und dezenter Innovation noch weiter zu perfektionieren und zu beweisen, dass traditioneller Metal auch anno 2002 nicht zwangsläufig altbacken und nichtssagend klingen muss. Wenn euch mal wieder jemand mit der alten Leier von wegen ?Der Metal ist tot? kommt, spielt ihm diese CD vor, und sofort herrscht andächtiges Schweigen in der Hütte. Wetten?

REVIEW 9.0 16.01.2002

(Album des Monats, RH 177, 2002)

DREAM THEATER - Six Degrees Of Inner Turbulence

Nein, DREAM THEATER haben ihr Meisterwerk „Scenes From A Memory“ nicht toppen können. Im Gegensatz zum ultrakompakten, perfekt arrangierten ´99er Konzeptalbum weist der neue Doppeldecker vereinzelte Längen auf und lässt vollkommen magische Momente à la ´The Dance Of Eternity´ oder ´Beyond This Life´ leider etwas vermissen. Aber hey, wir reden hier von DREAM THEATER, und die liefern natürlich auch mit „nur“ 95 Prozent Einsatz noch Songs ab, die der Konkurrenz mit spielerischer Leichtigkeit die DNA durcheinander wirbeln. Mit der 14-minütigen Riff-Kanonade ´The Glass Prison´ läutet der härteste DT-Song aller Zeiten die erste, atmosphärisch ein wenig an „Awake“ erinnernde CD ein. Ultrahartes Riffing und mörderisch peitschende Drums knüppeln selbst härteste Thrasher von der Piste - wer sich hier nicht anschnallt, kann schon mal ´nen Langzeitaufenthalt auf der Intensivstation buchen. ´Blind Faith´ beginnt gemäßigter und besticht mit schönen Klavier-Intermezzi, doch spätestens im Refrain wird auch hier höllisch hart gegroovt. ´Misunderstood´ lässt mit düster-psychedelischen Sounds Zeit zum Verschnaufen, gegen Ende nerven die arg freakigen Klangspielereien allerdings ein wenig. Schlüssiger ist da schon ´The Great Debate´, das wie der Opener nach 14 Minuten über die Ziellinie spurtet und fast genauso heftig gegen die Trommelfelle pocht. Gefühlvolle Steigerungen, markante Riffs und eingängige Gesangsmelodien machen die Nummer zum größten Ohrwurm der Scheibe, bevor mit ´Disappear´ eine typische, entspannte DT-Ballade den sich überschlagenden Puls wieder auf Normaltempo herunterfährt. Aber danach heißt es gleich wieder: festhalten, Ohren ganz weit auf und tiiiiief einatmen. Der 42-minütige Titeltrack, der die komplette zweite CD belegt, beginnt mit dem besten Metal/Klassik-Crossover-Stück aller Zeiten und brennt auch im weiteren Verlauf ein farbenprächtiges Ideenfeuerwerk nach dem anderen ab. Harte, treibende Metal-Parts, sphärische Schwebe-Passagen (bei ´Solitary Shell´ klaut man ein wenig bei Spock´s Beard), vertrackte Prog-Eruptionen (großartig: Jordans Rick Wakeman-Solo-Hommagen), gefühlvolle Gitarrenleads, atemberaubende Bass-Figuren, ungewöhnlich gemäßigte Vocals, grandiose Spannungsbögen und ein komplexes, tiefgründiges Textkonzept sichern dem Epos einen verdienten Ehrenplatz zwischen den beiden anderen großen DT-Monumentalwerken ´Scenes...´ und ´A Change Of Seasons´. So, und jetzt hört endlich auf, dieses blöde Review zu lesen, und reiht euch in die Warteschlange der DT-Süchtigen vor dem nächsten Plattenladen ein!

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REVIEW 8.0 12.12.2001

(Album des Monats, RH 176, 2001)

CREED - Weathered

Die Legende will es, dass Frontmann Scott Stapp und Gitarrist Mark Tremonti „Weathered“ nach der abgeschlossenen „Human Clay“-Tour innerhalb kürzester Zeit komponiert haben. Auch ohne den früheren Basser Brian Marshall - für den immer noch kein Ersatz in Sicht ist - haben sich CREED nach dem unglaublichen Erfolg des Vorgänger-Albums nicht auf ihren Lorbeeren ausgeruht, sondern sich direkt in die Arbeiten zu ihrem aktuellen Werk gestürzt. Nicht schlecht für eine Band, deren mit Edelmetall und anderen Awards vollgenagelte Häuser mittlerweile an Juwelier-Auslagen erinnern dürften und der man gemeinhin allzu große Motivation für das Schreiben neuer Songs absprechen würde. Dass CREED nicht den Binsenweisheiten des Big Business entsprechend funktionieren, beweist einmal mehr das neue Album. Wie bei den Vorgängern hat man die Produktion unter der Anleitung von Producer John Kurzweg durchgezogen und den ureigenen Sound nur um Nuancen verfeinert. „Weathered“ gerät denn auch schon beim ersten Durchlauf zur bis dato kompaktesten Vorstellung des Trios: Wuchtige Grooves, harte Gitarren und die eingängigen Gesangslinien von Scott Stapp dominieren, während einige wenige - dafür aber um so beeindruckendere ruhige - Passagen die dramaturgische Spannung erhalten. Daher geht ´Who´s Got My Back´ mit seinen indianischen Einflüssen noch am ehesten als stilistische Eskapade durch; sonstige Extravaganzen sucht man vergebens. Den Rock´n´Roll konnten und wollten CREED mit „Weathered“ nicht neu erfinden. Sich selbst haben sie aber zumindest eine Frischzellenkur verordnet. Dass ihnen das innerhalb der selbst auferlegten Grenzen eindrucksvoll gelungen ist, werden nicht zuletzt die zu erwartenden Absatzzahlen beweisen...

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REVIEW 10.0 14.11.2001

(Album des Monats, RH 175, 2001)

BOLT THROWER - Honour - Valour - Pride

Ist die Rede vom Musikgeschäft, dann ist auch die viel zitierte Schnelllebigkeit ein bestimmendes Thema. Auch im Metal, selbst wenn wir das manchmal nicht wahrhaben wollen. Spätestens ab diesem Moment denken wir gern an die Ausnahmen von der Regel. Wir denken an Bands, die mitten in diesem Zirkus agieren und doch irgendwie nicht dazugehören. Bands, die wirklich haargenau das praktizieren, was sie predigen. Bands, die über viele Jahre hinweg auf allerhöchstem Niveau Musik zelebrieren, und zwar zeitlose Musik. Womit wir folgerichtig bei BOLT THROWER angelangt wären. Seit ihrem zweiten Studioalbum ?Realm Of Chaos? - und das ist satte zwölf Jahre her - zeigt die englische Todesmetall-Institution mit beeindruckender Vehemenz, dass es durchaus möglich ist, einen eng eingegrenzten stilistischen Raum so sehr mit kreativem Leben auszufüllen, dass von Stillstand nie die Rede sein kann, selbst wenn dieser Raum zu platzen droht. Und immer wieder, von Album zu Album, treten BOLT THROWER den Beweis an, dass es trotz einer fantastischen Vorgängerscheibe stets noch Nuancen gibt, um die man seinen Sound noch explosiver, packender, ausgefeilter, souveräner und vor allem noch heavier gestalten kann - ohne sich unter dem Deckmantel der Weiterentwicklung von seiner musikalischen Vergangenheit zu entfernen. ?Mercenary?, das sechste Album von Gavin, Barry, Jo & Co., war deren bis dato vollkommenstes Werk und somit eine ungeheure Messlatte. Mit ?Honour - Valour - Pride? haben sie aber erneut einen Genre-Weltrekord aufgestellt. Fetter produziert als je zuvor, ja sogar als alle maßgeblichen Todesstahl-Alben zuvor, und zwar erneut im Do-it-yourself-Verfahren, durchbrechen die Riffs Betonwände, wummert und pumpt Jos Bass so druckvoll, wie man es noch nicht kannte, kracht das Drumset allumfassend. Die Stücke orientieren sich ganz offensichtlich an ?Mercenary?. So könnte beispielsweise das obergroovende ´K-Machine´ eine Fortsetzung des Titelsongs der letzten Scheibe sein, ´7th Offensive´ erinnert wiederum an den sehr melodiösen Brecher ´No Guts No Glory´. Aber: Auch wenn es Band-Worshipper Albrecht nicht wahrhaben will; auf ?Mercenary? waren nicht alle Nummern von höchstem Niveau. Der Genuss des aktuellen Meisterwerks, bei dem erneut das tonnenschwere Midtempo überwiegt, schmerzt hingegen beinahe schon, weil der Hörer ständig unter Starkstrom steht - denn es gibt keine einzige kreative Pause. Fürstliche Feger von Anfang bis Ende machen ?Honour - Valour - Pride? zu einer der größten Death Metal-Scheiben aller Zeiten, denn noch nie zuvor kam unbändige Kraft derart geballt ins Wohnzimmer. Maßgeblichen Anteil daran hat David Ingram, die in des Kritikers Ohren vermeintliche Achillesferse des Panzerkommandos. Der Ex-Benediction-Growler hat einen Stil irgendwo zwischen seiner eigenen Vergangenheit und dem übermächtigen Karl Willets gefunden, grunzt durchgehend songdienlich und die Songs bereichernd - und wurde am Pult schlussendlich clever ins Soundgewand gestrickt. Es war mir eine Ehre, dieses monumentale Zeugnis härtester Musik besprechen zu dürfen.

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