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REVIEW 9.0 21.01.2009

(Album des Monats, RH 261, 2009)

KREATOR - Hordes Of Chaos

Steamhammer/SPV (38:27) Über die Art der Produktion von „Hordes Of Chaos“ wurde bereits im Vorfeld der Veröffentlichung viel berichtet (u.a. auf der Rock-Hard-DVD in Heft 260 und im Interview dieser Ausgabe). Man kann der Band dazu nur gratulieren und ihr gleichzeitig danken. Denn das Ergebnis weiß auf ganzer Linie zu überzeugen und wird hoffentlich viele Nachahmer finden, so dass klinische, unnatürliche und totproduzierte Scheiben bald als Relikt der Vergangenheit gelten und die musikalischen Fähigkeiten und Emotionen der Musiker wieder in den Vordergrund rücken. Bei all dem sollte man aber nicht vergessen, dass „Hordes Of Chaos“ auch über zehn bärenstarke Songs verfügt, deren Fundament eine ausgewogene Balance aus melodischen Double-Lead-Gitarrenparts, die zum Teil an die glorreichen Bay-Area-Zeiten der achtziger und frühen neunziger Jahre erinnern, und typischem In-die-Fresse-Geschrote ist, von dem auch heute noch mehrere Generationen von Black-Metal-Bands zehren. Und ohne Zweifel spielt und soliert Leadgitarrist Sami nach einer musikalisch vielseitigen Karriere mit persönlicher Bestleistung, bei der keine Note aus reinem Selbstzweck platziert wurde. KREATOR gelingt mit „Hordes Of Chaos“ die nahezu perfekte Symbiose aus spielerischem Anspruch mit Verzicht auf übertriebene Selbstdarstellung, Tradition, Moderne, glaubwürdiger Aggression, unaufgesetzter Eingängigkeit, einem transparenten, natürlichen und druckvollen Sound und einem zeitgemäßen Gesamtbild, ohne dabei ureigene Trademarks zu verleugnen. Ältere Klassiker der Band mögen für die Geschichte des Metal letztendlich stilprägender gewesen sein, aber besser waren KREATOR zu keinem Zeitpunkt ihrer Bandgeschichte. Hut ab!

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REVIEW 9.0 22.10.2008

(Album des Monats, RH 258, 2008)

METALLICA - Death Magnetic

Universal (74:48) Ich gebe zu, ich habe beim Hören dieser Scheibe geweint. Vor Freude. Und nicht etwa beim ersten Reinlauschen, weil „endlich wieder alles wie früher ist“, sondern nach mindestens 30 Durchläufen, irgendwo auf der Autobahn im niedersächsischen Nirgendwo, als endgültig der Knoten platzte und aus einem Album, das alle Erwartungen übertraf, ein monumentales Jahrhundertwerk wurde. „Death Magnetic“ enthält mehr göttergesandte und perfekt aufeinander abgestimmte Gitarrenriffs als JEDES Metal-Album seit „...And Justice For All“ - eine unfassbar überwältigende Axtmacht, die mich nachts von den Akkordfolgen träumen, hochschrecken und (sehr zur Freude von Frau und Vermieter) zur Stereoanlage stolpern lässt, weil die Sucht nach dem Album zu fast schon körperlichen Entzugserscheinungen führt. Ob „Death Magnetic“ an die Klasse der makellosen METALLICA-Frühwerke heranreicht oder nicht, ist mir ehrlich gesagt scheißegal, denn seit ich vor fast 15 Jahren beim Rock Hard angefangen habe, hat mich KEINE Thrash-Platte so tief berührt. James´ Vocals ergänzten sich nicht einmal auf den Heiligtümern der 80er so phänomenal mit seiner Rhythmusgitarre, Kirks Soli sind keine Frickelarien, sondern pure Emotionen, und die Spannungsbögen der bis in den letzten Takt meisterhaft montierten, nie zu langen oder kopflastigen Songs (danke, Rick Rubin!) würden jeden Hollywood-Blockbuster aufwerten. Können METALLICA mit ihrem Todesmagneten an „Master Of Puppets“ anknüpfen? Völlig wurscht! „Death Magnetic“ ist METALLICA 2008, ein im angenehmsten Sinne progressives Wunderwerk, das viel von „...And Justice For All“ hat, aber auch die Melodiefixiertheit des „Black Album“, das Hypnotische von „St. Anger“ und die Blues-Vibes von „Load“/“Reload“ durchschimmern lässt. Vor allem ist die Platte aber eines: grundehrlich. Man merkt jederzeit, wie viel Bock die Herren nach überstandener Midlife-Crisis haben, wieder ganz ohne Rücksicht auf Zeitgeist und interne Differenzen den ganz großen Hammer auszupacken. Und das können nicht mal Machine Head und schon gar nicht Bands wie Trivium auch nur halb so atemberaubend wie METALLICA. Abgesehen vom leider zu komprimierten Schnarr-Mix ist „Death Magnetic“ ein lupenreines Zehn-Punkte-Album.

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REVIEW 9.0 20.08.2008

(Album des Monats, RH 256, 2008)

BLACK STONE CHERRY - Folklore And Superstition

Egal, wohin man schaut, egal, was man liest und hört: Die Kentucky-Bande BLACK STONE CHERRY wird - auch aus eigener Schuld - immer in die Southern-Rock-Schublade verfrachtet. Und NATÜRLICH verarbeiten die rootsbewussten Twens Einflüsse von Bands wie Lynyrd Skynyrd, ZZ Top oder den Allman Brothers, die auch alle brav im CD-Info genannt werden. ABER: Letzten Endes sind die nach ´ner Billig-Zigarrenmarke (!) benannten BLACK STONE CHERRY in erster Linie ein nicht gerade softer Hardrock-Act, der genau das fortsetzt, was spätestens seit den ganz frühen Neunzigern gar nicht mehr oder nur noch in äußerst bescheidener Qualität in die Regale gewuchtet wird. Dementsprechend muss man an dieser Stelle nämlich auch ganz andere Bands nennen, nämlich z.B. Badlands, Tangier, Company Of Wolves, Blue Murder, spätere Cinderella, Circus Of Power, Great White oder auch Tesla. Das Beste daran ist allerdings, dass man sich nicht dabei ertappt, nach der „Folklore And Superstition“-Rotation einen Klassiker aufzulegen. Man drückt lieber die Repeat-Taste, denn BLACK STONE CHERRYs Debüt-Nachfolger ist ein gefühlvolles, echtes, mit großartigen Hits versehenes Hammeralbum ohne einen einzigen Ausfall (bei insgesamt 13 Songs!), das in einer Reihe mit den großen Würfen des Genres steht. Highlights unter Highlights: das formidable Eröffnungs-Triple ´Blind Man´, ´Please Come In´ und ´Reverend Wrinkle´ sowie ´Things My Father Said´, die schönste Hardrock-Ballade seit Jahren.

REVIEW 8.0 16.07.2008

(Album des Monats, RH 255, 2008)

JOURNEY - Revelation

(61:29) Wenn man von den großen JOURNEY-Klassikern spricht, meint man die beiden Achtziger-Meilensteine „Escape“ und „Frontiers“, die beiden besten AOR-Alben aller Zeiten. Damals standen JOURNEY auf dem absoluten Zenit ihrer Karriere und waren zu Hause in den USA so unglaublich erfolgreich, dass sie kaum irgendwo anders auf Tour gingen. Das hat sich bis heute im Grunde nicht geändert, auch wenn Originalsänger Steve Perry die Band inzwischen gleich zweimal verlassen hat (zuletzt war er auf dem ´96er Comeback-Album „Trial By Fire“ zu hören) und es zumindest vereinzelte Europa-Abstecher gegeben hat. „Revelation“ (produziert von Kevin „Maiden“ Shirley, der auch für „Trial By Fire“ verantwortlich war) präsentiert mit Arnel Pineda den dritten Perry-Nachfolger - und den besten. Arnel, der in einer JOURNEY-Coverband entdeckt wurde, gleicht dem großen Steve Perry stimmlich wie ein Ei dem anderen und singt die durchweg starken Songs genau so, wie man das in den Achtzigern von seinem legendären Vorgänger gewohnt war. Herrlich cheesige, aber absolut unwiderstehliche Melodic-Rocker wie ´Where Did I Lose Your Love´ (Highlight!), ´What It Takes To Win´, ´Wildest Dream´ oder ´Never Walk Away´ hätten auch auf „Escape“, „Frontiers“ oder dem unterbewerteten „Raised On Radio“ (1986) stehen können, und ´After All These Years´ ist der definitive Nachfolger für die wohl großartigste JOURNEY-Ballade von allen, ´Faithfully´. Dafür, dass der Rock-Faktor trotzdem nicht zu kurz kommt, sorgen Supergitarrist Neal Schon und Ex-Wild-Dogs/Bad-English-Drummer Deen Castronovo, der (wie er regelmäßig live beweist) ja ebenfalls eine tolle, Steve-Perry-artige Stimme besitzt. „Revelation“ ist genau das Album, das man von JOURNEY seit „Raised On Radio“ hören wollte. Besser kann man sich selbst nicht kopieren, authentischer die Uhr nicht zurückdrehen. Das ist nicht originell, motzt da jemand in der letzten Reihe? Mag sein - ist aber völlig egal. Weltklasse-AOR MUSS so klingen!

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REVIEW 8.0 18.06.2008

(Album des Monats, RH 254, 2008)

GRAND MAGUS - Iron Will

DAS ist aber eine Überraschung! GRAND MAGUS aus Schweden gelten schon lange als Geheimtipp unter Doom- und Trad-Metal-Fans; dass sie aber mal ein „Album des Monats“ abliefern würden, war bislang eher unwahrscheinlich (auch aufgrund der Kompetenz diverser Kollegen, die ja gerne mal mit dem Arsch auf ihren Ohren..., Verzeihung). Nun ist es also geglückt. „Iron Will“ streichelt die Ohren (nicht den Arsch) all derer, die Black Sabbath mit Dio für das Nonplusultra im Heavy Metal halten. Doomige, schwere, soundtechnisch astreine Riffs treffen auf melodischen, majestätischen, souveränen Gesang, der dieses typische Dio-Pathos transportiert, ohne eine Kopie zu sein. Janne Christoffersson klingt von der Stimmfärbung her ganz anders als der kleine Sangesgott mit der Regenbogen-Lyrik, aber er dürfte die gleiche Zielgruppe ansprechen. Seine Gitarrenarbeit ist zudem so sehr von Iommi in der Dio-Ära inspiriert, dass man unweigerlich an „Heaven And Hell“ und „Mob Rules“ denken muss, obwohl GRAND MAGUS deutlich simpler und straighter agieren. Abwechslungsreichtum und Dynamik sind trotzdem garantiert, so dass man sich „Iron Will“ am liebsten am Stück anhört - auch weil die Qualität der neun Songs „nach hinten hin“ noch zunimmt. Klassischer, melancholisch eingefärbter Metal also, der von der Atmosphäre her in den Doom-Bereich fällt, aber weit darüber hinausreicht. Sollte jeder Metal-Maniac gehört haben - außer beinharten Speed-Freaks.

REVIEW 9.0 14.05.2008

(Album des Monats, RH 253, 2008)

AIRBOURNE - Runnin´ Wild

(36:43) Das Album des Monats kommt von einer australischen Newcomer-Band, die viele von euch längst auf dem Schirm haben (wie die letzten Poll-Ergebnisse zeigten). AIRBOURNE haben die Energie der jungen AC/DC, die rotzige Attitüde von Rose Tattoo und die charmante Unbekümmertheit von Motörhead. Ihre Einflüsse, so Sänger und Leadgitarrist Joel O´Keeffe, »stammen aus einer Ära, die etwa mit der Gründung von Metallica endet und nicht beginnt«. Old-School-Hardrock an der Grenze zum Metal, AC/DC-Riffs mit rauen, packenden Vocals, klassisches Songwriting mit großartigen Refrains - kurz: No-Bullshit-Rock´n´Roll ist angesagt. Immer auf dem höchsten Intensitätslevel rausgehauen, immer ansteckend, immer begeisternd. Neben den offensichtlichen Paten AC/DC und Rose Tattoo fallen einem auch sofort Namen wie Rhino Bucket, The Poor oder New American Shame ein - wobei AIRBOURNE anscheinend das bessere Timing erwischt haben. Die nicht weniger beeindruckenden genannten Bands waren Kritikerlieblinge und Insidertipps, konnten aber keine nennenswerten Verkaufserfolge feiern. The Poor und New American Shame lösten sich daraufhin schnell wieder auf; Rhino Bucket waren zumindest zwischenzeitlich lange von der Bildfläche verschwunden. Was AIRBOURNE angeht, so hat man jedoch das Gefühl, dass diese junge, hungrige Band genau zum richtigen Zeitpunkt in die Szene kracht. Das „Momentum“ ist stärker als bei allen anderen AC/DC-Erben der letzten 20 Jahre, und mit Roadrunner haben die Jungs die richtige Firma im Rücken. Deswegen - und weil an „Runnin´ Wild“ wirklich ALLES stimmt - bin ich mir sicher, dass AIRBOURNE in der Kategorie „Newcomer 2008“ so durchstarten werden wie Volbeat im letzten Jahr. Es liegt was in der Luft: ein gigantischer Brocken Hardrock, gegen den keine Abwehrraketen helfen. Zieht euch warm an, und heizt eure Boxen vor!

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