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REVIEW 10.0 17.02.2010

(Album des Monats, RH 274, 2010)

AIRBOURNE - No Guts. No Glory

Roadrunner/Warner (46:53) Lasst euch keinen Scheiß erzählen - nicht von selbsternannten Szenekönigen, die grundsätzlich nur das Debüt einer Band geil finden und dann auch nur so lange, bis es mehr als 500 Leute gekauft haben, nicht von Leuten, die grundsätzlich alles scheiße finden, was ihre Freundin mag, und schon gar nicht von Originalitätspedanten, die der Meinung sind, nur Angus Young habe ein Recht auf eine Gibson SG. „No Guts. No Glory“ hält, was der Albumtitel verspricht, und ist keinen Deut schlechter als das Debüt „Runnin´ Wild“, mit dem AIRBOURNE vor zwei Jahren völlig zu Recht für Furore sorgten. „No Guts. No Glory“ rockt, ballert, groovt, tritt Arsch, macht durstig, bringt eure Party in Schwung, verleiht eurem Auto zusätzliche PS, macht jung, schön und unwiderstehlich, steigert die Potenz, kurbelt die Wirtschaft an, sorgt für den Weltfrieden, lässt bei Götz die Haare wieder sprießen, macht unseren Wolf-Riedscher mundtot, verpasst Froooonck eine Diät, Rensen bekommt Bierdurst, Boris steht zu seiner Tonsur, und Zompf schmeißt die Flinte ins Korn, um wieder Vegetarier zu werden. Lediglich das szenebekannte Phantom Jonny Rönnebock kann der turboaufgeladene AC/DC-Sound der Australier nicht enttarnen. Ansonsten kann „No Guts. No Glory“ ALLES! DISKOGRAFIE Ready To Rock (EP, 2004) Runnin´ Wild (2007) No Guts. No Glory (2010) LINE-UP Joel O´Keeffe (v./g.) David Roads (g.) Justin Street (b.) Ryan O´Keeffe (dr.) DIE PATEN Wer auf AIRBOURNE steht, hört auch folgende Bands: AC/DC, ROSE TATTOO, THE POOR, THE ANGELS, NEW AMERICAN SHAME, RHINO BUCKET, KROKUS, JOHNNY CRASH, BROKEN TEETH, BONAFIDE

REVIEW 10.0 20.01.2010

(Album des Monats, RH 273, 2010)

HEATHEN - The Evolution Of Chaos

Mascot/Rough Trade (68:34) Jetzt habe ich diese CD schon gut 40 Mal durch meinen Player genudelt, und immer noch kann ich absolut keine Schwachstelle entdecken. 19 Jahre haben sich HEATHEN Zeit gelassen, um den Nachfolger ihrer schwer genialen „Victims Of Deception“-Scheibe auf die Menschheit loszulassen. Eine sehr lange Periode, in der sich der Musikmarkt grundlegend verändert hat. In den frühen Neunzigern blieb HEATHEN aus den verschiedensten Gründen der Durchbruch verwehrt. Ob es heutzutage noch möglich ist, mit grundehrlichem, gleichermaßen aggressivem wie melodischem Thrash Metal ganz nach oben durchzustarten, ist fraglich. Aber wenn eine Band die Chance dazu hat, dann müssen es ohne Wenn und Aber HEATHEN sein. Es gibt nichts, was „The Evolution Of Chaos“ nicht bieten würde. Pfeilschnelle Thrasher der Premiumklasse? Gibt´s mit ´Dying Season´, ´Silent Nothingness´ oder ´Bloodkult´. Echte Metal-Hymnen? Heute im Sonderangebot mit ´A Hero´s Welcome´ oder ´Control By Chaos´! Traditioneller Speed Metal? Könnt ihr mit ´Undone´ oder ´Arrows Of Agony´ haben. Und wem das noch nicht reicht, der höre sich bitte das elfminütige ´No Stone Unturned´ an, ein facettenreiches Breitwand-Epos mit sensationellen Gitarrenleads. Überhaupt: Wer auf ausgefeilte Soli steht, wird mit dieser Platte ebenfalls bestens bedient, denn die gibt´s en masse. Selbstverständlich auch kraftvollen, melodischen Gesang. Riffs im Champions-League-Format. Eine fette Produktion. Ein interessantes Cover. Und wenn ich mich auf den Kopf stelle: Ich kann das Haar in der Suppe nicht finden. „The Evolution Of Chaos“ ist ein Meisterwerk. Es ist die Platte, die Metallica nach „Master Of Puppets“ nie mehr gemacht haben. Und somit eine absolute Pflichtveranstaltung für JEDEN Metaller. DISKOGRAFIE Breaking The Silence (1987) Victims Of Deception (1991) Recovererd (2004) The Evolution Of Chaos (2010) LINE-UP David White (v.) Lee Altus (g.) Kragen Lum (g.) Jon Torres (b.) Darren Minter (dr.) DIE PATEN Wer auf die folgenden Bands steht, könnte auch an „The Evolution Of Chaos“ Gefallen finden: Exodus * Metallica * Annihilator * Laaz Rockit * Destruction * Overkill * Paradox * Testament * Grip Inc. * Evile * Living Death * Wargasm * Flotsam & Jetsam * Powermad

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REVIEW 9.0 16.12.2009

(Album des Monats, RH 272, 2009)

UNDERTOW - Don´t Pray To The Ashes...

Prevision/Soulfood (51:15) Eine „richtige“ Doom-Band waren UNDERTOW ja eh noch nie, und mittlerweile sind die Songs mit gemäßigtem Tempo bei den Schwaben deutlich in der Unterzahl. Mit den beiden abschließenden Krachern ´File Under Unexpected´ und ´Drenched In Gasoline´ haben sie diesmal sogar zwei lupenreine Thrash-Arschtreter im Angebot. Und genau diese gesunde Mischung macht „Don´t Pray To The Ashes...“ zu einem solch wertvollen Album. Den Fans der ersten Stunde sei gesagt, dass es UNDERTOW natürlich auch immer noch im gemächlichen Tempo können. Wenn sie in bester Crowbar-Manier in Tracks wie ´Smoke Garden´ und ´Still Waiting´ oder das Type-0-mäßige ´Beyond Dreaming´ all ihre Emotionen legen, wenn Sänger Joschi seinen ganzen Seelenschmerz in ergreifenden Melodielinien freien Lauf lässt, dann lässt das einfach niemanden kalt. Aber wie schon eingangs erwähnt: Dominant sind auf dieser Platte die etwas flotteren, hart groovenden Nummern, die eine stilistische Nähe zu Acts wie Disturbed, Pro-Pain, (älteren) Prong oder Machine Head suchen, ohne dabei die eigene Identität zu vernachlässigen. Das ist alles griffig, eingängig, sauber produziert, rundum stimmig. Daher sei hier eine DRINGENDE Kaufempfehlung ausgesprochen. DISKOGRAFIE Slope (1997) Harm On E (1999) Unit E (2002) 34CE (2003) Milgram (2006) Don´t Pray To The Ashes... (2009) LINE-UP Joachim „Joschi“ Baschin (v./g.) Thomas „UnderTom“ Jentzsch (b.) Rainer Pflanz (dr.) DIE PATEN Wer auf die folgenden Bands steht, könnte auch an „Don´t Pray To The Ashes...“ Gefallen finden: Crowbar * Pro-Pain * Helmet * Machine Head * Disturbed * Prong * Down * C.O.C. * Tungsten * Redrum Inc. * Type 0 Negative * Pist-On Das sagt UNDERTOW-Bassist Thomas Jentzsch zu „Don´t Pray To The Ashes...“: »„Don´t Pray To The Ashes...“ ist ein über Jahre gewachsenes Album, das wir ohne Label im Rücken selbst finanziert haben. Es gab also keinerlei Input oder zeitliche Vorgaben von außen bzw. von Labelseite. Wir finden, es ist eine konsequente Weiterverfolgung des mit „Milgram“ eingeschlagenen Wegs, ohne jedoch die Innovation außen vor zu lassen. Es gibt ein paar Elemente, die neu sind im Bandkosmos - zum Beispiel ist das Schlagzeug dieses Mal genau so, wie wir es haben wollten, und wir sind wohl etwas härter als früher. Zudem zeigt uns das Album größtenteils so, wie wir auch live sind.«

REVIEW 8.0 18.11.2009

(Album des Monats, RH 271, 2009)

KATATONIA - Night Is The New Day

Selbstreflexion ist bei KATATONIA anscheinend kein Fremdwort. Zumindest wissen die Schweden ganz genau einzuschätzen, mit welchen Kompositionen sie ihr (im Vergleich zur Konkurrenz immer sehr hohes) Durchschnittsniveau hinter sich lassen. Im Falle von „Night Is The New Day“, dem ersten Album seit drei Jahren, sind das ´Forsaker´, ´The Longest Year´, ´Idle Blood´ und ´Onward Into Battle´, vier hervorragende, ausnahmslos ganz nach vorne gepackte Laid-back-Legierungen mit zum Sterben schönen Melodien und einem Jonas Renkse (v.) auf der Höhe seines Könnens. Der Rest ist das, was Kollege Blum in seinem letztmonatigen Lauschangriff mit dem Begriff „heimelige Melancholie“ perfekt auf den Punkt gebracht hat: entspannte wie entspannende Songwriting-Güte zwischen „Dark Rock“ (O-Ton KATATONIA), Progrock, Postrock und immer noch allgegenwärtigen, sehr geschmackvollen Gothic-Vibes. Dass man mit diesem Sound eher das Porcupine-Tree- als das Paradise-Lost-Publikum anspricht, liegt in der Natur der Sache und zeigt vor allem eines: Wer reift, bleibt länger relevant. Schön zu wissen. DISKOGRAFIE Jhva Elohim Meth... The Revival (EP, 1992) Dance Of December Souls (1993) For Funerals To Come (EP, 1995) Scarlet Heavens (Split mit Primordial, 1996) Brave Murder Day (1996) Sounds Of Decay (EP, 1997) Saw You Drown (EP, 1998) Discouraged Ones (1998) Tonight´s Decision (1999) Last Fair Deal Gone Down (2001) Teargas (EP, 2001) Tonight´s Music (EP, 2001) Viva Emptiness (2003) Brave Yester Days (Compilation, 2004) The Black Sessions (Compilation, 2005) The Great Cold Distance (2006) My Twin (EP, 2006) Deliberation (EP, 2006) July (EP, 2007) Live Consternation (Live, 2007) Night Is The New Day (2009) LINE-UP Jonas Renkse (v.) Anders Nyström (g.) Fredrik Norrman (g.) Mattias Norrman (b.) Daniel Liljekvist (dr.) DIE PATEN Wer auf KATATONIA steht, sollte auch folgende Bands kennen: Anathema * Porcupine Tree * Opeth * Primordial * Sólstafir * Ghost Brigade * Amorphis * Oceansize * The Gathering * Tool

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REVIEW 9.0 16.09.2009

(Album des Monats, RH 269, 2009)

THE DEVIL'S BLOOD - The Time Of No Time Evermore

Ván Records/Soulfood (54:58) VÖ: bereits erschienen Es wird Monate, vielleicht Jahre dauern, bis weite Teile der Szene die Bedeutung dieses Albums und dieser Band erkennen. Der angebliche „Underground-Hype“, der schon allein deshalb keiner sein kann, weil hinter THE DEVIL´S BLOOD ein Ein-Mann-Kleinstlabel ohne jegliche Finanzpower (aber mit sehr viel Enthusiasmus und Seele) steckt, wird dann realistisch gesehen werden: als originelle, klassische Rockband, deren ideologischer Unterbau sicher nicht jedermanns Sache ist, der der (höchst anspruchsvollen) Musik aber eine spirituelle, magische Tiefe gibt, der man sich nicht entziehen kann. Will sagen: Auch wenn man mit „religiösen“ Inhalten (wie ich) nichts am Hut hat, kann man nicht leugnen, dass die Musik einer Band wie THE DEVIL´S BLOOD das Gegenteil von oberflächlich, das Gegenteil von seelenlos, das Gegenteil von aufgesetzt ist. Auf diese Band trifft das zu, was auch auf Watain, Trouble, Spock´s Beard (mit Neal Morse), While Heaven Wept, Mercyful Fate oder Saint Vitus zutrifft: Es geht spürbar um viel mehr als Musik. Die Songs umgibt eine hypnotische Aura, die nur von völlig Wahnsinnigen erschaffen werden kann. Von Wahnsinnigen, denen man inhaltlich nicht zustimmen muss, die aber mit ihrer Leidenschaft und grenzenlosen Hingabe faszinieren. Genau das unterscheidet die wirklich guten Bands von den Legionen lächerlich flacher Plastikcombos, die echte Metal-Fans ankotzen! Der Mann hinter THE DEVIL´S BLOOD (der seinen bürgerlichen Namen nicht gerne liest) ist ein Genie. Ein Typ wie Jimmy Page oder Ritchie Blackmore zu Anfang ihrer Karriere, halb bekloppt und sozial unverträglich, aber musikalisch so außergewöhnlich, dass man ihn nicht ignorieren kann. Dass er ein Wahnsinns(!)gitarrist ist, spielt dabei eher eine untergeordnete Rolle. Wichtiger ist die Tatsache, dass er es schafft, wahrhaft schöne, eingängige Musik mit finstersten Botschaften so zu verbinden, dass man sich den Kompositionen von beiden Seiten nähern kann. Die Musik funktioniert alleine, die Texte funktionieren alleine - aber zusammen ergeben sie ein magisches Ganzes, das den Hörer (vorausgesetzt, er öffnet sich für diese Band) völlig vereinnahmt. Man kann Meisterwerke wie ´The Anti-Kosmik Magick´, ´Christ Or Cocaine´, ´House Of 10.000 Voices´, ´Evermore´ oder ´The Yonder Beckons´ dann nicht einfach „ganz gut“ finden. Man muss sie lieben - oder aber voller Überzeugung ablehnen. Für mich stellt sich die Frage gar nicht: Ich liebe diese Band wie keine andere der letzten Jahre, obwohl ich für die inhaltliche Ideologie (orthodoxer Satanismus) absolut nicht anfällig bin. Aber ich habe zwei Ohren. Und die sitzen bei mir nicht am Arsch. DISKOGRAFIE The Graveyard Shuffle (7“, 2008) Come, Reap (Mini-LP, 2008) I´ll Be Your Ghost (12“, 2009) The Time Of No Time Evermore (2009) DIE PATEN Wer auf THE DEVIL´S BLOOD steht, sollte auch folgende Bands kennen: Jefferson Airplane * Black Widow * Heart * Coven * Roky Erickson * Hawkwind * Iron Maiden * Thin Lizzy * Black Sabbath * Led Zeppelin * While Heaven Wept * Jex Thoth * Blood Ceremony * Urfaust * Watain Das sagt THE DEVIL´S BLOOD-Kopf SL. zu „The Time Of No Time Evermore“: »Ich freue mich darüber, dass die Arbeit getan ist und dass sie so erfolgreich war, wie sie nur sein konnte. Für mich persönlich stellt das Album mein Lebenswerk dar, perfekt und vollendet. Für die Welt... Wir werden sehen! Hail Satan!«

REVIEW 8.5 19.08.2009

(Album des Monats, RH 268, 2009)

MEGADETH - Endgame

Roadrunner/Warner (44:39) „United Abominations“ war sicher kein schlechtes Album, aber streckenweise etwas zahm und uninspiriert. Nun fletscht Herr Mustaine wieder die Zähne, zetert über die globalen Missstände und liefert eine Scheibe ab, die ganz in der Tradition von Krachern wie „Rust In Peace“ oder „The System Has Failed “ steht. Der Eröffnungsdoppelschlag mit dem zweiminütigen Instrumental ´Dialectic Chaos´ und dem garstigen Thrasher ´This Day We Fight!´ bringt den Spirit der „So Far, So Good...“-Tage zurück, ´Bodies Left Behind´ erinnert vom Aufbau her ein wenig an den Band-Hit ´Symphonies Of Destruction´, ansonsten regiert hier aber ein wahnwitziger Mix aus pfeilschnellen Thrash-Riffs, atemberaubenden Breaks und ausufernden Soloduellen zwischen zwei absoluten Ausnahmegitarristen. Mit Ex-Nevermore/Jag-Panzer-Shredder Chris Broderick scheint Mustaine endlich wieder einen kongenialen Partner wie einst Marty Friedman gefunden zu haben. Es ist ein absoluter Genuss, dabei zuzuhören, wie sich die beiden gegenseitig zu immer neuen Höchstleistungen anstacheln. Glücklicherweise besitzen die Songs aber ebenfalls wieder deutlich eingängigere Hooks als zuletzt und bleiben somit gut im Gedächtnis haften. ´How The Story Ends´ zum Beispiel ist ein straighter Headbanger, der bald zum Standard-Repertoire aller Metal-DJs gehören dürfte, während das Thrash-Monster ´Head Crusher´ an ganz alte MEGADETH-Tage erinnert und der Titeltrack sämtliche Stärken dieser außergewöhnlichen Band auf den Punkt bringt.

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REVIEW 9.0 20.05.2009

(Album des Monats, RH 265, 2009)

HEAVEN AND HELL - The Devil You Know

Roadrunner/Warner (54:22) Unglaublich, was der Mittsechziger Ronnie James Dio noch immer stimmlich zu leisten imstande ist! Als hätte es die 17 Jahre zwischen „Dehumanizer“, der letzten Studioscheibe dieser Besetzung, und „The Devil You Know“ gar nicht gegeben, setzen HEAVEN & HELL genau da an, wo sie damals (unfreiwillig) aufhörten. Tony Iommi schraubt sich ein schweres Riff nach dem anderen aus den geschickten Fingern, Geezer Butler ist das unbeugsame Rückgrat der Band, und Vinny Appice drischt mit einer Power auf sein Drumkit ein, dass man sich an Cozy Powell erinnert fühlt. Alle Achtung, meine Herren - „alt“ klingt hier wirklich niemand! Und die Songs halten, was das düstere Cover verspricht: Mehrheitlich im Midtempo angesiedelt, unterschreitet keiner der zehn Songs ein Qualitätslevel, von dem der „andere“ Black-Sabbath-Sänger, Ozzy, nebst Band nur noch träumen kann. Einen Ohrwurm wie ´Bible Black´, der majestätisch-heavy aus den Boxen quillt, hätten Black Sabbath ohne Dio niemals hinbekommen. Das außergewöhnliche Songwriting-Gespür des Meisters ist allgegenwärtig und veredelt auch Rocker wie ´Double The Pain´, ´Neverwhere´, ´Breaking Into Heaven´ oder ´Fear´, die man HEAVEN & HELL im Vorfeld nicht (mehr) zugetraut hätte. „The Devil You Know“ ist eine der größten Überraschungen des Jahres und ein mehr als würdiger Nachfolger für „Dehumanizer“ . Ein stärkeres klassisches Metal-Album muss erst mal jemand abliefern. Chapeau!

REVIEW 9.0 22.04.2009

(Album des Monats, RH 264, 2009)

THE PARLOR MOB - And You Were A Crow

So langsam melden sich auch die Vereinigten Staaten zurück im aufblühenden Classic-Rock-Revival. THE PARLOR MOB agierten früher unter dem Namen What About Frank? und waren eine Spur progressiver unterwegs. Auf dem Debüt „And You Were A Crow“ unter dem jetzigen Namen stechen zunächst sehr offensichtliche Einflüsse von Led Zeppelin ins Auge, die durch den warmen, natürlichen und dynamischen Sound der Aufnahme gefördert und nicht zuletzt auch durch Sänger Mark Melicia unterstrichen werden, der zwar deutlich cleaner, dafür aber in ähnlich hohen Tonlagen wie Robert Plant unterwegs ist. Aber auch instrumental bedient man sich mehr als einmal am Riff- und Groove-Fundus der britischen Rocklegende; so geht z.B. ´Tide Of Tears´ locker als Pendant zu ´Since I´ve Been Loving You´ durch. Auf der anderen Seite erinnert die leicht mystisch anmutende, melancholische Ballade ´Angry Young Girl´ ein wenig an Filmmusik von Angelo Badalamenti (u.a. „Twin Peaks“ und zahlreiche andere David-Lynch-Klassiker), den die Band ebenfalls zu ihren wichtigen Einflüssen zählt. Der Schwerpunkt der Scheibe liegt allerdings auf klassischem, Blues-orientiertem Hardrock, der - angereichert durch intensive, dynamische Arrangements, wie sie auch jüngere Post-Hardcore-Bands wie z.B. At The Drive-In gerne in ihren Songs unterbrachten - den Bogen in die Neuzeit spannt. Somit ist „And You Were A Crow“ ein wunderbares Stück zeitloser, handgemachter Rockmusik, das mit jedem Durchlauf mehr Qualitäten offenbart, an Tiefe gewinnt und durch eine fabelhafte Balance zwischen ruhigen, balladesken oder bluesigen Momenten auf der einen und harten Rockern auf der anderen Seite besticht. Definitiv wird diese Scheibe als eines der absoluten Highlights des Jahres 2009 in die Rockgeschichte eingehen.

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