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REVIEW 8.0 15.09.2010

(Album des Monats, RH 281, 2010)

ENSLAVED - Axioma Ethica Odini

Indie/Soulfood (58:44) Panta rhei. Alles fließt, das Leben ist ein Fluss, meinte der alte Heraklit. Oder um es mit Platons Abwandlung zu sagen: Alles bewegt sich fort, und nichts bleibt. Diese Erkenntnis ist nicht nur in den hochkomplexen Texten des neuen ENSLAVED-Albums zu finden, sondern auch, vielleicht sogar vor allem, in der Musik: Die Norweger, wieder eine Spur harscher als auf „Vertebrae“, weben einen Teppich aus epischem Black Metal und progressivem, nicht selten bis in die siebziger Jahre zurückreichendem Rock, der sich in seiner atmosphärischen Dichte höchstens neben The Devil´s Blood und Watain platziert. Wo die beiden anderen vor allem davon leben, sich für irgendetwas aufzureiben, so als würden sie ihre Aufgabe, vermutlich sogar das Ziel, tatsächlich kennen, haben ENSLAVED das Eifern, den Hass, dieses kräftezehrende Arschloch, längst überwunden: Sie wissen, dass sie nicht wissen, und ihre Suche ist hinreißend. Vom Opener ´Ethica Odini´ über das melodisch famos inszenierte ´Giants´ bis zum fokussierten Abschluss ´Lightening´ verquickt das Quintett herrlich ausgeklügelte Arrangements mit mittlerweile beeindruckender Technik sowie einer lebenden, atmenden Erwachsenenproduktion, die ihren Höhepunkt in einem fast schon singenden Signature-Gitarrensound findet, und untermauert damit einmal mehr, nein: mehr denn je seinen Ruf als so intellektuell stimulierender wie die Herzen berührender Lebenssoundtrack mit Einzigartigkeitsgarantie. Oh down to the river we ride.

REVIEW 9.0 15.09.2010

(Album des Monats, RH 281, 2010)

HAIL OF BULLETS - On Divine Winds

Metal Blade/Sony (48:27) Magisch. Etwas anderes fällt mir dazu nicht ein. HAIL OF BULLETS verstehen es perfekt, einen altgedienten Death-Metaller, der von der ganzen Höher-schneller-frickeliger-Entwicklung der letzten Jahre die Nase gestrichen voll hat, mit einem zufriedenen Grinsen in die Nacht zu schicken. „On Divine Winds“ hat alles, was eine Platte in diesem Segment braucht: Kraft, Energie, Ideenreichtum, erhabene Riffs, majestätische Harmonien. Nur keine Blastspeed-Attacken und Labyrinth-artigen Gitarren-Kaskaden. Und dafür liebe ich HAIL OF BULLETS. Eine solche Ego-Befriedigung brauchen diese erfahrenen Musiker nicht. Und hier will ja nicht ernsthaft jemand an der spielerischen Klasse von Leuten wie Ed Warby oder Stephan Gebedi zweifeln, oder? Ja, mir geht einer ab, wenn Martin van Drunen in ´Tokyo Napalm Holocaust´ das ganze Elend des vernichtenden Flächen-Bombardements der japanischen Hauptstadt herausschreit und dazu eine schwer melancholische Melodie den düsteren Death Metal der Holländer noch bedrohlicher erscheinen lässt. Generell ist es der Band bestens gelungen, die Stimmungen der Texte musikalisch einzufangen. Ein Song wie ´Kamikaze´ kann nur mit einem echten Riff-Inferno umgesetzt werden, genauso wie die Einführung in die Thematik ein verhältnismäßig komplexes Kostüm braucht, wie es ´The Mukden Incident´ ist. Es gibt keinen Zweifel: „On Divine Winds“ ist ein Lehrstück in Sachen Death Metal.

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REVIEW 9.0 18.08.2010

(Album des Monats, RH 280, 2010)

ACCEPT - Blood Of The Nations

Nuclear Blast/Warner (67:37) Damit konnte wirklich keiner rechnen! 14 Jahre nach „Predator“, dem letzten (nicht gerade umjubelten) ACCEPT-Studioalbum, versuchen es die Ex-Solinger noch einmal. Zwölf neue Songs im Gepäck (13 auf dem Digi), ein neuer Sänger (Mark Tornillo, ex-TT-Quick) an Bord, ein kompetenter Produzent (Andy Sneap) im Rücken - das sind die drei Grundpfeiler, auf denen ACCEPT „Blood Of The Nations“ errichten und im wahrsten Sinne des Wortes veredeln konnten. Auch größte Skeptiker (zu denen ich anfangs selber zählte) müssen zugeben, dass diese Scheibe zu hundert Prozent nach ACCEPT klingt, zu hundert Prozent die Erwartungen erfüllt und zu hundert Prozent ins Schwarze trifft. Sänger Mark brüllt wie Udo Dirkschneider in besten Zeiten, hat aber auch andere, melodischere Stimmlagen drauf, wie er in ´The Abyss´ oder ´Kill The Pain´ beweist, und klingt auf „Blood Of The Nations“ viel souveräner als auf der vorab ins Internet gestellten Jam-Session (die die Skepsis vieler Dirkschneider-Fans nur bestärkte). Das Herz von ACCEPT sind aber nach wie vor Wolf Hoffmanns schneidende, mächtige, charakteristische Riffs, die man - wie in ´Rollin´ Thunder´, ´New World Comin´´, ´The Abyss´, ´Pandemic´ oder ´Teutonic Terror´ - sofort identifizieren kann und die von typisch melodischen, immer wieder klassisch beeinflussten Soli flankiert werden. Genau dieses Gespür für das musikalische Detail, das gewisse Etwas, ist der Unterschied zwischen U.D.O. und ACCEPT im Jahre 2010, auch wenn ich das Durchhaltevermögen Dirkschneiders über all die Jahre nicht schmälern möchte. Es passiert nicht oft, dass ein zwölf (lange) Songs umfassendes Album keinen einzigen Hänger enthält und mit jedem Durchlauf wächst, obwohl schon der erste Eindruck überzeugt. „Blood Of The Nations“ ist nicht nur so heavy und abwechslungsreich wie die allerbesten ACCEPT-Scheiben „Breaker“, „Restless And Wild“ und „Balls To The Wall“ - es ist auch fast so gut. Und damit konnte vor einem Jahr nun wirklich niemand rechnen.

REVIEW 9.0 14.07.2010

(Album des Monats, RH 279, 2010)

BLIND GUARDIAN - At the Edge of Time

Nuclear Blast/Warner (64:01) Nach zwei experimentelleren Alben, die nicht alle Fans überzeugen konnten, setzen BLIND GUARDIAN ein beeindruckendes Ausrufezeichen, bei dem man nicht mal ansatzweise Bock hat, sich über so etwas wie mögliche Mängel überhaupt nur Gedanken zu machen. Alles, was zuletzt vielleicht nicht ganz optimal war, erstrahlt hier in strahlender Perfektion. Die Gesangsmelodien sind griffiger, nicht mehr so um die Ecke gedacht, der bei allem Bombast angenehm natürliche Sound lässt die Krefelder enorm energiegeladen rüberkommen und degradiert 99 Prozent aller aktuellen Metal-Produktionen zu mausgrauem Plastikschrott, die partielle Rückkehr zum Thrash/Speed-Metal der 90er sorgt für die nötigen Donnerschläge in den High-End-Fantasy-Klangkathedralen, und das Songwriting bewegt sich durchweg auf schwindelerregend hohem Niveau. Die old-schoolige Thrash-Hymne ´Tanelorn (Into The Void)´, die brachiale erste Single ´A Voice In The Dark´, die Uptempo-Granate ´Ride Into Obsession´ und der „Nightfall...“-artige Überhit ´Valkyries´ dürften nicht nur bei älteren Anhängern die Freudentränen kullern lassen, während den mit grandiosen Spannungsbögen versehenen Midtempo-Epen ´Road Of No Release´ und ´Control The Divine´ die perfekte Balance zwischen metallischer Urgewalt und gediegenem Breitwandkino gelingt und die Balladen - die Irish-Folk-Nummer ´Curse My Name´ und das von Klavier und Streichern getragene ´War Of The Thrones´ - sehr stimmungsvolle, großartig arrangierte Farbtupfer setzen. Zusammengehalten wird die schillernde Wundertüte von den beiden jeweils neunminütigen, Hollywood-Soundtrack-tauglichen Orchester/Metal-Feuerwerken ´Sacred Worlds´ (um Lichtjahre besser als die PC-Game-Version ´Sacred´) und dem orientalisch angehauchten, von einem majestätischen Kirchenchor gekrönten ´Wheel Of Time´, mit denen BLIND GUARDIAN völlig neue musikalische Horizonte erschließen und gegen die alle bisherigen Klassik-Hybrid-Versuche anderer Schwermetall-Bands wie alberner Klimperkitsch klingen. Je häufiger man die CD hört, desto größer wird die Gewissheit: Mit „At The Edge Of Time“ hat Deutschlands beste Metalband einen Geniestreich abgeliefert, der auf einer Stufe mit den bisherigen Guardian-Highlights „Tales From The Twilight World“, „Somewhere Far Beyond“, „Imaginations From The Other Side“ und „Nightfall In Middle-Earth“ steht. Bislang ganz klar die Platte des Jahres!

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REVIEW 9.0 16.06.2010

(Album des Monats, RH 278, 2010)

GRAND MAGUS - Hammer Of The North

Roadrunner/Warner (47:56) Aus der einstigen Doom-Combo ist eine reinrassige Heavy-Metal-Band geworden, die das Majestätisch-Epische von Dio mit den schweren, straighten Hammer-Riffs von Black Sabbath verbindet und mit „Hammer Of The North“, da sind wir uns hier ausnahmsweise alle einig, (wieder mal) das Album des Monats vorlegt. Bandkopf JB holt aus seiner weißen Flying V Sounds heraus, die selbst den alten Trouble zur Ehre gereicht hätten, und singt dabei von Jahr zu Jahr melodischer und kräftiger. Seine beiden Mitstreiter (Fox am Bass, Seb am Schlagzeug) zimmern ihm dabei ein Fundament, das die mächtigsten Riffsalven tragen kann und ordentlich Dampf im Keller macht. ´I, The Jury´, ´Black Sails´, ´Mountains Be My Throne´, ´Hammer Of The North´, ´The Lord Of Lies´ oder ´Northern Star´ (mein derzeitiger Favorit) werden so zu erhabenen, unvergesslichen Hymnen, die ihr garantiert noch in zwei Jahren mitsingen werdet. Ähnlich wie bei Armored Saint, Thin Lizzy oder Nevermore sind GRAND MAGUS nie anbiedernd melodisch oder ZU eingängig - und deshalb umso langlebiger. Man braucht vier, fünf Anläufe, um das volle Potenzial von „Hammer Of The North“ zu erkennen, muss dafür aber keine Abnutzungserscheinungen in Kauf nehmen. Das war schon bei den Vorgängern „Wolf´s Return“ und „Iron Will“ so, und das trifft auch auf dieses tolle Album zu. Echter Heavy Metal mit Seele für die Ewigkeit!

REVIEW 9.0 19.05.2010

(Album des Monats, RH 277, 2010)

HEAVEN SHALL BURN - Invictus

Century Media/EMI (45:15) HEAVEN SHALL BURN haben das einzig Richtige getan, Gitarrist Maik Weichert nennt das Ganze eine „Weiterentwicklung in homöopathischen Dosen“: Auf „Invictus“ verarbeiten die Thüringer zwar neue Einflüsse (oder wagen sich zumindest offensiver an deren Integration), sie kümmern sich letzten Endes aber in erster Linie um eine Perfektionierung des eigenen musikalischen Weltbilds. Die bandtypische Verschmelzung von Death Metal, Metalcore, Hardcore und Thrash war zumindest im Gesamten noch nie so zwingend wie diesmal: ´The Omen´, ´I Was I Am I Shall Be´, ´Of Forsaken Poets´ oder ´Buried In Forgotten Grounds´ überragen mit noch feiner justierten Melodien, als sie zumindest auf den letzten beiden Alben zu finden waren, endgültig die komplette Konkurrenz, während die Modifizierungen - ´Combat´ und ´The Lie You Bleed For´ glänzen mit sinniger harter Elektronik, ´Given In Death´ gerät mit Unterstützung von Deadlock-Sängerin Sabine Weniger zum kommerziellsten HSB-Stück aller Zeiten, dazu scheinen immer öfter Black-Metal-Rasereien durch - als angenehm unaufdringlicher (und natürlich rein natürlicher) Geschmacksverstärker fungieren. Man muss kein Prophet sein, um vorherzusagen, dass das Quintett mit dieser Platte einen weiteren Schritt nach vorne machen wird - und man darf erneut feststellen, dass gerade eine nicht das Reinheitsgebot beachtende Combo wie HSB genau das perfekt vermittelt, was großen Teilen der Metalszene längst abhanden gekommen ist: Aussagekraft, Mut, Integrität, Erdverwurzelung und vor allem und vorneweg kübelweise unverzichtbare, reinigende Energie. „Invictus“ ist der Stachel im Arsch des Establishments.

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REVIEW 9.0 21.04.2010

(Album des Monats, RH 276, 2010)

EXODUS - Exhibit B: The Human Condition

Es ist schon erstaunlich, wo das Duo Gary Holt/Lee Altus immer wieder diese arschgeilen Riffs herholt. Und machen wir uns nix vor: Diese Riffs sind das Lebenselixier von EXODUS. Ich meine, hört euch mal Dampfwalzen wie ´Burn, Hollywood, Burn´, ´Beyond The Pale´, ´Good Riddance´ oder ´Class Dismissed (A Hate Primer)´ an und spürt diese unheilvolle Mischung aus Adrenalin, Testosteron und purer Gewalt. Danach bleiben eigentlich keine Fragen mehr offen. Aber selbstverständlich lebt ein guter Song nicht alleine von tollen Riffs. Die Art und Weise, wie Tom Hunting am Schlagzeug für den wuchtigen Unterbau sorgt, ist mehr als beeindruckend. Spektakuläres Drumming, das sich trotzdem nie in den Vordergrund drängt. Front-Asi Rob Dukes hat sich auch längst freigeschwommen, pöbelt und röhrt mit seinem markanten Organ und wirkt dabei nicht nur aufgrund seiner imposanten Erscheinung jederzeit bedrohlich. Zur Not kann er´s aber auch mal mit Melodie, wie etwa bei ´Democide´ oder ´Nanking´, den beiden Tracks, bei denen EXODUS das Gaspedal mal nicht bis zum Boden durchtreten. Und nicht unterschlagen darf man natürlich auch die feine Klinge, die Holt und Altus bei ihren zahllosen Soloduellen schwingen. Somit ist „Exhibit B: The Human Condition“ der logische und konsequente Nachfolger des Vorgängerwerks „The Atrocity Exhibition“, jedoch mit einem klitzekleinen Makel: Die Platte ist zu lang. Gerade ´The Sun Is My Destroyer´ und ´Downfall´ wirken etwas zu langatmig. Was aber nichts an der Tatsache ändert, dass dieses Teil ein Pflichtkauf für jeden Thrasher ist.

REVIEW 9.5 17.03.2010

(Album des Monats, RH 275, 2010)

ARMORED SAINT - La Raza

Metal Blade/Sony (51:55) Wenn Joey Vera im Interview dieser Ausgabe darauf hinweist, dass das Eingeständnis, keine Band im eigentlichen Sinne, sondern eher ein Sideproject zu sein, etwas Befreiendes hatte und sich positiv auf das Albummaterial auswirkte, dann unterschlägt der ARMORED SAINT-Hauptsongwriter in seiner grenzenlosen Bescheidenheit das wahre Erfolgsrezept von „La Raza“. Zuallererst ist es nämlich die Klasse aller beteiligten Musiker, die dieses Album auf ein Qualitätsniveau hievt, das 99 Prozent aller Metalbands niemals erreichen werden. Bedient das mächtig pumpende und mit mitreißenden Refrains ausgestattete Eröffnungs-Triple ´Loose Cannon´, ´Head On´ und ´Left Hook From Right Field´ noch die Erwartungshaltung eingefleischter ARMORED SAINT-Fans, so nutzt der L.A.-Fünfer vor allem die eher untypischen Songs wie das atmosphärische und mit einem Weltklasse-Solo versehene ´Chilled´, den Uptempo-Rock´n´Roller ´Little Monkey´ oder das von einem Western-Intro eingeleitete ´Black Feet´ zu einer Demonstration ausgefeilten Songwritings. • Mit ´La Raza´ gelingt es ARMORED SAINT, altbekannte Markenzeichen schlüssig mit Classic-Rock-Einflüssen zu kombinieren und sich so weiterzuentwickeln. Das konnte man bei aller Vorfreude nicht erwarten und adelt das Album zum absoluten Pflichtkauf, dem die überragende Gesangsleistung des fantastisch aufgelegten John Bush das Sahnehäubchen aufsetzt. DISKOGRAFIE Lesson Well Learned (EP, 1983) March Of The Saint (1984) Delirious Nomad (1985) Raising Fear (1987) Saints Will Conquer - Live (Live, 1988) Symbol Of Salvation (1991) Revelation (2000) Nod To The Old School (Compilation, 2001) La Raza (2010) LINE-UP John Bush (v.) Jeff Duncan (g.) Phil Sandoval (g.) Joey Vera (b.) Gonzo Sandoval (dr.) DIE PATEN Wer auf ARMORED SAINT steht, sollte auch folgende Bands anchecken: ANTHRAX * MALICE * BAD COMPANY * THIN LIZZY * VICIOUS RUMORS * MOUNTAIN * ROBIN TROWER * alte SCORPIONS * AUDREY HORNE * RIOT * Y&T * UFO * HEATHEN Das sagt Bassist Joey Vera zu „La Raza“: »„La Raza“ ist das „Album des Monats“ in der April-Ausgabe? Nicht schlecht, wenn man bedenkt, dass John Bush und ich die Songs aus purem Spaß und ohne kommerzielles Kalkül geschrieben haben. Vielleicht hat es sich ausgezahlt, dass wir alle Tracks im Studio live eingespielt und eine komplette Old-School-Herangehensweise für das Album gewählt haben. Manchmal ist es besser, auf sein Bauchgefühl zu hören und den Take zu verwenden, der nicht ganz fehlerfrei eingespielt wurde, dafür aber die Magie des Augenblicks einfängt. So arbeitete man in den Siebzigern, als die Rockmusik den ersten großen Höhenflug startete und die Studiotechnik noch nicht so entwickelt war. Aber Technik kann nie echte Gefühle und die Seele eines Songs ersetzen. „La Raza“ ist ein durch und durch authentisches Rockalbum, und ich freue mich, dass es euch anscheinend genauso gut wie uns gefällt. On march the Saint!«

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REVIEW 10.0 17.02.2010

(Album des Monats, RH 274, 2010)

AIRBOURNE - No Guts. No Glory

Roadrunner/Warner (46:53) Lasst euch keinen Scheiß erzählen - nicht von selbsternannten Szenekönigen, die grundsätzlich nur das Debüt einer Band geil finden und dann auch nur so lange, bis es mehr als 500 Leute gekauft haben, nicht von Leuten, die grundsätzlich alles scheiße finden, was ihre Freundin mag, und schon gar nicht von Originalitätspedanten, die der Meinung sind, nur Angus Young habe ein Recht auf eine Gibson SG. „No Guts. No Glory“ hält, was der Albumtitel verspricht, und ist keinen Deut schlechter als das Debüt „Runnin´ Wild“, mit dem AIRBOURNE vor zwei Jahren völlig zu Recht für Furore sorgten. „No Guts. No Glory“ rockt, ballert, groovt, tritt Arsch, macht durstig, bringt eure Party in Schwung, verleiht eurem Auto zusätzliche PS, macht jung, schön und unwiderstehlich, steigert die Potenz, kurbelt die Wirtschaft an, sorgt für den Weltfrieden, lässt bei Götz die Haare wieder sprießen, macht unseren Wolf-Riedscher mundtot, verpasst Froooonck eine Diät, Rensen bekommt Bierdurst, Boris steht zu seiner Tonsur, und Zompf schmeißt die Flinte ins Korn, um wieder Vegetarier zu werden. Lediglich das szenebekannte Phantom Jonny Rönnebock kann der turboaufgeladene AC/DC-Sound der Australier nicht enttarnen. Ansonsten kann „No Guts. No Glory“ ALLES! DISKOGRAFIE Ready To Rock (EP, 2004) Runnin´ Wild (2007) No Guts. No Glory (2010) LINE-UP Joel O´Keeffe (v./g.) David Roads (g.) Justin Street (b.) Ryan O´Keeffe (dr.) DIE PATEN Wer auf AIRBOURNE steht, hört auch folgende Bands: AC/DC, ROSE TATTOO, THE POOR, THE ANGELS, NEW AMERICAN SHAME, RHINO BUCKET, KROKUS, JOHNNY CRASH, BROKEN TEETH, BONAFIDE

REVIEW 10.0 20.01.2010

(Album des Monats, RH 273, 2010)

HEATHEN - The Evolution Of Chaos

Mascot/Rough Trade (68:34) Jetzt habe ich diese CD schon gut 40 Mal durch meinen Player genudelt, und immer noch kann ich absolut keine Schwachstelle entdecken. 19 Jahre haben sich HEATHEN Zeit gelassen, um den Nachfolger ihrer schwer genialen „Victims Of Deception“-Scheibe auf die Menschheit loszulassen. Eine sehr lange Periode, in der sich der Musikmarkt grundlegend verändert hat. In den frühen Neunzigern blieb HEATHEN aus den verschiedensten Gründen der Durchbruch verwehrt. Ob es heutzutage noch möglich ist, mit grundehrlichem, gleichermaßen aggressivem wie melodischem Thrash Metal ganz nach oben durchzustarten, ist fraglich. Aber wenn eine Band die Chance dazu hat, dann müssen es ohne Wenn und Aber HEATHEN sein. Es gibt nichts, was „The Evolution Of Chaos“ nicht bieten würde. Pfeilschnelle Thrasher der Premiumklasse? Gibt´s mit ´Dying Season´, ´Silent Nothingness´ oder ´Bloodkult´. Echte Metal-Hymnen? Heute im Sonderangebot mit ´A Hero´s Welcome´ oder ´Control By Chaos´! Traditioneller Speed Metal? Könnt ihr mit ´Undone´ oder ´Arrows Of Agony´ haben. Und wem das noch nicht reicht, der höre sich bitte das elfminütige ´No Stone Unturned´ an, ein facettenreiches Breitwand-Epos mit sensationellen Gitarrenleads. Überhaupt: Wer auf ausgefeilte Soli steht, wird mit dieser Platte ebenfalls bestens bedient, denn die gibt´s en masse. Selbstverständlich auch kraftvollen, melodischen Gesang. Riffs im Champions-League-Format. Eine fette Produktion. Ein interessantes Cover. Und wenn ich mich auf den Kopf stelle: Ich kann das Haar in der Suppe nicht finden. „The Evolution Of Chaos“ ist ein Meisterwerk. Es ist die Platte, die Metallica nach „Master Of Puppets“ nie mehr gemacht haben. Und somit eine absolute Pflichtveranstaltung für JEDEN Metaller. DISKOGRAFIE Breaking The Silence (1987) Victims Of Deception (1991) Recovererd (2004) The Evolution Of Chaos (2010) LINE-UP David White (v.) Lee Altus (g.) Kragen Lum (g.) Jon Torres (b.) Darren Minter (dr.) DIE PATEN Wer auf die folgenden Bands steht, könnte auch an „The Evolution Of Chaos“ Gefallen finden: Exodus * Metallica * Annihilator * Laaz Rockit * Destruction * Overkill * Paradox * Testament * Grip Inc. * Evile * Living Death * Wargasm * Flotsam & Jetsam * Powermad

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