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REVIEW 9.0 24.08.2011

(Album des Monats, RH 292, 2011)

ARCH/MATHEOS - Sympathetic Resonance

Metal Blade/Sony (54:47) „Mjam, mjam“, sagte Miraculix, der Nachbar von Fates-Warning-Gitarrist Jim Matheix, Quatsch: Matheos, „der Zaubertrank ist mir diesmal aber besonders gut gelungen, und der lustige Lockenkopf von nebenan haut, nachdem ich ihm ein Fläschen abgefüllt habe, neuerdings Riffs wie Hinkelsteine raus, da gucken sich die Leute um!“ In der Tat: Was Matheos für das erste unter dem ARCH/MATHEOS-Banner laufende Album komponiert hat, erinnert an Zeiten, in denen bei der Stammband noch gefrickelt wurde, die ersten paar Minuten des knapp viertelstündigen 'Stained Glass Sky' könnten mit einem etwas wärmeren, natürlicheren Gitarrensound (ja, ein Kritikpunkt!) glatt auf „No Exit“ (23 Jahre alt!) stehen, beim knapp elfminütigen 'Any Given Day (Strangers Like Me)' gerät der Unterton mit seinen Thrash-Annäherungen fast schon ein wenig ZU heavy. Muckis schlagen also Melodie? Nein, keineswegs. Alleine John Arch, Gottsänger der ersten drei Fates-Warning-Platten, errichtet mit seiner unverändert magischen, majestätischen, einzigartigen Stimme Kathedralen, 'Neurotically Wired' zeugt bereits als Opener davon, die Hammer-Hook von 'Midnight Serenade' ist fast so nahe an Fates Warning 'Another Perfect Day', wie 'Eye To Eye' damals an 'Through Different Eyes' war, und ganz hinten raus, kurz bevor „Sympathetic Resonance“ zu Ende ist, in den letzten Zügen des recht zurückhaltenden 'Incence And Myrrh', gibt’s noch mal einen ganz großen Moment, einen Moment, bei dem wirklich jeder, der noch nicht tot ist oder scheintot oder doof, die eigene Gänsehaut zelebrieren wird und verdientermaßen auch sich selbst, weil er so geil war, dieses Progressive-Metal-Superwerk, bestimmt das Genrehighlight des Jahres, auf das selbst Römer stehen, in den Einkaufswagen zu befördern.

REVIEW 8.0 20.07.2011

(Album des Monats, RH 291, 2011)

COMMUNIC - The Bottom Deep

Nuclear Blast/Warner (55:14) Gut sechs Jahre nach dem Superdebüt „Conspiracy In Mind“ und drei Jahre nach dem letzten Album „Payment Of Existence“ empfiehlt sich das norwegische Trio COMMUNIC nicht nur als musikalisches Zusatzfutter, sondern endgültig als Ersatz der (mehr oder weniger) lebenden Chaostheorie Nevermore: Der ähnlich akzentuierte progressive Power Metal von Oddleif Stensland & Co. hat im Laufe der Jahre ebenfalls eine etwas ausgeprägtere Hookdichte spendiert bekommen, wirkt dabei aber niemals sonderlich konstruiert. Was der (halb)balladesk beginnende, im Refrain geradezu explodierende, recht weit vorne platzierte, nun ja, Hit ´Flood River Blood´ für den Rest der Platte verspricht, wird melodisch zwar nicht hundertprozentig eingelöst, an herausragenden Momenten mangelt es insgesamt aber nicht: ´Facing Tomorrow´, ´Denial´, ´Voyage Of Discovery´ (sagen wir mal so: für Fans von ´The River Dragon Has Come´) oder das partiell techno-thrashige ´Destroyer Of Bloodlines´ (interessanter Chorus!) kommen trotz ihres immer vorhandenen Anspruchs angenehm unaufgeregt zum Ziel, zudem muss man der Band ein weiteres dickes Kompliment machen: Gerade für diesen relativ technischen Stil der neunziger und nuller Jahre klingt das selbstproduzierte „The Bottom Deep“ sehr organisch, die Gitarren haben einen eigenen Ton, und die Drums muten tatsächlich nur wenig „verrückt“ an. DISKOGRAFIE Conspiracy In Mind (2005) Waves Of Visual Decay (2006) Payment Of Existence (2008) The Bottom Deep (2011) LINE-UP Oddleif Stensland (v./g.) Erik Mortensen (b.) Tor Atle Andersen (dr.) DIE PATEN Wer auf folgende Bands steht, dürfte auch an COMMUNIC Gefallen finden - und umgekehrt: Nevermore * Sanctuary * Into Eternity * Scariot * Queensryche * Lethal * Tad Morose * Hexenhaus * King Diamond * Twelfth Gate * Spirit Web * Shatter Messiah Und das sagt Frontmann Oddleif Stensland zu „The Bottom Deep“: »Wir haben „The Bottom Deep“ in einem lokalen Studio hier in Kristiansand aufgenommen. Der Sound tönt in meinen Ohren ziemlich organisch und heavy. Es war uns wichtig, Raum für Dynamiken zu lassen und nicht allzu poliert zu klingen. Inhaltlich ist unsere neue Platte ein Konzeptalbum, das sich mit einer bestimmten Begebenheit auseinandersetzt. Mehr dazu später!«

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REVIEW 9.0 15.06.2011

(Album des Monats, RH 290, 2011)

RIVAL SONS - Pressure & Time

Earache/Soulfood (30:50) Gerade eben bejubelt man im Retro- und Classic-Rock-Lager noch die herausragenden Releases von Year Of The Goat und Graveyard, da liegt schon das nächste Highlight im CD-Schacht. RIVAL SONS erfüllen alle hohen Erwartungen (bis auf die etwas knapp geratene Spielzeit) an ihr offizielles Full-length-Debüt und servieren einen erstklassigen Genre-Gourmethappen inklusive aller Feinschmecker-Ingredienzen wie glühende Röhrenklänge, erstklassige Fuzzgitarren, John-Bonham-Gedächtnis-Drums, weitere Led-Zeppelin-Reminiszenzen ohne Ende sowie einem herrlich warmen Analogsound im Allgemeinen. Wo Graveyard allerdings dynamisch und emotional gerne mal garstig an Trommelfell und Magenwänden kratzen, bewegen sich RIVAL SONS lieber in den groovigen und teils balladesken Gefilden des Soul (´Pressure And Time´, ´Only One´). Nicht nur hier erinnern die Amerikaner mehr als einmal an die sträflich unterbewerteten und von der Classic-Rock-Gemeinde zu Unrecht ignorierten Jaded Sun aus Irland. Großartig! DISKOGRAFIE Before The Fire (nur digital, 2009) Rival Sons (EP, nur digital, 2011) Pressure & Time (2011) LINE-UP Jay Buchanan (v.) Scott Holiday (g.) Robin Everhart (b.) Mike Miley (dr.) DIE PATEN Wer folgende Bands und Musiker mag, sollte auch RIVAL SONS kennen: Led Zeppelin, Free, The Black Crowes, Jaded Sun, The Who, The Rolling Stones, Bad Company, The Beatles, Aretha Franklin, The Temptations, Four Tops, Smokey Robinson, Marvin Gaye, Bootsy Collins, Wilson Pickett, Ray Charles, James Brown (nun ja... - Red.) Und das sagt Gitarrist Scott Holiday zu „Pressure & Time“: »Wir haben das Album mehr oder weniger live im Studio geschrieben. Wir fühlten einen ziemlichen Druck und hatten wenig Zeit. Mir stand eine Handvoll Riffs zur Verfügung, die ich den anderen noch gar nicht präsentiert hatte. Und dann ging´s ganz schnell. Ich habe einfach irgendwas in den Raum geworfen, und die anderen griffen es sofort auf. Wenn etwas dabei war, das die anderen nicht mochten, haben wir einfach sofort mit anderen Dingen weitergemacht.«

REVIEW 8.0 18.05.2011

(Album des Monats, RH 289, 2011)

JOURNEY - Eclipse

Frontiers/Soulfood (66:53) Nach seinem gelungenen Einstand bei der amerikanischen AOR-Legende JOURNEY schwimmt sich Sänger Arnel Pineda auf „Eclipse“ endgültig frei und drückt dem Dutzend potenzieller Hits seinen ganz eigenen Stempel auf. Anno 2011 klingen die Könige des Weichspül-Sounds einmal mehr wie aus einem Guss und machen schon nach den ersten Takten des Openers und vorab veröffentlichten ´City Of Hope´ klar, warum ihnen immer und immer wieder das Kunststück gelingt, die nahezu komplette Rock-Hard-Redaktion zu begeistern: Kaum jemand schreibt bessere Melodic-Rocker als Mastermind Neil Schon, und kaum jemand hat ein dermaßen traumwandlerisch sicheres Gespür für Hymnen, die den Hörer stilecht in die Hochzeiten des Achtziger-Radio-Rock zurückkatapultieren. „Eclipse“, das mittlerweile 15. Studioalbum der Bandkarriere, macht da keine Ausnahme, umschifft gekonnt etwaige Klischeeklippen und wartet mit einigen wirklich großen Momenten auf. Und weil Mr. Pineda sich nicht nur bei Smashern wie ´Edge Of The Moment´, ´Resonate´ oder ´Human Feel´ sprichwörtlich den Arsch absingt, sondern auch bei den getrageneren Nummern zu glänzen vermag, wird die musikalische Ausnahmestellung JOURNEYs einmal mehr zementiert. DISKOGRAFIE Journey (1975) Look Into The Future (1976) Next (1977) Infinity (1978) Evolution (1979) In The Beginning (Compilation, 1980) Departure (1980) Dream After Dream (Soundtrack, 1980) Captured - Live (1981) Escape (1981) Frontiers (1983) Raised On Radio (1986) Greatest Hits (1988) Wheel In The Sky - Best (1991) Time 3 (Boxset, 1992) Trial By Fire (1996) Greatest Hits - Live (1998) Arrival (2001) Essential Journey (Compilation, 2001) Red 13 (EP, 2002) Generations (2005) Revelation (2008) Eclipse (2011) LINE-UP Arnel Pineda (v.) Neal Schon (g./v.) Jonathan Cain (keys/v.) Ross Valory (b./v.) Deen Castronovo (dr./v.) DIE PATEN Wer Journey mag, sollte auch folgende Bands kennen: Boston * Foreigner * Night Ranger * Loverboy * REO Speedwagon * Axe * Streets * Bad English * Hardline * Survivor * Giant * Ten * Dare * Damn Yankees * Styx * Marcus * Babys * Seventh Key * Steelhouse Lane * Zeno Und das sagt Bandkopf Neal Schon zu „Eclipse“: »Die zwölf Songs von „Eclipse“ entstanden in den vergangenen 18 Monaten und wurden von mir zusammen mit Jonathan Cain und Arnel Pineda ausgearbeitet. Ich hatte eine genaue Vorstellung davon, wie die Platte klingen sollte, und habe sie glücklicherweise in die Tat umsetzen können. „Eclipse“ ist ein lupenreines Rockalbum, das für die unterschiedlichen Länder konzipiert wurde, in denen wir im Verlaufe unserer anstehenden zweijährigen Tour auftreten werden. Seit Arnel in der Band ist, sind wir eine deutlich internationaler ausgerichtete Band geworden, und ich freue mich schon darauf, unsere Klassiker zusammen mit dem neuen Material live zu spielen.«

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REVIEW 9.0 20.04.2011

(Album des Monats, RH 288, 2011)

WOLF - Legions Of Bastards

Century Media/EMI (52:40) Gäbe es eine Band wie WOLF noch nicht, man müsste sie glatt erfinden. Man hört zu jeder Sekunde, mit wie viel Freude die Schweden bei der Sache sind und wie viel Arbeit sie in diese Platte gesteckt haben. Das ist rassiger Heavy Metal, der jederzeit Respekt vor den Idolen zeigt, aber auch genügend eigene Wege geht. True bis zum Abwinken, aber ohne Scheu vor frischen Ideen. Und mit einem reinrassigen Metalsound ausgestattet, der sich aber auch dem aktuellen Stand der Studiotechnik nicht verschließt. Eine Liebeserklärung an Priest, Maiden, Mercyful Fate - oder Sabbath zu ihrer Dio-Phase (´Road To Hell´). Gleichzeitig aber auch ein Manifest der eigenen Stärken. Ein stimmiges Gesamtpaket, bei dem man stets das Gefühl hat, jede Songidee hat genügend Zeit bekommen, um zu reifen und sich zu entwickeln. Neu sind dabei höchstens ein ganz dezenter Rock´n´Roll-Touch, der hier und da auftaucht, und etwas mehr Schmutz in Niklas Stålvinds Stimme. Oder einfach zusammengefasst: ein verdammt geiles Stück Heavy Metal. DISKOGRAFIE Wolf (2000) Black Wings (2002) Evil Star (2004) The Black Flame (2006) Ravenous (2009) Legions Of Bastards (2011) LINE-UP Niklas Stålvind (v., g.) Johannes Axeman (g.) Anders Modd (b.) Richard Holmgren (dr.) DIE PATEN Wer folgende Bands mag, dürfte auch an WOLF seine Freude haben: Iron Maiden * Judas Priest * Saxon * Mercyful Fate * Accept * Metal Church * Malice * Mystic Prophecy * Omen * Riot * Vicious Rumors * Steel Prophet * Helstar * Cloven Hoof * Cauldron * White Wizzard Und das sagt Sänger/Gitarrist Niklas Stålvind zu „Legions Of Bastards“: »Es gab keinen Masterplan für "Legions Of Bastards". Wir wollten schlichtweg eine Scheibe machen, die es mit ihren Vorgängerwerken aufnehmen kann. Wir haben in einer Tour Songs komponiert und viele Ideen, die uns ans Herz gewachsen waren, wieder fallen gelassen - so lange, bis wir alle zu einhundert Prozent zufrieden waren. Diese Album kommt von Herzen, tief aus unseren Eingeweiden; wir mussten manchmal unsere Gehirne abschalten und unseren Inspirationen folgen - wohin auch immer sie uns führen wollten. Natürlich haben wir diese Platte auch für unsere Fans geschrieben, aber in erster Linie für uns selbst. Wir wollten keine Kompromisse eingehen, sondern eine Scheibe aufnehmen, die wir auch selbst gerne hören. Wenn "Legions Of Bastards" auch anderen Leuten gefällt, macht uns das natürlich mehr als nur glücklich!«

REVIEW 8.0 16.03.2011

(Album des Monats, RH 287, 2011)

VICIOUS RUMORS - Razorback Killers

Steamhammer/SPV (51:10) Wahnsinn: fünf Alben, fünf Sänger. Nach dem vokalen Selbstversuch auf „Something Burning“ begaben sich Brian O´Connor auf „Cyberchrist“, Morgan Thorn auf „Sadistic Symphony“, James Rivera auf „Warball“ und nun der in der Tat hervorragende Malice/Last-Empire-Frontmann Brian Allen unter Mainman Geoff Thorpes Fittiche. Die ersten drei Versuche scheiterten im Vergleich zum Debüt und den vier Carl-Albert-Klassikern grandios, die 2006er CD „Warball“ war allerdings ein überraschend starkes Comeback mit jeder Menge power-metallischer Roots-Besinnung, das - Kompliment! - druckvoll und crunchy produzierte „Razorback Killers“ knüpft erfreulicherweise genau da an. Wie schon früher sind die Amerikaner immer dann am besten, wenn sie sich in lupenreine Speed-Metal-Gefilde begeben und mit purer Präzision die einzelnen Bestandteile zu einer wuchtigen, würdigen Sound-Wand auftürmen (´Murderball´, ´Axe To Grind´, das famose ´Razorback Blade´). Vor allem diverse Downtempo-Bremsereien wie das an „Welcome To The Ball“-Zeiten erinnernde, aber leider ziemlich egale ´All I Want Is You´ oder die allzu anbiedernde, bierschissige Stampf-Hymne ´Let The Garden Burn´ (HOA und so...) ziehen das Gesamte etwas runter; alles in allem sind VICIOUS RUMORS aber wieder eine kleine gefestigte Größe, der man gerne zuhört und die man nicht nur so mitschleppt, weil sie es vor Äonen mal konnte. LINE-UP Brian Allen (v.) Geoff Thorpe (g.) Kiyoshi Morgan (g.) Stephen Goodwin (b.) Larry Howe (dr.) DISKOGRAFIE Soldiers Of The Night (1986) Digital Dictator (1988) Vicious Rumors (1990) Welcome To The Ball (1991) Plug In And Hang On - Live In Tokyo (Live, 1992) The Voice (EP, 1994) Word Of Mouth (1994) A Tribute To Carl Albert (Live, 1995) Something Burning (1996) Cyberchrist (1998) Sadistic Symphony (2001) Warball (2006) Razorback Killers (2011) DIE PATEN Wer VICIOUS RUMORS mag, hört auch: Metal Church * Malice * Helstar * Imagika * Ruffians * Jag Panzer * Riot * Savatage * Attacker * Iced Earth * Brainstorm * Hades * Sanctuary * Leatherwolf * Warrior Und das sagt Gitarrist Geoff Thorpe zu „Razorback Killers“: »Je älter wir werden, desto gemeiner klingen wir. Wir verlangsamen nicht etwa unser Tempo, sondern legen an Dynamik noch zu. Die Fans werden kein einziges VICIOUS RUMORS-Konzert erleben, bei dem wir nicht bis an unsere Grenzen und darüber hinaus gehen. Metal ist nun mal in unserem Blut. Außerdem haben wir momentan eine grandiose Besetzung. Mit Brian Allen konnten wir zum Beispiel den besten vorstellbaren Sänger integrieren. Wir bemerkten sofort das raue, unverfälschte Talent, das er hat. Wie ein Schneeball entwickelte sich aus einem kleinen Anfang sehr schnell etwas Großes, und auf unserer fünfwöchigen Europa-Tournee bekam Brian auf Anhieb nur positive Reaktionen.«

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REVIEW 9.0 16.02.2011

(Album des Monats, RH 286, 2011)

FLOTSAM AND JETSAM - The Cold

Nuclear Blast/Warner (52:09) Das bereits 2010 in Amerika veröffentlichte neue FLOTSAM AND JETSAM-Album wurde im holländischen „Aardschok“ zur Platte des Jahres gekürt - und unsere holländischen Kollegen sind wahrlich nicht die schlechteste Referenz. „The Cold“ ist in der Tat eine riesengroße Überraschung und für mich - ich nehm´s vorweg - der beste FLOTSAM-Longplayer seit den ersten beiden Glanztaten „Doomsday For The Deceiver“ und „No Place For Disgrace“. Statt ein weiteres halbherzig klingendes Speed/Thrash-Album aufzunehmen, das der übermächtigen Konkurrenz sowieso nicht standhalten kann, haben sich die Herren aus Arizona für eine weitaus bessere Variante entschieden: „The Cold“ bietet lupenreinen, melodischen Heavy Metal mit überragendem Gesang und anspruchsvollem, im besten Sinne unkalkuliert wirkendem Songwriting. Man hört einfach, dass es der Band ein echtes Bedürfnis war, diese Scheibe aufzunehmen - egal ob damit ein „Comeback“ gelingt oder nicht. Und gerade diese Ehrlichkeit, die im tollen Opener ´Hypocrite´ wohl auch thematisiert wird, macht die ganz große Klasse der Band im Jahre 2011 aus. „The Cold“ erinnert mich an die frühen US-Power-Metal-Klassiker von Savatage, Overkill, Metal Church oder Jag Panzer, die vom Härtegrad und von der Authentizität her (schon wieder dieses Wort - aber es passt nun mal) vergleichbar waren. Die Highlights eines durchgängig erstklassigen Albums hat Buffo in seiner FLOTSAM-Story auf den Seiten 58 und 59 bereits aufgezählt (der lange Titelsong, die Halbballade ´Better Off Dead´ und der interessant arrangierte Ohrwurm ´Blackened Eyes Staring´) - aber eigentlich darf man „The Cold“ nicht auseinanderpflücken. Das Ding begeistert am Stück und hat die Vorschusslorbeeren aus Holland völlig zu Recht kassiert. Klasse gemacht, Jungs! Line-up (auf dem Album) Eric A.K. Knutson - vocals Mark Simpson - guitar Ed Carlson (jetzt Michael Gilbert) - guitar Jason Ward - bass Craig Nielsen - drums Diskografie Doomsday For The Deceiver (1986) No Place For Disgrace (1988) When The Storm Comes Down (1990) Cuatro (1992) Drift (1995) High (1997) Unnatural Selection (1999) My God (2001) Dreams Of Death (2005) Live In Phoenix (Live, 2005) The Cold (2010) Die Paten Wer FLOTSAM AND JETSAM mag, hört auch: Metallica * Metal Church * Megadeth * Savatage * Iron Maiden * Overkill * Jag Panzer * Sanctuary * Testament * Heathen Und das sagt die Band: »Dass uns ein so renommiertes Magazin wie Rock Hard zum Album des Monats wählt, übertrifft unsere kühnsten Erwartungen. Hier drüben in den USA gilt die deutsche Metal-Szene als die anspruchsvollste und ehrlichste des Planeten - aus gutem Grund. Es war immer eines unserer großen Ziele, den Soundcheck im Rock Hard zu gewinnen. Dass wir das jetzt endlich geschafft haben, macht uns unendlich stolz. Wir werden alles dafür tun, auch in Zukunft Qualität abzuliefern, und unseren Teil dazu beitragen, dass die weltweite Metal-Szene stark bleibt. Flots ´til death!!!« (Craig Nielsen)

REVIEW 9.0 19.01.2011

(Album des Monats, RH 285, 2011)

BULLET - Highway Pirates

Black Lodge/Rough Trade (39:28) Auch wenn bei einer Band wie BULLET keine großen stilistischen Wechsel zu erwarten sind, überrascht „Highway Pirates“ beim ersten Durchlauf mit einem deutlich höheren Rock´n´Roll-Anteil im Vergleich zu den beiden Vorgängern. Es gibt wesentlich weniger Accept, aber dafür mehr Def Leppard, Saxon, Judas Priest & Co. aus den Zeiten, als diese Bands den wirklich harten Hardrock der späten siebziger und frühen achtziger Jahre nach und nach zu Stahl formten. Hinzu kommt noch ein bisschen kerniger Aussie-Pubrock (´Stay Wild´ hätte auch locker auf einem der beiden Airbourne-Alben Platz gefunden), und fertig ist ein verdammt geiles, räudig rockendes Old-School-Album an der perfekten Schnittstelle zwischen Hardrock und Heavy Metal. Insgesamt klingt das alles noch deutlich reifer, runder und natürlicher, und zahlreiche verdammt geile Singalongs lassen die Vorfreude auf die hoffentlich bald anstehen Liveauftritte der Schweden in die Höhe schnellen und bescheren schon mal einen mächtigen Vordurst. Verdammt geil! DISKOGRAFIE Heavy Metal Highway (7“, 2002) Speeding In The Night (EP, 2003) Heading For The Top (2006) Bite The Bullet (2008) Highway Pirates (2011) LINE-UP Hell Hofer (v.) Hampus Klang (g.) Erik Almström (g.) Adam Hector (b.) Gustav Hjortsjö (dr.) DIE PATEN Wer folgende Bands mag, dürfte auch auf BULLET stehen: Judas Priest, Saxon, Krokus, Accept, Airbourne, AC/DC, New American Shame, The Poor, Rhino Bucket Und das sagt Gitarrist Hampus Klang zu „Highway Pirates“: »Für mich ist „Highway Pirates“ ein Statement, dass Nieten, enge Hosen, Lederjacken, Marshall-Amps, laute Gitarren und lange Haare immer noch am geilsten sind. Im Vergleich zu unseren ersten beiden Platten sind die Songs abwechslungsreicher. Wir haben einen besseren Mix aus Metal, Rock sowie coolen und humorvollen Parts. Zudem haben wir es endlich geschafft, den Gitarrensound hinzubekommen, den wir eigentlich schon auf dem ersten Album haben wollten - die perfekte Kombination aus Rock´n´Roll und Heavy Metal. Und natürlich sind wir mittlerweile älter und hässlicher.«

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REVIEW 8.0 15.12.2010

(Album des Monats, RH 284, 2010)

MOTÖRHEAD - The Wörld Is Yours

Jahrzehntelang hat sich Lemmy eigentlich kaum verändert und sah einfach nur aus, wie er eben aussieht. Doch in den letzten zwei, drei Jahren musste selbst er seinem Alter und Lifestyle Tribut zollen: Die Haare werden langsam schütter, und das ein oder andere Mal scheint der Alkohol ihm mehr als bislang zuzusetzen – ich denke da beispielsweise an die gelallten Ansagen auf dem Arrow-Rock-Festival 2008. Zudem machte im Vorfeld dieses Albums die Nachricht die Runde, dass Phil Campbells Vater im Sterben liegt, weswegen der Gitarrist nicht ins Studio nach Los Angeles kommen konnte und seine Parts in Wales aufgenommen hat. Kurzum: Die Vorzeichen waren nicht gerade die besten, und nicht nur ich habe mich gefragt, ob es mit MOTÖRHEAD nun bergab geht. Doch das Trio verpasst mir und allen anderen Ungläubigen mit „The Wörld Is Yours“ einen Arschtritt, der sich gewaschen hat! Von Alterserscheinungen keine Spur – die Herren gehen unter der erneuten Produktionsleitung von Cameron Webb mit ungestümer Energie wie in ihren besten Zeiten zur Sache und klingen dabei so homogen, dass ich die Entstehungsgeschichte der getrennten Aufnahmen kaum glauben kann. Neben jeder Menge räudig dröhnendem und mächtig nach vorne rockendem, also durch und durch typischem MOTÖRHEAD-Stoff wie dem straight riffenden Opener ´Born To Lose´, dem unwiderstehlich treibenden ´I Know How To Die´ oder dem verdammt eingängigen ´Devils In My Head´ finden sich vor allem mit den kommenden Klassikern ´Get Back In Line´ und ´Bye Bye Bitch Bye Bye´ auch Rock´n´Roll-Nummern der ganz alten Schule, mit denen Lemmy seinen eigenen Helden Tribut zollt. Gerade bei diesen beiden Texten kommt sein trockener Humor bestens zur Geltung, wogegen ´Rock´n´Roll Music´ ungewohnt pathetisch ausfällt. Für weitere Abwechslung sorgen das extrem düstere ´Brotherhood Of Man´ sowie ´Waiting For The Snake´, dessen ungewohnt modernes Eingangsriff auch von Soundgarden stammen könnte. Eine Ballade gibt es dagegen nicht – wahrscheinlich damit zwischenzeitlich zweifelnde Arschlöcher wie ich nicht wieder behaupten, Lemmy würde alt… Line-Up: Lemmy Kilmister (v. & b.) Phil Campbell (g.) Mikkey Dee (d.) Die Paten: Wer auf MOTÖREAD steht, sollte auch folgende Bands und Musiker kennen: Girlschool * Rose Tattoo * Skew Siskin * Sodom * Killer (B) * Vulcain * The Batallion * Rock Rotten´s 9mm Assi Rock´n´Roll * Torment * Ramones * Little Richard * Hawkwind * Social Distortion * The Damned Diskografie (nur Studioalben): Motörhead (1977) Overkill (1979) Bomber (1979) On Parole (1979) Ace Of Spades (1980) Iron Fist (1982) Another Perfect Day (1983) Orgasmatron (1986) Rock´n´Roll (1987) 1916 (1991) March Ör Die (1992) Bastards (1993) Sacrifice (1995) Overnight Sensation (1996) Snake Bite Love (1998) We Are Motörhead (2000) Hammered (2002) Inferno (2004) Kiss Of Death (2006) Motörizer (2008) The Wörld Is Yours (2010) Und das sagt Lemmy zu „The Wörld Is Yours“: »Dass Phil zu Hause aufgenommen hat, war kein großes Problem. Wir hatten alles gut vorbereitet und schickten ihm Song für Song rüber. Er spielte seine Parts ein - und hat uns wirklich überrascht. Da sind großartige Sachen dabei! Ich denke, „The Wörld Is Yours“ ist aus Gitarrensicht eines der besten Alben, die wir seit langem gemacht haben. Gerade Phils Part ist klasse!«

REVIEW 9.0 17.11.2010

(Album des Monats, RH 283, 2010)

METAL INQUISITOR - Unconditional Absolution

Auf ihrem dritten Studioalbum gehen METAL INQUISITOR aus Koblenz - die neben Atlantean Kodex momentan beste und authentischste Band Deutschlands - den Weg ihrer großen Vorbilder, ohne sie kopieren zu wollen. Wie Saxon, wie Jaguar, wie Tank, wie die Tygers Of Pang und natürlich wie Maiden haben sich auch METAL INQUISITOR im Laufe der Jahre entwickelt, ihr Songwriting verfeinert, sind hier und da etwas melodiöser geworden und wirken etwas „geschliffener“ und „reifer“ (man muss ja vorsichtig mit solchen Begriffen sein; hier sind sie absolut positiv gemeint) als in ihren Anfangstagen. Wer den Schritt vom ersten zum zweiten Tygers-Album mochte und nachvollziehen konnte oder wer Saxon mit „Strong Arm Of The Law“ am besten fand, der wird „Unconditional Absolution“ ein Jahr lang in Dauerrotation laufen lassen und abgöttisch lieben. Wer sein Gehör noch nicht auf Computer- und iPod-Tauglichkeit heruntergefahren hat, sondern noch weiß, wie echte Gitarren braten können und wie ein echtes, natürliches Schlagzeug in der Magengrube landet, der wird den musikalischen Kopf von METAL INQUISITOR, Blumi, vom Fleck weg adoptieren wollen. Wer über Jahre so akribisch an seinem Gitarrensound feilt und solche Riffs schreiben kann, der hat den Platz direkt neben Wolf Hoffmann verdient. Wäre Blumi 1981 mit seinen weißen NWOBHM-Stiefeln in London, Newcastle oder Birmingham durch die Botanik gestolpert, er würde heute mindestens bei Judas Priest spielen. Glenn Tipton kann sich im Jahre 2010 jedenfalls eine dicke Scheibe bei ihm abschneiden! Auch Sänger Rob („El Rojo“) ist ein sogenanntes „Alleinstellungsmerkmal“ von METAL INQUISITOR. Er hätte damals prima zu Sweet Savage gepasst und ist heute einer der wenigen Metal-Shouter, die zwar melodisch, aber dabei so ungekünstelt und natürlich singen, dass das Headbanger-Herz vor Freude im Steve-Harris-Galoppel-Takt hüpft. Man hört auch auf Platte sofort den Spaß, den der Gute wie kein anderer jedes Mal live auf der Bühne hat. Es gibt neben all den METAL INQUISITOR-typischen Granaten auf dieser Scheibe einen Song, der an Queensryche in besten Zeiten erinnert - und einen, der von Paul DiAnno´s Battlezone stammen könnte. Mal sehen, ob ihr sie findet... Viel Spaß jedenfalls mit einem der stärksten Alben des Jahres! Diskografie The Apparition (2002) Doomsday For The Heretic (2005) Doomsday At The H.O.A. (Live, 2007) Garage Nights (Raritäten-Compilation, 2008) Unconditional Absolution (2010) Line-up El Rojo (v.) Blumi (g.) T.P. (g.) Kronos (b) Havoc (d.) Die Paten Wer METAL INQUISITOR mag, steht auch auf: Saxon * Tygers Of Pan Tang * Sweet Savage * Jaguar * Savage * Raven * Demon * Judas Priest * Iron Maiden * Roxxcalibur * Accept Und das sagt die Band zu „Unconditional Absolution“: »"Unconditional Absolution" ist ein Album, das insbesondere an den alten Spieltraditionen der achtziger Jahre festhalten soll. Dabei war es uns wichtig, an das letzte Album anzuknüpfen, ohne uns zu wiederholen. In dieser Hinsicht stechen meiner Meinung nach ´The Arch Villain´ und ´The Path Of The Righteous Man´ am meisten hervor.« (Blumi) »Grundgütiger! Platte des Monats? Na, das ist ja was! Mir gefällt die Platte auch gut. ;-) Im Ernst: Ich freue mich gerade tierisch! Und ich habe damit (ohne tiefstapeln zu wollen) wirklich nicht gerechnet - sehr geil! In die Songs der "Unconditional Absolution" sind wieder viele verschiedene Spielarten des Heavy Metal eingeflossen, so dass ein "Strauß bunter Melodien" entstanden ist - aus Metall, versteht sich! Viel Spaß beim Hören!« (El Rojo)

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