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REVIEW 9.0 27.02.2013

(Album des Monats, RH 310, 2013)

BUCKCHERRY - Confessions

EMI (52:19) Wer hätte das gedacht? 18 Jahre nach ihrer Bandgründung liefern BUCKCHERRY tatsächlich noch mal eine absolut großartige Glanztat ab, die es qualitativ mit dem grandiosen, selbstbetitelten Debüt von 1999 aufnehmen kann. Egal, ob Powerrocker wie z.B. (das auch auf unserer diesmonatigen Beilage-CD enthaltene) ´Gluttony´ oder ´Lost´, Dampfgroover wie z.B. ´Wrath´ oder ´Nothing Left But Tears´ und glaubwürdige Balladen wie z.B. ´Sloth´ oder ´Dreamin´ Of You´ - das Quintett aus Los Angeles fährt alles auf, was man an den wirklich Großen des US-Rock schätzt. Kennt man doch alles schon von den letzten, beileibe nicht schlechten Scheiben? Stimmt, allerdings nicht in dieser nahezu perfekten Qualität. Denn ein perfektes Album unterscheidet sich von einem sehr guten letztendlich dann, wenn die Songs glaubhaft vermitteln, dass die Musiker sie mit Herzblut und Leidenschaft und nicht nur mit Hilfe von Talent und Professionalität umgesetzt haben. Und dass BUCKCHERRY dies auf „Confessions“ gelungen ist, dürfte nicht zuletzt dem Umstand geschuldet sein, dass sich Sänger Josh Todd dazu entschlossen hat, dem sechsten Studioalbum ein Konzept in Form der eigenen Lebensgeschichte zu geben, die er mit den sieben Todsünden assoziiert. Hinzu kommt, dass man auch produktionstechnisch alles richtig gemacht hat. Ein moderner, druckvoller Breitwandsound, gepaart mit einer geschmackvollen Natürlichkeit der Gitarren, die im Mix auf den Punkt genau so platziert wurden, dass die ganze Chose wirklich rockt und nicht nur vorgibt, es zu tun. Absolut erstklassig! DISKOGRAFIE Buckcherry (1999) Time Bomb (2001) 15 (2006) Black Butterfly (2008) Live & Loud 2009 (Live Album, 2009) All Night Long (2010) Confessions (2013) LINE-UP Josh Todd (v.) Keith Nelson (g.) Stevie D. (g.) Jimmy Ashhurst (b.) Xavier Muriel (dr.) DIE PATEN Wer folgende Acts zu seinen Favoriten zählt, der sollte sich BUCKCHERRY auf keinen Fall entgehen lassen: Aerosmith, Guns N´Roses, AC/DC, New American Shame, Dangerous Toys, Hardcore Superstar, Cheap Trick, Kiss, Def Leppard, Mötley Crüe, Skid Row, Bang Tango, Beautiful Creatures, The Last Vegas, Backyard Babies, The Black Crowes, The Georgia Satellites, Tesla, Great White Und das sagt BUCKCHERRY-Gitarrist und -Hauptsongwriter Keith Nelson zu "Confessions": »Wow, wir sind tatsächlich Album des Monats im aktuellen Rock Hard? Das ist eine perfekte Belohnung für die harte Arbeit, die wir in unsere sechste Studioscheibe investiert haben. "Confessions" ist ein Konzeptalbum, aber wir hatten den Anspruch, dass die Platte nicht nur als Ganzes, sondern jeder Song auch für sich alleine funktionieren muss. Anscheinend ist uns das gelungen. Vielen Dank! Und ich hoffe, wir sehen uns bei den Shows, die wir gerade für Europa planen!«

REVIEW 8.0 30.01.2013

(Album des Monats, RH 309, 2013)

AUDREY HORNE - Youngblood

Napalm/Universal (42:57) In Anlehnung an Kiss´ „Rock And Roll Over“ geben AUDREY HORNE schon mit dem Cover zu „Youngblood“ einen ersten Hinweis auf die grobe musikalische Marschrichtung auf Album Nummer vier: noch mehr Hardrock und Classic Rock und weniger Alternative als auf dem selbstbetitelten Vorgänger. Neben Kiss sind es zudem späte Rainbow und die Deep Purple der Achtziger, die (u.a. bei ´There Goes A Lady´ und ´The Open Sea´) im aktuellen Sound der Norweger die deutlichsten Spuren hinterlassen haben. Neben dem Hang zum flotten Drive und der wieder mal erstklassigen Gitarrenarbeit von Arve und Thomas bilden vor allen Dingen einige fantastische, supereingängige, aber niemals anbiedernde Melodien von Refrains wie ´Redemption Blues´ oder ´Youngblood´ genau jene Momente, in denen AUDREY HORNE zu den aufregendsten Rock´n´Roll-Bands der aktuellen Szene zählen und jene sehr souveräne Figur abgeben, die ihnen Götz in seinem Studioreport zu „Youngblood“ in unserer letzten Ausgabe attestierte. Allerdings schafft es das Quartett nicht, dieses hohe Level über das gesamte Album zu halten, und so hat sich gerade im Mittelteil und am Ende der Scheibe (´Show And Tell´ und ´Cards With The Devil´) doch der eine oder andere kreative Schatten ausgebreitet. Und in genau jenen Momenten offenbart die Band auch ihre einzige leichte Schwäche. Toschi ist sicherlich kein schlechter Sänger, aber eben auch kein Ausnahmekönner, wie sie nahezu alle großen Vorbilder der Band in ihren Reihen haben und hatten, die mit einer großen emotionalen und stimmlichen Bandbreite sowie kreativen Gesangsmelodien eben auch mal die eine oder andere Schwäche im Songwriting kaschieren können. Unterm Strich ist „Youngblood“ dennoch ein geiles Album, das vor allen Dingen die Fans begeistern wird, die ´Blaze Of Ashes´ von der letzten Platte zu ihren Lieblingstracks zählen. DISKOGRAFIE No Hay Banda (2005) Le Fol (2007) Audrey Horne (2010) Youngblood (2013) LINE-UP Torkjell „Toschie“ Rød (v.) Arve „Ice Dale“ Isdal (g.) Thomas Tofthagen (g.) Espen Lien (b.) Kjetil Greve (dr.) DIE PATEN An AUDREY HORNE und „Youngblood“ werden mit Sicherheit alle Gefallen finden, die bereits mit folgenden Acts reichlich Spaß haben: Rainbow, Deep Purple, Kiss, Ozzy Osbourne, Thin Lizzy, Sahg, Aerosmith, Van Halen, Dio, Whitesnake, UFO, Nazareth, Alcatrazz, Gillan, Wishbone Ash, Yngwie J. Malmsteen´s Rising Force, Tygers Of Pan Tang

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REVIEW 8.5 19.12.2012

(Album des Monats, RH 308, 2012)

ATTIC - The Invocation

Ván Records/Soulfood (48:06) ATTIC aus dem Ruhrpott sind die stärkste deutsche Heavy-Metal-Band seit Metal Inquisitor und genießen seit ihrer Anfang des Jahres in Eigenregie veröffentlichten Debüt-EP (die vorher schon als Demo - auch bei uns - abgefeiert worden war) im weltweiten Underground einen aúsgezeichneten Ruf. Besonders Mercyful-Fate- und King-Diamond-Fans, sprich 90 Prozent aller geschmackssicheren Headbanger, haben die Gelsenkirchener auf Anhieb in ihre schwarzen Herzen geschlossen, was nicht nur an der herausragenden Stimme von Meister Cagliostro liegt. Der orientiert sich vor allem an King Diamonds frühen Soloalben (setzt also zu 70 Prozent hohe Stimmen ein) und bringt lediglich in den tieferen Stimmlagen, die er ebenso beherrscht, eine eigene Note ein. Wäre man böswillig, könnte man deshalb von einer Kopie sprechen. Da aber der King-Diamond-Gesang inzwischen so etwas wie ein eigenes kleines Genre geworden ist und mit Portrait, In Solitude oder Metalhead schon echte Highlights hervorgebracht hat, bewerten wir hier ausschließlich die Qualität des Gebotenen - und da muss man eindeutig feststellen: Meister Cagliostro ist der Beste von allen! Natürlich wäre er ohne seine Bandkollegen und deren Songwriting trotzdem nur die Hälfte wert - aber die zehn Tracks meiner Vorab-CD (keine Songtitel) offenbaren keinen einzigen Schwachpunkt! Die vielen verschiedenen Breaks und Stimmungen alter Mercyful-Fate-Klassiker (hier orientieren sich ATTIC eher an King Diamonds alter Band als an seinen Solowerken), die melodischen Gitarrenharmonien und die solide Rhythmusabteilung bestimmen jeden einzelnen Song und sorgen für viele Highlights und Überraschungseffekte. ATTIC sind genauso nah an Mercyful Fate wie Malice an Judas Priest, auch qualitativ. Und weil sie auch technisch allen Gleichgesinnten locker Parioli bieten können, gibt es zwischen Gesang und Instrumentierung kein Gefälle mehr. Bei der EP war das noch anders. ATTIC haben also innerhalb eines Jahres sämtliche Lektionen gelernt, die man in solch kurzer Zeit bewältigen kann. Jetzt müssen sie uns nur noch beweisen, dass sie dieselbe hohe Qualität auch live umsetzen können (bisher gab es da ebenfalls nur Positives zu berichten) - dann wächst hier Großes heran. Klasse! Und das sagt Gitarrist Katte zum Soundcheck-Sieg: »Vielen Dank! Als Musiker freut es einen sehr, solche Anerkennung für das zu erhalten, was man mit Leidenschaft betreibt. Im letzten Jahr ist viel Zeit und Hingabe in unsere Arbeit mit ATTIC geflossen, wofür wir mit reichlich Erfahrung belohnt wurden und mehr positives Feedback erhielten, als wir je erwartet hätten. Besonders mit dem Stil, den wir spielen, empfinden wir es als Freude, auch jenseits des traditionellen Metal-Undergrounds wahrgenommen zu werden. Dass dies durch Rock Hard geschieht, ein Magazin, mit dem wir mehr oder weniger aufgewachsen sind, ehrt uns besonders und rundet dieses lange Jahr in unseren Augen perfekt ab.« DISKOGRAFIE Demo (2011) Attic (EP, 2012) Satan´s Bride (Split-7“ mit Walpurgis Night, 2012) The Invocation (2012) LINE-UP Rob (g.) Katte (g.) Meister Cagliostro (v.) Roman (dr.) Chris (b.) DIE PATEN Wem die folgenden Acts gefallen, der sollte unbedingt auch ATTIC anchecken - und umgekehrt: Mercyful Fate * King Diamond * Portrait * In Solitude * Metalhead * Iron Maiden * Judas Priest * Witchfinder General * Cirith Ungol * Denial Of God * Nasty Savage * Angel Witch * Sabbat * Hell * A Tortured Soul * Evil * Vortex

REVIEW 9.0 21.11.2012

(Album des Monats, RH 307, 2012)

YEAR OF THE GOAT - Angels´ Necropolis

Ván/Soulfood (50:47) Anderthalb Jahre haben die Schweden gebraucht, um ihrer formidablen Debüt-EP „Luccem Ferre“ endlich das erste Full-length-Album folgen zu lassen. Sicherlich finden sich in den acht Tracks nach wie vor massig Einflüsse okkulter Rockbands der Sechziger und Siebziger wie Coven, Black Widow und Roky Erickson, und selbstredend rundet eine perfekt passende, ebenso warme wie natürliche analoge Aufnahme das Klangbild ab. Letztendlich ist das alles aber nur das Gewürzsortiment, um die zartbitteren, melancholischen, bisweilen vor Dramatik strotzenden Songs entsprechend in Szene zu setzen. Somit verharren YEAR OF THE GOAT ganz sicher nicht felsenfest und stocksteif in vergangenen Jahrzehnten wie manch anderer Act der aktuellen Vintage-Rock-Szene, sondern setzen die Prioritäten ganz klar bei Arrangements und Songwriting, wo wunderbare Gitarrenharmonien und Soli sowie Sänger Thomas´ außergewöhnliche Stimme und sein Gespür für fesselnde Melodien immer wieder für Glanzpunkte sorgen und in Kombination mit den okkulten Lyrics subtile Spannung erzeugen. Und spätestens beim ebenso dramatischen wie beschwörend hypnotischen Abschluss von ´Thin Lines Of Broken Hopes´ lassen die Schweden u.a. mit sakralen Chören die okkulte Katze auch musikalisch vollends aus dem Sack. Oder besser gesagt: den Rottweiler von der Kette, der 1976 im Film „Das Omen“ der Teufelsbrut Damien Thorne als Spielgefährte und ausführendes Organ zur Seite stand. Keine Frage: Im Jahre 2012 würde der kleine Satansbraten mit Sicherheit dieses mitreißende Finale als passenden Soundtrack für seine Bosheiten heranziehen. Grandios! Und das sagt Sänger und Gitarrist Thomas „Sabbathi“ Erickson zum Soundcheck-Sieg: »Ich bin sprachlos und freue mich wahnsinnig, genauso wie der Rest der Goats. Nun, ich hoffe natürlich das Beste für dieses Debütalbum. Wir haben hart dafür gearbeitet, dieses Monster zum Leben zu erwecken, und wir sind alle ziemlich froh, dass „Angels´ Necropolis“ jetzt endlich das Licht der Welt erblickt hat. Ich denke, alle Songwriter haben im Nachhinein ein paar kleinere Probleme mit ihren Kreationen, aber am Ende ist wohl jeder Schöpfer sehr stolz auf seine Kinder. Zumindest weiß ich, dass WIR es sind.« DISKOGRAFIE Luccem Ferre (EP, 2011) This Will Be Mine (7“, 2012) Angels´ Necropolis (2012) LINE-UP Thomas „Sabbathi“ Erickson (v./g.) Per Broddesson (g.) Don Palmroos (g.) Tobias Resch (b.) Mikael Popovic (keys) Frederik Hellerström (dr.) DIE PATEN Wem YEAR OF THE GOAT zusagen, wird auch von folgenden Acts begeistert sein: Wishbone Ash, The Devil´s Blood, Blue Öyster Cult, Witchcraft, Thin Lizzy, Horisont, Coven, Black Widow, Roky Erickson, Graveyard, Rainbow, Griftegård

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REVIEW 8.5 24.10.2012

(Album des Monats, RH 306, 2012)

GRAVEYARD - Lights Out

Nuclear Blast/Warner (35:33) Mit dem brillanten „Hisingen Blues“ und zahlreichen intensiven Liveshows katapultierten sich GRAVEYARD innerhalb des letzten Jahres an die Spitze der Vintage-Rock-Bewegung und überholten die nicht minder starke Konkurrenz (u.a. Witchcraft) in Sachen Popularität mal eben ganz locker auf der rechten Spur. Keine Frage, dass auf dem Nachfolger „Lights Out“ eine immens hohe Erwartungshaltung lastet. Und glücklicherweise bietet das dritte Album der Schweden sehr viel von dem, was den Vorgänger zum Über-Album werden ließ. Ausdrucksvolle Dynamik, fesselnde Tempowechsel, düsterer Blues und dramatischer Vintage-Rock, all das ist da. Aber dennoch beschleicht einen auch nach etlichen Durchläufen das Gefühl, dass irgendetwas fehlt, und das liegt u.a. wie bei Witchcraft und deren Album „Legend“ am Sound. Obwohl GRAVEYARD wieder komplett auf analoge Aufnahmetechnik gesetzt haben und es bei weitem nicht solche Auswüchse angenommen hat wie bei „Legend“, klingt „Lights Out“ komprimierter und geschliffener, was zur Folge hat, dass die Stimme von Gitarrist und Sänger Joakim nicht mehr so dominant das Geschehen bestimmt. Zudem ist „Lights Out“ auf Anhieb gefälliger, einfacher und leichter verdaulich. Das spricht zwar für die kompositorische Stärke der Schweden, spannende musikalische Entdeckungsreisen werden auf lange Sicht gesehen aber wohl ausbleiben. Keine Frage, „Lights Out“ ist stark, aber leider nicht ganz so grandios wie „Hisingen Blues“. DISKOGRAFIE Graveyard (2007) Hisingen Blues (2011) Lights Out (2012) LINE-UP Joakim Nilsson (v., g.) Rikard Edlund (b.) Axel Sjöberg (dr.) Jonatan Larocca Ramm (g.) DIE PATEN Wem „Lights Out“ zusagt, der dürfte auch zu den Sounds der folgenden Bands mit den Hosenschlägen seiner speckigen Jeans wedeln: BURNING SAVIOURS, HORISONT, WITCHCRAFT, DEAD MEN, BLOWBACK, PENTAGRAM, ROKY ERICKSON, CAPTAIN BEYOND, LEAF HOUND, COMUS, THE CHRYSTAL CARAVAN, SIENNA ROOT, THE GRAVIATORS, GRAND FUNK RAILROAD, BRUTUS, ABRAMIS BRAMA, BLUE CHEER, WITCHFINDER GENERAL

REVIEW 8.5 26.09.2012

(Album des Monats, RH 305, 2012)

WITCHCRAFT - Legend

Nuclear Blast/Warner (51:32) Es ist mit Sicherheit das langersehnteste Album der Retro-Szene, und fünf Jahre nach dem letzten Longplayer „The Alchemist“ kann man fast schon von einem Comeback sprechen. Und nicht nur das: „Legend“ läutet eine neue Ära in der Bandgeschichte ein. Fast scheint es so, als wolle sich Bandleader Magnus Pelander von allen alten Zöpfen trennen und bewusst einer Szene entfliehen, die WITCHCRAFT vor zwölf Jahren mitbegründeten und die im Moment blüht wie keine zweite. Drummer Fredrik Jansson und Gitarrist John Hoyles (dessen gefühlvolles und kreatives Spiel auf „Legend“ schmerzlich vermisst wird) haben die Band bereits vor längerer Zeit verlassen, Magnus selbst möchte sich fortan nur noch auf den Gesang konzentrieren und engagierte deshalb neben dem Ersatz für Hoyles noch einen weiteren Gitarristen, schnitt sich die Haare ab und entledigte sich seines Hippie-Looks. Und um all dies noch mal nachdrücklich zu unterstreichen, wurde mit dem analogen Vintage-Sound auch gleich noch eines der wichtigsten Signature-Trademarks der Band über Bord geworfen. Leider sind damit auch die spontane Frische und das Live-Feeling, die gerade den Vorgänger „The Alchemist“ perfektionierten, zum Teil verloren gegangen. „Legend“ klingt im direkten Vergleich (gerade im Gitarrenbereich) aufgeblasener, moderner und im Allgemeinen deutlich produzierter, wobei es der Band aber dennoch gelungen ist, dem soundmäßigen Kältetod von der Schippe zu springen. Trotzdem bereitet dies zahlreichen Fans Kopfschmerzen, die sich bereits nach den wenigen vorab veröffentlichen Songs mit Grausen abwenden, wenn man den Einträgen auf der Facebook-Page der Band und auf anderen Internetseiten Glauben schenken darf. Umgekehrt könnte es aber funktionieren: „Legend“ hat definitiv das Zeug dazu, der Türöffner für zahlreiche neue Fans zu sein, die alleine wegen der authentischen und in ihren Ohren dünn und kraftlos klingenden Analogsounds bisher einen großen Bogen um das Genre gemacht haben und sich nach dem Genuss von „Legend“ vielleicht doch mal tiefer in die Materie wagen. Denn unterm Strich zählen die Songs. Und die leben nach wie vor von Pelanders markanter Stimme und seinem emotionalen Ausdruck sowie seinen Fähigkeiten als Songwriter, die acht Töne einer Tonleiter immer wieder spannend und auf eine Art aneinanderzureihen, wie es einst den großen Vorbildern der Band in den Sechzigern und Siebzigern gelungen ist. Letztendlich mag „Legend“ diskutabel sein, und fraglos reicht die Scheibe qualitativ auch nicht an das herausragende „The Alchemist“ heran - aber ein schlechtes Album ist es ganz sicher nicht. Im Gegenteil. DISKOGRAFIE Witchcraft (2004) Firewood (2005) The Alchemist (2007) Legend (2012) LINE-UP Magnus Pelander (v.) Simon Solomon (g.) Tom Jondelius (g.) Ola Henriksson (b.) Oscar Johansson (dr.) DIE PATEN Analoger Klang hin, moderner Sound her. Wem „Legend“ zusagt, der wird früher oder später auch zu folgenden Bands die Koteletten sprießen lassen: Burning Saviours, Horisont, Graveyard, Dead Men, Blowback, Pentagram, Roky Erickson, Captain Beyond, Leaf Hound, Comus, The Crystal Caravan, Siena Root, The Graviators, Grand Funk Railroad

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REVIEW 10.0 29.08.2012

(Album des Monats, RH 304, 2012)

THRESHOLD - March Of Progress

Nuclear Blast/Warner (69:09) Dass THRESHOLD auf „March Of Progress“ die kompakt-luftige, songdienliche Ausrichtung der Andrew-McDermott-Ära (R.I.P., Mac!) mit dem epischen Bombast der frühen Damian-Wilson-Scheiben verbinden, liest sich erst mal nicht übermäßig spektakulär. Doch spätestens nach zwei-, dreimaligem Reinschnuppern (und ich bin mittlerweile ungelogen bei über 100 Komplettdurchläufen angekommen) offenbart sich eine kompositorische, atmosphärische und textliche Genialität, die alle bisherigen, größtenteils fabelhaften THRESHOLD-Platten in einen kilometerlangen Schatten stellt. Hier hat jedes der knallharten Metal-Gitarrenriffs, für die selbst ein John Petrucci heutzutage beide kleinen Finger opfern würde, genauso Refrain-Charakter wie die erhabenen, farbenprächtigen Keyboard-Klangkathedralen, die beseelten Saiten/Tasten-Soli und jede einzelne der von Wilson auf der absoluten Höhe seiner Schaffenskraft gesungenen Silben. Jeder Ton, jede Note dieser 69 Minuten ist pure Magie, und das Allerfaszinierendste: Man hört dem Album seine progressive Komplexität zu keiner Sekunde an. Songs, die wie kurze Ohrwürmer anmuten, entpuppen sich bei genauerem Hinhören als zehnminütige Megaepen, die von der phänomenalen Rhythmusabteilung mit einem lässigen Groove vorangetrieben werden, wie ihn im Prog-Metal-Sektor keine andere Band auch nur ansatzweise erreicht. Von den heftigen Hyperhymnen ´Ashes´ und ´Don´t Look Down´ über die Spannungsbogen-Wundertüten ´Return Of The Thought Police´ (superbe Lyrics!), ´Staring At The Sun´ (kongeniales Drumming!), ´Liberty Complacency Dependency´ (was für ein Songaufbau!), ´Colophon´ (Gitarrenriffs zum Niederknien!) und ´Coda´ (mehr Variantenreichtum geht in fünf Minuten nicht!) bis zur Queen-goes-Metal-Göttergabe ´The Hours´ (die Gesänge!), der völlig kitschfreien Pomp-Halbballade ´That´s Why We Came´ und dem alles wegblasenden 500.000-Tonnen-Sternenkreuzer ´Rubicon´ gibt es nichts Verkopftes, nichts Überambitioniertes und trotzdem genug begnadeten Input, um den Hörer auf Monate hinaus bis in die Haarspitzen und Fußnägel zu elektrisieren. Man muss es so dick aufgetragen sagen: Diese angenehm modern produzierte Scheibe steht auf einer Stufe mit den großen Dream-Theater- und Fates-Warning-Heiligtümern und ist für mich das beste Metal-Album seit Dream Theaters ´99er Überflieger „Scenes From A Memory“. Diskografie (nur Studioalben): Wounded Land (1993) Psychedelicatessen (1994) Extinct Instinct (1997) Clone (1998) Hypothetical (2001) Critical Mass (2002) Subsurface (2004) Dead Reckoning (2007) March Of Progress (2012) Line-up: Damian Wilson (v.) Karl Groom (g.) Pete Morten (g.) Steve Anderson (b.) Richard West (keys) Johanne James (dr.) Wer bei Threshold im siebten Prog-Himmel schwebt, dürfte bei den folgenden Bands seine Flughöhe halten können: Dream Theater * Queensryche * Fates Warning * Rush * Arena * Pendragon * Marillion * Shadow Gallery * Kamelot * Psychotic Waltz * Vauxdvihl * Symphony X * Royal Hunt * Riverside * Ayreon * Star One * Vanden Plas * Savatage

REVIEW 8.0 25.07.2012

(Album des Monats, RH 303, 2012)

TESTAMENT - Dark Roots Of Earth

Nuclear Blast/Warner (51:10) „The Formation Of Damnation“ war DAS Thrash-Album des Jahres 2008 und katapultierte TESTAMENT nach langer Zwangspause (während der Überfrontmann Chuck Billy - erfolgreich - gegen den Krebs kämpfte) zurück an die Spitze. Ende der Achtziger, nach drei überragenden Longplayern, hätte ja nicht viel gefehlt, und TESTAMENT hätten zu den „Big Four“ des US-Thrash aufgeschlossen. Nach Anthrax und vor Overkill bzw. Exodus galten sie damals als die „Nummer fünf“, die mit ihrem Debüt „The Legacy“ wahrscheinlich zwei Jahre zu spät auf der Bildfläche erschienen war. Album Nummer vier, „Souls Of Black“ (1990), war dann allerdings ein leichter Rückschritt, und der ganz, ganz große Durchbruch blieb aus. Egal. Was zählt, ist die Tatsache, dass TESTAMENT zu den prägenden Vätern des Bay Area Thrash zählen und auch heute noch absolut relevant für die Metalszene sind. Vielleicht tat die lange Pause zu Anfang des neuen Jahrtausends sogar gut und weckte neue Kräfte, die den Comeback-Longplayer „The Formation Of Damnation“ so stark gemacht haben. „Dark Roots Of Earth“ strahlt eine ähnliche Souveränität aus, deckt alle Facetten des TESTAMENT-Sounds (von etwas geschliffenerem, melodischem Thrash bis hin zu äußerst ruppigen, fast schon Death-Metal-lastigen Klängen) ab, enthält ein paar absolute Volltreffer - ist aber unterm Strich trotzdem nicht ganz so stark wie der überragende Vorgänger. Das vorab auf unserer „Lauschangriff“-CD veröffentlichte ´True American Hate´ finde ich zum Beispiel nur durchschnittlich, weil ich Chucks „Death-Metal-Stimme“ nicht besonders mag. Viel besser klingt er meiner Meinung nach, wenn er - wie in ´Man Kills Mankind´, ´A Day In The Death´ oder ´Native Blood´ - sein melodischeres, differenzierteres Shouting einsetzt. Und dass er sogar richtig singen kann (wie in der Halbballade ´Cold Embrace´ oder im Titelsong ´Dark Roots Of Earth´), darf er für meinen Geschmack auch ruhig öfter zeigen. Das alles aber ist Jammern auf hohem Niveau, denn „Dark Roots Of Earth“ ist durchaus verdient „Album des Monats“ geworden und enthält alle TESTAMENT-Trademarks, die wir seit 25 Jahren so lieben. Die Bonustracks der Erstveröffentlichung, die mir bei Redaktionsschluss noch nicht vorlagen, sollen es außerdem (s.a. Story in diesem Heft) echt in sich haben! Diskografie (nur Studioalben): The Legacy (1987) The New Order (1988) Practice What You Preach (1989) Souls Of Black (1990) The Ritual (1992) Low (1994) Demonic (1997) The Gathering (1999) First Strike Still Deadly (2001) The Formation Of Damnation (2008) Dark Roots Of Earth (2012) Line-Up: Chuck Billy (v.) Eric Peterson (g.) Alex Skolnick (g.) Greg Christian (b.) Gene Hoglan (dr.) Wer TESTAMENT verehrt, braucht auch folgende Bands für ein glückliches Leben: METALLICA * SLAYER * MEGADETH * EXODUS * VENOM * DARK ANGEL * ANNIHILATOR * HEATHEN * KREATOR * MORTAL SIN * ONSLAUGHT * OVERKILL * SACRED REICH * FLOTSAM AND JETSAM * IRON MAIDEN * WARBRINGER * SUICIDAL ANGELS * BONDED BY BLOOD * ANGELUS APATRIDA * MANTIC RITUAL * MUNICIPAL WASTE * GAMA BOMB * LEGACY

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REVIEW 9.0 27.06.2012

(Album des Monats, RH 302, 2012)

TURBONEGRO - Sexual Harassment

Volcom/Alive (33:44) Die Beantwortung der wichtigsten drei Fragen zuerst: Kann der neue Sänger, der Engländer Tony „The Duke Of Nothing“ Sylvester, seinem Vorgänger Hank Von Helvete das Wasser reichen? Nun, Happy Tom und seine TURBONEGROs waren clever und haben nicht nach einer Kopie der genialen, aber zwischenmenschlich unverdaulichen „Clockwork Orange“-Tucke gefahndet. Tony ist ein völlig anderer, aber ebenfalls eigenständiger und eigenwilliger Charakter mit kräftiger Rock´n´Roll-Reibeisenröhre, Hardcore/Punk-Background, ausgestattet mit dem nötigen band- und sexaffinen Humor. Er hievt die Truppe in musikalisch knackigere Gefilde und singt trotz Rauheit facettenreich. Fazit: eine sehr gute Personalentscheidung. Können unsere Lieblingsmatrosen ihre Talfahrt stoppen, die mit „Retox“ eingesetzt hatte? Ja! „Sexual Harassment“ kombiniert alle Stärken der Göttergaben „Apocalypse Dudes“ und „Party Animals“ sowie der räudigen Schönheit „Ass Cobra“. Ein Best-of-Album, sozusagen. Und drittens: Gibt´s endlich wieder echte Turbo-Hits? Jede Menge, Freunde! Die Band donnert von altem US-Punk inspirierte, ruppige Granaten (´The Nihilistic Army´, ´Buried Alive´, ´Hello Darkness´), sie begeistert mit AC/DC-artigen Smashern (´Tight Jeans Loose Leash´, ´Dude Without A Face´), und sie lässt die Basis mit Hilfe von echten Classic-Rock/Glam/R´n´R-Geniestreichen jubeln: Das göttliche ´Mister Sister´ (Kinder, der Text!), der Partyknaller ´Shake Your Shit Machine´ sowie die Single ´You Give Me Worms´ gehören zu den geilsten Nummern, die TRB/NGR jemals geschrieben haben. Fazit: „Sexuelle Belästigung“ ist von Anfang bis Ende ein tolles, kunterbuntes Album, ich habe nach dreiwöchiger Dauerbeschallung keinerlei Füllware entdeckt, die Platte wurde eingebettet in eine große, direkte, sehr luftige Rock-Produktion (Electric Lady Studios, New York) - und dürfte als DAS Comeback-Album des Jahres 2012 in die Annalen eingehen. I got erection! Diskografie (Alben) Hot Cars And Spent Contraceptives (1992) Helta Skelta (1993) Never Is Forever (1994) Ass Cobra (1996) Apocalypse Dudes (1998) Scandinavian Leather (2003) Party Animals (2005) Retox (2007) Sexual Harassment (2012) Line-up: Happy Tom (b.) Tony Sylvester (v.) Euroboy (g.) Rune Rebellion (g.) Pål Pot Pamparius (keys/g.) Tommy Manboy (dr.) Und das sagt Happy Tom (b.): »Holy shit! That is VERY cool! Mit „Sexual Harassment“ hieven wir das Deathpunk-Biest auf ein neues Level. Das Biest ist nun tighter, bedeutender, lauter, schmutziger und mehr in die Fresse denn je - und zwar auf eine triumphierende Art und Weise. Das Ganze ähnelt einer Fußballschlägerei, bei der die Hooligans samt und sonders hochprofessionelle MMA-Kämpfer sind, allerdings sturzbetrunkene. Erstmals nach langen Jahren hatten wir richtig Spaß bei den Albumaufnahmen, und ihr könnt das auch hören: Das Album strotzt nur so vor Energie, und unser absoluter Wille zur Macht dröhnt aus den Lautsprechern. Ein ansteckender Spirit! Tonys Stimme sowie seine gesamte Erscheinung und Persönlichkeit haben Turbo einen Kick verpasst, und Tommys klassisches Drumming ist so kompromisslos gut. Es erscheint wenig verwunderlich, dass selbst die größten Old-School-Skeptiker die „neuen“ Turbo so herzlich empfangen haben.« Wer TURBONEGRO verehrt, braucht auch folgende Bands für ein glückliches Leben: AC/DC * Rose Tattoo * Poison Idea * Kiss * Motörhead * Ramones * Black Flag * Circle Jerks * Mötley Crüe * Gluecifer * The Hellacopters * The Sweet

REVIEW 9.5 30.05.2012

(Album des Monats, RH 301, 2012)

KREATOR - Phantom Antichrist

Nuclear Blast/Warner (45:34) Dass die neue KREATOR-Platte gut ist, belegt allein schon das gigantische Titelstück, das mittlerweile jeder Schwermetaller kennen sollte. Respekt! Der Song ist für mich noch einmal ein Klassiker des Thrash, in einer Qualität, die man auf jeder neuen Slayer- oder Megadeth-Platte nur allzu gerne finden würde. Mit ´Death To The World´ laden die Essener dann einen typischen KREATOR-Klopfer nach. So weit, so gut. Was ist neu an diesem Album? Sicherlich die Tatsache, dass man die spontane Arbeitsweise von „Hordes Of Chaos“ gegen die schwere Metal-Maschinerie von Jens Bogren eingetauscht hat: Präzise Rifforgien en masse, mehrstimmige Gitarrenmelodien in nahezu allen Songs, und eine Prise Bombast mit Akustikgitarren und fetten Chören hat sich ebenfalls hier und da eingeschlichen. Die Platte klingt reif und fett. Mille entdeckt (neben den Thrash-Trademark-Elementen nahezu gleichberechtigt) seine Heavy-Metal-Roots neu, und Sami Yli-Sirniö blüht besser denn je in diesem Umfeld auf. Die überschäumende Freude an Gitarrensoli und Twin-Guitar-Läufen steckt jedenfalls an und ist eine logische Konsequenz, wenn man einen der besten Metal-Solisten Europas in seinem Orchester hat. Meiner Meinung nach alles im Rahmen, aber es wird Fans geben, die das primitive, direkte, punkige Element von KREATOR vorziehen. Was mir an der Platte am besten gefällt, sind die vielen überraschenden Wendungen, die „Phantom Antichrist“ auch nach mehrmaligen Durchläufen noch parat hält. ´The Few, The Proud, The Broken´ beginnt als gradlinige Hymne, ehe die Nummer schichtweise ins Progressive driftet und man den Refrain wie aus dem Nichts gekonnt hervorzaubert. Oder nehmen wir nette Details wie den Percussion-Part in ´Civilisation Collapse´, der dem Song noch mal zusätzlichen Auftrieb verschafft. Auf „Phantom Antichrist“ wirkt trotz eines Maximums an Abwechslung nichts aufgesetzt, am Rechner zusammengeflickt oder deplatziert. Das ist echte Metal-Kunst! Einziger Kritikpunkt ist vielleicht die Tatsache, dass sich einige Gitarrenmelodien doch etwas ähneln. Trotzdem besitzt jeder einzelne Song so viel Substanz, dass man KREATOR wiederum ein Highlight ihrer Diskografie bescheinigen darf. Klar, es geht immer NOCH besser, aber für den Moment haben KREATOR zweifelsohne eines der allerstärksten Metal-Alben des Jahres herausgebracht. Da wird sich die internationale Konkurrenz mächtig strecken müssen. DISKOGRAFIE (Studioalben) Endless Pain (1985) Pleasure To Kill (1986) Terrible Certainty (1987) Extreme Aggression (1989) Coma Of Souls (1990) Renewal (1992) Cause For Conflict (1995) Outcast (1997) Endorama (1999) Violent Revolution (2001) Enemy Of God (2005) Hordes Of Chaos (2009) Phantom Antichrist (2012) LINE-UP Mille Petrozza (v./g.) Sami Yli-Sirniö (g.) Christian „Speesy“ Giesler (b.) Jürgen „Ventor“ Reil (dr.) DIE PATEN Wer auf aktuelle KREATOR steht, mag bestimmt auch: Slayer * Megadeth * Judas Priest * Dark Angel * Annihilator * Warbringer * Mortal Sin * Testament * Suicidal Angels * Destruction * Vio-lence * Sacrifice * Onslaught Und das sagt Mille zum Soundcheck-Sieg: »Wow, es freut mich unglaublich, dass wir wieder Album des Monats in unserem Lieblings-Megazine geworden sind. Es war eine wunderbare musikalische Reise, „Phantom Antichrist“ zu schreiben, und nun hoffen wir, dass es unseren Fans in Deutschland und dem Rest der Welt genauso gut gefällt wie uns. Auch im Namen von Ventor, Sami und Speesy möchte ich allen Maniacs für den Support danken. Keep Metal alive!«

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