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REVIEW 9.0 17.11.2010

(Album des Monats, RH 283, 2010)

METAL INQUISITOR - Unconditional Absolution

Auf ihrem dritten Studioalbum gehen METAL INQUISITOR aus Koblenz - die neben Atlantean Kodex momentan beste und authentischste Band Deutschlands - den Weg ihrer großen Vorbilder, ohne sie kopieren zu wollen. Wie Saxon, wie Jaguar, wie Tank, wie die Tygers Of Pang und natürlich wie Maiden haben sich auch METAL INQUISITOR im Laufe der Jahre entwickelt, ihr Songwriting verfeinert, sind hier und da etwas melodiöser geworden und wirken etwas „geschliffener“ und „reifer“ (man muss ja vorsichtig mit solchen Begriffen sein; hier sind sie absolut positiv gemeint) als in ihren Anfangstagen. Wer den Schritt vom ersten zum zweiten Tygers-Album mochte und nachvollziehen konnte oder wer Saxon mit „Strong Arm Of The Law“ am besten fand, der wird „Unconditional Absolution“ ein Jahr lang in Dauerrotation laufen lassen und abgöttisch lieben. Wer sein Gehör noch nicht auf Computer- und iPod-Tauglichkeit heruntergefahren hat, sondern noch weiß, wie echte Gitarren braten können und wie ein echtes, natürliches Schlagzeug in der Magengrube landet, der wird den musikalischen Kopf von METAL INQUISITOR, Blumi, vom Fleck weg adoptieren wollen. Wer über Jahre so akribisch an seinem Gitarrensound feilt und solche Riffs schreiben kann, der hat den Platz direkt neben Wolf Hoffmann verdient. Wäre Blumi 1981 mit seinen weißen NWOBHM-Stiefeln in London, Newcastle oder Birmingham durch die Botanik gestolpert, er würde heute mindestens bei Judas Priest spielen. Glenn Tipton kann sich im Jahre 2010 jedenfalls eine dicke Scheibe bei ihm abschneiden! Auch Sänger Rob („El Rojo“) ist ein sogenanntes „Alleinstellungsmerkmal“ von METAL INQUISITOR. Er hätte damals prima zu Sweet Savage gepasst und ist heute einer der wenigen Metal-Shouter, die zwar melodisch, aber dabei so ungekünstelt und natürlich singen, dass das Headbanger-Herz vor Freude im Steve-Harris-Galoppel-Takt hüpft. Man hört auch auf Platte sofort den Spaß, den der Gute wie kein anderer jedes Mal live auf der Bühne hat. Es gibt neben all den METAL INQUISITOR-typischen Granaten auf dieser Scheibe einen Song, der an Queensryche in besten Zeiten erinnert - und einen, der von Paul DiAnno´s Battlezone stammen könnte. Mal sehen, ob ihr sie findet... Viel Spaß jedenfalls mit einem der stärksten Alben des Jahres! Diskografie The Apparition (2002) Doomsday For The Heretic (2005) Doomsday At The H.O.A. (Live, 2007) Garage Nights (Raritäten-Compilation, 2008) Unconditional Absolution (2010) Line-up El Rojo (v.) Blumi (g.) T.P. (g.) Kronos (b) Havoc (d.) Die Paten Wer METAL INQUISITOR mag, steht auch auf: Saxon * Tygers Of Pan Tang * Sweet Savage * Jaguar * Savage * Raven * Demon * Judas Priest * Iron Maiden * Roxxcalibur * Accept Und das sagt die Band zu „Unconditional Absolution“: »"Unconditional Absolution" ist ein Album, das insbesondere an den alten Spieltraditionen der achtziger Jahre festhalten soll. Dabei war es uns wichtig, an das letzte Album anzuknüpfen, ohne uns zu wiederholen. In dieser Hinsicht stechen meiner Meinung nach ´The Arch Villain´ und ´The Path Of The Righteous Man´ am meisten hervor.« (Blumi) »Grundgütiger! Platte des Monats? Na, das ist ja was! Mir gefällt die Platte auch gut. ;-) Im Ernst: Ich freue mich gerade tierisch! Und ich habe damit (ohne tiefstapeln zu wollen) wirklich nicht gerechnet - sehr geil! In die Songs der "Unconditional Absolution" sind wieder viele verschiedene Spielarten des Heavy Metal eingeflossen, so dass ein "Strauß bunter Melodien" entstanden ist - aus Metall, versteht sich! Viel Spaß beim Hören!« (El Rojo)

REVIEW 9.0 20.10.2010

(Album des Monats, RH 282, 2010)

ATLANTEAN KODEX - The Golden Bough

Ohne an dieser Stelle genauer auf ihre Philosophie einzugehen (ein ausführliches Interview findet ihr im nächsten Heft): Die Bayern ATLANTEAN KODEX sind mit ihrem regelrecht orthododoxen Heavy Metal zwischen Epic (mehr) und Doom (weniger) einer der wichtigsten Gegenpole zur fortschreitenden Ballermannisierung der Szene und rufen vor allem eines ins Gedächtnis: Diese Musik, hier zum ersten Mal im Full-length-Format, ist nicht nur unbändiger Spaß, sondern auch bitterer Ernst. Die zutiefst melancholischen Hymnen der Band führen das fort, was die Großen einst erschaffen haben: Bathory mit „Hammerheart“ und „Twilight Of The Gods“, Fates Warning mit „Awaken The Guardian“, Manowar mit „Into Glory Ride“ und „Hail To England“, Candlemass mit „Nightfall“, Solstice mit „New Dark Age“, Manilla Road mit „Crystal Logic“. (Kollege Kühnemund hört zudem viel Warlord raus, aber die waren - trotz eines vergleichbaren Gitarrensounds - wesentlich ätherischer, zerbrechlicher.) Kaum ein Ton ist überflüssig auf dieser guten Stunde, gerade extrem ausufernd komponierte Epen wie ´A Prophet In The Forest´ (15 Minuten), ´Fountain Of Nepenthe´ (zehn Minuten) oder das zutiefst berührende, mit einer klassikerwürdigen Chorus-Melodie gesegnete ´Pilgrim´ (gut elf Minuten - inklusive John-Arch-meets-´Child In Time´-Gedächtnispart) gehen mit ihrer Hingabe unter die Haut und sprechen die Sinne so an, wie es nur Kunst schafft, aber bloße Unterhaltung niemals. Wenn ATLANTEAN KODEX-Sprachrohr Manuel Trummer immer wieder betont, dass er es nicht gutheißen kann, wenn Metal intellektualisiert wird, dann ist seine Intention ehrenhaft und nachvollziehbar. Aus der Falle raus kommt er aber nicht so einfach, denn ATLANTEAN KODEX selbst sind für diese Aussage eigentlich viel zu reflektierend und „intellektuell“, sie erschaffen extremst ausgearbeitete Bilder, sie haben eine Botschaft (und wenn es nur die ist, keine zu haben und eskapistisch zu sein), und sie positionieren sich zudem als Personen mit klaren, begründeten Meinungen. Aber genau das macht „The Golden Bough“ zur besten Metal-Platte seit While Heaven Wepts „Vast Oceans Lachrymose“. DISKOGRAFIE Vestal Claret/Atlantean Kodex (Split-EP, 2007) The Pnakotic Demos (EP, 2007) A Prophet In The Forest (12“, 2008) The Annihilation Of Koenigshofen (Live-LP, 2009) The Golden Bough (2010) LINE-UP Markus Becker (v.) Manuel Trummer (g.) Michael Koch (g.) Florian Kreuzer (b.) Mario Weiß (dr.) DIE PATEN Wer folgende Bands mag, steht auch auf ATLANTEAN KODEX: Bathory, Manowar, Solstice, Fates Warning, Candlemass, Manilla Road, Cirith Ungol, Warlord, Brocas Helm, Medieval Steel, Ereb Altor, Doomsword, Heavy Load, Pagan Altar, Solitude Aeturnus, Cloven Hoof Und das sagen Gitarrist Manuel Trummer und Sänger Markus Becker zu „The Golden Bough“: Manuel: »In musikalischer Hinsicht ist „The Golden Bough“ die logische Fortsetzung unserer „Pnakotic Demos“. Der entscheidende Fortschritt ist, dass jeder einzelne Aspekt - vom Sound über die Songs bis zum textlichen Überbau - mächtiger, schlüssiger, abwechslungreicher, schlicht größer klingt.« Markus: »Wenn „The Golden Bough“ erreicht, dass sich die Hörer intensiv mit einem Album, seiner Musik und seinem Konzept beschäftigen, statt es nur wie Metal-Beamte in die Sammlung einzutragen und danach im CD-Regal verstauben zu lassen, sind wir zufrieden. Denn „The Golden Bough“ steht auch als trotziges Statement gegen die Schnelllebigkeit und Oberflächlichkeit unserer Zeit.«

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REVIEW 8.0 15.09.2010

(Album des Monats, RH 281, 2010)

ENSLAVED - Axioma Ethica Odini

Indie/Soulfood (58:44) Panta rhei. Alles fließt, das Leben ist ein Fluss, meinte der alte Heraklit. Oder um es mit Platons Abwandlung zu sagen: Alles bewegt sich fort, und nichts bleibt. Diese Erkenntnis ist nicht nur in den hochkomplexen Texten des neuen ENSLAVED-Albums zu finden, sondern auch, vielleicht sogar vor allem, in der Musik: Die Norweger, wieder eine Spur harscher als auf „Vertebrae“, weben einen Teppich aus epischem Black Metal und progressivem, nicht selten bis in die siebziger Jahre zurückreichendem Rock, der sich in seiner atmosphärischen Dichte höchstens neben The Devil´s Blood und Watain platziert. Wo die beiden anderen vor allem davon leben, sich für irgendetwas aufzureiben, so als würden sie ihre Aufgabe, vermutlich sogar das Ziel, tatsächlich kennen, haben ENSLAVED das Eifern, den Hass, dieses kräftezehrende Arschloch, längst überwunden: Sie wissen, dass sie nicht wissen, und ihre Suche ist hinreißend. Vom Opener ´Ethica Odini´ über das melodisch famos inszenierte ´Giants´ bis zum fokussierten Abschluss ´Lightening´ verquickt das Quintett herrlich ausgeklügelte Arrangements mit mittlerweile beeindruckender Technik sowie einer lebenden, atmenden Erwachsenenproduktion, die ihren Höhepunkt in einem fast schon singenden Signature-Gitarrensound findet, und untermauert damit einmal mehr, nein: mehr denn je seinen Ruf als so intellektuell stimulierender wie die Herzen berührender Lebenssoundtrack mit Einzigartigkeitsgarantie. Oh down to the river we ride.

REVIEW 9.0 15.09.2010

(Album des Monats, RH 281, 2010)

HAIL OF BULLETS - On Divine Winds

Metal Blade/Sony (48:27) Magisch. Etwas anderes fällt mir dazu nicht ein. HAIL OF BULLETS verstehen es perfekt, einen altgedienten Death-Metaller, der von der ganzen Höher-schneller-frickeliger-Entwicklung der letzten Jahre die Nase gestrichen voll hat, mit einem zufriedenen Grinsen in die Nacht zu schicken. „On Divine Winds“ hat alles, was eine Platte in diesem Segment braucht: Kraft, Energie, Ideenreichtum, erhabene Riffs, majestätische Harmonien. Nur keine Blastspeed-Attacken und Labyrinth-artigen Gitarren-Kaskaden. Und dafür liebe ich HAIL OF BULLETS. Eine solche Ego-Befriedigung brauchen diese erfahrenen Musiker nicht. Und hier will ja nicht ernsthaft jemand an der spielerischen Klasse von Leuten wie Ed Warby oder Stephan Gebedi zweifeln, oder? Ja, mir geht einer ab, wenn Martin van Drunen in ´Tokyo Napalm Holocaust´ das ganze Elend des vernichtenden Flächen-Bombardements der japanischen Hauptstadt herausschreit und dazu eine schwer melancholische Melodie den düsteren Death Metal der Holländer noch bedrohlicher erscheinen lässt. Generell ist es der Band bestens gelungen, die Stimmungen der Texte musikalisch einzufangen. Ein Song wie ´Kamikaze´ kann nur mit einem echten Riff-Inferno umgesetzt werden, genauso wie die Einführung in die Thematik ein verhältnismäßig komplexes Kostüm braucht, wie es ´The Mukden Incident´ ist. Es gibt keinen Zweifel: „On Divine Winds“ ist ein Lehrstück in Sachen Death Metal.

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REVIEW 9.0 18.08.2010

(Album des Monats, RH 280, 2010)

ACCEPT - Blood Of The Nations

Nuclear Blast/Warner (67:37) Damit konnte wirklich keiner rechnen! 14 Jahre nach „Predator“, dem letzten (nicht gerade umjubelten) ACCEPT-Studioalbum, versuchen es die Ex-Solinger noch einmal. Zwölf neue Songs im Gepäck (13 auf dem Digi), ein neuer Sänger (Mark Tornillo, ex-TT-Quick) an Bord, ein kompetenter Produzent (Andy Sneap) im Rücken - das sind die drei Grundpfeiler, auf denen ACCEPT „Blood Of The Nations“ errichten und im wahrsten Sinne des Wortes veredeln konnten. Auch größte Skeptiker (zu denen ich anfangs selber zählte) müssen zugeben, dass diese Scheibe zu hundert Prozent nach ACCEPT klingt, zu hundert Prozent die Erwartungen erfüllt und zu hundert Prozent ins Schwarze trifft. Sänger Mark brüllt wie Udo Dirkschneider in besten Zeiten, hat aber auch andere, melodischere Stimmlagen drauf, wie er in ´The Abyss´ oder ´Kill The Pain´ beweist, und klingt auf „Blood Of The Nations“ viel souveräner als auf der vorab ins Internet gestellten Jam-Session (die die Skepsis vieler Dirkschneider-Fans nur bestärkte). Das Herz von ACCEPT sind aber nach wie vor Wolf Hoffmanns schneidende, mächtige, charakteristische Riffs, die man - wie in ´Rollin´ Thunder´, ´New World Comin´´, ´The Abyss´, ´Pandemic´ oder ´Teutonic Terror´ - sofort identifizieren kann und die von typisch melodischen, immer wieder klassisch beeinflussten Soli flankiert werden. Genau dieses Gespür für das musikalische Detail, das gewisse Etwas, ist der Unterschied zwischen U.D.O. und ACCEPT im Jahre 2010, auch wenn ich das Durchhaltevermögen Dirkschneiders über all die Jahre nicht schmälern möchte. Es passiert nicht oft, dass ein zwölf (lange) Songs umfassendes Album keinen einzigen Hänger enthält und mit jedem Durchlauf wächst, obwohl schon der erste Eindruck überzeugt. „Blood Of The Nations“ ist nicht nur so heavy und abwechslungsreich wie die allerbesten ACCEPT-Scheiben „Breaker“, „Restless And Wild“ und „Balls To The Wall“ - es ist auch fast so gut. Und damit konnte vor einem Jahr nun wirklich niemand rechnen.

REVIEW 9.0 14.07.2010

(Album des Monats, RH 279, 2010)

BLIND GUARDIAN - At the Edge of Time

Nuclear Blast/Warner (64:01) Nach zwei experimentelleren Alben, die nicht alle Fans überzeugen konnten, setzen BLIND GUARDIAN ein beeindruckendes Ausrufezeichen, bei dem man nicht mal ansatzweise Bock hat, sich über so etwas wie mögliche Mängel überhaupt nur Gedanken zu machen. Alles, was zuletzt vielleicht nicht ganz optimal war, erstrahlt hier in strahlender Perfektion. Die Gesangsmelodien sind griffiger, nicht mehr so um die Ecke gedacht, der bei allem Bombast angenehm natürliche Sound lässt die Krefelder enorm energiegeladen rüberkommen und degradiert 99 Prozent aller aktuellen Metal-Produktionen zu mausgrauem Plastikschrott, die partielle Rückkehr zum Thrash/Speed-Metal der 90er sorgt für die nötigen Donnerschläge in den High-End-Fantasy-Klangkathedralen, und das Songwriting bewegt sich durchweg auf schwindelerregend hohem Niveau. Die old-schoolige Thrash-Hymne ´Tanelorn (Into The Void)´, die brachiale erste Single ´A Voice In The Dark´, die Uptempo-Granate ´Ride Into Obsession´ und der „Nightfall...“-artige Überhit ´Valkyries´ dürften nicht nur bei älteren Anhängern die Freudentränen kullern lassen, während den mit grandiosen Spannungsbögen versehenen Midtempo-Epen ´Road Of No Release´ und ´Control The Divine´ die perfekte Balance zwischen metallischer Urgewalt und gediegenem Breitwandkino gelingt und die Balladen - die Irish-Folk-Nummer ´Curse My Name´ und das von Klavier und Streichern getragene ´War Of The Thrones´ - sehr stimmungsvolle, großartig arrangierte Farbtupfer setzen. Zusammengehalten wird die schillernde Wundertüte von den beiden jeweils neunminütigen, Hollywood-Soundtrack-tauglichen Orchester/Metal-Feuerwerken ´Sacred Worlds´ (um Lichtjahre besser als die PC-Game-Version ´Sacred´) und dem orientalisch angehauchten, von einem majestätischen Kirchenchor gekrönten ´Wheel Of Time´, mit denen BLIND GUARDIAN völlig neue musikalische Horizonte erschließen und gegen die alle bisherigen Klassik-Hybrid-Versuche anderer Schwermetall-Bands wie alberner Klimperkitsch klingen. Je häufiger man die CD hört, desto größer wird die Gewissheit: Mit „At The Edge Of Time“ hat Deutschlands beste Metalband einen Geniestreich abgeliefert, der auf einer Stufe mit den bisherigen Guardian-Highlights „Tales From The Twilight World“, „Somewhere Far Beyond“, „Imaginations From The Other Side“ und „Nightfall In Middle-Earth“ steht. Bislang ganz klar die Platte des Jahres!

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REVIEW 9.0 16.06.2010

(Album des Monats, RH 278, 2010)

GRAND MAGUS - Hammer Of The North

Roadrunner/Warner (47:56) Aus der einstigen Doom-Combo ist eine reinrassige Heavy-Metal-Band geworden, die das Majestätisch-Epische von Dio mit den schweren, straighten Hammer-Riffs von Black Sabbath verbindet und mit „Hammer Of The North“, da sind wir uns hier ausnahmsweise alle einig, (wieder mal) das Album des Monats vorlegt. Bandkopf JB holt aus seiner weißen Flying V Sounds heraus, die selbst den alten Trouble zur Ehre gereicht hätten, und singt dabei von Jahr zu Jahr melodischer und kräftiger. Seine beiden Mitstreiter (Fox am Bass, Seb am Schlagzeug) zimmern ihm dabei ein Fundament, das die mächtigsten Riffsalven tragen kann und ordentlich Dampf im Keller macht. ´I, The Jury´, ´Black Sails´, ´Mountains Be My Throne´, ´Hammer Of The North´, ´The Lord Of Lies´ oder ´Northern Star´ (mein derzeitiger Favorit) werden so zu erhabenen, unvergesslichen Hymnen, die ihr garantiert noch in zwei Jahren mitsingen werdet. Ähnlich wie bei Armored Saint, Thin Lizzy oder Nevermore sind GRAND MAGUS nie anbiedernd melodisch oder ZU eingängig - und deshalb umso langlebiger. Man braucht vier, fünf Anläufe, um das volle Potenzial von „Hammer Of The North“ zu erkennen, muss dafür aber keine Abnutzungserscheinungen in Kauf nehmen. Das war schon bei den Vorgängern „Wolf´s Return“ und „Iron Will“ so, und das trifft auch auf dieses tolle Album zu. Echter Heavy Metal mit Seele für die Ewigkeit!

REVIEW 9.0 19.05.2010

(Album des Monats, RH 277, 2010)

HEAVEN SHALL BURN - Invictus

Century Media/EMI (45:15) HEAVEN SHALL BURN haben das einzig Richtige getan, Gitarrist Maik Weichert nennt das Ganze eine „Weiterentwicklung in homöopathischen Dosen“: Auf „Invictus“ verarbeiten die Thüringer zwar neue Einflüsse (oder wagen sich zumindest offensiver an deren Integration), sie kümmern sich letzten Endes aber in erster Linie um eine Perfektionierung des eigenen musikalischen Weltbilds. Die bandtypische Verschmelzung von Death Metal, Metalcore, Hardcore und Thrash war zumindest im Gesamten noch nie so zwingend wie diesmal: ´The Omen´, ´I Was I Am I Shall Be´, ´Of Forsaken Poets´ oder ´Buried In Forgotten Grounds´ überragen mit noch feiner justierten Melodien, als sie zumindest auf den letzten beiden Alben zu finden waren, endgültig die komplette Konkurrenz, während die Modifizierungen - ´Combat´ und ´The Lie You Bleed For´ glänzen mit sinniger harter Elektronik, ´Given In Death´ gerät mit Unterstützung von Deadlock-Sängerin Sabine Weniger zum kommerziellsten HSB-Stück aller Zeiten, dazu scheinen immer öfter Black-Metal-Rasereien durch - als angenehm unaufdringlicher (und natürlich rein natürlicher) Geschmacksverstärker fungieren. Man muss kein Prophet sein, um vorherzusagen, dass das Quintett mit dieser Platte einen weiteren Schritt nach vorne machen wird - und man darf erneut feststellen, dass gerade eine nicht das Reinheitsgebot beachtende Combo wie HSB genau das perfekt vermittelt, was großen Teilen der Metalszene längst abhanden gekommen ist: Aussagekraft, Mut, Integrität, Erdverwurzelung und vor allem und vorneweg kübelweise unverzichtbare, reinigende Energie. „Invictus“ ist der Stachel im Arsch des Establishments.

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REVIEW 9.0 21.04.2010

(Album des Monats, RH 276, 2010)

EXODUS - Exhibit B: The Human Condition

Es ist schon erstaunlich, wo das Duo Gary Holt/Lee Altus immer wieder diese arschgeilen Riffs herholt. Und machen wir uns nix vor: Diese Riffs sind das Lebenselixier von EXODUS. Ich meine, hört euch mal Dampfwalzen wie ´Burn, Hollywood, Burn´, ´Beyond The Pale´, ´Good Riddance´ oder ´Class Dismissed (A Hate Primer)´ an und spürt diese unheilvolle Mischung aus Adrenalin, Testosteron und purer Gewalt. Danach bleiben eigentlich keine Fragen mehr offen. Aber selbstverständlich lebt ein guter Song nicht alleine von tollen Riffs. Die Art und Weise, wie Tom Hunting am Schlagzeug für den wuchtigen Unterbau sorgt, ist mehr als beeindruckend. Spektakuläres Drumming, das sich trotzdem nie in den Vordergrund drängt. Front-Asi Rob Dukes hat sich auch längst freigeschwommen, pöbelt und röhrt mit seinem markanten Organ und wirkt dabei nicht nur aufgrund seiner imposanten Erscheinung jederzeit bedrohlich. Zur Not kann er´s aber auch mal mit Melodie, wie etwa bei ´Democide´ oder ´Nanking´, den beiden Tracks, bei denen EXODUS das Gaspedal mal nicht bis zum Boden durchtreten. Und nicht unterschlagen darf man natürlich auch die feine Klinge, die Holt und Altus bei ihren zahllosen Soloduellen schwingen. Somit ist „Exhibit B: The Human Condition“ der logische und konsequente Nachfolger des Vorgängerwerks „The Atrocity Exhibition“, jedoch mit einem klitzekleinen Makel: Die Platte ist zu lang. Gerade ´The Sun Is My Destroyer´ und ´Downfall´ wirken etwas zu langatmig. Was aber nichts an der Tatsache ändert, dass dieses Teil ein Pflichtkauf für jeden Thrasher ist.

REVIEW 9.5 17.03.2010

(Album des Monats, RH 275, 2010)

ARMORED SAINT - La Raza

Metal Blade/Sony (51:55) Wenn Joey Vera im Interview dieser Ausgabe darauf hinweist, dass das Eingeständnis, keine Band im eigentlichen Sinne, sondern eher ein Sideproject zu sein, etwas Befreiendes hatte und sich positiv auf das Albummaterial auswirkte, dann unterschlägt der ARMORED SAINT-Hauptsongwriter in seiner grenzenlosen Bescheidenheit das wahre Erfolgsrezept von „La Raza“. Zuallererst ist es nämlich die Klasse aller beteiligten Musiker, die dieses Album auf ein Qualitätsniveau hievt, das 99 Prozent aller Metalbands niemals erreichen werden. Bedient das mächtig pumpende und mit mitreißenden Refrains ausgestattete Eröffnungs-Triple ´Loose Cannon´, ´Head On´ und ´Left Hook From Right Field´ noch die Erwartungshaltung eingefleischter ARMORED SAINT-Fans, so nutzt der L.A.-Fünfer vor allem die eher untypischen Songs wie das atmosphärische und mit einem Weltklasse-Solo versehene ´Chilled´, den Uptempo-Rock´n´Roller ´Little Monkey´ oder das von einem Western-Intro eingeleitete ´Black Feet´ zu einer Demonstration ausgefeilten Songwritings. • Mit ´La Raza´ gelingt es ARMORED SAINT, altbekannte Markenzeichen schlüssig mit Classic-Rock-Einflüssen zu kombinieren und sich so weiterzuentwickeln. Das konnte man bei aller Vorfreude nicht erwarten und adelt das Album zum absoluten Pflichtkauf, dem die überragende Gesangsleistung des fantastisch aufgelegten John Bush das Sahnehäubchen aufsetzt. DISKOGRAFIE Lesson Well Learned (EP, 1983) March Of The Saint (1984) Delirious Nomad (1985) Raising Fear (1987) Saints Will Conquer - Live (Live, 1988) Symbol Of Salvation (1991) Revelation (2000) Nod To The Old School (Compilation, 2001) La Raza (2010) LINE-UP John Bush (v.) Jeff Duncan (g.) Phil Sandoval (g.) Joey Vera (b.) Gonzo Sandoval (dr.) DIE PATEN Wer auf ARMORED SAINT steht, sollte auch folgende Bands anchecken: ANTHRAX * MALICE * BAD COMPANY * THIN LIZZY * VICIOUS RUMORS * MOUNTAIN * ROBIN TROWER * alte SCORPIONS * AUDREY HORNE * RIOT * Y&T * UFO * HEATHEN Das sagt Bassist Joey Vera zu „La Raza“: »„La Raza“ ist das „Album des Monats“ in der April-Ausgabe? Nicht schlecht, wenn man bedenkt, dass John Bush und ich die Songs aus purem Spaß und ohne kommerzielles Kalkül geschrieben haben. Vielleicht hat es sich ausgezahlt, dass wir alle Tracks im Studio live eingespielt und eine komplette Old-School-Herangehensweise für das Album gewählt haben. Manchmal ist es besser, auf sein Bauchgefühl zu hören und den Take zu verwenden, der nicht ganz fehlerfrei eingespielt wurde, dafür aber die Magie des Augenblicks einfängt. So arbeitete man in den Siebzigern, als die Rockmusik den ersten großen Höhenflug startete und die Studiotechnik noch nicht so entwickelt war. Aber Technik kann nie echte Gefühle und die Seele eines Songs ersetzen. „La Raza“ ist ein durch und durch authentisches Rockalbum, und ich freue mich, dass es euch anscheinend genauso gut wie uns gefällt. On march the Saint!«

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