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REVIEW 9.0 25.04.2018

(Album des Monats, RH 372, 2018)

A PERFECT CIRCLE - Eat The Elephant

Es scheint ein gutes Jahr zu werden für die Fans von Maynard James Keenan - sofern man bei dem komischen Vogel überhaupt von „Fans“ sprechen kann. Seine Hauptband Tool steht nach 10.000 Tagen wieder im Studio, und das nicht minder illustre Nebenprojekt A PERFECT CIRCLE schießt das erste vollwertige Album seit 2004 hinaus - und was für eines! Sofort stellt sich das vertraute Gefühl der frühen nuller Jahre ein, auch wenn „Eat The Elephant“ im Vergleich zu den bisherigen Platten schon ein wenig anders klingt, experimenteller, reduzierter und an der Gitarrenfront über weite Strecken ruhiger und sphärischer. Zwar ist es bei den California-Boys nie darum gegangen, irgendwelche Härterekorde zu brechen, aber Platte Nummer vier schraubt den „Metal“-Anteil noch mal nach unten, was den Melodien und Stimmungen mehr Raum zur Entfaltung gibt. Teilweise erinnert mich das an „How To Measure A Planet?“, The Gatherings ebenso verkannte wie mit Abstand beste Scheibe (exakt! - bk). Vor leeren Hallen dürfte das Star-Ensemble allerdings auch in Zukunft eher nicht spielen. Also vergesst bitte nicht, bei den kommenden Konzerten keine Fotos zu machen, nicht zu rauchen und brav zu sein, denn sonst schmeißt euch der Maynard wieder raus. DISKOGRAFIE Mer De Noms (2000) Thirteenth Step (2003) eMOTIVe (2004) Three Sixty (Compilation, 2013) Eat The Elephant (2018) LINE-UP Maynard James Keenan (v.) Billy Howerdel (g.) James Iha (g./keys) Matt McJunkins (b.) Jeff Friedl (dr.) DIE PATEN Wer auf folgende Acts steht, dürfte auch auf „Eat The Elephant“ abfahren: Tool * Coheed And Cambria * Karnivool * The Cure * The Smashing Pumpkins * The Gathering * Deftones * Nine Inch Nails * Puscifer * Soen * Oceansize * King Crimson * Steven Wilson * Porcupine Tree * Tesseract

REVIEW 8.5 21.03.2018

(Album des Monats, RH 371, 2018)

JUDAS PRIEST - Firepower

Columbia/Sony (58:30) Der gute 2014er Vorgänger „Redeemer Of Souls“ kommt mir in den ersten Kritiken zu „Firepower“ zu schlecht weg, natürlich auch mal wieder bei Leuten, die „damals“ voll des Lobes waren. Nichtsdestotrotz ist es richtig, dass man mit dem aktuellen Brecheisen noch mal eine Schüppe drauflegt: JUDAS PRIEST wirken unter der Obhut von Tom Allom und vor allem Andy Sneap hochkonzentriert und offerieren ein Derivat ihrer eigenen Geschichte, das mit ´Traitors Gate´ und vor allem ´Lone Wolf´ noch nicht mal die tendenziell vergessenswerte Ripper-Owens-Phase ausspart, sich beim Rest aber ausschließlich an den großen Zeiten abarbeitet (also quasi an allem bis einschließlich „Defenders Of The Faith“, dazu „Painkiller“). Würde man die beiden erwähnten Stücke und die schwächsten zwei der bandtypischen Simpel-Refrain-Nummern, zum Beispiel ´Spectre´ und (trotz der mitreißenden Bridge) ´Flame Thrower´, streichen, hätte man sogar ein völlig brillantes Album in „normaler“ LP-Länge, das neben den Klassikern bestehen könnte. So reicht es immerhin für eine bockstarke Heavy-Metal-Platte, für die bis jetzt stärkste des gar nicht mehr so jungen Jahres übrigens, die immer dann am nachhaltigsten begeistert, wenn nicht nur die natürlich über jeden Zweifel erhabenen Gitarren im Vordergrund stehen, sondern Rob Halfords Signature-Gesang melodische Highlights setzt, also bei ´Lightning Strike´, ´Never The Heroes´ (Accept, anyone?), Matthias´ Fave ´Rising From Ruins´, dem noch nicht mal dreiminütigen ´No Surrender´ oder der abschließenden, nun ja, Power-Ballade ´Sea Of Red´. Man kann das Ganze nun „Alterswerk“ nennen, und kein Mensch weiß, wie es mit den Engländern mittelfristig weitergeht, aber ich habe gerade trotz Glenn Tiptons schwerer Erkrankung (Andy Sneap springt live für ihn ein) nicht das Gefühl, dass sie bereits alles gesagt haben. Für mich wirkt „Firepower“, das NATÜRLICH das beste Priest-Album seit „Painkiller“ darstellt, eher wie ein „Comeback“, wie der Anfang des x-ten Frühlings. Und damit war - trotz „Redeemer Of Souls“ (siehe oben) - nicht wirklich zu rechnen.

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REVIEW 8.0 21.02.2018

(Album des Monats, RH 370, 2018)

NECROPHOBIC - Mark Of The Necrogram

Century Media/Sony (48:14) Auch wenn Tobias Sidegård definitiv ein starker Sänger ist, der NECROPHOBICs aggressive und bedrohliche Aura mit seinen abgefuckten Vocals wirklich perfektioniert hat, war der Schritt der Band, sich von dem Frontmann, der 2013 wegen häuslicher Gewalt seiner Frau gegenüber im Gefängnis saß, zu trennen, ein absolut richtiger. Während sich die Schweden in mehreren Statements klar von derartigem Verhalten distanzierten, hatten sie parallel im selben Jahr noch mit dem Suizid von Gitarrist und Mitgründer David Parland zu kämpfen. Also musste sich die Truppe zur Hälfte neu formieren: Sebastian Ramstedt und Johan Bergebäck (beide ex-Nifelheim, ex-Black-Trip, ex-Exhumed) sind zurück an der Gitarre, und Anders Strokirk, der NECROPHOBICs Debüt „The Nocturnal Silence“ (1993) eingesungen hat, tritt in die Fußstapfen Sidegårds. Herausgekommen ist „Mark Of The Necrogram“, ein Album, das fast an alte Erfolge anknüpfen kann und immer noch für sehr guten Black-Death steht. Sidegårds Ecken und Kanten in der Stimme haben das Ganze ziemlich übel und brutal klingen lassen, was mit Strokirk an der Front ein wenig fehlt und etwas glatter wirkt. Dafür bleiben NECROPHOBIC rein musikalisch eine Wucht: Das Brachiale des Death wird mit der blasphemischen Messerschärfe des Black zu einer ziemlich dynamischen, kraftvollen und unaufhaltsamen Bestie, die von Vielfalt sowie fast schon infernalischem Rasen geprägt ist und mit partiell auch mal heulenden, (w)irren Gitarren (´Mark Of The Necogram´) oder schaurigen Intros (´Odium Caecum´) herausragend abgerundet wird. Das fast schon traditionelle Instrumental findet sich diesmal am Ende der Platte, heißt ´Undergången´ und ist ein schaurig-schöner Abschluss für ein wirklich starkes Werk. DISKOGRAFIE (Alben) The Nocturnal Silence (1993) Darkside (1997) The Third Antichrist (1999) Bloodhymns (2002) Hrimthursum (2006) Death To All (2009) Womb Of Lilithu (2013) Mark Of The Necrogram (2018) LINE-UP Anders Strokirk (v.) Sebastian Ramstedt (g.) Johan Bergebäck (g.) Alex Friberg (b.) Joakim Sterner (dr.) DIE PATEN Wer auf folgende Acts steht, dürfte auch auf „Mark Of The Necrogram“ abfahren: Dissection * Defleshed * Merciless * Naglfar * Nifelheim * Dark Funeral * The Crown * Marduk * Absu * Sacramentum * Watain * Possessed * Thanatos * Dismember * Lord Belial

REVIEW 8.0 24.01.2018

(Album des Monats, RH 369, 2018)

TRIBULATION - Down Below

Century Media/Sony (46:38) Während Zompf Kupfer Frollein Malon jedes Mal schier rasend macht, wenn er, seine glänzende Rübe ins Damenbüro haltend, lediglich neckisch fragt, ob es sich bei TRIBULATION denn WIRKLICH um Vampire handelt, sind die Schweden bzw. ihre Plattenfirma im Presse-Info schon weiter: „Jugendstil-inspired Death“ ist ´ne Ansage, aber wenn man sich Gestus und Habitus, von der Musik ganz zu schweigen, von Jonathan Hultén & Co. ansieht, ist das ja nicht so weit weg von der Wahrheit, die Band hat bereits in (relativ) jungen Jahren eine eigene Aura entwickelt, sie ist - und das findet man nach wie vor sehr selten - deutlich mehr als die Summe ihrer Teile. Böse Zungen könnten nun nachfragen, ob die Songs des Vierers, das ist ein bisschen wie bei den Kumpels von Watain, denn eigentlich mit dem ganzen Brimborium mithalten, schließlich sucht man auf TRIBULATIONs Drehern immer noch den großen Hit, der den endgültigen Durchbruch bringt, der Opener ´The Lament´ ist da diesmal zumindest nahe dran mit seiner deutlichen Early-Moonspell-Schlagseite. Aber vielleicht sollte man halt einfach akzeptieren, dass man in Stockholm lieber Deathspell Omega als Theatre Of Tragedy sein will, wer könnte es ihnen verdenken. Das auflockernde Instrumental ´Purgatorio´ nimmt mich weniger mit als ´Själaflykt´, der Album-Höhepunkt von „The Children Of The Night“, der Rest auf „Down Below“ ist überraschend homogen, auch und gerade in seiner Qualität: Am krächzigen Gesang von Frontmann Johannes Andersson gibt´s nichts auszusetzen, aber es sind letzten Endes die toll akzentuierten Gitarren von Hultén und Adam Zaars, die ´Nightbound´, ´Subterranea´ oder ´Here Be Dragons´ auch über längere Zeit zu nahrhaftem Kraftfutter machen, in der Anmutung vielleicht zerbrechlich, im Kern aber hart wie ein Diamant. DISKOGRAFIE (Alben) The Horror (2008) The Formulas Of Death (2013) The Children Of The Night (2015) Down Below (2018) LINE-UP Johannes Andersson (v./b.) Adam Zaars (g.) Jonathan Hultén (g.) Oscar Leander (dr.)

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REVIEW 8.5 24.01.2018

(Album des Monats, RH 369, 2018)

LONG DISTANCE CALLING - Boundless

InsideOut/Sony (49:23) Noch konsequenter als auf „Trips“ widmen sich LONG DISTANCE CALLING exakt dem, was sie am besten können, nämlich instrumentalem Abenteuer-Metal. Kein Gesang, nirgends. Dafür allenthalben brillante Grooves, die in mehr brillante Grooves münden, dazu immer wieder diese epischen Melodien, die in jedem einzelnen Song warten. So weit, so fabelhaft, in diesen Dingen macht dem Kollektiv schon seit vielen Jahren niemand mehr etwas vor. Umso spannender sind die Details und der Reichtum an Klangfarben, mit dem LONG DISTANCE CALLING ihren inzwischen durchaus gefestigten Stil zu wahrer Größe erheben. Da wäre etwa der neunminütige Opener ´Out There´, der über ein würdig dramatisches Finale verfügt, ganz am Ende jedoch mit einer einsamen, eindringlichen Melodie ausklingt, die einen noch in tiefste Träume verfolgt. Oder die sphärischen Gitarrenakkorde, in die das thrashige Riffing von ´Ascending´ mündet. Oder die Sci-Fi-Synthies im wie ein Roadtrip durch eine nächtliche Metropole klingenden ´In The Clouds´. Oder das filigrane Klavier/Gitarren-Break, mit dem ´On The Verge´ sein Finale einleitet, um dann doch nicht ganz zur Auflösung zu kommen. Oder einfach die schiere, gewaltige Heaviness von ´Skydivers´. Es gibt viel zu entdecken, (wieder) befreit von den Fesseln konventionellen Songwritings legen LONG DISTANCE CALLING mit „Boundless“ eines ihrer stärksten Alben vor. DISKOGRAFIE (Alben) Satellite Bay (2007) Avoid The Light (2009) Long Distance Calling (2011) The Flood Inside (2013) Trips (2016) Boundless (2018) LINE-UP David Jordan (g.) Florian Füntmann (g.) Jan Hoffmann (b.) Janosch Rathmer (dr.)

REVIEW 9.0 20.12.2017

(Album des Monats, RH 368, 2017)

AUDREY HORNE - Blackout

Napalm/Universal (42:30) Okay, es ist Jammern auf hohem Niveau, aber Tatsache ist, dass „Pure Heavy“, das letzte AUDREY HORNE-Studioalbum, nicht ganz die Klasse seiner Vorgänger hatte. Frontmann Toschie redet im Rock-Hard-Interview denn auch nicht lange um den heißen Brei herum oder versteckt sich hinter Worthülsen, sondern gibt offen und ehrlich zu, dass die Band das inzwischen genauso sieht. Gefahr erkannt, Gefahr gebannt: Für „Blackout“ hat man sich mehr Zeit gegeben, drei Jahre sind seit der Veröffentlichung von „Pure Heavy“ vergangen, und das norwegische Classic-Rock-Powerhouse hat das Songmaterial einem harten Auswahltest unterzogen, monatelang gesiebt und präsentiert letzten Endes die Essenz dessen, was die Band schon seit Beginn ihrer Karriere aumacht. Niemand versteht es so scheinbar spielerisch leicht, Classic-Rock-Einflüsse in zeitgemäß klingende Songs zu integrieren, wie die fünf Norweger, die musikalisch noch dazu zum Besten gehören, was die Rock-Szene zu bieten hat. „Blackout“ ist ein Gute-Laune-Album vor dem Herrn, gespickt mit Querverweisen zu den größten musikalischen Einflüssen der Band und mit einem Haufen großartiger Refrains und Melodien ausgestattet. Das hymnenhafte ´Audrevolution´ dürfte schnell zum Live-Favoriten avancieren, für das Titelstück hat man augenzwinkernd ein Scorpions-artiges Lead adaptiert, ´Satellite´ verblüfft zum Ende hin mit einem Santana-Touch, und der Albumcloser ´Rose Alley´ geht als lupenreine Thin-Lizzy-Huldigung durch. „Blackout“ ist nicht nur ein exzellentes Album, sondern in seiner Gesamtheit ein äußerst geschmackvoller Streifzug durch die Hardrock-Historie, den der Hörer kostenlos mitgeliefert bekommt. DISKOGRAFIE No Hay Banda (2005) Le Fol (2007) Audrey Horne (2009) Youngblood (2013) Pure Heavy (2014) Blackout (2018) LINE-UP Torkjell „Toschie“ Rød (v.) Arve „Ice Dale“ Isdal (g.) Thomas Tofthagen (g.) Espen Lien (b.) Kjetil Greve (dr.) DIE PATEN Wer auf folgende Acts steht, dürfte auch auf „Blackout“ abfahren: Thin Lizzy * Black Star Riders * Scorpions * Rainbow * Deep Purple * Kiss * Ozzy Osbourne * Sahg * Aerosmith * Van Halen * UFO * Tygers Of Pan Tang * Horisont * Robert Pehrsson´s Humbucker * Black Trip

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REVIEW 9.0 22.11.2017

(Album des Monats, RH 367, 2017)

HARD ACTION - Hot Wired Beat

Svart/Cargo (32:18) Schon das Debüt „Sinister Vibes“ war eine prima Ersatzdroge für Fans und Freunde der Hellacopters, aber man traut sich kaum, es zu schreiben: Mit „Hot Wired Beat“ setzen HARD ACTION noch mal einen drauf. Bandkopf und Gitarrist Ville Valavuo, der uns im Rock-Hard-Interview mal steckte, dass er neben Speedtrap und HARD ACTION noch drei weitere Bands am Laufen hat, hat sich mit seinen Sidekicks diesmal dazu entschieden, die latenten Punk- und Garagen-Rock-Einflüsse, die man beim Erstling noch heraushören konnte, fast gänzlich außen vor zu lassen und stattdessen eine lupenreine Rock´n´Roll-Platte allererster Güte einzuspielen. Als Inspirationsquelle dürften dabei auch Robert Pehrsson´s Humbucker hergehalten haben, wie locker und relaxt swingende Nummern wie ´Nothing Ever Changed´ (auf der diesmonatigen „Lauschangriff“-CD zu finden), ´Running Start´ und vor allem ´The Losing Side´, die vermutlich beste Hymne, die Robert Pehrsson eben nicht geschrieben hat, beweisen. Dass trotz aller Lässigkeit und großen Melodien der notwendige Drive, Rotz und eine gewisse Schnoddrigkeit nicht auf der Strecke bleiben, ist die große Kunst, die HARD ACTION so gut beherrschen wie nur wenige andere Bands. „Hot Wired Beat“ ist ganz großes Rock´n´Roll-Kino und geht schon jetzt als echter Genreknaller über die Ziellinie! DISKOGRAFIE Sinister Vibes (2015) Hot Wired Beat (2017) LINE-UP Günter Kivioja (v./g.) Ville Valavuo (g.) Ari-Pekka Heinola (b.) Markus Hietamies (dr.) DIE PATEN Wer auf folgende Acts steht, dürfte auch auf „Hot Wired Beat“ abfahren: The Hellacopters * Imperial State Electric * Thin Lizzy * Robert Pehrsson´s Humbucker * Backyard Babies * Bloodlights * Gluecifer * Dundertåget * The Rollling Stones * Kiss * Horisont * Heavy Tiger * Spiders * Black Trip * Deadheads

REVIEW 10.0 25.10.2017

(Album des Monats, RH 366, 2017)

SORCERER - The Crowning Of The Fire King

Metal Blade/Sony (57:37) Wenn der komische Albumtitel, der eher an Rhapsody oder irgendeinen dieser anderen Peters-Faves, bei deren Hören er sich wie ´ne Elfe verkleidet und übers Feld hopst (oder was die jungen Leute bei diesen Rollenspielen so machen), der einzige Kritikpunkt an der neuen SORCERER ist, müssen die Schweden, nun, „irgendwas“ richtig gemacht haben. Ernsthaft: In der Neun-Punkte-Rezension zum 2015er Vorgänger habe ich geschrieben, dass nur die etwas unscheinbareren Tracks ´Exorcise The Demon´ und ´In The Shadow Of The Inverted Cross´ die Höchstnote verhindern. Ergo: SORCERER, diese legendären Doom-Metaller um den späteren Tiamat-Basser Johnny Hagel, deren 1989er und 1992er Demotapes zum frühen Genre-Kanon gehören, haben diesmal - inklusive des kurzen Intrumentals ´Nattvaka´ - ACHT Granaten wunderbar organisch UND druckvoll auf die Festplatte gezimmert, lassen also gar keine Luft mehr zum Verschnaufen und offerieren mit „The Crowning Of The Fire King“ in der Folge das beste „echte“ Heavy-Metal-Album seit dem (allerdings im Grunde „unmessbaren“) Atlantean-Kodex-Meilenstein „The White Goddess“ von 2013. Wobei ´Sirens´ (bereits als Vorab-7“ ausgekoppelt), ´Ship Of Doom´, ´Abandoned By The Gods´, ´The Devils Incubus´, ´Crimson Cross´ sowie die beiden am Ende platzierten, wunderbar ausladenden Jetzt-zerreißen-wir-die-Herzen-komplett-Wunderwerke ´The Crowning Of The Fire King´ und vor allem ´Unbearable Sorrow´ nicht nur auf dem Niveau des Besten von Doom-Meilensteinen wie Candlemass´ „Nightfall“, Solitude Aeturnus´ „Through The Darkest Hour“ (noch mal: ihre stärkste Platte!), Warnings „Watching From A Distance“ oder While Heaven Wepts „Vast Oceans Lachrymose“ reüssieren, sondern auch immer ganz klassischen Hardrock und Heavy Metal atmen, Rainbows „Rising“, Dios „Holy Diver“, Black Sabbaths „Headless Cross“, aber auch Warlords „Deliver Us“, Fates Warnings „Awaken The Guardian“ oder Manowars „Into Glory Ride“. Was SORCERER in erster Linie von ihrer ja wahrlich nicht schlechten „Konkurrenz“ wie Memory Garden, Below oder Veni Domine abhebt, ist neben einer trotz aller Ernsthaftigkeit in allen Punkten fühlbaren Lässigkeit, besser: Selbstverständlichkeit, ein einzigartiges Gespür für riesengroße Melodien nicht nur, aber in erster Linie in den stets ihren Namen auch verdienenden Refrains, die manchmal an der Grenze zum Kitsch manövrieren mögen, diese aber, und DAS ist die allergrößte Kunst, niemals überschreiten - episch eben und dabei kein bisschen klebrig. Was soll an „The Crowning Of The Fire King“, bitte schön, dieses Jahr noch heranreichen? DISKOGRAFIE Sorcerer (Demo-Compilation, 1995) Heathens From The North (Demo-Compilation, 2004) In The Shadow Of The Inverted Cross (2015) Black (EP, 2015) Sirens (7“, 2017) The Crowning Of The Fire King (2017) LINE-UP Anders Engberg (v.) Kristian Niemann (g.) Peter Hallgren (g.) Johnny Hagel (b.) DIE PATEN Wer folgende Acts mag, wird auch auf „The Crowning Of The Fire King“ abfahren: Candlemass * Solitude Aeturnus * Veni Domine * Black Sabbath * Memory Garden * Memento Mori * Doomshine * Warning * While Heaven Wept * Procession * Isole * Forsaken * Mountain Throne * Below * Rainbow * Dio * Bell * Warlord * Cross Vault

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REVIEW 9.0 27.09.2017

(Album des Monats, RH 365, 2017)

ENSLAVED - E

Nuclear Blast/Warner (49:51) Der Vorgänger klang noch so, als würden die eigentlich stets fortschrittlichen Norweger stagnieren, und auch auf „E“ bleiben ihre unverkennbaren Markenzeichen (Harmonien, Grutles Knurren) erhalten, doch ENSLAVED haben so viele packende, richtig eingängige Stücke wie noch nie zusammengestellt. Trotz Keyboarder Herbrands Weggang räumt man der Hammondorgel weite Freiräume ein, die der mäandernden Anlage der Kompositionen gerecht werden. Psychedelischer Zauber und Gepolter gehen mit gar rockigen Leads einher, während der Wechselgesang einem Dialog gleicht, in den die Band auch mit ihren Hörern tritt. „E“ möchte ausgiebig genossen bzw. diskutiert werden und ist nicht nur die Perfektion dessen, was mit „Mardraum“ seinen Anfang nahm, sondern zeitgenössischer Freischwimmer-Metal, der sich allen Sparten entzieht, auch wenn die Macher immer noch urtümlich rasen und wüten können. Im Augenblick haben es diese anhaltend faszinierenden Typen überhaupt nicht nötig, die vermutlich prominenten Namen ihrer Gehilfen bei der Umsetzung des aktuellen Materials aufzuzählen, und in ein paar Jahren wird man diese Platte als Bezugspunkt dafür nennen, wie von Bergen ausgehend Grenzschranken geöffnet wurden, um die Landkarte umzugestalten - für eine bessere, aufregendere Musikwelt. DISKOGRAFIE (Alben) Vikingligr Veldi (1994) Frost (1994) Eld (1997) Blodhemn (1998) Mardraum: Beyond The Within (2000) Monumension (2001) Below The Lights (2003) Isa (2004) Ruun (2006) Vertebrae 2008 Axioma Ethica Odini (2010) RIITIIR (2012) In Times (2015) E (2017) LINE-UP Grutle Kjellson (v./b.) Ivar Bjørnson (g./keys/v.) Arve Isdal (g.) Håkon Vinje (keys/v.) Cato Bekkevold (dr.) DIE PATEN Wer auf folgende Acts steht, dürfte auch auf „E“ abfahren: King Crimson * Skuggsjá * Emperor * Ihsahn * Bathory * Borknagar * Vintersorg * Myrkur * Schammasch * Agalloch * Magma * Deathspell Omega * A Forest Of Stars * Secrets Of The Moon * Nagelfar * The Ruins Of Beverast * Pink Floyd * Wolves In The Throne Room

REVIEW 8.5 30.08.2017

(Album des Monats, RH 364, 2017)

ARCH ENEMY - Will To Power

Century Media/Sony (51:00) Die größte Leistung von Sängerin Alissa White-Gluz ist wohl die, dass sich das blauhaarige Energiebündel mit nur einem Album, dem 2014 erschienenen „War Eternal“, als Frontfrau etablierte und ihre Vorgängerin Angela Gossow nahezu vergessen machte. Auf „Will To Power“, dem inzwischen elften Studioalbum im ARCH ENEMY-Kanon, wagt Frau White-Gluz nun den nächsten Schritt, experimentiert bei der Powerballade ´Reason To Believe´ mit Klargesang, den sie erstaunlich gut beherrscht, und zeigt sich auch sonst variabler als bei ihrem Einstand. Muss sie allerdings auch, denn was das schwedisch-amerikanisch-kanadische Joint Venture diesmal an songwriterischen Finessen ausgetüftelt hat, bezieht seine Einflüsse sowohl aus dem Extrem- als auch dem eher traditionellen Heavy Metal - und wildert ab und an sogar in Klassik-Gefilden. Was neben dem Musikgeschmack von Mastermind Michael Amott vor allen Dingen an den herausragenden Fähigkeiten seines kongenialen Sidekicks Jeff Loomis liegen dürfte, der sich scheinbar mühelos Weltklasse-Riffs und -Gitarrenharmonien aus dem Ärmel schüttelt. Das Zusammenspiel der beiden Sixstringer deckt die gesamte Bandbreite von hart bis gefühlvoll sowie zwischen Thrash und klassischen Melodieführungen ab und dürfte von anderen Gitarristen-Duos der Szene genauestens beobachtet und analysiert werden. Besonders viele, die es ebenfalls schaffen, auf diesem technischen Niveau auch noch organisch zu klingen, gibt es ja nicht, aber die üblichen Verdächtigen müssen sich in Zukunft an der Kombination Amott/Loomis messen lassen. DISKOGRAFIE (Studioalben) Black Earth (1996) Stigmata (1998) Burning Bridges (1999) Wages Of Sin (2001) Anthems Of Rebellion (2003) Doomsday Machine (2005) Rise Of The Tyrant (2007) The Root Of All Evil (Re-Recordings, 2009) Khaos Legions (2011) War Eternal (2014) Will To Power (2017) LINE-UP Alissa White-Gluz (v.) Michael Amott (g.) Jeff Loomis (g.) Sharlee D´Angelo (b.) Daniel Erlandsson (dr.) DIE PATEN Wer auf folgende Acts steht, dürfte auch auf „Will To Power“ abfahren: Dark Tranquillity * In Flames * At The Gates * Carcass * Soilwork * Nevermore * Black Earth * Armageddon * Children Of Bodom * Darkane * Carnal Forge * Eucharist * The Black Dahlia Murder * Dimension Zero * Gates Of Ishtar * The Duskfall * Hypocrisy * Gardenian

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