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REVIEW 8.5 25.07.2018

(Album des Monats, RH 375, 2018)

TAD MOROSE - Chapter X

GMR/Soulfood (60:35) Mit 27 (!) Jahren auf dem Buckel tun TAD MOROSE einen Teufel, ihren im Kern nie wesentlich veränderten Stil zu modifizieren, aber da die Schweden nie omnipräsent waren, wird man ihrer auch 2018 nicht überdrüssig, selbst wenn „Chapter X“ eine Predigt für bereits Bekehrte darstellt. Der düstere, dezent mit Keyboards untermalte Sound der Band gehört zu einer aussterbenden Art zwischen Doom und Prog, ohne so ganz das eine oder andere zu sein. Stattdessen hält sich das Quintett an genreübergreifende Tugenden wie eingängige Melodien bzw. Refrains, wie um den von jeher leicht sperrigen Eindruck zu relativieren, den seine Musik zunächst erweckt. Dabei beweist sich Ronny Hemlin erneut als falls nicht bester, so doch ohne Zweifel flexibelster Sänger, den die Gruppe je hatte, ob er zu schleppenden Riffs growlt oder sich in Euro-Metal-Antreibern vor Michael Kiske verbeugt - inklusive frech klischeehafter „Fly like an eagle“-Parolen. Hinzu kommen mit Heldenchören, derben Stakkato-Rhythmen und umso ruhigeren Parts, die an Nevermore denken lassen, weitere Farbtupfer, die 14 Songs lang keinen Leerlauf zulassen - und das gelingt heute so gut wie keiner traditionellen Stahlfabrik mehr. DISKOGRAFIE Leaving The Past Behind (1993) Sender Of Thoughts (1995) Paradigma (EP, 1996) A Mended Rhyme (1997) Reflections (Compilation, 2000) Undead (2000) Matters Of The Dark (2002) Modus Vivendi (2003) Revenant (2013) St. Demonius (2015) Chapter X (2018) LINE-UP Ronny Hemlin (v.) Christer Andersson (g.) Kenneth Jonsson (g.) Johan Löfgren (b.) Peter Morén (dr.)

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REVIEW 8.5 27.06.2018

(Album des Monats, RH 374, 2018)

THE NIGHT FLIGHT ORCHESTRA - Sometimes The World Ain´t Enough

Die jungen Leute von heute (also Bittner, Peters und so...) leiden ja bekanntlich alle unter einem latenten Aufmerksamkeitsdefizit, insofern hätte man THE NIGHT FLIGHT ORCHESTRAs vierten Dreher seit 2012 besser auf die Länge einer normalen LP zusammengedampft und die paar mediokren Errungenschaften (´Moments Of Thunder´, ´Speedwagon´, ´Winged And Serpentine´) als Single-B-Seiten oder Japan-Bonustracks verwendet, aber mein Gott: Die Truppe um die Soilwork-Kumpels Björn „Speed“ Strid und David Andersson sowie Arch-Enemy/Spiritual-Beggars-Basser Sharlee D´Angelo fabriziert immer noch so mit den geilsten AOR und Melodic Rock, den man jenseits von ollen, alteingesessenen Schwergewichten wie Revolution Saints oder Eclipse finden kann, ihre Liebe zum Genre hat etwas angenehm Unangestrengtes, sie zitieren die Granden von früher ähnlich gekonnt wie ihre Landsmänner Ghost - und lassen dabei etwas Eigenes entstehen, mit dem sie jetzt, in Zeiten der nicht nur im Underground alles bestimmenden Carpenter-Brut-Neonoptik, endlich in die erste Liga aufsteigen sollten. Besonders bemerkenswert: Obwohl zwischen dem Vorgänger „Amber Galactic“ und „Sometimes The World Ain´t Enough“ gerade mal ein gutes Jahr liegt, hat das Songwriting alles in allem nicht gelitten. Der Opener ´This Time´ stellt mitnichten den Höhepunkt des Albums dar, auch der über neunminütige Abschluss ´The Last Of The Independent Romantics´, mit dem man sich partiell der proggigen Seite des Stils im Sinne von Saga, Kansas und Styx nähert, ist „nur“ eine tolle Fingerübung; die Hits der Platte sind andere, nämlich die Early-Eighties-Verbeugung ´Turn To Miami´, das latent funky angehauchte ´Paralyzed´, der Sleeper ´Lovers In The Rain´, der irgendwann umso heftiger kommt, der Ohrwurm ´Can´t Be That Bad´, das unterkühlte und damit durchaus klassischen Yacht Rock streifende ´Pretty Thing Closing In´ sowie vor allem das superlässige ´Barcelona´, bester Einzelsong des Orchesters seit ´Living For The Nighttime´ und ´Stiletto´ von „Skyline Whispers“. P.S.: Bittner und Peters verbitten sich „Frechheiten“ wie den ersten Satz dieser Rezension, sie würden schließlich sogar zu den „mediokren Errungenschaften“ des Albums „tanzen, bis sich die Balken biegen“. Nun ja, keine schöne Vorstellung, wenn ihr mich fragt... DISKOGRAFIE Internal Affairs (2012) Skyline Whispers (2015) Amber Galactic (2017) Sometimes The World Ain´t Enough (2018) LINE-UP Björn „Speed“ Strid (v.) David Andersson (g.) Sebastian Forslund (g.) Sharlee D´Angelo (b.) Richard Larsson (keys) Jonas Källsbäck (dr.) DIE PATEN Wer auf folgende Acts steht, dürfte auch „Sometimes The World Ain´t Enough“ in sein Herz schließen: Toto * Journey * Kiss * Ghost * REO Speedwagon * Boston * Foreigner * Chicago * 707 * Max Webster * Touch * Survivor * Detective * Balance * Prism * Spys * Supertramp * Airrace * Streets * Horisont

REVIEW 10.0 23.05.2018

(Album des Monats, RH 373, 2018)

GHOST - Prequelle

Schon wieder dieser Vergleich, aber wer GHOST, also den Schweden Tobias Forge, verstehen will, muss an Kiss in den Siebzigern denken, an eine Band, die mehr ist als nur ihre Musik, an eine Band, von der man weiß, dass sie das Prinzip des Comics verinnerlicht hat, die andererseits aber dermaßen von einer einzigartigen wie eigenartigen Atmosphäre umgeben zu sein scheint, dass kein Mensch bei Verstand daran zweifeln kann, etwas beizuwohnen, das eben viel größer ist als die Summe seiner Teile. GHOST sind sogar, so einfach ist das, die momentan beste (und wichtigste) Rockband der Welt, ihre Fehlerlosigkeit haben sie spätestens mit dem Video zur ersten „Prequelle“-Auskopplung ´Rats´ bewiesen, diesem Oscar-reif choreografierten und geschnittenen Mini-Film, der gleichzeitig die irre Bühnenshow Tribulations professionalisiert, liebevoll Michael Jacksons „Thriller“-Video zitiert und dabei schließlich noch Jacques Demys „Die Regenschirme von Cherbourg“ in eine Art Gotham City auslagert. „Ja, ja, alles nur Schauwerte“, rufen die Zweifler nun schon wieder, aber so einfach ist es nicht: GHOST, die sich seit ihrer Debüt-7“ von 2010 immer weiter gesteigert haben, haben mittlerweile eben auch musikalisch ein schwindelerregendes Level erreicht, das auf allen Ebenen funktioniert, beim überraschend „old-schooligen“ Album-Einstand mit erwähntem ´Rats´ oder - noch mehr - ´Faith´ und in ruhigeren, gerne balladesken, dabei immer sinistren Momenten wie ´See The Light´, ´Pro Memoria´ oder ´Life Eternal´ nicht weniger als bei brutalst „kommerziell“ komponierten, schlicht perfekten Hits wie ´Witch Image´ und der AOR-Verbeugung ´Dance Macabre´ sowie den Instrumental-Stücken ´Miasma´ und ´Helvetesfonster´, die zwar auch ein wenig den Synthwave-Trend aufgreifen, mit ihren zahlreichen Zitaten vor allem aus dem Soundtrack-Bereich von Italo-Horror bis „Derrick“ aber noch viel, viel weiter gehen. Das größte Kompliment, das man GHOST schlussendlich machen kann, ist aber ein anderes: Obwohl man jederzeit hört, mit welcher Akribie und mit welchem Willen zum Erfolg Forge und Produzent Tom Dalgety hier vorgegangen sind, wirkt „Prequelle“ nie wie ein Produkt. „Prequelle“ atmet und lebt, dieses Album ist beseelt, es macht glücklich und rührt in seiner stets präsenten Melancholie zu Tränen. DISKOGRAFIE Elizabeth/Death Knell (7“, 2010) Opus Eponymous (2010) Secular Haze (10“, 2013) Infestissumam (2013) Year Zero (EP, 2013) If You Have Ghost (EP, 2013) Cirice (Single, 2015) Meliora (2015) Popestar (EP, 2016) Square Hammer (Single, 2016) He Is (10“, 2017) Selections From Ceremony And Devotion (8-Trk, 2017) Ceremony And Devotion (live, 2017) Prequelle (2018) LINE-UP Cardinal Copia (v.) Nameless Ghoul (g.) Nameless Ghoul (g.) Nameless Ghoul (b.) Nameless Ghoul (keys) Nameless Ghoul (dr.) DIE PATEN Wer auf folgende Acts steht, dürfte auch auf „Prequelle“ abfahren: Kiss, Abba, King Diamond, Mercyful Fate, The Night Flight Orchestra, Judas Priest, In Solitude, The Beach Boys, The Beatles, The Devil´s Blood, Year Of The Goat, Coven, Sabath Assembly, Tribulation, Carpenter Brut

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REVIEW 9.0 25.04.2018

(Album des Monats, RH 372, 2018)

A PERFECT CIRCLE - Eat The Elephant

Es scheint ein gutes Jahr zu werden für die Fans von Maynard James Keenan - sofern man bei dem komischen Vogel überhaupt von „Fans“ sprechen kann. Seine Hauptband Tool steht nach 10.000 Tagen wieder im Studio, und das nicht minder illustre Nebenprojekt A PERFECT CIRCLE schießt das erste vollwertige Album seit 2004 hinaus - und was für eines! Sofort stellt sich das vertraute Gefühl der frühen nuller Jahre ein, auch wenn „Eat The Elephant“ im Vergleich zu den bisherigen Platten schon ein wenig anders klingt, experimenteller, reduzierter und an der Gitarrenfront über weite Strecken ruhiger und sphärischer. Zwar ist es bei den California-Boys nie darum gegangen, irgendwelche Härterekorde zu brechen, aber Platte Nummer vier schraubt den „Metal“-Anteil noch mal nach unten, was den Melodien und Stimmungen mehr Raum zur Entfaltung gibt. Teilweise erinnert mich das an „How To Measure A Planet?“, The Gatherings ebenso verkannte wie mit Abstand beste Scheibe (exakt! - bk). Vor leeren Hallen dürfte das Star-Ensemble allerdings auch in Zukunft eher nicht spielen. Also vergesst bitte nicht, bei den kommenden Konzerten keine Fotos zu machen, nicht zu rauchen und brav zu sein, denn sonst schmeißt euch der Maynard wieder raus. DISKOGRAFIE Mer De Noms (2000) Thirteenth Step (2003) eMOTIVe (2004) Three Sixty (Compilation, 2013) Eat The Elephant (2018) LINE-UP Maynard James Keenan (v.) Billy Howerdel (g.) James Iha (g./keys) Matt McJunkins (b.) Jeff Friedl (dr.) DIE PATEN Wer auf folgende Acts steht, dürfte auch auf „Eat The Elephant“ abfahren: Tool * Coheed And Cambria * Karnivool * The Cure * The Smashing Pumpkins * The Gathering * Deftones * Nine Inch Nails * Puscifer * Soen * Oceansize * King Crimson * Steven Wilson * Porcupine Tree * Tesseract

REVIEW 8.5 21.03.2018

(Album des Monats, RH 371, 2018)

JUDAS PRIEST - Firepower

Columbia/Sony (58:30) Der gute 2014er Vorgänger „Redeemer Of Souls“ kommt mir in den ersten Kritiken zu „Firepower“ zu schlecht weg, natürlich auch mal wieder bei Leuten, die „damals“ voll des Lobes waren. Nichtsdestotrotz ist es richtig, dass man mit dem aktuellen Brecheisen noch mal eine Schüppe drauflegt: JUDAS PRIEST wirken unter der Obhut von Tom Allom und vor allem Andy Sneap hochkonzentriert und offerieren ein Derivat ihrer eigenen Geschichte, das mit ´Traitors Gate´ und vor allem ´Lone Wolf´ noch nicht mal die tendenziell vergessenswerte Ripper-Owens-Phase ausspart, sich beim Rest aber ausschließlich an den großen Zeiten abarbeitet (also quasi an allem bis einschließlich „Defenders Of The Faith“, dazu „Painkiller“). Würde man die beiden erwähnten Stücke und die schwächsten zwei der bandtypischen Simpel-Refrain-Nummern, zum Beispiel ´Spectre´ und (trotz der mitreißenden Bridge) ´Flame Thrower´, streichen, hätte man sogar ein völlig brillantes Album in „normaler“ LP-Länge, das neben den Klassikern bestehen könnte. So reicht es immerhin für eine bockstarke Heavy-Metal-Platte, für die bis jetzt stärkste des gar nicht mehr so jungen Jahres übrigens, die immer dann am nachhaltigsten begeistert, wenn nicht nur die natürlich über jeden Zweifel erhabenen Gitarren im Vordergrund stehen, sondern Rob Halfords Signature-Gesang melodische Highlights setzt, also bei ´Lightning Strike´, ´Never The Heroes´ (Accept, anyone?), Matthias´ Fave ´Rising From Ruins´, dem noch nicht mal dreiminütigen ´No Surrender´ oder der abschließenden, nun ja, Power-Ballade ´Sea Of Red´. Man kann das Ganze nun „Alterswerk“ nennen, und kein Mensch weiß, wie es mit den Engländern mittelfristig weitergeht, aber ich habe gerade trotz Glenn Tiptons schwerer Erkrankung (Andy Sneap springt live für ihn ein) nicht das Gefühl, dass sie bereits alles gesagt haben. Für mich wirkt „Firepower“, das NATÜRLICH das beste Priest-Album seit „Painkiller“ darstellt, eher wie ein „Comeback“, wie der Anfang des x-ten Frühlings. Und damit war - trotz „Redeemer Of Souls“ (siehe oben) - nicht wirklich zu rechnen.

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REVIEW 8.0 21.02.2018

(Album des Monats, RH 370, 2018)

NECROPHOBIC - Mark Of The Necrogram

Century Media/Sony (48:14) Auch wenn Tobias Sidegård definitiv ein starker Sänger ist, der NECROPHOBICs aggressive und bedrohliche Aura mit seinen abgefuckten Vocals wirklich perfektioniert hat, war der Schritt der Band, sich von dem Frontmann, der 2013 wegen häuslicher Gewalt seiner Frau gegenüber im Gefängnis saß, zu trennen, ein absolut richtiger. Während sich die Schweden in mehreren Statements klar von derartigem Verhalten distanzierten, hatten sie parallel im selben Jahr noch mit dem Suizid von Gitarrist und Mitgründer David Parland zu kämpfen. Also musste sich die Truppe zur Hälfte neu formieren: Sebastian Ramstedt und Johan Bergebäck (beide ex-Nifelheim, ex-Black-Trip, ex-Exhumed) sind zurück an der Gitarre, und Anders Strokirk, der NECROPHOBICs Debüt „The Nocturnal Silence“ (1993) eingesungen hat, tritt in die Fußstapfen Sidegårds. Herausgekommen ist „Mark Of The Necrogram“, ein Album, das fast an alte Erfolge anknüpfen kann und immer noch für sehr guten Black-Death steht. Sidegårds Ecken und Kanten in der Stimme haben das Ganze ziemlich übel und brutal klingen lassen, was mit Strokirk an der Front ein wenig fehlt und etwas glatter wirkt. Dafür bleiben NECROPHOBIC rein musikalisch eine Wucht: Das Brachiale des Death wird mit der blasphemischen Messerschärfe des Black zu einer ziemlich dynamischen, kraftvollen und unaufhaltsamen Bestie, die von Vielfalt sowie fast schon infernalischem Rasen geprägt ist und mit partiell auch mal heulenden, (w)irren Gitarren (´Mark Of The Necogram´) oder schaurigen Intros (´Odium Caecum´) herausragend abgerundet wird. Das fast schon traditionelle Instrumental findet sich diesmal am Ende der Platte, heißt ´Undergången´ und ist ein schaurig-schöner Abschluss für ein wirklich starkes Werk. DISKOGRAFIE (Alben) The Nocturnal Silence (1993) Darkside (1997) The Third Antichrist (1999) Bloodhymns (2002) Hrimthursum (2006) Death To All (2009) Womb Of Lilithu (2013) Mark Of The Necrogram (2018) LINE-UP Anders Strokirk (v.) Sebastian Ramstedt (g.) Johan Bergebäck (g.) Alex Friberg (b.) Joakim Sterner (dr.) DIE PATEN Wer auf folgende Acts steht, dürfte auch auf „Mark Of The Necrogram“ abfahren: Dissection * Defleshed * Merciless * Naglfar * Nifelheim * Dark Funeral * The Crown * Marduk * Absu * Sacramentum * Watain * Possessed * Thanatos * Dismember * Lord Belial

REVIEW 8.0 24.01.2018

(Album des Monats, RH 369, 2018)

TRIBULATION - Down Below

Century Media/Sony (46:38) Während Zompf Kupfer Frollein Malon jedes Mal schier rasend macht, wenn er, seine glänzende Rübe ins Damenbüro haltend, lediglich neckisch fragt, ob es sich bei TRIBULATION denn WIRKLICH um Vampire handelt, sind die Schweden bzw. ihre Plattenfirma im Presse-Info schon weiter: „Jugendstil-inspired Death“ ist ´ne Ansage, aber wenn man sich Gestus und Habitus, von der Musik ganz zu schweigen, von Jonathan Hultén & Co. ansieht, ist das ja nicht so weit weg von der Wahrheit, die Band hat bereits in (relativ) jungen Jahren eine eigene Aura entwickelt, sie ist - und das findet man nach wie vor sehr selten - deutlich mehr als die Summe ihrer Teile. Böse Zungen könnten nun nachfragen, ob die Songs des Vierers, das ist ein bisschen wie bei den Kumpels von Watain, denn eigentlich mit dem ganzen Brimborium mithalten, schließlich sucht man auf TRIBULATIONs Drehern immer noch den großen Hit, der den endgültigen Durchbruch bringt, der Opener ´The Lament´ ist da diesmal zumindest nahe dran mit seiner deutlichen Early-Moonspell-Schlagseite. Aber vielleicht sollte man halt einfach akzeptieren, dass man in Stockholm lieber Deathspell Omega als Theatre Of Tragedy sein will, wer könnte es ihnen verdenken. Das auflockernde Instrumental ´Purgatorio´ nimmt mich weniger mit als ´Själaflykt´, der Album-Höhepunkt von „The Children Of The Night“, der Rest auf „Down Below“ ist überraschend homogen, auch und gerade in seiner Qualität: Am krächzigen Gesang von Frontmann Johannes Andersson gibt´s nichts auszusetzen, aber es sind letzten Endes die toll akzentuierten Gitarren von Hultén und Adam Zaars, die ´Nightbound´, ´Subterranea´ oder ´Here Be Dragons´ auch über längere Zeit zu nahrhaftem Kraftfutter machen, in der Anmutung vielleicht zerbrechlich, im Kern aber hart wie ein Diamant. DISKOGRAFIE (Alben) The Horror (2008) The Formulas Of Death (2013) The Children Of The Night (2015) Down Below (2018) LINE-UP Johannes Andersson (v./b.) Adam Zaars (g.) Jonathan Hultén (g.) Oscar Leander (dr.)

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REVIEW 8.5 24.01.2018

(Album des Monats, RH 369, 2018)

LONG DISTANCE CALLING - Boundless

InsideOut/Sony (49:23) Noch konsequenter als auf „Trips“ widmen sich LONG DISTANCE CALLING exakt dem, was sie am besten können, nämlich instrumentalem Abenteuer-Metal. Kein Gesang, nirgends. Dafür allenthalben brillante Grooves, die in mehr brillante Grooves münden, dazu immer wieder diese epischen Melodien, die in jedem einzelnen Song warten. So weit, so fabelhaft, in diesen Dingen macht dem Kollektiv schon seit vielen Jahren niemand mehr etwas vor. Umso spannender sind die Details und der Reichtum an Klangfarben, mit dem LONG DISTANCE CALLING ihren inzwischen durchaus gefestigten Stil zu wahrer Größe erheben. Da wäre etwa der neunminütige Opener ´Out There´, der über ein würdig dramatisches Finale verfügt, ganz am Ende jedoch mit einer einsamen, eindringlichen Melodie ausklingt, die einen noch in tiefste Träume verfolgt. Oder die sphärischen Gitarrenakkorde, in die das thrashige Riffing von ´Ascending´ mündet. Oder die Sci-Fi-Synthies im wie ein Roadtrip durch eine nächtliche Metropole klingenden ´In The Clouds´. Oder das filigrane Klavier/Gitarren-Break, mit dem ´On The Verge´ sein Finale einleitet, um dann doch nicht ganz zur Auflösung zu kommen. Oder einfach die schiere, gewaltige Heaviness von ´Skydivers´. Es gibt viel zu entdecken, (wieder) befreit von den Fesseln konventionellen Songwritings legen LONG DISTANCE CALLING mit „Boundless“ eines ihrer stärksten Alben vor. DISKOGRAFIE (Alben) Satellite Bay (2007) Avoid The Light (2009) Long Distance Calling (2011) The Flood Inside (2013) Trips (2016) Boundless (2018) LINE-UP David Jordan (g.) Florian Füntmann (g.) Jan Hoffmann (b.) Janosch Rathmer (dr.)

REVIEW 9.0 20.12.2017

(Album des Monats, RH 368, 2017)

AUDREY HORNE - Blackout

Napalm/Universal (42:30) Okay, es ist Jammern auf hohem Niveau, aber Tatsache ist, dass „Pure Heavy“, das letzte AUDREY HORNE-Studioalbum, nicht ganz die Klasse seiner Vorgänger hatte. Frontmann Toschie redet im Rock-Hard-Interview denn auch nicht lange um den heißen Brei herum oder versteckt sich hinter Worthülsen, sondern gibt offen und ehrlich zu, dass die Band das inzwischen genauso sieht. Gefahr erkannt, Gefahr gebannt: Für „Blackout“ hat man sich mehr Zeit gegeben, drei Jahre sind seit der Veröffentlichung von „Pure Heavy“ vergangen, und das norwegische Classic-Rock-Powerhouse hat das Songmaterial einem harten Auswahltest unterzogen, monatelang gesiebt und präsentiert letzten Endes die Essenz dessen, was die Band schon seit Beginn ihrer Karriere aumacht. Niemand versteht es so scheinbar spielerisch leicht, Classic-Rock-Einflüsse in zeitgemäß klingende Songs zu integrieren, wie die fünf Norweger, die musikalisch noch dazu zum Besten gehören, was die Rock-Szene zu bieten hat. „Blackout“ ist ein Gute-Laune-Album vor dem Herrn, gespickt mit Querverweisen zu den größten musikalischen Einflüssen der Band und mit einem Haufen großartiger Refrains und Melodien ausgestattet. Das hymnenhafte ´Audrevolution´ dürfte schnell zum Live-Favoriten avancieren, für das Titelstück hat man augenzwinkernd ein Scorpions-artiges Lead adaptiert, ´Satellite´ verblüfft zum Ende hin mit einem Santana-Touch, und der Albumcloser ´Rose Alley´ geht als lupenreine Thin-Lizzy-Huldigung durch. „Blackout“ ist nicht nur ein exzellentes Album, sondern in seiner Gesamtheit ein äußerst geschmackvoller Streifzug durch die Hardrock-Historie, den der Hörer kostenlos mitgeliefert bekommt. DISKOGRAFIE No Hay Banda (2005) Le Fol (2007) Audrey Horne (2009) Youngblood (2013) Pure Heavy (2014) Blackout (2018) LINE-UP Torkjell „Toschie“ Rød (v.) Arve „Ice Dale“ Isdal (g.) Thomas Tofthagen (g.) Espen Lien (b.) Kjetil Greve (dr.) DIE PATEN Wer auf folgende Acts steht, dürfte auch auf „Blackout“ abfahren: Thin Lizzy * Black Star Riders * Scorpions * Rainbow * Deep Purple * Kiss * Ozzy Osbourne * Sahg * Aerosmith * Van Halen * UFO * Tygers Of Pan Tang * Horisont * Robert Pehrsson´s Humbucker * Black Trip

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