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REVIEW 8.5 17.04.2019

(Dynamit, RH 384, 2019)

POSSESSED - Revelations Of Oblivion

Wie man das montagmorgens halt so macht, wenn man im Büro aufschlägt: Verstärker und CD-Player an, „Seven Churches“ rein - und dann mal gepflegt Arsch lecken. Darauf hat natürlich auch Eisenfavst Bock (Mandy ist heute nicht da), der bereits nach der zweiten Strophe von ´The Exorcist´ in der Tür steht und ein infernalisches „POSSESSED!“ in den Raum brüllt. Guter Typ - aber nun mal auch immer ein bisschen vorlaut, denn ein kerniges „Die Neue ist voll langweilig - stinknormaler Allerwelts-Death-Metal!“ schließt sich natürlich sofort an. Dass „die Neue“ langweilig tönt, finde ich nämlich nicht, denn erstens ist „Seven Churches“ eh wichtiger im Szenekontext als Entwicklungsschritt als musikalisch per se existenziell (ja, ja, schickt mir Leserbriefe...), und zweitens klingt „Revelations Of Oblivion“, die erste wirklich erwähnenswerte Band-Veröffentlichung seit der 1987er „The Eyes Of Horror“-EP, vor allem dank Mainman Jeff Becerra (v.) schon nach fünf Sekunden dermaßen nach POSSESSED, dass die im Vergleich zu früher komplett neue Besetzung mit u.a. Gruesome-, Coffin-Texts- und Masters-Of-Metal-Mitgliedern kein Thema mehr darstellt, bevor man sie sich überhaupt zusammengegoogelt hat. Davon abgesehen, dass das dritte Album der Amerikaner mindestens zehn Minuten zu lang ausgefallen ist (kein Mensch braucht fast einstündige Extrem-Metal-Platten), boxt der Papst hier schließlich mehr oder minder durchgehend im Kettenhemd, ´No More Room In Hell´ oder ´Demon´ besitzen nicht weniger Hit-Potenzial als ´Burning In Hell´ oder meinetwegen ´Death Metal´, und der echt old-schoolige Sound (diese Toms!) mutet nie aufgesetzt retro an, sondern komplett organisch. Abgerundet wird dieses Album, das am Ende des Jahres auch ohne Namedropping zu den Highlights im Thrash- und Death-Bereich gehören wird, von einem geschmackvollen Zbigniew-Bielak-Artwork im Stile der Ghost-Cover, das es einem regelrecht verbietet, hier NICHT zum Vinyl zu greifen.

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REVIEW 8.5 17.04.2019

(Dynamit, RH 384, 2019)

GOLD - Why Aren´t You Laughing?

Ich HASSE Indie! (Also, eigentlich hasse ich überhaupt nichts, schon mal gar keine Musik, aber liest sich ganz gut, und in der Tat ist meine Aversion demgegenüber, das gemeinhin als „Indie Rock“ tituliert wird, im Laufe der Jahre immer größer geworden; vielleicht nervt selbstverliebte Befindlichkeitsscheiße generell auch einfach mehr, wenn man älter wird.) Insofern müsste mir die Schlagseite gen Anti-Rock´n´Roll, die GOLD und ihre Super-Sängerin Milena Eva immer offensichtlicher an den Tag legen, ein Album wie „Why Aren´t You Laughing?“ eigentlich vermiesen, doch nix da: Die wenigen Ausflüge in die schrabbelige Diaspora tun dem Sound nicht nachhaltig weh, einem Sound, der zwar nur noch wenig mit Hardrock und Heavy Metal zu tun hat (Stile, die zumindest auf dem 2012er Debüt „Interbellum“ noch gegenwärtig waren), der dafür aber eine schwierige Zeitgeist-Entwicklung, nämlich den sehr reduzierten Post-Punk der späten Siebziger und frühen Achtziger, relevant ins Jetzt transferiert, einerseits rootsbewusst (´Why Aren´t You Laughing?“ - P.I.L., anyone?), andererseits extrem modern, man sieht die On-stage-Stroboskop-Blitze beim fast schon (post-)black-metallischen Ausstand des großen ´Taken By Storm´ förmlich vor sich, und auch eine Dynamik von extrem fragil bis äußerst harsch in einem einzigen Song (´Please Tell Me You´re Not The Future´) war vor 40 Jahren zumindest bei dieser Art von kompositorischer Herangehensweise kein Alltag. Genau wie der Vorgänger „Optimist“ wird auch „Why Aren´t You Laughing?“, obwohl merklich länger, noch nicht mal hinten raus generisch, im Gegenteil: ´Lack Of Skill´ oder ´Mounting Into Bitterness´ gehören zur Top 5 des Albums, das darüber hinaus hervorragend produziert wurde (Jaime Gomez Arellano) und den Hinweis auf die Meriten von Ex-The-Devil´s-Blood-Gitarrist Thomas Sciarone eigentlich nicht mehr nötig hat. Laugh´n´A 1/2!

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