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REVIEW 8.5 23.01.2019

(Album des Monats, RH 381, 2019)

RIVAL SONS - Feral Roots

Auf der Abschiedstournee von Black Sabbath räumten sie im Vorprogramm ab und galten als nächstes großes Ding, doch die RIVAL SONS widerstehen der Versuchung, ein pompöses, auffällig auf „retro“ getrimmtes oder gar „verfrickeltes“ (Prog-)Album abzuliefern, um den neuen Arbeitgeber Warner (vorher: die Nottinghamer Krachschmiede Earache) mächtig zu beeindrucken. Die Aufstiegshürde in Rockstar-Dimensionen, an der schon so viele Bands jämmerlich gescheitert sind. Der Auftakt mit den schnöden Rockern ´Do Your Worst´ und ´Sugar On The Bone´ gerät schon fast zu bescheiden, danach breitet sich das Album allerdings sehr sanft in verschiedene Richtungen aus. Das kräftige ´Back In The Woods´ erhöht zunächst die Schlagzahl, bevor ´Look Away´ im Fahrwasser von The Tea Party mit einem World-Folk-meets-Led-Zep-Stilmix begeistert. Der Anschluss mit dem eingängigen Titelsong ist überragend gut gelungen. Danach verströmt die Platte eine angenehme Lockerheit (´Stood By Me´, ´Imperial Joy´, ´All Directions´), ehe man mit ´End Of Forever´ die Zügel noch mal anzieht und mit ´Shooting Stars´, starken Botschaften und einem stimmgewaltigen Soul/Gospel-Chor einen hitverdächtigen Schlusspunkt setzt. „Feral Roots“ ist unaufgeregt, vorbildlich produziert und stellt feine Grooves und Jay Buchanans melodiöse Stimme in den Vordergrund. Das erste Classic-Rock-Highlight des noch jungen Jahres! DISKOGRAFIE (Studioalben) Before The Fire (2009) Pressure & Time (2011) Head Down (2012) Great Western Valkyrie (2014) Hollow Bones (2016) Feral Roots (2019) LINE-UP Jay Buchanan (v.) Scott Holiday (g.) Dave Beste (b.) Mike Miley (dr.) DIE PATEN Wer mit den folgenden Bands etwas anfangen kann, dürfte auch an „Feral Roots“ Gefallen finden: Led Zeppelin * Bad Company * The Who * Graveyard * The Rolling Stones * Free * The Black Crowes * Jimi Hendrix * Cream * The Temperance Movement * Greta Van Fleet * Blues Pills * Wolfmother * Witchcraft * Zodiac

REVIEW 23.01.2019

(Dynamit, RH 381, 2019)

TYGERS OF PAN TANG - Hellbound, Spellbound Live ´81

Die Archive sind geplündert? Nicht alle. Dieses Kleinod der Metal-Historie schlummerte (von der obligatorischen Japan-Veröffentlichung mal abgesehen) fast 40 Jahre vor sich hin. Blenden wir zurück ins Jahr 1981: Die TYGERS OF PAN TANG (die mit dem letzten Original-Mitglied Robb Weir dieses Jahr auf dem Rock Hard Festival spielen) sind, zusammen mit Iron Maiden, Saxon, Motörhead, Venom, Raven und Diamond Head, der heißeste Scheiß der New Wave Of British Heavy Metal (Judas Priest sind ja schon etwas länger dabei). Ein knappes Dutzend Single-Veröffentlichungen und das starke „Wild Cat“-Album mit dem markanten Tigerkopf bereiten den Boden für das Zweitwerk „Spellbound“, das nicht nur für Mille Petrozza (Kreator coverten den Titel ´Gangland´), sondern auch für Metal-Insider rund um den Erdball ihr unumstrittenes Highlight ist. Aber anders als viele andere hochgejubelten Combos jener Ära haben die TYGERS OF PAN TANG richtig Substanz. Die Band ist der Einstieg von John Sykes ins professionelle Musikgeschäft (der danach seine Wanderschaft zu Thin Lizzy, Whitesnake und mit Soloalben fortsetzt), und Sänger Jon Deverill gilt seinerzeit neben Bruce Dickinson (Samson) als größtes Gesangstalent der Insel. Hört man sich „Hellbound, Spellbound Live ´81“ an, ertönt eine Band, die - obwohl noch gar nicht richtig eingespielt (Nottingham ist erst das zweite Konzert dieser Tournee) - schon auf dicke Hose macht. Gemeint ist jene Selbstsicherheit, die sich bei vollen Hallen und passenden musikalischen Mitstreitern von ganz alleine eingestellt. Ursprünglich gemischt vom erst kürzlich verstorbenen Chris Tsangarides, lässt das Album keine Wünsche offen. Es klingt unglaublich, aber auf den 16 Titeln des Konzerts (Höhepunkte u.a.: ´Take It´, ´Black Jack´, ´Insanity´, ´Gangland´, ´Hellbound´, ´Slave To Freedom´) spielt man größtenteils auf Augenhöhe mit Maiden, Saxon oder Motörhead. Perfekt ist hier nichts, aber dafür doppelt so kernig wie auf den Studioalben. Richtiger Heavy Metal, wie er sein muss. Umso bitterer, dass die Entwicklung der Band danach so steil nach unten zeigte. Heute kennt sie kaum jemand, aber diese Lücke lässt sich füllen. Die inoffizielle „Platte des Monats“!

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REVIEW 8.0 23.01.2019

(Dynamit, RH 381, 2019)

METAL INQUISITOR - Panopticon

Die Veröffentlichungsschlagzahl war bei METAL INQUISITOR noch nie sonderlich hoch, „Panopticon“ ist erst das fünfte Studioalbum seit dem 2002er Debüt „The Apparition“, und seit dem Vorgänger „Ultima Ratio Regis“, der mir durchaus noch in den Ohren klingelt, sind geschlagene fünf Jahre ins Land gezogen. Trotzdem passt der Begriff „Hobbyband“ nicht so richtig zu den Koblenzern, vor allem Super-Gitarrist Blumi ist nämlich ein fanatischer Tüftler, dem man an der Axt kein X für ein U vormacht und dessen große Liebe zur New Wave Of British Heavy Metal tatsächlich obsessiv zu sein scheint, legt man die Sahne-Riffs zugrunde, die er zusammen mit seinem Kompagnon T.P. mindestens im Dutzend rauspfeffert. Dabei zitieren die Desaster-Kumpels natürlich einmal mehr die Großen der späten Siebziger und frühen Achtziger wie Maiden und Saxon (´Change Of Front´!), lassen aber auch immer wieder dieses typische Underground-Feeling durchscheinen, wie es vor allem 1.666 7“-only-Truppen transportiert haben, die selbst heute nur Mercyful Mader und vielleicht noch dessen Spezi John Tucker kennen. Die Hits des Albums hauen einem auch diesmal schon in der ersten Hälfte fett auf die Backen, der Opener ´Free Fire Zone´ zum Beispiel macht seinem Titel alle Ehre, und ´Beyond Nightmares´ tönt im Refrain sogar noch zwingender. Hinten raus muss man aber ebenfalls keine Langeweile befürchten: ´War Of The Priests´ ledert erneut mit heißer Hook los, und beim flotten ´Discipline And Punish´ ziehen METAL INQUISITOR ganz am Ende dermaßen die Zügel an, dass selbst Peters ganz anders wird. Und DAS will wirklich was heißen!

REVIEW 9.5 23.01.2019

(Dynamit, RH 381, 2019)

EVERGREY - The Atlantic

Als ich EVERGREY letzten Herbst auf dem ProgPower Europe Festival traf, platzten sie beinahe vor Stolz wegen des soeben fertiggestellten neuen Albums. Entsprechend groß waren meine Erwartungen - und wurden beim ersten Durchlauf zunächst mal gedämpft, da mir der Zugang zum etwas sperrigen Material schwer fiel. Dass die Göteborger als Opener ausgerechnet das fast achtminütige, extrem vielschichtige und teils erstaunlich harte Epos ´A Silent Arc´ gewählt haben und bei ´End Of Silence´ wunderschöne Balladenteile mit vertrackten Drum-Salven konterkarieren, mag daran sicher seinen Anteil gehabt haben. Doch mit jedem Durchlauf wächst dieses beeindruckende Werk, das den letzten Teil der mit „Hymns For The Broken“ begonnenen Trilogie über das Leben darstellt. Die Gitarren klingen modern und teils verdammt heavy (etwa bei ´All I Have´, dessen getragener Refrain den brachialen Riffs noch mehr Geltung verleiht), die Keyboards sind ausgesprochen atmosphärisch und geschmackssicher, der Bass groovt knackig (besonders dominant beim reduzierten ´Departure´), und das ungemein präzise Drumming zählt zum besten des Genres. Der wichtigste Unterschied zu den allermeisten Prog-Bands mit ihren sterilen Sportsängern sind jedoch einmal mehr die überragenden, zutiefst emotionalen Vocals von Mastermind Tom Englund, der mit seinem gleichermaßen rauchigen wie cremigen Timbre nicht nur den Kopf, sondern vor allem das Herz anspricht. Dazu schreibt er intelligente Texte aus dem Leben und kreiert einige magische Classic-Rock-Refrains, die beispielsweise das wunderschöne ´Weightless´ und die Hymne ´The Beacon´ veredeln. Nach anfänglichem Fremdeln ist „The Atlantic“ für mich inzwischen nicht nur das Highlight des Monats, sondern wohl auch das stärkste Album in der Diskografie von EVERGREY - und das will angesichts deren Klasse wirklich was heißen!

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