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REVIEW 9 19.08.2020

(Album des Monats, RH 399, 2020)

DEAD LORD - Surrender

The headless children (respektive men): Das Magritte-artige Artwork hätte besser zum tendenziell unkonzentrierten Vorgänger „In Ignorance We Trust“ von 2017 gepasst, denn „Surrender“ klingt beileibe nicht nach (erzwungener) Kapitulation oder Implosion, sondern platziert DEAD LORD - ich hätte wirklich nicht damit gerechnet - wieder an der absoluten Classic-Rock-Spitze, vielleicht weil man blödsinniges „Freischwimmen“ unterlässt, sondern stattdessen selbst akzeptiert, schlicht und einfach als die Lizzy des „neuen“ Jahrtausends zu fungieren (als wäre das nicht Aufgabe genug!). Ohne Schmarren: Die nahezu perfekte A-Seite vom Opener 'Distance Over Time' (der auch im Lynott'schen Schaffen ein Highlight wäre) über das wunderbar akzentuierte 'Letter From Allen St.' bis zum poppigen 'Waiting For An Alibi'/'Dancing In The Moonlight'-Generikum 'Messin' Up' knüpft (mindestens!) nahtlos am '15er „Heads Held High“, nein: eigentlich sogar am '13er Fabel-Debüt „Goodbye Repentance“ an und evoziert damit auch noch mal die damalige Blüte einer neuen, jungen Hardrock- und Metal-Szene, deren Protagonisten, außer Ghost und vielleicht Blues Pills, leider nie der verdiente große Erfolg zuteilgeworden ist. Kongenial und warm produziert wurde „Surrender“ von Kollege und Super-Gitarrist Robert Pehrsson, dessen selbstbetiteltes Robert-Pehrsson's-Humbucker-Album, auch von '13, eine weitere im Mainstream unentdeckte Perle darstellt - kein Zufall, sondern eine maximal sinnvolle Kombination. Oder eine Art Kreis, der sich schließt.

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REVIEW 8.5 19.08.2020

(Dynamit, RH 399, 2020)

VICIOUS RUMORS - Celebration Decay

Durch die unzähligen Besetzungswechsel, auch und vor allem am Mikro, ist die Karriere von VICIOUS RUMORS ein häufiges Auf und Ab. Aktuell haben die einzigen beiden Konstanten, Geoff Thorpe (g.) und Larry Howe (dr.), zum Glück mal wieder ein schlagkräftiges Line-up zusammen, das sich (abgesehen vom Bassisten) bereits auf der letztjährigen „Digital Dictator“-Anniversary-Tour einspielen konnte. Dazu zählt auch der „American Idol“-Teilnehmer Nick Courtney, der mit seinem hohen, voluminösen Power-Metal-Gesang gut zu den Bay-Area-Veteranen passt, allerdings auch unter dem Problem vieler Castingshow-Kandidaten leidet: mangelnder Identität. Abgesehen davon feiert der Jungspund einen bärenstarken Einstand. Kompositorisch ist, nicht zuletzt wegen der einmal mehr famosen Gitarrenarbeit, ebenfalls alles im grünen Bereich: Der schnelle und harte Doublebass-Titeltrack ist als Opener ein Statement, das eingängige ´Arrival Of Desolation´ erinnert wegen seines knackigen Basses etwas an Iron Maiden, das Riff von ´Any Last Words´ greift mehr oder weniger subtil den Klassiker ´Don´t Wait For Me´ auf, die moderne Power-Ballade ´Darkness Divine´ (mein Highlight) hat was von Metallica, und die catchy Midtempo-Nummer ´Death Eternal´ wurde nicht ohne Grund als erste Single ausgekoppelt. Dazu besitzt die gleichermaßen transparente wie kraftvolle Produktion Majorniveau. Hut ab, meine Herren!

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REVIEW 8,5 19.08.2020

(Dynamit, RH 399, 2020)

PAIN OF SALVATION - Panther

Alben von PAIN OF SALVATION waren immer auch tiefe Einblicke in das Leben und den Geist ihres Frontmanns und Bandleaders Daniel Gildenlöw. Auf „Panther“ nun setzt sich er sich mit der eigenen Psyche auseinander und, daran anknüpfend, dem Aufeinandertreffen von Individuen mit all ihren Eigenheiten und einer oftmals normierten Welt. Ein komplexes Thema, das sich in einem komplexen Album widerspiegelt. So mag es eine möglicherweise schlechte Nachricht sein, dass sich auf „Panther“ weit und breit kein offensichtlicher Hit wie 'Meaningless' findet. Am ehesten noch 'Wait' mit seiner unendlich schönen, fragil klingenden Melodie, die in der Form niemand anderes so hinbekommt. 'Accelerator' hingegen verfügt über einen massiven Groove in den Strophen, ähnlich wie das extrem dichte, finstere 'Unfuture'; beide allerdings besitzen Refrains, deren Widerhaken entdeckt werden wollen. 'Icon' ist ein anderes Beispiel: Der Song nimmt einen mit auf eine 13-minütige Reise, an deren Ende keine Auflösung, keine Konklusion steht, sondern minutenlange, dunkle Heaviness. Manches wirkt derart persönlich, dass das Nachvollziehen schwer fällt, etwa die gelegentlich bis zum Bersten vollgepackten Arrangements oder die sperrige Wut von 'Species'. Nichtsdestoweniger ist „Panther“ eine wertvolle Bereicherung der Diskografie dieser großartigen Band und einer jeden Sammlung genuin anspruchsvoller, intensiver und progressiver Alben.

REVIEW 8 19.08.2020

(Dynamit, RH 399, 2020)

BLUES PILLS - Holy Moly!

Eine u.a. vom Touren völlig ausgebrannte Band, der Verlust ihres superben Gitarristen Dorian Sorriaux (der vom an den Sechssaiter gewechselten Bassisten Zack Anderson ersetzt wird), eine für eine noch junge Truppe generell viel zu lange Album-Pause („Lady In Gold“ erschien 2016), dazu eine weitere Verschiebung des ursprünglichen „Holy Moly!“-Release-Termins wegen Corona - die Voraussetzungen waren nicht allzu gut und die Erwartungen bei allem Vertrauen in das Können der Band, die dem Bluesrock spätestens 2014 neues Leben eingehaucht hat, zumindest bei mir dementsprechend auch nicht allzu hoch. Und in der Tat entpuppt sich „Holy Moly!“ nicht als die einfachste Platte. Bei den ersten Durchgängen freut man sich erst mal, dass Elin Larsson & Co. zurück sind und es generell noch können, über die Zeit fehlt dann aber doch ein wenig der künstlerische Furor, der die ersten beiden Studiodreher so unverzichtbar gemacht hat; hier und da, bei 'Rhythm In The Blood' oder 'Kiss My Past Goodbye' etwa, wird's sogar arg austauschbar, und das Ganze klingt nach Pflichtaufgabe. Demgegenüber steht allerdings im doppelten Sinne nach wie vor hochkonzentriertes Kraftfutter wie das energetische 'Low Road', der Hit 'Dreaming My Life Away' oder die, nun ja, Powerballade 'Song From A Mourning Dove', die im Genre immer noch niemand besser macht, die unter die Haut gehen und stets diesen einen Twist mehr offerieren, der „wichtige“ Bands von der breiten Masse abhebt. Dass die bereits seit längerem bekannte erste Single 'Proud Woman' mehr nach The Hives als meinetwegen Frumpy klingt, bleibt zudem eine Randnotiz; das Stück ist nicht schlecht, aber auch nicht wirklich repräsentativ.

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