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REVIEW 8.5 25.01.2023

(Album des Monats, RH 428, 2023)

KATATONIA - Sky Void Of Stars

Der Vorgänger „City Burials“ war ein Ausnahmealbum, ein Werk, das man als Musiker vielleicht nur einmal in seiner Karriere schreibt, und daran muss sich der Nachfolger „Sky Void Of Stars“ nun messen lassen. Doch KATATONIA wären nicht KATATONIA, wenn sie diese Herausforderung nicht meistern könnten. Vorab: „Sky Void Of Stars“ wirkt im Vergleich zu „City Burials“ wieder wärmer, eleganter und weniger experimentell. Die Schweden konzentrieren sich auf ihrem 13. Longplayer ganz klar auf ihre Stärken, die in der fantastischen Melodieführung und einem außergewöhnlich hohen musikalischen Verständnis liegen. Es fällt auf, dass KATATONIA deutlich mehr mit elektronischen Elementen spielen, denn fast alle Songs sind mit diversen Loops, Beats und Synths unterlegt. Sänger Jonas Renkse läuft einmal mehr zur Höchstform auf und zaubert Melodien in den Nachthimmel, die im Prinzip mehr als den Begriff „Ohrwurm“ verdienen. Songs wie ´Opaline´ haben einen fast schon poppigen, zuckersüßen Charakter, kommen dank der hervorragenden Musiker aber niemals kitschig rüber. Die Refrains und Melodien von ´Austerity´, ´Birds´ oder ´Atrium´ fräsen sich mit einer ungeheuren „Penetranz“ in die Gehörgänge, sodass man sie den ganzen Tag vor sich hinsummt. Seinen Prog-Ansatz verfolgt das Quintett mit Songs wie dem düsteren ´Drab Moon´, dem ruhigen ´Impermanence´ (mit tollen Co-Vocals von Soen-Sänger Joel Ekelöf) oder dem über sechsminütigen ´No Beacon To Illuminate Our Fall´, in dem immer mal wieder äußerst heftige Riffs durchbrechen, was KATATONIA in der Tat eine gewisse Nähe zu Bands wie Dream Theater oder Porcupine Tree einbringt. „Sky Void Of Stars“ ist ein weiteres bärenstarkes KATATONIA-Album geworden, das sämtliche Trademarks dieser fantastischen Band in sich vereint.

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REVIEW 8 25.01.2023

(Dynamit, RH 428, 2023)

RIVERSIDE - ID.Entity

Mit dem düsteren „Wasteland“ (2018) verarbeiteten die polnischen Progger den Tod ihres geliebten Freundes/Gitarristen Piotr Grudziński und bewiesen sich damit vor allem selbst, dass man als Band eine Zukunft hat. Fast genau sechs Jahre nach dem einschneidenden Schicksalsschlag hat man sich nun mit Nachfolger Maciej Meller (der einige schöne Akzente zu setzen weiß) eine neue Identität erarbeitet. Bedeutet das nun, dass auf „ID.Entity“ alles anders ist? RIVERSIDE reloaded? Nun, der stilistisch größte Ausreißer ist sicherlich der Opener ´Friend Or Foe?´, der wie eine Synthwave-Achtziger-a-ha-Nummer wirkt. Eine Richtung, die an das letzte Grudziński-Album „Love, Fear And The Time Machine“ erinnert. Fakt ist: Der Song ist ein echter Hit! Das abschließende ´Self-Aware´ ist die zweite große Überraschung, integriert der Neunminüter doch Rush- und The-Police-Elemente (Stichwort: Reggae!). ´Post-Truth´ kommt als fast gradliniger Rocker mit Schweine-Hammond daher. Auch ´I´m Done With You´ wirkt erstaunlich bissig. Der 13-minütige Longtrack ´The Place Where I Belong´ wiederum lässt in der Artrock-Atmosphäre der frühen Alben schwelgen. Das enorm vielfältige ´Big Tech Brother´ wird u.a. mit Bläser-Sätzen gefärbt. Allen Songs gleich ist das fantastische Zusammenspiel, die Vielfalt der eingesetzten Sounds (vor allem von Michał Łapajs Keys), Mariusz Dudas prägnantes, im Prinzip perkussives Bassspiel und seine absolut einzigartig-melancholische Melodieführung. Vollkommen anders und doch liebevoll vertraut. RIVRSIDE halt.

REVIEW 8.5 25.01.2023

(Dynamit, RH 428, 2023)

IN FLAMES - Foregone

Ob die Gründung und der Erfolg von The Halo Effect einen Einfluss auf dieses Album hatten, ist spekulativ. Dass Anders und Björn das in Schweden an die Spitze der Charts geschossene Debüt ihrer alten Mitstreiter nicht kennen, wie sie in unserer letzten Titelstory behaupten, darf aber getrost bezweifelt werden. Fest steht auf jeden Fall, dass sich IN FLAMES bei etlichen Stücken so hart wie lange nicht mehr zurück zu den Wurzeln bewegen, wobei schnell klar wird: Ja, sie können es noch! Allerdings handelt es sich bei „Foregone“ nicht um ein reines Retro-Album, sondern eher um eine Rückbesinnung mit Augenmaß, die die Entwicklung der Band nicht völlig außer Acht lässt. So ist ein abwechslungsreiches Werk entstanden, dessen Referenzen in der Schnittmenge von „Colony“, „Clayman“ und „Battles“ liegen. Melodic-Death-Metal-Nummern wie ´State Of Slow Decay´, ´Meet Your Maker´, ´Foregone Pt. 1´ oder ´The Great Deceiver´ machen mit ihren Qualitäten nachdrücklich klar, warum IN FLAMES zu den Gründern des typischen Göteborg-Sounds zählen. Tempo, Härte, Riffing und Melodie stehen hier in einem perfekten Verhältnis zueinander und wecken wohlige Erinnerungen an die frühen Zweitausender, die einige Folk-Schlenker noch verstärken. Die melancholische, düstere Stimmung ist dabei omnipräsent und wird vom Coverartwork perfekt visualisiert. Auch moderner gehaltene Songs wie ´Bleeding Out´ wirken stimmiger und kompositorisch zwingender als auf dem schwachen Vorgänger, und die schöne Halbballade ´Pure Light Of Mind´ verströmt die alte Gitarren-Magie so stark wie lange nicht mehr. Dazu liefert Sängers Anders eine seiner besten Leistungen ab und glänzt sowohl beim fiesen Growlen und Keifen als auch bei seinem charismatischen Klargesang, der nicht so knödelig wie zuletzt ausfällt. Selbst wenn dem Album zum Ende hin etwas die Puste ausgeht, lässt „Foregone“ die eine oder andere Enttäuschung der letzten Jahre vergessen und präsentiert IN FLAMES wieder in Top-Form!

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REVIEW 8.5 25.01.2023

(Dynamit, RH 428, 2023)

BLACK STAR RIDERS - Wrong Side Of Paradise

Irischer Pubrock wird vermutlich nie aussterben. Gerade wenn die Zeiten hart sind, gibt man gerne sein letztes Hemd, um bei ein paar Guinness mit Gleichgesinnten den Alltag hinter sich zu lassen. Den metallisch aufgemotzten Soundtrack dafür liefern seit Jahren zuverlässig die BLACK STAR RIDERS. Es ist diese unnachahmliche Mischung aus Lebensfreude, einer Prise politischem Bewusstsein und einer gewissen Schwermut, die diese Musik so einzigartig macht. Auf den Vorgängern „Another State Of Grace“ und „Heavy Fire“ klangen Ricky Warwick und seine Mannen zwar laut und professionell, aber mitunter auch merkwürdig blut- und ideenarm. Es waren gute Alben mit einer Handvoll Hits, aber keine Kreativ-Eruptionen, über die die Welt heute noch redet. Der 72-jährige Mitbegründer und Ex-Thin-Lizzy-Gitarrist Scott Gorham hat die Band nun auf eigenen Wunsch mehr oder weniger verlassen und geht in Rente. Umso überraschender, dass die von Personalwechseln gebeutelte Gruppe nun plötzlich konzentriert liefert. Die Produktion ist diesmal weniger auf Krawall gebürstet, und beim Mitzählen potenzieller Singles kommt der Rechenschieber am rechten Rand an, weil fast jeder Titel ins Schwarze trifft. Eine abwechslungsreiche Scheibe voller Ohrwürmer mit einer sagenhaften Covergrafik, die die momentane Stimmung perfekt auf den Punkt bringt. Mit dem Rücken zur Wand stehend ist Hardrock nun mal emotionaler und besser.

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