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REVIEW 8 17.05.2019

(Album, )

RAMMSTEIN - Rammstein

Zehn Jahre sind seit der letzten Veröffentlichung „Liebe ist für alle da“ vergangen, doch nun wollen es RAMMSTEIN noch mal wissen. Und das Warten hat sich gelohnt. Elf Tracks lang zelebriert das Sextett ein Best-of seines Könnens, legen Richard Kruspe und Paul Landers pulsierende Gitarren-Teppiche aus, auf denen Till Lindemann mit süffisanten, morbiden, garstigen, lieblichen, humorvollen und tiefgründigen Texten breitbandiges, poetisches Kopfkino startet. Der cineastische Provokations-Overkill 'Deutschland', dessen anfänglicher Beat verdammt an Anne Clarks 'Our Darkness' und ein wenig an Tiamats 'Gaia' erinnert, gibt die Uptempo-Marschrichtung der ersten Albumhälfte vor. 'Radio' geht mit treibenden Riffs, die auch aus nostalgischen 'Wollt ihr das Bett in Flammen sehen?'-Zeiten stammen könnten, nach vorne, nur ausgebremst im höllisch eingängigen Refrain, dessen Synthie-Einsätze entfernt an die verspielte Attitüde der Neuen Deutschen Welle erinnern. Sakrale Kirchenchor-Klänge ummanteln die derben Hochgeschwindigkeitsgitarren im Song 'Zeig dich', dessen offensive Kritik an der katholischen Kirche sich im bissigen Stakkato-Refrain entlädt. Ein weiteres Highlight ist das mit einem wuchtigen Beat, spacigen Elektro-Sounds und einem hellen Kinderchor punktende 'Ausländer', dessen Ohrwurm-Faktor noch ein wenig höher ist als bei der augenzwinkernden Fleischbeschau 'Sex', deren Textzeile „Ich schau dir tief ins Geschlecht“ passenderweise von einem „reitenden“ Beat unterlegt ist. Im zweiten Albumteil kehrt ein wenig Ruhe ein. Das flüsternd-getragene 'Puppe' wird von infernalisch-heiserem Wahnsinns-Höllengeschrei durchbrochen, während 'Was ich liebe' mit seiner Midtempo-Melodramatik und die akustisch-morbide Liebesballade 'Diamant' etwas unspektakulärer daherkommen. Die Gitarren-Soloarbeit reißt 'Weit weg' aus der Mittelmäßigkeit, bevor 'Tattoo' mit fettem Riffing und poetischer Brillanz („Wenn das Blut die Tinte küsst, wenn der Schmerz das Fleisch umarmt“) wieder gute alte RAMMSTEIN-Qualitäten hervortreten lässt. Noch einmal läuft das Lindemann'sche Kopfkino auf Hochtouren, wenn 'Hallomann' von Kinderlied-Klängen und süßlichem Gänsehaut-Flair umgarnt wird und das Album mit den Worten „Auf den Wellen dein Gesang“ geisterhaft ausfadet.

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REVIEW 8.5 17.04.2019

(Album des Monats, RH 384, 2019)

Arch/Matheos - Winter Ethereal

Auch wenn sowohl auf der 2003er EP „A Twist Of Fate“ als auch auf dem ersten ARCH/MATHEOS-Album „Sympathetic Resonance“ von 2011 Sänger John Archs Fates-Warning-Wurzeln immer offengelegt waren, konnte kein Song so unvermittelt an die begnadeten Mittachtziger-Werke „The Spectre Within“ und „Awaken The Guardian“ anknüpfen wie heuer ´Wanderlust´, eine Epic-Metal-Wunderkerze, deren Gesangslinien (VIELE Gesangslinien!) an die ganz, ganz großen Momente erinnern, nicht nur an ´The Sorceress´ oder ´Orphan Gypsy´, nein, sogar an ´Guardian´ oder ´The Apparition´ - alleine diese sechs Minuten machen „Winter Ethereal“ für die avisierte Klientel (als würde die eh auch nur einen Moment zögern...) zum Pflichtkauf Nummer eins. Von ähnlicher Güte und Magie zeugen der perfekte Opener ´Vermillion Moons´ sowie das vor allem vom Refrain lebende ´Straight And Narrow´, und auch die 13-minütige Schlussoffensive ´Kindred Spirits´, an deren Ende man den Sieg schließlich ruhig und entspannt über die Ziellinie bringt, offeriert brillante Momente en gros. Der Rest des Albums, auf dem sich neben Arch und Matheos neben dem beinahe kompletten Fates-Warning-Umfeld (Joey Vera, Bobby Jarzombek, Joe DiBiase, Mark Zonder...) u.a. Testament-Basser Steve DiGiorgio und Cynic-Tieftöner Sean Malone vorstellen, neigt dagegen - zumindest für die Möglichkeiten der Beteiligten - ein wenig zur (vor allem melodischen) Unauffälligkeit, da müssen dann doch schon mal die Super-Vocals, aber auch die wahnwitzigen Gitarren-Einfälle des Fates-Warning-Protagonisten das eine oder andere in die „Herausragend“-Kategorie hinüberwuchten, bevor´s ernsthaft zu Diskussionen kommt. Aber mei, wahrscheinlich ist man knapp 70-minütige Alben auch einfach nicht mehr gewöhnt, und in Connecticut hat man´s nur gut gemeint... DISKOGRAFIE John Arch: A Twist Of Fate (2003) Arch/Matheos: Sympathetic Resonance (2011) Winter Ethereal (2019) LINE-UP John Arch (v.) Jim Matheos (g.) DIE PATEN Wer mit den folgenden Bands etwas anfangen kann, dürfte auch an „Winter Ethereal“ Gefallen finden: Fates Warning * Redemption * OSI * Psychotic Waltz * Watchtower * Dream Theater * Rush * Vauxdvihl * Zero Hour * Sieges Even * Spiral Architect * Heaven´s Cry * Leviathan * Payne´s Gray * Disillusion * Pain Of Salvation * Haken * Periphery

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REVIEW 8.5 17.04.2019

(Dynamit, RH 384, 2019)

POSSESSED - Revelations Of Oblivion

Wie man das montagmorgens halt so macht, wenn man im Büro aufschlägt: Verstärker und CD-Player an, „Seven Churches“ rein - und dann mal gepflegt Arsch lecken. Darauf hat natürlich auch Eisenfavst Bock (Mandy ist heute nicht da), der bereits nach der zweiten Strophe von ´The Exorcist´ in der Tür steht und ein infernalisches „POSSESSED!“ in den Raum brüllt. Guter Typ - aber nun mal auch immer ein bisschen vorlaut, denn ein kerniges „Die Neue ist voll langweilig - stinknormaler Allerwelts-Death-Metal!“ schließt sich natürlich sofort an. Dass „die Neue“ langweilig tönt, finde ich nämlich nicht, denn erstens ist „Seven Churches“ eh wichtiger im Szenekontext als Entwicklungsschritt als musikalisch per se existenziell (ja, ja, schickt mir Leserbriefe...), und zweitens klingt „Revelations Of Oblivion“, die erste wirklich erwähnenswerte Band-Veröffentlichung seit der 1987er „The Eyes Of Horror“-EP, vor allem dank Mainman Jeff Becerra (v.) schon nach fünf Sekunden dermaßen nach POSSESSED, dass die im Vergleich zu früher komplett neue Besetzung mit u.a. Gruesome-, Coffin-Texts- und Masters-Of-Metal-Mitgliedern kein Thema mehr darstellt, bevor man sie sich überhaupt zusammengegoogelt hat. Davon abgesehen, dass das dritte Album der Amerikaner mindestens zehn Minuten zu lang ausgefallen ist (kein Mensch braucht fast einstündige Extrem-Metal-Platten), boxt der Papst hier schließlich mehr oder minder durchgehend im Kettenhemd, ´No More Room In Hell´ oder ´Demon´ besitzen nicht weniger Hit-Potenzial als ´Burning In Hell´ oder meinetwegen ´Death Metal´, und der echt old-schoolige Sound (diese Toms!) mutet nie aufgesetzt retro an, sondern komplett organisch. Abgerundet wird dieses Album, das am Ende des Jahres auch ohne Namedropping zu den Highlights im Thrash- und Death-Bereich gehören wird, von einem geschmackvollen Zbigniew-Bielak-Artwork im Stile der Ghost-Cover, das es einem regelrecht verbietet, hier NICHT zum Vinyl zu greifen.

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REVIEW 8.5 17.04.2019

(Dynamit, RH 384, 2019)

GOLD - Why Aren´t You Laughing?

Ich HASSE Indie! (Also, eigentlich hasse ich überhaupt nichts, schon mal gar keine Musik, aber liest sich ganz gut, und in der Tat ist meine Aversion demgegenüber, das gemeinhin als „Indie Rock“ tituliert wird, im Laufe der Jahre immer größer geworden; vielleicht nervt selbstverliebte Befindlichkeitsscheiße generell auch einfach mehr, wenn man älter wird.) Insofern müsste mir die Schlagseite gen Anti-Rock´n´Roll, die GOLD und ihre Super-Sängerin Milena Eva immer offensichtlicher an den Tag legen, ein Album wie „Why Aren´t You Laughing?“ eigentlich vermiesen, doch nix da: Die wenigen Ausflüge in die schrabbelige Diaspora tun dem Sound nicht nachhaltig weh, einem Sound, der zwar nur noch wenig mit Hardrock und Heavy Metal zu tun hat (Stile, die zumindest auf dem 2012er Debüt „Interbellum“ noch gegenwärtig waren), der dafür aber eine schwierige Zeitgeist-Entwicklung, nämlich den sehr reduzierten Post-Punk der späten Siebziger und frühen Achtziger, relevant ins Jetzt transferiert, einerseits rootsbewusst (´Why Aren´t You Laughing?“ - P.I.L., anyone?), andererseits extrem modern, man sieht die On-stage-Stroboskop-Blitze beim fast schon (post-)black-metallischen Ausstand des großen ´Taken By Storm´ förmlich vor sich, und auch eine Dynamik von extrem fragil bis äußerst harsch in einem einzigen Song (´Please Tell Me You´re Not The Future´) war vor 40 Jahren zumindest bei dieser Art von kompositorischer Herangehensweise kein Alltag. Genau wie der Vorgänger „Optimist“ wird auch „Why Aren´t You Laughing?“, obwohl merklich länger, noch nicht mal hinten raus generisch, im Gegenteil: ´Lack Of Skill´ oder ´Mounting Into Bitterness´ gehören zur Top 5 des Albums, das darüber hinaus hervorragend produziert wurde (Jaime Gomez Arellano) und den Hinweis auf die Meriten von Ex-The-Devil´s-Blood-Gitarrist Thomas Sciarone eigentlich nicht mehr nötig hat. Laugh´n´A 1/2!

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