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REVIEW 9 27.10.2021

(Album des Monats, RH 413, 2021)

MASTODON - Hushed And Grim

Der Tod ihres langjährigen Managers Nick John war für MASTODON ein schwerer Schlag, den die Band auf ihrem neuen Album „Hushed And Grim“ zu verarbeiten versucht. Dementsprechend spielen melancholische Töne 2021 eine noch größere Rolle als üblich im MASTODON-Kosmos, aber das ist nicht die einzige Neuerung: Das Atlanta-Quartett hat seinen Sound und die Komplexität der Arrangements deutlich entschlackt, wodurch die tiefschürfenden Emotionen noch besser zur Geltung kommen und nun auch Leute Zugang zum Material finden dürften, die das bisherige Schaffen immer als zu verkopft empfunden haben. Doch auch Fans der vertrackten MASTODON-Kompositionen können beruhigt sein: Die Band ist weit davon entfernt, ins Formelhafte abzurutschen, und in der Lage, über eine Dauer von 86 Minuten mit einem geschmackvollen Potpourri aus Rock, Psychedelic, Punk, Metal, Alternative und Prog zu fesseln. Im Vergleich zu den Anfangstagen stehen mittlerweile weniger die (immer noch starken) Riffs im Mittelpunkt, sondern die Gesangsmelodien, deren Aufteilung zwischen Bassist Troy Sanders, Gitarrist Brent Hinds und Drummer Brann Dailor auf dem achten Album noch eine Spur homogener wirkt. In Verbindung mit den traurigen Texten gelingt es den Vokalisten, den Hörer tief in der Seele zu berühren. Der epische, postrockige Abschlusstrack 'Gigantium' lässt glücklicherweise Licht am Ende des Tunnels erblicken. Ein verdammt heißer Anwärter auf das Album des Jahres!

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REVIEW 9 27.10.2021

(Dynamit, RH 413, 2021)

COUNT RAVEN - The Sixth Storm

Zeit ist relativ, und im Doom gingen die Uhren sowieso immer etwas anders. Was sind da schon zwölf Jahre? So lange dauerte nämlich die Wartezeit auf „The Sixth Storm“, das zweite Studioalbum der schwedischen Zeitlupen-Ikonen COUNT RAVEN nach der Wiedervereinigung 2009. In der Zwischenzeit sind sogar die Landsleute Sorcerer aufgewacht. Können Dan Fondelius und sein Gefolge mit ihrem sechsten Streich die Krone des Schweden-Doom jetzt zurückholen? Falsche Frage. Während Sorcerer seit jeher dem Epic Doom zugewandt waren, gingen COUNT RAVEN schon immer wesentlich rockiger zur Sache. Um das Kind beim Namen zu nennen: Der Einfluss von Black Sabbath während der Ozzy-Ära war niemals zu überhören. Und das trifft auch auf die neun neuen Stücke zu, was nicht zuletzt an Fondelius' Gesang liegt. Todesglocke, heiser-leiernde Vocals, zähflüssiges Riffing - der tonnenschwere Opener 'Blood Pope' gibt sogleich die Richtung vor. Und führt eindrucksvoll vor Augen, was man durch die Absenz von COUNT RAVEN vermisst hat. Funeral Doom, Death Doom, Nautic Doom, alles schön und gut, aber das hier ist der „real deal“! Beispiele gefällig? Nun, etwa 'The Curse', der beste Song, der niemals auf „Vol 4“ gelandet ist. Elegisch wird's auf 'The Nephilims' (10:28) und 'Oden' (11:49). Mit 'Heaven's Door' wagen sich die Düstergrafen zudem an eine lupenreine Ballade heran und wandeln dabei auf den Spuren von 'Changes'. Was für ein Comeback nach dem Comeback!

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REVIEW 8 27.10.2021

(Dynamit, RH 413, 2021)

BONDED - Into Blackness

Die Sodom-Vergangenheit von Gitarrist Bernemann und Drummer Makka öffnet Türen, beschert aber auch irgendwann Bauchschmerzen, denn wer will schon ständig an seine Ex-Beziehung erinnert werden, die sich zudem auf ziemlich unsanfte Weise getrennt hat? Zum Glück ist das Thrash-Genre groß genug, sodass sich BONDED und die Angelripper-Bande stilistisch kaum in die Quere kommen. Das zweite BONDED-Album „Into Blackness“ ist echter Edel-Thrash. Die puren Old-School-Parts sind allererste Sahne und lassen einen nicht weiter wundern, dass hier ein ehemaliger Suicidal-Angels-Gitarrist die zweite Axt schrubbt. Strukturell sind BONDED aber eher eine Mischung aus erwachsener Bay Area und der zweiten Teutonen-Welle, die sowohl volle Kraft voraus als auch in detailfreudigerem Midtempo funktioniert. Bei Songs wie 'The Wholy Whore', 'Into The Blackness Of A Wartime Night', 'Ill-Minded Freak' und 'Division Of The Damned' klappt's zudem hervorragend, nicht nur extrem den Head zu bangen, sondern sich auch die formidabel runtergeschrienen Hooks ins Langzeitgedächtnis zu brennen, die seltsamerweise zuweilen an die alten Haudegen von Macbeth erinnern, mit denen BONDED auch die Kriegsthematik verbindet, zu der wiederum das topschnieke Artwork von Björn Gooßes passt. Zudem ist die Scheibe von Corny Rambadt fantastisch transparent und zugleich fucking fett produziert. Der Kerl ist in diesem Bereich längst 'ne Liga für sich. Das wird auch ein gewisser Thomas Such nicht abstreiten. Thrash-Fans müssen „Into Blackness“ antesten.

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REVIEW 9 27.10.2021

(Dynamit, RH 413, 2021)

DREAM THEATER - A View From The Top Of The World

Es wirkte von außen fast so, als seien DREAM THEATER im späteren Verlauf ihrer Karriere von einem Perfektionsvirus des Sich-beweisen-Müssens befallen, selbst die totalen Frickel-Fans attestierten den Kopf- und Fingerkünstlern zuletzt eine gewisse Verkrampfung. Der Stern der Weltklasse-Progger sank deshalb eher, als dass er stieg, doch „A View From The Top Of The World“ markiert nun einen überraschenden Wendepunkt. Über die Gründe lässt sich nur spekulieren. Vielleicht hat die Pandemie die Musiker geerdet und der private Burgfrieden mit Ur-Drummer Mike Portnoy endlich Ruhe einkehren lassen. Oder hat gar - ganz profan - die gemeinsame Arbeit im brandneuen Proberaum-Studio die Lust aufs ungehemmte Aus-dem-Bauch-heraus-Musizieren wieder geweckt? Während die erste Singleauskopplung 'The Alien' wie eine erwartbare Spieltechnik-Schlacht auf allerhöchstem Niveau erscheint und eher durch ihre harte Ausprägung und elegante Übergänge überrascht, rücken die einzelnen Mitglieder von Beginn an wechselweise und nahezu gleichberechtigt in den Fokus. Das liegt natürlich auch an der ausgewogenen Produktion und dem fein austarierten Mix der Platte, aber Musik dieser Gewichtsklasse kann entweder leidenschaftlich oder kühl klingen. Für meinen Geschmack spielen DREAM THEATER auf „A View From The Top Of The World“ größtenteils im rot-warmen Bereich. Da zieht Mike Mangini immer wieder im richtigen Moment das Tempo an oder sorgt Jordan Rudess für feine Keyboard-Melodien und ekstatisch anmutende Soli, während sich Petrucci und Myung auch mal unterordnen und „nur“ eine mathematisch anmutende Taktakt krachen lassen (trotzdem ist Gitarrist/Produzent John Petrucci wohl erneut der Mastermind hinter dieser Platte). Den größten Sprung darf man jedoch Sänger James LaBrie attestieren. So unangestrengt und locker wie auf den sieben anspruchsvoll komponierten Songs klang der Kanadier lange nicht mehr. Er wechselt vermehrt in die mittlere Tonlage, was die Refrains umso angenehmer erscheinen lässt. Es sind diesmal nicht nur feine Verschnaufpausen zwischen den Instrumental-Gewittern, sondern echte Höhepunkte der Songs. Manches ist sogar zum Mitsingen geeignet. Spätestens bei 'Invisible Monster' sollte Savatage-Fans das Herz aufgehen. Das Album wirkt wie aus einem Guss, auch wenn jeder Titel ein eigenes kleines Universum für den Hörer bereithält. Ob der 20-minütige Titeltrack mit den ganz großen DREAM THEATER-Epen mithalten kann oder nur ein großartiger Album-Abschluss ist, darüber kann man sich in Fan-Foren die Köpfe einschlagen. Wichtiger ist vielmehr die Erkenntnis, dass DREAM THEATER wieder in Form sind.

REVIEW 8,5 27.10.2021

(Dynamit, RH 413, 2021)

U.D.O. - Game Over

Udo Dirkschneider ist umtriebiger denn je, wobei sein großer Output nicht zu Lasten der Qualität geht. Sowohl das letzte reguläre U.D.O.-Album „Steelfactory“ als auch die anschließende Kooperation mit dem Musikkorps der Bundeswehr schafften bei uns eine Dynamit-Platzierung, und das jüngste Projekt Dirkschneider & The Old Gang lässt mit seiner extrem starken Debüt-EP ebenfalls aufhorchen. Nachdem „We Are 1“ stilistisch erstaunlich experimentell ausfiel, bildet „Game Over“ nun quasi den Gegenpol und führt ohne Umweg zurück in die frühen Achtziger. Das inzwischen 17. U.D.O.-Album atmet den Vibe der ersten Accept-Scheiben, als der Einfluss von AC/DC noch deutlich herauszuhören war. So könnte die zweite Single 'Kids And Guns' (handelt von Kindersoldaten) glatt von „I'm A Rebel“ stammen und neben Fans der IG Altmetall auch die von Airbourne ansprechen. Der Bogen wird von der melancholischen Hymne 'Metal Never Dies' (file under „Restless And Wild“) bis zum packenden Midtempo-Stampfer 'Empty Eyes' gespannt, der im „Balls To The Wall“-Stil daherkommt. Udo himself ist nach wie vor bestens bei (Reibeisen-)Stimme, und die Gitarrenarbeit besticht einmal mehr durch teils klassisch, teils folkloristisch angehauchte, wunderschöne Melodien, gefühlvolle Soli sowie prägnante Licks ('Holy Invaders'). Gerade im Vergleich zum neuen Running-Wild-Album, das mal wieder an der leblos programmierten Produktion und dem viel zu komprimierten Klang krankt, bestechen bei „Game Over“ die organisch groovende, arschtighte Rhythmussektion und der warme Old-School-Sound (auch wenn er wahrscheinlich ebenfalls digital zustande gekommen ist - aber eben mit dem entsprechenden Händchen).

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