Suche

Teaser

REVIEW 9.0 25.05.2022

(Album des Monats, RH 420, 2022)

KREATOR - Hate Über Alles

Wer die letzten beiden KREATOR-Alben „Phantom Antichrist“ und „Gods Of Violence“ überproduziert und zu melodisch fand, darf aufatmen. Denn „Hate Über Alles“ ist eine Rückbesinnung auf klassische Tugenden, ohne dass die Band auf die Retro-Karte setzt. Nach dem Italo-Western-Intro ´Sergio Corbucci Is Dead´ folgen mit dem Titeltrack und ´Killer Of Jesus´ zwei kompakte Thrasher, die auch auf „Violent Revolution“ eine gute Figur gemacht hätten. ´Crush The Tyrants´ und ´Strongest Of The Strong´ sind starke Banger, während ´Become Immortal´ mit einem geilen Priest-Riff aufwartet, ein künftiger Live-Kracher sein dürfte und die Fangesänge mit Oh-ho-ho-Chören im Mittelteil vorwegnimmt. In ´Conquer And Destroy´ hat Sänger Drangsal einen Gastauftritt, und in ´Midnight Sun´ steuert Sofia Portanet eine starke Gesangseinlage bei. Den Blick über den Tellerrand lässt sich Mille also nicht nehmen. Gut so, denn die Gastbeiträge sind auf „Hate Über Alles“ stimmiger integriert und machen die Songs stärker. Arthur Rizk (Power Trip, Eternal Champion, Unto Others) erweist sich als Produzent als goldrichtige Wahl. Er beweist, dass man Thrash megawuchtig und zugleich mit erfrischendem Live-Feeling produzieren kann. Herrlich, wie er Ventors Drums donnern lässt. Das Artwork von Eliran Kantor darf man ebenfalls als gelungen bezeichnen, und somit liefern KREATOR eine fast perfekte Platte (´Pride Comes Before The Fall´ ist lediglich okay) ab, die sich mit dem Nuller-Jahre-Meilenstein „Violent Revolution“ messen kann.

REVIEW 9.0 25.05.2022

(Dynamit, RH 420, 2022)

THE VIOLENT INZIDENT - This Is Nu Metal!

Was Steel Panther für Achtziger-Rock sind, sind THE VIOLENT INZIDENT für den Nu Metal. Alleine schon die Besetzung macht mit u.a. Adidasshole (Guitar & Sportswear) und Tiny D (Wannabe Rapper Douchebag) klar, wie ernst sich die Band nimmt. Passend dazu verweist sie auf ihre MySpace-Seite und andere überholte Social-Media-Plattformen. Die Briten nehmen musikalisch, textlich und imagemäßig sämtliche Klischees der Nu-Metal-Ära auf die Schippe und sorgen dabei für etliche Lacher, die von den YouTube-Videos noch verstärkt werden. So ziehen sie in der gelungenen Limp-Bizkit-Parodie ´The Violent Inzident´ deren Dicke-Hose-Protzerei auf links, wenn am Ende der Pool-Party der Mietvertrag der dicken Villa gekündigt wird und der Playmate-Mob auf das soeben obdachlos gewordene Fred-Durst-Double losgeht. Oder sie ziehen Soulfly mit der Schlagwörter-Ansammlung ´Brazil Is Great´ durch den Kakao, in die sich nach „Fuck the police / Lots of fake tits / Football is great!“ plötzlich mexikanische Begriffe wie „Tequila“ oder „Mariachi“ einschleichen. Das wirklich Bemerkenswerte ist, dass ähnlich wie bei den eingangs erwähnten Steel Panther hinter dem ganzen Klamauk auch viel musikalische Substanz steckt. So können die Songs auch gesanglich mit erstaunlicher Souveränität an die Vorlagengeber anknüpfen und besitzen teils enormes Hitpotenzial - ganz egal, ob Linkin Park (´I Love Nu Metal´), System Of A Down (´Whores Of Instagram´, ´Triggered´), Slipknot (´DesasTinder´), Disturbed (´Down With Your Mistress´) oder Korn (´Tears Are Falling (From My Arse)´ inklusive Beavis-und-Butt-head-Passage). Ich hol´ jetzt erst mal meine Baggypants und Goldkettchen aus dem Schrank, denn: „It´s nineteen-fucking-nine, motherfuckers!“

Teaser

Teaser

Teaser

REVIEW 9.0 25.05.2022

(Dynamit, RH 420, 2022)

CAVE IN - Heavy Pendulum

Die Einschätzung, dass dieses Album, wäre es 1995 erschienen, heute in den Listen der besten Werke der Grunge-Ära auftauchen würde, war im Interview als Kompliment gedacht, kam aber nicht ganz so gut an. Und natürlich sind CAVE IN heute mehr, viel mehr als „nur“ ein Genre. Dieses ausgereifte Spätwerk löst Assoziationsgewitter aus, in deren Regenguss man sich genussvoll stellt, die Arme ausgebreitet, Gesicht nach oben. ´Blinded By Blaze´ ist eine Mördersingle, episch und elegisch, hypnotischer Rhythmus, betörender Gesang, dichte Gitarrenarbeit. Sie atmet diese alte Grunge-Luft am stärksten, sofort imaginiert man Chris Cornell am Mikro, konzentriert und verloren zugleich in der Landschaft des „Superunknown“. Die ´New Reality´ poltert straff als melodisches Uptempo-Drama plus Growls, doch wenn gesungen wird, schwingt sogar Ozzy mit. Die geordnete, erdige Wucht von ‘Careless Offering‘ macht ein Kind aus dem Geiste der frühen Pearl Jam und Helmet - Betty bringt ihren Blumenkorb zum Schafsgatter. In ´Pendulambient´ liegen die glitzernden Nachtschatten der mittleren Genesis in der Luft, und mit dem überlangen ´Wavering Angel´ führt das Quartett prog- und postrockig in aller Ruhe aus der Reise hinaus, bis am Ende die Gitarren eine gedoppelte Melodie singen, während das Erlebte langsam samt Abschiedsschmerz einsinkt. Die Worte, die bis dahin zur Musik erklungen sind und von denen ein Text sogar noch aus dem Notizbuch des verstorbenen Bassisten Caleb Scofield stammt, kann sich zudem jeder, der Wert auf deutungsoffene, aber charakterstarke Lyrik legt, einrahmen. Neben dem ganz alten Geniestreich „Jupiter“ nach 27 Jahren zweifellos ein künstlerischer Karrierehöhepunkt.

Teaser

REVIEW 9 25.05.2022

(Dynamit, RH 420, 2022)

MSG - Universal

Im Grunde genommen war die MICHAEL SCHENKER GROUP von Beginn an als All-Star-Band angelegt. Das hat sich bis zum heutigen Tag nicht geändert, und so geben Musiker wie die Schlagzeuger Simon Phillips und Bobby Rondinelli, Bob Daisley am Bass oder Tony Carey an den Keyboards auf „Universal“ eine Kostprobe ihres Könnens. Ganz zu schweigen von Rainbows Ronnie Romero als Hauptsänger (auch mal im Duett mit Gary Barden, wie bei der Gänsehautballade ´The Universe´). Noch wichtiger für das Gelingen der 13 neuen Songs war aber wohl die abermalige Zusammenarbeit von Gitarrengott Schenker mit dem Produzenten und Texter Michael Voss. Schenker/Voss bilden mittlerweile ein prächtig eingespieltes Team. Schenker sprüht immer noch vor genialen Ideen (höre ´Sad Is The Song´ mit seiner orientalischen Melodieführung und einem Weltklasse-Solo), während Voss´ Rolle als konzeptioneller Leiter und Mentor nicht unterschätzt werden sollte (bestes Beispiel: ´London Calling´). Ein Stück wie ´Au Revoir´ braucht einen Vergleich mit ´Rock My Nights Away´ von „Built To Destroy“ keineswegs zu scheuen, während ´Calling Baal´/´A King Has Gone´ in Blackmore´sche Höhen emporsteigt (auch wenn der Gesang von Michael Kiske eine Spur zu kitschig wirkt). Dass zudem eine bärenstarke Komposition wie ´Fighter´ als letzte Nummer nominell den Status eines Bonustracks innehat, spricht für die Qualität des Albums. Ausfälle? Fehlanzeige!

Melde dich für unseren Newsletter an und verpasse nie mehr die wichtigsten Infos