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REVIEW 8.5 25.09.2019

(Album des Monats, RH 389, 2019)

OPETH - In Cauda Venenum

Wo es doch schon im aktuellen Plattenfimen-Info steht: Mikael Åkerfeldt hat eine neue Beziehung, trägt selbstbewusst das T-Shirt der Band seiner neuen Flamme und hat beim Songwriting offensichtlich eine Euphorie erlebt, die das Album über eine Stunde lang ansteckt. So was gibt´s. Auf „Sorceress“ hatte er ja (schön versteckt) bereits seine Scheidung verarbeitet. Ist „In Cauda Venenum“ deshalb das bessere Album? So läuft das nicht. Die Platte ist anders. Es dauert eine halbe Ewigkeit, bis der Zehn-Tracker aus dem Quark kommt und man das überhaupt alles halbwegs verstanden hat. „In Cauda Venenum“ ist eine Mischung aus durchaus bissiger Sozialkritik, überkandideltem Musikantentum und Rätseln, die Hörer und Musikjournalisten in naher Zukunft noch entschlüsseln werden (einige davon findet ihr bereits in unserer Titelstory). Aber genau das macht das Album ja besonders. Es ist eben kein Wegwerfprodukt wie so vieles, es fordert eine künstlerische Auseinandersetzung ein. Der erste Song ´Dignity´ ist schon ein Wellental der Emotionen, sehr abwechslungsreich, aber nicht so geradeheraus wie ´Heart In Hand´, der härteste und zugänglichste Song des Albums. Die lebendige Produktion und das dynamische Schlagzeugspiel von Martin Axenrot kommen hier zum ersten Mal richtig zur Geltung. Die „kranken“ Streicher in ´Next Of Kin´ wirken wie der verstörende Soundtrack eines Claude-Chabrol-Films, dem süßlich-folkige Melodien gegenübergestellt werden. Meines Erachtens ein Experiment mittlerer Qualität. Auch die düstere Bassorgie ´Charlatan´, mit einer nervigen Keyboard-Melodie garniert, ist nicht ganz nach meinem Geschmack. Solche Songs kann Steven Wilson besser. Das dazwischen platzierte ´Lovelorn Crime´ ist hingegen eine balladeske Wohltat auf höchstem Åkerfeldt-Niveau. Und das gilt auch für den halbstündigen Rest des Albums. ´Universal Truth´, ´The Garroter´, ´Continuum´ und ´All Things Will Pass´ sind die vielleicht homogenste Abschlussrutsche der an Höhepunkten nicht gerade armen Bandgeschichte. Unter dem Kopfhörer ein Genuss. Es macht sich bezahlt, dass mit Stefan Boman ein Mixer hinter dem Pult saß, der das Album leidenschaftlich mit Effekten, Fades und höchst verschiedenen Klängen versehen hat. Das allein sollte aufgrund des hohen musikalischen Levels ein Grund für Fans sein, hier erneut zuzuschlagen. DISKOGRAFIE (Studioalben) Orchid (1995) Morningrise (1996) My Arms, Your Hearse (1998) Still Life (1999) Blackwater Park (2001) Deliverance (2002) Damnation (2003) Ghost Reveries (2005) Watershed (2008) Heritage (2011) Pale Communion (2014) Sorceress (2016) In Cauda Venenum (2019) LINE-UP Mikael Åkerfeldt (v./g.) Fredrik Åkesson (g.) Martin Mendez (b.) Joakim Svalberg (keys) Martin Axenrot (dr.) DIE PATEN Wer mit den folgenden Bands etwas anfangen kann, dürfte auch an „In Cauda Venenum“ Gefallen finden: Storm Corrosion * Katatonia * King Crimson * Steven Wilson * Porcupine Tree * Jethro Tull * Pink Floyd * Anathema * Mahavishnu Orchestra * Weather Report * Genesis * The Soft Machine * Gong * Caravan * Yes * November * Kaipa * Culpeper´s Orchard * Bo Hansson * Kebnekaise

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REVIEW 8.5 25.09.2019

(Dynamit, RH 389, 2019)

ROBERT PEHRSSON´S HUMBUCKER - Out Of The Dark

Mein lieber Herr Gesangsverein! Nach gut 30 Minuten Musik auf dem Debüt und noch nicht mal 30 Minuten auf dessen Nachfolger nun fast 33 (!) auf Album Nummer drei: Robert Pehrsson, ehemaliger Gitarrist von u.a. Death Breath, Imperial State Electric und Slingblade, will´s anscheinend wissen. Im Ernst: Die würzige Kürze verhindert im Falle „Out Of The Dark“ natürlich keinen Jubel, denn sie liegt in der Natur der Siebziger-Sache, auch die Vorbilder des 43-Jährigen kamen lieber gewaltig als ausufernd, hier wie dort brauch(t)en echte Hits manchmal noch nicht mal 180 Sekunden, um den Anker zu werfen. Der High-Energy-Rock des selbstbetitelten 2013er Erstlings musste schon auf „Long Way To The Light“ von 2016 ziemlich reinem Classic Rock mit den Eckpfeilern Kiss, Thin Lizzy und Survivor weichen, und auch diesmal macht bereits das Electric-Light-Orchestra-Cover ´Surrender´ klar, wo der Hase hoppelt, am schönsten gelingt der hundsalte Radio-Rock ganz am Anfang mit ´Careless Lover´ und dem partiellen Foreigner-Soundalike ´All I Need Is Not To Need You´ (geiler Diane-Warren-Gedächtnis-Titel!). Ganz neu hingegen ist der leichte Power-Pop-Einschlag hinten raus. Vielleicht muss man ´Everybody´s Here´ und vor allem ´Pick Me Up´ nicht unbedingt einen latenten Frühneunziger-Indie-Einschlag attestieren, das wäre ja ein Bärendienst, andererseits: Beim Hören denke ich tatsächlich mehr an Revolver und unschrammeligere Lemonheads und weniger an die Hellacopters oder meinetwegen Journey und Boston. Aber Captain Hook meint, das wäre okay, und was Captain Hook sagt, stimmt!

REVIEW 8.5 25.09.2019

(Dynamit, RH 389, 2019)

KADAVAR - For The Dead Travel Fast

Es kommt nicht oft vor, dass ich nach der Erst-Anhörung eines Albums im Studio einer Band etwas sprachlos bin, aber diesmal war es tatsächlich so weit. „For The Dead Travel Fast“ benötigt ein paar Durchläufe, nicht etwa, weil sich die drei Großstadt-Gringos plötzlich dem Progrock zugewandt haben, sondern weil die Strukturen der Songs im Detail überraschend abwechslungsreich gestaltet sind. Eben nicht das klassische Strophe/Refrain/Solo-Muster, das sich auch für KADAVAR nach vier Alben und zahlreichen Songs so langsam überlebt hat. Bereits das episch anmutende Anfangs-Doppelpack ´The End/The Devil´s Master´ (sicher ein kommender Kult-Song des Trios...) spielt mit Dynamik, Tempi und cleveren Breakdowns, ohne die bandeigene Brachialität vermissen zu lassen. Denn die Produktion ist gewohnt unperfekt, roh und satt. Die ideale Spielwiese, um ohne kommerziellen Druck abzurocken, was die Band mit ´Evil Forces´ auch tut, ehe ´Children Of The Night´ wieder eine knisternde Spannung aufbaut, die sich als trockener Seventies-Hardrock im Alice-Cooper-Stil entlädt. Da kommt das süßlich-folkige ´Dancing With The Dead´ gerade recht, denn mit dem psychedelisch schweren ´Poison´ gibt es wieder auf die Zwölf. ´Demons In My Mind´ versprüht ein geschmackvolles Hawkwind-meets-Post-Punk-Flair. Das zärtliche ´Saturnales´ leitet den ´Long Forgotten Song´ ein. Der gut gemeinte Doom-Longtrack wirkt ein bisschen wie ein Fremdkörper auf dem Album und kann nach wie vor nicht packen. Der Rest - vom Artwork bis zum leicht „spukigen“ Seventies-Flair - ist allerdings erneut ein starkes Stück Deutschland, wie es so schön heißt.

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REVIEW 10 25.09.2019

(Dynamit, RH 389, 2019)

ATLANTEAN KODEX - The Course Of Empire

Ein Album wie „The Course Of Empire“ zu besprechen, ist eine gleichermaßen dankbare wie undankbare Aufgabe. Dankbar deswegen, weil man eine willkommene „Ausrede“ hat, die heiligen Redaktionshallen über Wochen mit fantastischer Musik zu beschallen, undankbar hingegen, weil es schlicht nicht einfach ist, die passenden Worte zu finden, ohne sich in Superlativen zu ergehen. ATLANTEAN KODEX sind, daran gibt es nichts zu rütteln, die derzeit beste Epic-Metal-Band der Welt; ihre Songs begeistern nicht nur mit komplex ausgefeilter Kompositionskunst, mitreißenden Melodien und einer Liebe fürs Detail, die ihresgleichen sucht, sondern sie wirken auch - im positivsten Sinne - wunderbar anachronistisch. Das Soundgewand von „The Course Of Empire“ ist den Bayern ein Stück weit roher und heavier als das des Vorgängers „The White Goddess“ geraten, und ja, es gibt auf den ersten Hör auch weniger offenkundige Hits. Das bedeutet allerdings nicht, dass ATLANTEAN KODEX auf einmal nicht mehr nach ATLANTEAN KODEX klingen, ganz im Gegenteil: In ihren allerbesten Momenten (während 'Chariots' etwa, auch während des Titeltracks oder 'He Who Walks Behind The Years') tönt die Band nicht zuletzt dank der noch mal deutlich gesteigerten Leistung von Sänger Markus Becker und der songdienlich eingesetzten Chöre epischer als je zuvor, stellenweise wirkt „The Course Of Empire“ sogar eher wie ein Film-Soundtrack als ein Heavy-Metal-Album. Atemberaubend schön, unfassbar mitreißend, über alle Maßen bewegend. Ich bin mir sicher, dass dieses Album den „test of time“ genau wie seine Vorgänger mit Bravour bestehen wird - und ob man „The Course Of Empire“ unter dem Strich jetzt als etwas schwächer, gleichwertig oder sogar noch besser als „The White Goddess“ und „The Golden Bough“ empfindet, ist letzten Endes vermutlich wirklich eine Sache des persönlichen Geschmacks.

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