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REVIEW 8.5 23.11.2022

(Album des Monats, RH 426, 2022)

THRESHOLD - Dividing Lines

Ich geb´s zu: Meine Kritik am letzten THRESHOLD-Album „Legends Of The Shires“ war etwas überzogen. Natürlich konnte Rückkehrer Glynn Morgan Übersänger Damian Wilson nicht hundertprozentig ersetzen, aber mit einigem Abstand war die Scheibe doch eine großartige. Und „Dividing Lines“ fällt ähnlich stark aus. Schon nach wenigen Sekunden ist man mittendrin in der typischen THRESHOLD-Magie, dieser einzigartigen Mischung aus kraftvollem, zeitlos arrangiertem Prog-Rock/Metal und fast schon unverschämt poppigen Ohrwurmmelodien. Das Eröffnungstrio ´Haunted´, ´Hall Of Echoes´ und ´Let It Burn´ reiht sich problemlos ein in die lange Reihe klischeefreier Überhits, die sich keine zeitgenössische Genre-Band so locker aus dem Ärmel schüttelt wie die fünf Briten. Dieses extrem hohe Niveau kann die Gruppe nicht über die komplette Spielzeit halten, mit ´Complex´ gibt es aber noch einen weiteren makellosen Smasher, und die sehr eleganten elfminütigen Epen ´The Domino Effect´ und ´Defence Condition´ fahren alles auf, was THRESHOLD so großartig macht: tolle Klanglandschaften, stimmige Spannungsbögen, einfühlsame ruhige Passagen, knallharte Riffs, technische Kabinettstückchen und fabelhafte Hooks bis zum Abwinken. Im direkten Vergleich ist „Dividing Lines“ etwas düsterer und härter als „Legends Of The Shires“, melodisch aber fast genauso grandios. Und nein, es ist müßig und auch ein wenig respektlos, darüber zu spekulieren, wie die Scheibe mit Damian Wilson klingen würde. Sie ist auch so ein Sahnewerk.

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REVIEW 9.5 23.11.2022

(Dynamit, RH 426, 2022)

IMHA TARIKAT - Hearts Unchained - At War With A Passionless World

In Zeiten von seelenlosen Welten und Werken, in denen selbst düsterste und abstrakteste Kunst zu einem industriellen Apparat der Kulturindustrie instrumentalisiert und extremste Subkulturen wie Black Metal hin zur Massentauglichkeit und Austauschbarkeit produziert werden, erstrahlen die wenigen Ausnahmen in noch hellerem Licht und in noch höherer Relevanz. „Hearts Unchained...“ von IMHA TARIKAT ist so ein Werk. Sein Facettenreichtum und seine Vielfalt ließen sich problemlos über mehrere Seiten paraphrasieren, und doch hätte man es nicht in Gänze erfasst, weil es einem solch tiefen Ursprung entstammt, dass es einfach gehört (und gefühlt) werden muss. Im Grunde entspricht das (bereits dritte) Studioalbum des Songwriters Kerem Yilmaz (alias Ruhsuz Cellât) klassischem Second-Wave-Black-Metal, jedoch vollkommen frisch, originell, zuweilen einzigartig aufbereitet. Sprich: Hier wird nicht einfach Altbekanntes auf Nummer sicher reproduziert, vielmehr dient das Bekannte nur als Ausgangspunkt, aus dem heraus u.a. durch Hinzunahme unerwarteter, genreuntypischer Melodien, atmosphärischer Interludes (´Birth Of Grandeur´) und weiterer eigensinniger Ideen ein spannendes, qualitativ hochwertiges Stück Black Metal entsteht. Die von Wahnsinn und Schmerz geplagten Schreie im Bölzer´schen Stil und die sich überschlagenen, in Manie und Emotion verlierenden Schübe innerhalb einzelner Songs tun ihr Übriges, um zu fesseln. Black-Metal-Album des Jahres?

REVIEW 9.5 23.11.2022

(Dynamit, RH 426, 2022)

ELDER - Innate Passage

„Haste schon die neue ELDER gehört, ey?“ Den Standardspruch von Freak-Valley-Ansager Volker habe ich immer noch im Ohr, wenn es um ELDER geht. Damals dachte ich noch, das sei eine der obskuren, griechischen Instrumental-Bands, die der Experte jedes Jahr abfeiert. Erst die Kollaboration mit Kadavar (Eldovar) hat ELDER einem breiteren Publikum bekannter gemacht, und mit gesteigertem Interesse habe ich mich durch den sechs Alben umfassenden Backkatalog der Band gekämpft. Drei Amerikaner, ein Deutscher, zu drei Vierteln in Berlin lebend, das sind ELDER 2022. Sie sind mit einer seltenen Gabe gesegnet, spielen rauschhafte, opulente Zehn-Minuten-Songs, die auf „Innate Passage“ an berühmte Momente der Prog-Geschichte erinnern. Zum Beispiel, als Rush auf das Vier-Minuten-Format pfiffen und das nerdige „2112“-Album veröffentlichten, als Steven Wilson sich als Solokünstler völlig neu erfand oder Dream Theater mit „Images And Words“ zu einer mutigen Reise aufbrachen. Das klingt jetzt zugegebenermaßen sehr hoch gegriffen, aber schon der Vorgänger „Omens“ war ein kleines Meisterwerk, das ich auf Anhieb erst mal nicht verstand, aber auf Dauer umso mehr liebte. Instrumental waren ELDER schon längst eine Wucht, aber die wenigen Vocals von Mastermind Nick DiSalvo wirkten immer ein bisschen schüchtern oder leise in den Hintergrund gemischt. Das hat sich nun - auch unter Hinzunahme eines Gastsängers - geändert. ELDER spielen sich zwar immer noch durch eine Unzahl von aufregenden Passagen, aber die Gesangstupfer sind diesmal emotionale Highlights mit einer eigenen Identität. Bei allen Harmoniegewittern ist zudem noch Platz für aufblitzende Keyboard-Ekstasen, Delay-Gitarren und Psychedelia. So erinnert das 14-minütige ´Merged In Dreams - Ne Plus Ultra´ an die tollen „The Gold & Silver Sessions“, den freigeistigen Krautrock-Wendepunkt im ELDER-Katalog. Ellenlange Beschreibungen der Songs spare ich mir aber lieber. ELDER zocken wie vom anderen Stern und haben einen eigenständigen Stil, der zwar auch mal ein paar mächtige Ostküsten-Alternative-Riffs (Quicksand! Helmet!) einbaut, zumeist aber in eine feine Twin-Guitar-Schlacht zwischen DiSalvo und seinem Sparringspartner Mike Risberg ausartet. Natürlich irre elegant von einer hochkompetenten Rhythmussektion begleitet. So eröffnet ´Catastasis´ das Album gleich mit einer Beat/Riff-Kombination, die Opeth nicht besser hinbekommen hätten. Fünf Songs in 54 Minuten. Schon gehört, ey?

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