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REVIEW 8,5 18.11.2020

(Album des Monats, RH 402, 2020)

SODOM - Genesis XIX

Seit ihrer massiven Umbesetzung polarisieren SODOM plötzlich bei diversen Zeitgenossen, die die Band zuvor eigentlich gemocht haben. Zu Old School, zu viel dies, zu wenig jenes. Die Lösung für diesen Unfug findet man in einigen alten Rock-Hard-Reviews, wo besonders Weiterentwicklungen der Band gelobt wurden. Doch wer zum Deibel braucht von SODOM seit Ende der Achtziger irgendwelche Neuerungen? Lassen wir SODOM die AC/DC oder Motörhead des Thrash Metal sein. Man weiß, was man bekommt, vieles erinnert an Klassiker aus dem eigenen Katalog, und ein paar kleine Nachjustierungen reichen völlig. Daher sollte man bei „Genesis XIX“ auch nicht die gelegentlichen minimalen stilistischen Ausreißer hervorheben (manches erinnert an Slayer, was dann eh automatisch geil ist, und es gibt etwas mehr Blastbeats), sondern gucken, wie es der Kernkompetenz der Ruhrpott-Institution 2020 geht. Und da gibt´s nach wie vor ruppigen Proletarier-Thrash mit Riffs zum Niederknien (´Sodom And Gomorrah´, ´Genesis XIX´, das NICHT von Tom Angelrippers Hunden handelnde ´Waldo & Pigpen´), ein paar punkige Schlenker (´Indoctrination´ bedient sich sehr geschmackvoll beim ´Sonic Reducer´-Riff) und ein deutsches Stück, bei dem Tom mal wieder (auch das ist nix Neues) zeigt, dass er in der Muttersprache viele seiner besten Momente hat. Die überwiegend von der Band selbst verzapfte grandiose Produktion balanciert auf dem perfekten Grat aus Live-Rotz und transparenter Detailfreude (wunderbar „warm“ holzende Drums, zwei perfekt abgestimmte Gitarristen, und Angelrippers Bass rattert wie ein MG aus dem Vietnamkrieg). Das Spektakuläre an „Genesis XIX“ ist somit nicht irgendwelches Über-den-Tellerrand-Gegucke, sondern der schier unerschöpfliche Fundus an SODOM-typischen brillanten Ideen und die frische und unüberhörbar herzblutige Umsetzung.

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REVIEW 8.5 18.11.2020

(Dynamit, RH 402, 2020)

HATEBREED - Weight Of The False Self

Ursprünglich hätte das achte HATEBREED-Album bereits im Frühjahr erscheinen sollen, wurde dann aber wegen Corona und fehlender Live-Perspektive bis jetzt geschoben. Somit hatte ich reichlich Zeit, mir die Songs anzuhören. Ungeachtet ihrer betont straighten Ausrichtung und kurzen Spieldauer (jeweils um die drei Minuten) haben sie eine beachtliche Halbwertszeit, denn bei mir läuft „Weight Of The False Self“ seit einem halben Jahr regelmäßig im Auto - vorzugsweise, um mit offenem Fenster fistraisend und headbangend an der Ampel rumzuprollen. Das geht damit nämlich ganz vorzüglich! Jamey Jasta & Co. bewegen sich wie Prong und Biohazard zu ihren besten Zeiten mit traumwandlerischer Sicherheit in der Schnittmenge von Hardcore und Metal, ohne das Pendel dabei zu sehr in die eine oder andere Richtung ausschlagen zu lassen. Technische Fähigkeiten und rohe Attitüde haben genau die richtige Balance. Ultra-fette Grooves, im besten Sinne stumpfe Riffs, bemerkenswerte Soli und wuchtiges Midtempo, das immer wieder von kurzen Uptempo-Passagen und fiesen Downbreaks aufgelockert wird, sind einfach eine unwiderstehliche Mischung. Besonders der aufeinanderfolgende Dreierpack ´Let Them All Rot´, ´Set It Right (Start With Yourself)´ und dem thrashigen Titelstück killt komplett, zumal Stammproduzent Zeuss mal wieder für einen brachialen In-your-face-Sound gesorgt hat. Abgerundet wird die Scheibe von metaphorischen Selbstfindungstexten, die auf die im Hardcore leider weit verbreiteten Plattitüden verzichten. Goil!

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REVIEW 8.5 18.11.2020

(Dynamit, RH 402, 2020)

COMMUNIC - Hiding From The World

Dass COMMUNIC seit ihrem „Conspiracy In Mind“-Debüt aus dem Jahr 2005 meist in einem Atemzug mit Sanctuary und Nevermore genannt werden, hat die „norwegische Eiche“ Oddleif Stensland (g./v.) noch nie gejuckt. Schließlich hat der Songwriter des Trios aus Mandal aus seinem Faible für die beiden Hartwurst-Institutionen aus Seattle nie einen Hehl gemacht. Außerdem war die Mucke der Skandinavier schon immer viel mehr als nur ein müder Abklatsch von Göttergaben der Marke „Into The Mirror Black“ oder „Dead Heart In A Dead World“. Das untermauern COMMUNIC auch auf ihrem aktuellen sechsten Streich mit Nachdruck. Zwar stehen im Zentrum von „Hiding From The World“ erneut zahllose opulente, düstere Melodien, wie sie von Sanctuary/Nevermore-Goldkehlchen Warrel Dane (R.I.P.) und Gitarrist Jeff Loomis jahrzehntelang in Vollendung zelebriert wurden, am Ende des Tages sind aber auch gewisse Wahlverwandtschaften zu wichtigen Genrevertretern wie Candlemass, Fates Warning, Psychotic Waltz, Mercenary oder Dio nicht von der Hand zu weisen. Anders gesagt: Auf „Hiding From The World“ feiert das Beste aus den vier Welten Power-, Prog-, Doom- und Classic Metal Hochzeit, selbst wenn Stensland kein zweiter Messiah Marcolin oder Warrel Dane ist. Dafür harmonieren Stimme und die exzellenten Gesangslinien wunderbar mit den sieben überlangen, vor Melancholie strotzenden Hymnen, aus denen der epische Titeltrack, das abwechslungsreiche ´My Temple Of Pride´ und die beiden zehnminütigen Kaventsmänner ´Born Without A Heart´ und ´Forgotten´ herausragen.

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