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REVIEW 8,5 20.02.2019

(Album des Monats, RH 382, 2019)

OVERKILL - The Wings Of War

OVERKILL beweisen mit „The Wings Of War“ erneut, dass sie sich den Titel „die Motörhead des Thrash“ redlich verdient haben. Es gibt nur wenige Bands, die ihren ureigenen Sound über 19 (!) Studioalben durch geschickt dosierte Variationen am Leben halten können. Während man auf dem Vorgänger „The Grinding Wheel“ etwas vom Gaspedal ging und Platz für verschachtelte Arrangements und überlange Songs ließ, gestalten sich die Kompositionen auf „The Wings Of War“ wieder wesentlich straighter und kürzer (die Sechs-Minuten-Marke wird diesmal nur einmal überschritten, auf dem Vorgänger gleich fünfmal). Einen Anteil daran hat sicherlich Schlagzeug-Neuzugang Jason Bittner, der die Band mit seinem variablen und vor Energie strotzenden Spiel frische Impulse verleiht. Die erste Single 'Last Man Standing' führt dabei aber etwas auf die falsche Fährte: „The Wings Of War“ versteht sich mitnichten als reine Speed-Metal-Orgie, das Tempo wird im weiteren Verlauf stark variiert, und die rockigen, punkigen und groovigen Einflüsse finden erneut Anklang. 'Head On A Pin' wird von Blitz passend als „Black Sabbath auf Meth“ beschrieben, während 'Distortion' anfangs gar ungewohnte Maiden-Akzente setzt. Daneben findet sich mit 'Welcome To The Garden State' eine punkige Nummer, die das Potenzial hat, sich als Dauerbrenner bei Konzerten zu erweisen. OVERKILL gelingt es also erneut, einige starke Stürmer aufzustellen, im Mittelfeld finden sich aber auch wieder ein paar Tracks wie 'Bat Shit Crazy' und 'Where Few Dare To Walk', die nicht auf ganzer Linie überzeugen wollen. In der Summe ist „The Wings Of War“ aber natürlich wieder ein tolles OVERKILL-Album geworden. DISKOGRAFIE (Studioalben) Feel The Fire (1985) Taking Over (1987) Under The Influence (1988)' The Years Of Decay (1989) Horrorscope (1991) I Hear Black (1993) W.F.O. (1994) The Killing Kind (1996) From The Underground And Below (1997) Necroshine (1999) Bloodletting (2000) Killbox 13 (2003) RELIXIV (2005) Immortalis (2007) Ironbound (2010) The Electric Age (2012) White Devil Armory (2014) The Grinding Wheel (2017) The Wings Of War (2019) LINE-UP Bobby „Blitz“ Ellsworth (v.) Dave Linsk (g.) Derek Tailer (g.) D.D. Verni (b.) Jason Bittner (dr.) DIE PATEN Wer mit den folgenden Bands etwas anfangen kann, dürfte auch an „The Wings Of War“ Gefallen finden: Testament * Exodus * Anthrax * Kreator * Death Angel * Sacred Reich * Forbidden * Megadeth * Metallica * Annihilator * Whiplash * Hirax * Motörhead * The Bronx Casket Co. * Verni

REVIEW 9.0 20.02.2019

(Dynamit, RH 382, 2019)

FUNEREAL PRESENCE - Achatius

Läutet die Alarmglocken! FUNEREAL PRESENCE sind das Licht am Ende des Tunnels der grauen Masse aller pseudobösen Wiederkäuer der modernen Black-Metal-Szene. Bestial Devotion von Negative Plane beweist in seinem Soloprojekt, dass es möglich ist, abwechslungsreichen Black Metal zu komponieren, ohne dabei das Genre zu verlassen - und dabei fängt er gleichzeitig die böse und kalte Klangart des ursprünglichen Kerns dieser Subkultur perfekt ein, ohne auch nur annähernd wie ein Abklatsch der norwegischen Neunziger-Szene zu klingen. Ein raues Soundbett aus meist schnellen und wilden Riffs bildet wie ein großes, offenes (Klang-)Meer die Basis, von der aus dieser eine Typ - dem die Bezeichnung „Künstler“ wirklich gebührt - Großartiges erschafft: Er arbeitet mit geschickt eingesetzten Akzentuierungen durch Cowbells, dämmrig-düsteren Keys und Glockenklängen, mit einem herrlich organischen und trotzdem druckvollen Sound sowie mit Lead-Melodien, die einen psychotischen, irren, weichen oder mystischen Charakter haben können, über das genannte Soundbett gelegt werden und manchmal im Gesamtbild fast schon einen Eindruck klassischer Kompositionen erwecken. Harsche Vocals und qualvolle Schreie, Tempowechsel, ruhige Zwischenspiele und bombastische Überschlagungen komplettieren dieses hässliche, kalte, grauenvolle und leidenschaftliche Werk, das definitiv einer brennenden künstlerischen Vision entstammt, das Maximale und Elementare aus dem Sound einer (einstigen) Gegenkultur einfängt und eines der besten puristischen Black-Metal-Alben des 21. Jahrhunderts darstellt. Chapeau!

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REVIEW 8.5 20.02.2019

(Dynamit, RH 382, 2019)

OUR SURVIVAL DEPENDS ON US - Melting The Ice In The Hearts Of Men

Man darf sich dem Kosmos der Österreicher OUR SURVIVAL DEPENDS ON US natürlich nähern, wie man will, aber wenn man generell Eingängigkeit als passables Einfallstor ansieht, sollte man die ersten Gehversuche zweifellos mit ´Song Of The Lower Classes´, Track Nummer drei von vier überlangen auf „Melting The Ice In The Hearts Of Men“, wagen. Dieses Lied, ein politisch-soziales Statement, wie es im extremen Metal ungewöhnlich ist, textlich basierend auf einem Text Ernest Charles Jones´ aus dem 19. Jahrhundert, stellt einen Paukenschlag dar, in seinem Proklamieren und Anklagen nicht weit weg von einer Band wie Primordial (deren Frontmann Alan Averill zum Opener ´Galahad´ tatsächlich Vocals beisteuert), wenn diese ihre ganz großen Momente haben. Das andere Material des Albums kommt hingegen eher durch die Hintertür, zitiert Black Metal, Doom und Sludge, aber nicht weniger tendenziell „ruhige“ Genres wie Prog, Psychedelic, Postrock und Ambient, man macht da aus seinen Herzen auch keine Mördergruben, im Presseinfo fallen Namen wie Sigur Rós, Portishead und Steven Wilson (!). Überhaupt lässt gerade eine auffällige Unaufgeregtheit, eine sehr erwachsene Aura jenseits allen juvenilen Dicke-Hose-Gehabes, das in der Regel ja nur die Parameter „böse“ und „cool“ kennt, OUR SURVIVAL DEPENDS ON US zu einer wohltuenden Alternative im Klischee-Dschungel aufsteigen, gleichzeitig zu einer Band, die anscheinend herausgefunden hat, dass Hass und Fatalismus ja auch nichts nützen, denn meistens handelt es sich dabei eh nur um bemitleidenswerten Narzissmus. Weit gekommen sind wir 2019 zwar noch nicht, aber bis jetzt ist das hier eindeutig die beste Platte des Jahres - im Übrigen großartig organisch produziert von der Band selbst im Verbund mit den Könnern Victor Santura (Triptykon) und Michael Zech (The Ruins Of Beverast).

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REVIEW 8.0 20.02.2019

(Dynamit, RH 382, 2019)

QUEENSRYCHE - The Verdict

Nicht falsch verstehen: Dass QUEENSRYCHE seit dem Hinzustoßen von Sänger Todd La Torre (ex-Crimson-Glory) wieder in ihrer hauseigenen stilistischen Spur laufen, ist deutlich angenehmer als das Geeiere auf den Tate-Alben von „Hear In The Now Frontier“ (auf „Promised Land“ waren ja immerhin noch ein paar gute Songs...) bis „Dedicated To Chaos“. Nichtsdestotrotz sind die Vergleiche im Plattenfirmen-Info mit hochkonzentrierten, dringlichen (Progressive-)Metal-Monumenten wie „The Warning“, „Rage For Order“ oder „Empire“ natürlich deutlich übertrieben: QUEENSRYCHE 2019 (in der Besetzung La Torre/Wilton/Lundgren/Jackson; Drummer Scott Rockenfield ist auf „The Verdict“ nicht zu hören, die Schlagzeug-Spuren stammen von - Achtung! - La Torre) muten halt ein bisschen an wie diese ganzen (Früh-)Neunziger-US-Underground-Demo-Bands, denen man stets einen „Klingen wie Queensryche!“-Orden umgehängt hat - oder auch wie ´ne supertalentierte Covertruppe. Schlimm ist das indes nicht, denn diesen Stil, melodischen Heavy- und Power Metal mit progressiven Untertönen, zocken heute nur noch wenige Bands, und die Dekonstruktion gelingt ja: QUEENSRYCHE arbeiten mit Melodien und Harmonien, die aus ihrem frühen Fundus stammen könnten (´Inside Out´!), zitieren sich auch inhaltlich gerne selbst, machen sich dabei aber niemals lächerlich. Man merkt eben, dass sie großen Respekt vor dem eigenen Erbe haben und dieses mit Würde verwalten wollen. Kann sein, dass das letzten Endes ein wenig den Mut ausbremst, noch mal was Neues jenseits soundtechnischer Modernisierungen (Produktion: Chris „Zeuss“ Harris) auszuprobieren, andererseits würde sich die Katze ja eh nur in den eigenen Schwanz beißen, und der Rezensent wäre vielleicht der Erste, der „Schuster, bleib doch bei deinen Leisten!“ mosert. Nein, QUEENSRYCHE sind in guter Form, „The Verdict“ ist ein starkes Album, das man sich nach dem Erwerb gerne (und durchaus oft) anhört. Aber klar ist auch: Wenn man in ein paar Monaten Bock auf die Band hat und zum (digitalen) Plattenschrank geht, holt man mit Sicherheit doch wieder „The Warning“ oder „Operation: Mindcrime“ hervor...

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REVIEW 8.0 20.02.2019

(Dynamit, RH 382, 2019)

DREAM THEATER - Distance Over Time

Nach dem eher mäßig aufgenommenen, arg kitschigen Konzeptwerk „The Astonishing“ haben sich die DREAM THEATER-Mitglieder endlich mal wieder alle gemeinsam an einem Ort getroffen, um das 14. Studioalbum zu komponieren. Den Unterschied hört man sofort, „Distance Over Time“ klingt griffiger und organischer als die letzten beiden DT-Scheiben. Mit dem ohne überflüssiges Gehampel mitten in die Zwölf treffenden Opener ´Untethered Angels´ und der dezentes ´Another Day´-Flair verströmenden Halbballade ´Out Of Reach´ liefern die Amis gute Standardkost, drei der übrigen Nummern sind sogar noch besser: ´Fall Into The Light´ plättet mit wunderbarstem Metallica/Priest-Riffing und „Scenes...“-Vibes, beim gänsehäutigen Mini-Epos ´Barstool Warrior´ sind die Gesangslinien genauso toll wie die Gitarrenmelodien, und in ´S2N´ ergänzt sich das moderne, harte Metal-Riffing perfekt mit dem harmoniesüchtigen Refrain. Den restlichen vier regulären Stücken und auch der cheesigen Bonusnummer ´Velvet King´ merkt man hingegen an, dass das komplette Album in nur 18 Tagen und damit vielleicht ein bisschen überhastet geschrieben wurde. Manchmal sind die Melodien zu blass (´Room 137´, ´Paralyzed´), in einigen Passagen beißen sich harsche Zähnefletschgitarren mit eher süßlichen Vocals (´Pale Blue Dot´), und streckenweise wirken die Arrangements auch nach zahlreichen Durchläufen noch zu zerrissen (´At Wit´s End´). Alles nicht wirklich schlimm und immer noch besser als der Großteil von „The Astonishing“, aber ein Bandklassiker ist „Distance Over Time“ leider nicht geworden.

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