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REVIEW 8.0 29.03.2021

(Dynamit, RH 406, 2021)

THE OFFSPRING - Let The Bad Times Roll

Keine Ahnung, was THE OFFSPRING in den knapp neun Jahren seit der Veröffentlichung ihres letzten Longplayers „Days Go By“ getrieben haben. Finanzielle Probleme dürfte die Combo aus Huntington Beach bei L.A. während der langen Siesta kaum gehabt haben. Schließlich verkaufte sich das dritte Album des Kleeblatts „Smash“ (1994) dank Megahits wie ´Self Esteem´ und ´Come Out And Play´ weltweit mehr als elf Millionen Mal, und auch die Vorgänger und Nachfolger erreichten Gold- bzw. Platinstatus. Aber keine Angst, liebe Punkrock-Gemeinde bzw. Fans von Genre-Legenden wie Green Day, Rise Against oder Bad Religion: Wo THE OFFSPRING draufsteht, ist immer noch THE OFFSPRING drin, der von Star-Producer Bob Rock inszenierte zehnte Studiodreher der „Orange County Four“ steht erneut im Zeichen von hymnisch-beschwingten Punkrock-Hits mit Hardcore-, Stadion-Rock- und Pop-Anleihen inklusive zahlreicher „whoas“, „heys“ und „yeahs“. Dexter Holland (v./g.) bezeichnet „Let The Bad Times Roll“ als sein kathartischstes Album, was der Bandleader und Songtexter mit Nummern wie ´Army Of One´, ´Breaking The Bones´, ´The Opioid Diaries´ oder ´In The Hall Of The Mountain King´ (kein Savatage-Cover!) unterstreicht. Lauschgift: der treibende Dosenöffner ´This Is Not Utopia´, der Gute-Laune-Titeltrack, das höllisch flotte ´Hassan Chop´ und die schöne, von Klavier und Streichern flankierte Ballade ´Gone Away Requiem´.

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REVIEW 9.0 29.03.2021

(Dynamit, RH 406, 2021)

THE VINTAGE CARAVAN - Monuments

Schon das letzte Album „Gateways“ dokumentierte, dass aus der Ex-Retro-Bubi-Truppe längst ein ernstzunehmender Act mit Ambitionen herauswächst. Was 2018 bereits über weite Album-Strecken bestens funktionierte, gibt es nun als einstündiges Rundum-sorglos-Paket. „Monuments“ ist das, was man als Kritiker gerne allen Bands ins Klassenbuch schreiben würde, aber leider nur selten darf: eine Steigerung auf allen Ebenen! Starke Songs ohne Durststrecken, knackig gespielt und arrangiert, mit (immer noch) spürbarem jugendlichen Enthusiasmus dynamisch auf die Festplatte genagelt. Hatte man auf den ersten Alben eher den Eindruck, dass die Vorbilder Led Zeppelin und Jimi Hendrix etwas überpräsent sind, entpuppte sich Sänger/Gitarrist Oskar Logi Agustsson kürzlich als geschmackssicherer Fan des irischen Bluesbarden Rory Gallagher, dessen dynamisches Gitarrenspiel in der Metal-Welt leider wenig bekannt ist, auf „Monuments“ allerdings nun in einer jungen, explosiveren Variante durchschimmert. Yeah! Die Tour mit Opeth dürfte das isländische Trio zudem bestärkt haben, erneut ein paar atmosphärische, folkig-sanfte Farbtupfer zuzulassen, die zwischen den meist ruppig-groovigen Rockern feine Chill-out-Inseln mit Blick auf den Himmel freilegen. ´Clarity´ zum Beispiel, aber auch der feine Lovesong ´This One´s For You´. Dazu kommen dynamische Soundspielchen, kurze Prog-Eruptionen (brillant: ´Crystallized´ und der Longtrack ´Forgotten´) sowie eine Handvoll bestechender Gesangsmelodien, die nach der Erfahrung von vier Longplayern angenehm locker aus dem Ärmel geschüttelt werden. Wäre dies ein Debüt, müssten sich Hochgelobte wie Greta Van Fleet oder die Blues Pills artig hintanstellen, aber die Welt ist nun mal nicht gerecht. Es wird deshalb wohl noch eine Weile dauern, bis man Islands hart arbeitende Retro-Fanatiker für voll nehmen wird, aber das ist für Liebhaber natürlich erst recht ein Grund, sich „Monuments“ sofort zuzulegen. Man will ja mitreden können. Wahrscheinlich die Genre-Platte des Jahres!

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REVIEW 8,5 29.03.2021

(Dynamit, RH 406, 2021)

MOTORJESUS - Hellbreaker

Gemessen daran, dass es bei MOTORJESUS von Album zu Album eher behutsame Feinjustierungen als große Entwicklungssprünge gibt, ist „Hellbreaker“ durchaus bemerkenswert. Dieser siebte Longplayer „played“ nämlich gar nicht mal so „long“, sondern kommt mit der guten alten Vinyl-Regel von je fünf Stücken pro Seite ausgesprochen knackig auf den Punkt, was auch für die Songs an sich gilt. Als einzige „Extravaganz“ leisten sich die Jungs vom Niederrhein ein spannungssteigerndes Intro sowie auf der CD-Version zum Ausklang noch das kurze Instrumental 'The Outrun'. Überdies verzichten sie ausnahmsweise auf ihre Quotenballade, was den Eindruck, dass sie mit dem Fuß voll auf dem Gas stehen, noch verstärkt. Der High-Octane-Rock hat mächtig dicke Eier, und obwohl er ziemlich straight geradeaus brettert, sorgen sonnenbebrillte Seitenblicke für Abwechslung: 'Black Hole Overload' feiert die Stoner-Roots, 'Battlezone' bollert wie Motörhead, das Titelstück flirtet mit melodischem Punk, und die Gangshouts in 'Drive Through Fire' sorgen für eine Hardcore-Kante. Die Riffs des neuen Gitarristen Patrick Wassenberg zünden, die Rhythmussektion groovt wie Hulle, und Chris Birx' Weltklasse-Vocals krönen getreu dem Motto eines Reifenherstellers („Power is nothing without control“) diesen furiosen Ritt. Zudem hat der Mastermind mal wieder jede Menge martialisch-prägnanter Songtitel sowie zündende Refrains ('Dead Rising') am Start. Verdammt cooler Scheiß!

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REVIEW 8 29.03.2021

(Dynamit, RH 406, 2021)

SMITH/KOTZEN - Smith/Kotzen

Auf die Paarung von Jungfrau Adrian Smith und Richie Kotzen, die sich hier über die Distanz von neun Stücken die Gitarren- und Bassarbeit sowie die Leadvocals teilen, muss man auch erst mal kommen. Der amerikanische Saitenvirtuose Kotzen wurde einst vom Gitarristen-Guru Mike Varney (Shrapnel Records) entdeckt (und stellte seine Künste auch schon mal in den Dienst von Poison und Mr. Big), während Adrian Smiths Werdegang keiner weiteren Erläuterung bedarf. Beide trafen sich in der Sonne auf den Turks- und Caicosinseln, um ihrer gemeinsamen Liebe zum Blues und Classic Rock englischer Prägung zu frönen. Dem Material liegt keinerlei kommerzielles Kalkül zugrunde (womöglich hat Smith während der Recordings auch die Gelegenheit genutzt, um neue Angelgebiete zu erschließen). Und das hört man Stücken wie dem packenden Bluesrocker 'Scars' oder 'Solar Fire' (mit einem sich in Understatement übendem Nicko McBrain als Gast am Schlagzeug) auch deutlich an. Einen wirklichen Überflieger gibt es unter den neun Kompositionen nicht, die Single 'Taking My Chances' zählt tatsächlich zu den am leichtesten zugänglichen Nummern der Platte. Smiths Gitarrenspiel ist erdiger, seine Vocals sind rauer als die von Kotzen, dessen amerikanische Prägung immer wieder durchscheint. Insgesamt ergibt dies eine schöne Symbiose, allerdings ist man vom Klassiker-Potenzial ein Stück weit entfernt. Auch wenn der Vergleich hinken mag: Anhänger des Maiden-Gitarristen sind mit SMITH/KOTZEN besser bedient als mit seinen vorherigen Projekten A.S.A.P. und erst recht Psycho Motel.

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