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REVIEW 9 30.06.2021

(Album des Monats, RH 409, 2021)

AT THE GATES - The Nightmare Of Being

Für ihr neuestes Album hat Sänger Tomas „Tompa“ Lindberg Bücher gewälzt, sich in den Grundgedanken des Pessimismus reingewühlt und schwingt sich somit dazu auf, der Schopenhauer oder Lessing des neuen Jahrtausends zu werden. Spaß beiseite, aber die Thematik Pessimismus schwingt auf „The Nightmare Of Being“ natürlich auch in der Musik mit, denn düsterer, progressiver und atmosphärischer hat man AT THE GATES noch nie erlebt. Der Titelsong zermürbt einen mit seiner depressiven Grundstimmung und hat dennoch was unglaublich Faszinierendes an sich. Bei 'Garden Of Cyrus' gleiten AT THE GATES in die Prog-Ära der siebziger Jahre ab; Lindberg selbst spricht hier vom „King-Crimson-Song“, völlig abgefahren! 'Cosmic Pessimism' ist mit trippigen Rhythmen arrangiert (Voivod lassen grüßen), wühlt dabei im Krautrock-Terrain und hat mit Death Metal rein gar nichts mehr zu tun. Das abschließende 'Eternal Winter Of Reason' ist eine mitreißende Prog-Doom-Suite, die pure Verzweiflung ausstrahlt. Die alte AT THE GATES-Hörerschaft wird ob dieses Brockens von Album erst mal schlucken (ja, auf „The Nightmare Of Being“ gibt's phasenweise mehr Flöten, Bläser und Streicher zu hören als Gitarren), doch mit der richtigen Einstellung kann man hier ganz viel entdecken, und letztendlich wird man mit „typischerem“ AT THE GATES-Material wie 'Spectre Of Extinction' oder 'The Abstract Enthroned' auch wieder versöhnt. „The Nightmare Of Being“ ist ein extrem mutiges, ja geradezu visionäres Album, das den Schweden völlig neue Türen öffnet und möglicherweise eine neue Ära der Bandhistorie einleitet. Phänomenal!

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REVIEW 9 30.06.2021

(Dynamit, RH 409, 2021)

SPACE CHASER - Give Us Life

Mit ihrem Drittling „Give Us Life“ hatten sich SPACE CHASER vorgenommen, ihr bis dato düsterstes und brutalstes Werk vorzulegen. Das ist ihnen gelungen. Insofern klafft zwischen „Dead Sun Rising“ (2016) und der neuen Scheibe nicht nur eine zeitliche Lücke von fünf Jahren, sondern es gibt auch stilistische Unterschiede zu konstatieren. Die Einflüsse aus dem Bereich des traditionellen Heavy Metal sind (leider) ein wenig in den Hintergrund getreten, stattdessen hat sich in Rhythmik und Tonalität hier und da (allen voran beim Rausschmeißer 'Dark Descent') stellenweise klassischer Death Metal eingeschlichen. Was allerdings auch nicht überbewertet werden sollte, denn die musikalische Basis ist immer noch lupenreiner Thrash, und Siegfried Rudzynski pendelt nach wie vor stimmlich zwischen dem jungen John Cyriis sowie Overkills Blitz. Besonders die erste Hälfte der Scheibe offeriert mit 'Remnants Of Technology', 'Juggernaut' und 'Cryoshock' ausnahmslos Spitzenmaterial, 'A.O.A. (Army Of Awesomeness)' brilliert darüber hinaus mit wohliger Hardcore-Kante. Vom supertighten Drumming bis zur Gitarrenarbeit des Duos Schacht/Hochsattel bewegen sich SPACE CHASER auf Weltklasseniveau. „Give Us Life“ ist ein wohldurchdachtes Album mit Herz und Hirn geworden. Was nicht darüber hinwegtäuschen soll, dass SPACE CHASER jung sind und ihr „Skeptics Apocalypse“, „Taking Over“, „Bonded By Blood“ oder „Reign In Blood“ noch vor und nicht bereits hinter ihnen liegt...

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REVIEW 9.0 30.06.2021

(Dynamit, RH 409, 2021)

POWERWOLF - Call Of The Wild

Dass sich POWERWOLF mit ihrem achten Longplayer „Call Of The Wild“ erneut an der Spitze der deutschen Albumcharts platzieren werden, scheint so sicher wie das Amen in der Kirche - an dieser Einschätzung hat sich seit dem letztmonatigen „Lauschangriff“ nichts verändert. Die Saarbrückener haben sich diesen Status hart erarbeitet; keine andere (traditionell orientierte) deutsche Metalband hat in den vergangenen anderthalb Dekaden eine auch nur ansatzweise vergleichbare Erfolgsgeschichte geschrieben. Um das an dieser Stelle ganz deutlich zu sagen: Natürlich muss man als Rezipient nicht alles gut finden, was monatlich in den Regalen der Plattendealer landet, über Geschmack lässt sich schließlich ganz vortrefflich streiten. Man sollte aber fair bleiben und eine starke, engagierte Leistung auch entsprechend bewerten. Daran, dass wir es hier mit einer solchen zu tun haben, lässt sich wahrlich nicht rütteln: POWERWOLF haben ihren Trademark-Sound über die Jahre perfektioniert, die Band funktioniert wie eine gut geölte Maschine. Auf „Call Of The Wild“ findet sich mindestens eine Handvoll Songs, die locker als Hit durchgehen - komplett mit allem, was dazugehört. Das Material ist massiv eingängig (zieht euch den Opener ´Faster Than The Flame´, das mit ordentlich Schmackes vorgetragene ´Vacolac´ oder den abschließenden ´Reverent Of Rats´ rein), die Produktion wirklich erstklassig. Bemerkenswert bleibt außerdem, dass die Band nicht stagniert, sondern immer mal wieder Neues ausprobiert: ´Blood For Blood´ überrascht mit irisch angehauchten Folk-Klängen, ´Glaubenskraft´ mit einem bitterbösen, komplett deutschen Text. Zu guter Letzt ein paar Worte zu den Sonder-Editionen: Die Zwei-Disc-Fassung bietet mit einer „Missa Cantorum“ getauften CD, auf der nicht Frontmann Attila Dorn, sondern zahlreiche Gastsänger (Matt Heafy von Trivium, Primal-Fear-Sirene Ralf Scheepers oder Amon Amarths Johan Hegg) die Lead-Vocals übernehmen, einen interessanten Blick über den Tellerrand. Das kompletteste Paket ist derweil die Earbook-Version, der zudem eine dritte CD mit einer orchestralen Fassung des Albums sowie ein hundertseitiges Begleitbuch beiliegen. So oder so: starke Leistung!

REVIEW 7.5 30.06.2021

(Dynamit, RH 409, 2021)

MAMMOTH WVH - Mammoth WVH

Für sein erstes Soloprojekt bedient sich Wolfgang, Sohn von Gitarren-Gott Eddie, beim Namen der Vorläuferformation von Van Halen. Ein netter, kleiner Gag - genau wie die fiese Monsterkrabbe fürs Coverartwork, die nun wirklich nichts mit einem Ur-Elefanten, aber umso mehr mit den Plattencovern der legendären Hipgnosis-Agentur zu tun hat. Ein Motiv, das für etwas Bedrohliches, Gefährliches steht. Attribute, die aber nur bedingt auf den Sound des immerhin 30-Jährigen Ex-Van-Halen/Tremonti-Bassisten zutreffen. Der betätigt sich hier als Multi-Instrumentalist, der alles im Alleingang erledigt - inklusive eines leicht melancholischen Nölgesangs in der Manier von Layne Staley. Passend dazu sind die meisten der 14 Stücke im Grunge der frühen Neunziger verhaftet. Sie weisen starke Anleihen bei Alice In Chains, Soundgarden oder Nirvana auf, aber auch bei Black Sabbath als Ziehvätern der Seattle-Bewegung: doomige, wuchtige Riffs, eine düstere, intensive Grundstimmung, ein treibender Beat und ein hymnischer Bariton. Ein ziemliches Brett, das vielleicht nicht immer originell anmutet, aber handwerklich anspruchsvoll ist. Sprich: Wolfgang ist kein Mozart der Rockmusik, beherrscht aber ein spannendes Wechselspiel der Stimmungen, ist mal laut oder leise, mal wuchtig und dann wieder mellow, mitunter auch mal richtig poppig - nur um anschließend die ölige Mofakette hervorzuholen. Ein überzeugendes Debüt mit einem bemerkenswerten Finale: In ´Distance´ verabschiedet er sich von seinem Vater, der im Februar 2020 an Krebs verstorben ist. Ein bewegender Moment und der Höhepunkt von „Mammoth WVH“.

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