30.09.2016 11:02

Tyr-Frontmann Heri Joensen kommentiert Konzert-Boykott nach Walfang-Fotos

Heri Joensen - Tyr

Verteidigt seine Einstellung zum Walfang: Heri Joensen

TYR-Frontmann Heri Joensen, der vor einigen Wochen Fotos von sich bei der Ausschlachtung eines Wals ins Internet stellte und damit einen internationalen Boykott auslöste, bei dem Konzertveranstalter und Clubbesitzer die anberaumten Shows der Färöer aus Protest absagten, äußert sich nun zu der Angelegenheit.

Im Sommer hatte Joensen das betreffende Bild bei Facebook hochgeladen und es mit den Worten kommentiert: "Echte Männer erlegen ihr Fleisch selbst, wie diesen Langflossen-Grindwal." Später bezeichnete der Sänger das zwar selbst als "schlechten und armselig formulierten Witz", doch da war das Chaos schon angerichtet. In einem Gastbeitrag für "The Spectator" führt Joensen nun aus, wie er zum Walfang steht:

"Ich lebe auf den Färöer-Inseln, wo der Walfang schon seit Jahrhunderten zu unserem Leben gehört. Letzten Monat zerlegte ich einen Langflossen-Grindwal einen Tag, nachdem er erlegt <span class="t3-form-field-container"></span>wurde. Da mehr als vier Fünftel der Weltbevölkerung Fleisch essen, dachte ich, es wäre in Ordnung, solch ein Bild zu teilen - es ist doch sicher kein Geheimnis, wo das Fleisch herkommt? Aber ein Aufruhr folgte. Es wurde eine Kampagne gestartet, um die Konzerte meiner Band abzusagen und die Clubs daran zu hindern, uns zu buchen.

Wir sehen selten Bilder aus Schlachthäusern, deshalb haben die Leute merkwürdige Vorstellungen, was ihr Fleisch angeht. Sie scheinen zu denken, dass die Tiere sich freiwillig und ohne Schmerzen hinter verschlossenen Türen abschlachten lassen. Ethisch sehe ich keinen Unterschied zwischen dem Schlachten wilder Wale und gezüchteter Kühe. Alle Tiere leiden. Wenn man Kühe wegen ihres Fleisches tötet, warum dann keine freilebenden Tiere? Walfang ist in der Europäischen Union illegal, aber die Färöer sind (zum Glück) nicht in der EU. Der Färöer Walfang ist nicht kommerziell und geschieht in den Gemeinden. Niemand sucht nach den Walen, aber wenn ein Schwarm sich dem Land nähert, kann man auf sie Jagd machen.

Auf den Färöern ist es nicht ungewöhnlich, sein Fleisch selbst zu schlachten, egal ob Schafe, Fisch, Vögel oder Wale. ich habe schon viel mehr Schafe als Wale geschlachtet, aber das scheint allen egal zu sein. Ich finde das merkwürdig. Wieso gibt es da andere Standards? Weil Wale vom Aussterben bedroht sind? Die, die wir jagen, sind es nicht. Es gibt ungefähr 780.000 Langflossen-Grindwale im Atlantik. Auf den Färöern töten wir ungefähr 800 pro Jahr - oder 0,1 Prozent des Bestandes. Eine jährliche Ausbeute von zwei Prozent wird als angemessen betrachtet. Vergleicht das mal mit den Millionen von Tieren, die für die Fleischproduktion gezüchtet werden!

Ich habe noch nie selbst einen Wal getötet und werde es vermutlich auch nie tun. Aber ich nehme wegen des Fleisches an der Waljagd teil - so ist es auf den Färöern Tradition. Wie ich in 'Rainbow Warrior' singe: 'Unsere Tradition, unverändert seit Jahrhunderten, erschreckt verhärtete Herzen.' Und in diesem Fall auch irrationale Gemüter."