ReviewDVD - Film

Kategorie
DVD - Film 
Heft
RH #299 
Titel
The Thing 
Erscheinungsjahr
2012 
Note
7.0 

(Universal Pictures, Blu-ray, FSK ab 16)
Remakes von Horror-Klassikern haben einen schweren Stand. Sie sind finanziell oftmals lukrativ, werden von den Fans der Originale jedoch zumeist lautstark angefeindet. Die Macher von „The Thing“ versuchen zu punkten, indem sie ein Prequel zu John Carpenters „Das Ding aus einer anderen Welt“ aus dem Jahr 1982 präsentieren.
In Carpenters Klassiker muss die US-Besatzung einer antarktischen Forschungsstation gegen ein formwandelndes Alien um ihr Überleben kämpfen. Zu Beginn des Films wird der Alien-Organismus von einer benachbarten norwegischen Station durch einen entlaufenden Schlittenhund zu den Amerikanern gebracht. „The Thing“ zeigt, was in der skandinavischen Station geschah.
In der Eröffnungssequenz des Spielfilmdebüts des niederländischen Regisseurs Matthijs van Heijningen Jr. entdecken die Norweger ein unter dem Eis verborgenes Raumschiff. Damit man dem amerikanischen Kinopublikum nicht ausschließlich Europäer als Charaktere zumuten muss, wird mit Mary Elizabeth Winstead („Death Proof“, „Scott Pilgrim gegen den Rest der Welt“) schnell ein bekanntes Gesicht eingeführt: Die Paläontologin Kate Lloyd soll bei den Ausgrabungen assistieren, und wird im Verlauf des Films den Platz des von Kurt Russell verkörperten R. J. MacReady aus „Das Ding aus einer anderen Welt“ einnehmen.
Der sich anschließende Kampf gegen das Alien, sowie das Misstrauen der Menschen untereinander - schließlich könnte jeder befallen sein - wirken wie direkt aus der 1982er Version übernommen. So wird aus dem Ansatz, ein Prequel drehen zu wollen, im Ergebnis doch ein Remake. Der unbedingte Wunsch, das Original zu ehren, erstickt jegliche Eigenständigkeit im Keim. Die wenigen veränderten Elemente, wie der Wechsel auf einen weiblichen Helden, funktionieren schlechter als zuvor, so kann Winstead zu keiner Zeit an das charismatische Spiel eines Kurt Russell heranreichen.  
Wie man es besser macht zeigt ausgerechnet „Das Ding aus einer anderen Welt“, selbst ein Remake des gleichnamigen Films aus dem Jahr 1951. Carpenter, ein großer Bewunderer Howard Hawks, dem Produzenten der ersten Verfilmung, entwickelt aus dem Stoff seine eigene Vision.
Dennoch, viele Elemente des Originals funktionieren auch in der Kopie. Der Spannungsbogen ist straff, die von Paranoia durchtränkte Atmosphäre dicht. Anstatt voll auf CGI zu setzen, ist ein Großteil der Monstereffekte liebevoll mit animatronischen Puppen gedreht worden. Sogar die Kameraarbeit passt sich dem Achtziger-Feeling an.
„The Thing“ hat keine Chance den Klassiker-Status von „Das Ding aus einer anderen Welt“ zu erreichen, ist jedoch eine nostalgische Hommage an eine vergangene Zeit des Filmemachens und passt damit ausgezeichnet in das Line-up zum hundertjährigen Bestehen der Universal Studios.
Technisch gibt sich die Blu-ray keine Blöße. Das Bild ist zwar leicht weich gehalten, dabei aber sehr filmisch, höchstwahrscheinlich ist dies die Folge einer künstlerischen Entscheidung. Kontrast und Kompression sind fehlerfrei. Akustisch darf man sich über einen sehr aggressiven Mix freuen, die deutsche Synchronfassung fällt gegenüber dem Original nicht nennenswert ab, obwohl nur der englische Ton verlustfrei vorhanden ist. Die videobasierten Extras  geben einen kleinen Einblick in die Entstehung der Effekte.  


Maik Strozyk 7.0

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