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Kategorie
Game 
Titel
STAR WARS BATTLEFRONT II 
Note

(LucasArts)

The Battle rages on! Das erfolgreichste Star Wars-Spiel aller Zeiten geht in seine zweite Runde. Millionen von Star Wars-Fanatikern dürfen sich auf noch bombastischere, noch ausgereiftere und noch "realistischere" Kämpfe in einer weit, weit entfernten Galaxie freuen. Wieder kann man zu Fuß, in diversen Fahrzeugen und Walkern oder per Raumschiff in die Schlachten ziehen. Dabei stehen wieder die vier bekannten Fraktionen zur Verfügung: Die Republik, die KUS, das Imperium und die Rebellen. Dabei wurde aber das Sortiment der einzelnen Kriegsparteien ordentlich aufgepeppt, so dass man nun zum Beispiel auf Rebellenseite einen Bothan-Spion oder auf der Seite der Separatisten die aus Episode III bekannte Magna-Wache spielen kann. Auch etliche Fahrzeuge und Raumschiffe wurden hinzugefügt, wobei wir schon bei der größten Neuerung wären: Neben den bekannten Spielmodi "Eroberung" und "Capture The Flag" gibt es nun auch echte Raumkämpfe (beim Vorgänger hatte man lediglich die Möglichkeit, bei einigen Bodenmissionen in ein Schiff zu klettern, was aber meistens dank der schlechten Steuerung ziemlich bald mit einem Crash endete). Und man muss sagen: Hut ab, Lucasarts. Dieser Spielmodus ist mal wirklich innovativ, durchdacht, und ein Flugmodell wurde noch nie so konsequent bei einem Multiplayer-Shooter umgesetzt. Ziel ist es, die gegnerische Flotte zu zerstören, die aus jeweils einem Großkampfschiff und mehreren mittleren Kreuzern besteht, und gleichzeitig seine eigenen Schiffe zu schützen. Man startet hierbei zu Fuß im Hangar, muss unter Sirenengeheul zu einem der freien Schiffe stürmen und stürzt sich in einen grafisch bombastischen Raumkampf. Ständig explodiert irgendwo etwas, Laserschüsse zischen vorbei, und unablässig stürzen sich neue Schiffe ins Getümmel. Die zahlreichen Funksprüche und die hervorragenden Soundeffekte sorgen zusätzlich dafür, dass sich richtiges "Film-Feeling" einstellt. Zur Verfügung stehen auf jeder Seite ein leichter und schneller Abfangjäger, ein normaler Raumjäger, ein Bomber und ein schwer bewaffneter, aber sehr träger Truppentransporter, mit dem man - aufgepasst! - im gegnerischen Hangar landen und das Schiff per pedes stürmen kann. Dabei dient es als Respawn-Punkt für neue Truppen und stellt bis zu seiner Zerstörung eine Art Brückenkopf im Feindesland dar. Einmal am fremden Schiff angelangt, macht man sich daran, essentielle Systeme wie die automatischen Lasergeschütze, die Triebwerke oder die Lebenserhaltungssysteme mit Hilfe von Sprengladungen zu zerstören. Sehr cool. Lediglich die KI versagt des öfteren bei solchen strategischen Landungsmanövern, was beispielsweise dazu führt, dass ein computergesteuerter Teamkollege nach dem Aussteigen aus dem Transporter gleich wieder in selbigen einsteigt und damit in augenscheinlich selbstmörderischer Absicht gegen die Hangarwand donnert. Crashkids im Star Wars-Universum - irgendwie lustig, aber auch extrem ärgerlich. Hier ist ein Patch unbedingt vonnöten.
Aber auch bei den Bodenkämpfen gibt es Neues zu bestaunen. So nahm man die nervigen und ziellos umherirrenden KI-Jedis wieder aus dem Spiel und baute stattdessen spielbare Helden ein, die bei Erreichen einer bestimmten Punktezahl freigeschalten werden und das Kampfgeschehen durchaus beeinflussen können. Von den üblichen Verdächtigen wie Darth Vader, Obi Wan etc. stehen auch Boba und Jango Fett, Han Solo und etliche "Nicht-Jedis" zur Verfügung. Dabei hat jeder dieser Charaktere eine besonders starke Primärwaffe und ein bis zwei Spezialfähigkeiten zur Verfügung. Der bekannte Eroberungsmodus, der wieder das Herzstück des Shooters darstellt, und die zahlreichen Karten bieten genügen Abwechslung und Möglichkeiten zu den verschiedensten taktischen Vorgehensweisen. Ob man nun im Schutz von schwerem Gerät einfach nach vorne stürmt oder sich mit einem Scharfschützen in den Rücken des Feindes schleicht, alles ist möglich.
Battlefront II ist zwar wieder eindeutig ein Multiplayer-Shooter, hat aber auch für den Einzelspieler einiges zu bieten. Neben einer ganz netten Kampagne und frei konfigurierbaren Soforteinsätzen gibt es auch einen stark verbesserten Galaxie-Eroberung-Modus, der sogar für einen Hauch Strategie sorgt.

Von technischer Seite sind ein par aufgepeppte Grafikeffekte zu bewundern. Vor allem die Explosionen sehen toll aus, ansonsten greift man auf die Engine des Vorgängers zurück und verbesserte lediglich kleine Details. Trotzdem sieht das Ding verdammt gut aus, was vor allem an Hardware-schonenden, aber optisch beeindruckenden Effekten und einem gut eingesetzten Mip Mapping (3D-Effekt, der sowohl die Oberflächen naher als auch die entfernter Objekte realistisch darstellt - Red.) liegt. Und wenn man auf dem Eisplaneten Hoth im Schützengraben liegend mit einem Fernglas die am Horizont auftauchenden imperialen Kampfläufer beobachtet, während über einem die verbündeten Schneegleiter in die Schlacht fliegen, dann kann man schon mal kurzzeitig vergessen, dass es sich hier um ein Computerspiel und nicht um einen Film handelt.

Trotzdem ist nicht alles Gold, was glänzt. Man merkt dem Spiel einfach an, dass es mehr oder weniger eine Konsolenumsetzung ist. Zwar bekam die PC-Version ein par Extras (die PS2-Besitzer müssen sich z. B. mit einem abgespeckten Raumkampf-Modus abfinden), trotzdem sind die Karten teilweise zu klein, so dass es oft vorkommt, dass man nach einigen Sekunden Flug schon an die Grenzen des Spieluniversums gerät; und zweitens ist das Fehlen einer echten Physik-Engine nicht mehr zeitgemäß. Dafür halten sich die Hardwareanforderungen in Grenzen, und das Verhältnis Optik/Hardwareanforderungen ist weitaus besser als beispielsweise bei solchen Hardware-Fressern wie Quake 4.
Zum Schluss sollte noch unbedingt erwähnt werden, dass man, um die Weltraumschlachten voll zu genießen, schon ein Gamepad mit zwei Analog-Sticks sein eigen nennen sollte. Die Flugsteuerung mittels Maus und Tastatur gestaltet sich doch etwas umständlich und wenig flexibel.

Pluspunkte:

- tolle Star Wars-Atmosphäre
- neuer, sehr gelungener Raumkampf-Modus
- geringe Hardwareanforderungen
- Genre-untypischer, ausführlicher Solo-Modus

Minuspunkte:

- KI-Mängel
- fehlende Physik-Engine
- teilweise zu kleine Karten

8,5 Punkte (davon 0,5 Punkte Star Wars-Bonus)


Peter Kraus

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