ReviewVHS - Film

Kategorie
VHS - Film 
Titel
Liquid Drum Theater (Music Sales Ltd.) 
Note

Für Leute, die nur bis vier zählen können, ist diese mächtige Doppel-Video-Box garantiert nichts: „Liquid Drum Theater" präsentiert den ausgeschlafenen New Yorker Schlagzeug-Gott in gewohnt relaxter Form als „Graf Zahl". Anders wären die verschachtelten Figuren aus Fünfviertel- oder Siebenachteltakten selbst für einen Könner wie Mike kaum zu bewältigen. Der Blick hinter die Kulissen des Dream Theater-Tracks ´Dance Of Eternity´ zeigt beispielhaft, wieviel Arbeit, Konzentration, Zahlen- und Tempogefühl auch ein Jahrhundert-Talent wie Mike aufwenden muss, um bei dieser Ultra-Nummer nicht den Faden zu verlieren.
Die beiden Tapes (Laufzeit: 86 und 89 Minuten) füttern die Fans und Anbeter des DT-„Frontmanns" mit allem, was den Laien staunen lässt und den Profi ins Grübeln bringt. Ein gehöriger Teil des Materials besteht aus Live-Aufnahmen und Studiosessions mit Dream Theater und Mikes Side-Project Liquid Tension Experiment. Sehr schön ist unter anderem eine völlig chaotische Aufwärm-Session, bei der man aufatmen darf, weil deutlich zu sehen und zu hören ist, dass es auch bei Superprofis im Proberaum chaotisch zugeht. Eins, zwei, drei, und keiner ist dabei...
Die Kameraperspektiven setzen den Helden hervorragend in Szene. Einerseits kann man ihm stets gut über die Schulter gucken, andererseits werden unten am Bildrand kleine Fenster eingeblendet, um auch die Beinarbeit verfolgen zu können.
Die Lektionen, die uns erteilt werden, laufen schön nachvollziehbar über den Bildschirm. Erst gibt Mike die Figur vor, teilweise auch in verlangsamter Form, dann spielt er das Element noch mal mit dem Rest der Band.
Auf Tape II sitzt er größtenteils alleine im Studio und demonstriert neben den beiden „Oldies" ´Learning To Live´ und ´Change Of Seasons´ in erster Linie Songs der beiden letzten DT-Alben im Playback-Verfahren: Außer den Drums kommt alles vom Band. Ein Teil der Aufnahmen stammt zudem von Live-Auftritten der letzten Tour.
Mike protzt nicht mit seinem Können, sondern liefert auch für reine Holzhacker oder schüchterne Groove-Tierchen viele inspirierende Momente. Frustriert seine Bude verbrennen muss jedenfalls niemand. Für alle Trümmerkollegen ist „LDT" die ideale Energiespritze. Wer bei Ansicht dieser Bänder nicht schon hektisch nach dem Proberaumschlüssel kramt, sollte besser gleich als Akkordeonspieler bei Schweinfurt 05 anheuern.


Matthias Breusch

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