ReviewAlbum

Band
PANTERA 
Kategorie
Album 
Heft
RH #124 
Titel
Official Live: 101 Proof 
Erscheinungsjahr
1997 
Note
8.5 

Nach mehreren tausend Bootlegs nun also die erste offizielle Live-Scheibe der Jungs, die sich in jüngster Zeit mit wenig engagierten und viel zu kurzen Live-Shows eine Menge Kritik eingefangen haben. "Official Live: 101 Proof" soll nun anscheinend den Beweis antreten, daß mit den Texanern - falls Frontmann Phil Anselmo seine Drogenprobleme ein für allemal in den Griff bekommt - wieder zu rechnen ist. Wie sonst ist es zu erklären, daß die Band neben 14 Live-Standards auch zwei neue Tracks auf das Album gepackt hat? 'Where You Come From' und 'I Can't Hide' heißen die Nummern, die einen Ausblick in die nahe Zukunft des Quartetts ermöglichen, und zumindest der erstgenannte Song hat das Zeug zum Klassiker: Krachende Gitarrenriffs und ein gemäßigtes Tempo sorgen dafür, daß Anselmo noch halbwegs "melodiöse" Vocallines findet, 'I Can't Hide' steht jedoch in bester "The Great Southern Trendkill"-Manier, denn das Quartett versucht - unterstützt von einer zu kalten, technischen Produktion -, sämtliche Geschwindigkeitsrekorde ad absurdum zu führen. Ob diese Masche auch weiterhin zieht, bleibt abzuwarten, denn für meinen Geschmack boten schon die letzten beiden Studioalben bei aller handwerklichen Präzision zu wenig Abwechslung. Und dieser Umstand wird besonders deutlich, wenn man sich das Live-Material an einem Stück anhört: Groove-orientierte Kracher wie 'This Love', 'Walk' oder die schon legendären Nummern 'Cowboys From Hell' und 'Cemetary Gates' stechen einen Großteil der neueren Kompositionen locker aus. "Official Live: 101 Proof" ist ein gutes Album und sowohl Hardcore-PANTERA-Fans als auch Neueinsteigern wärmstens zu empfehlen, aber in Zukunft würden der Band einige phantasievollere Tracks gut zu Gesicht stehen. Ansonsten könnte man ganz schnell zum Gefangenen des eigenen klinischen Hochgeschwindigkeitssounds werden...


Thomas Kupfer 8.5

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