ReviewAlbum

Band
ORANGE GOBLIN 
Kategorie
Album 
Heft
RH #156 
Titel
The Big Black 
Note
7.0 

Irgendwie wollen die Wüstensöhne aus Britannien nicht so recht in die Stoner-Rock-Schublade passen. Zwar erinnert der Fünfer, der 1995 mit reichlich Alkohol in der Blutbahn in einem Londoner Pub namens The Intrepid Fox quasi am bzw. unterm Tresen gegründet wurde, auch auf 'The Big Black' mit seinem psychedelischen, doomig-schleppend bis groovig-flott vorgetragenen Seventies-Sound an Branchengrößen wie Kyuss, Nebula, Fu Manchu und Unida. Gerade in puncto Attitüde hebt sich die Truppe allerdings erheblich von der reichlich desillusionierten Konkurrenz aus Übersee ab. Man orientiert sich vielmehr an typisch britischem Kulturgut wie Cream, Led Zeppelin, Black Sabbath und Motörhead und deren ausgeprägtem Sinn für Humor. Davon zeugen alles andere als bierernst gemeinte, selbstironische Songtitel wie 'Quincy The Pigboy', 'Cozmo Bozo', 'You'll Never Get To The Moon In That' oder 'Alcofuel' - und vor allem die am Ende der CD publik gemachten Nachrichten, die Sänger Ben Ward einst nach dem 48. Pint Lager auf dem Anrufbeantworter seiner Mutter hinterlassen hat. Alles in Butter, sollte man meinen - wären da nicht die wenig prallen songschreiberischen Fähigkeiten der Band. Zwar passt die erdige Produktion, um die sich mit Billy Anderson (u.a. Sleep, Melvins, Neurosis) ein absoluter Szenekenner kümmerte, wie die Faust aufs Auge, doch leider bleibt selbst nach dem 15. Durchlauf nicht ein läppischer Refrain in der Horchmuskulatur hängen. Deshalb müssen sich die Retro-Rocker unterm Strich auch mit sechs Punkten für die Musik plus jeweils einem halben Zähler für das Kozik-artige Cover und die erwähnten Messages auf der Telefonmaschine zufrieden geben. Im direkten Vergleich mit den neuen Scheibletten ihrer Labelkollegen Sheavy oder der grandiosen Spiritual Beggars ziehen ORANGE GOBLIN eh den kürzeren.


Uwe "Buffo" Schnädelbach 7.0

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