ReviewDynamit

Band
DEAD LORD 
Kategorie
Dynamit 
Heft
RH #364 
Titel
In Ignorance We Trust 
Erscheinungsjahr
2017 
Note
8.0 

Century Media/Sony (42:07)
„Das dritte Album ist immer das wichtigste“, „Make it or break it“ und so weiter... Man kann diese Behelfsklischees, vor allem in einer komplett veränderten Musiklandschaft, getrost ignorieren, danach kräht ja wirklich kein Hahn mehr. Andererseits will eine Band natürlich irgendwann den Durchbruch schaffen - was auch immer das ist, dieser „Durchbruch“. Die Schweden DEAD LORD, die mit „Goodbye Repentance“ von 2013 und „Heads Held High“ von 2015 schon zwei Klassedreher in der Vita haben, die nicht zu Unrecht als perfekte Thin-Lizzy-Generika bezeichnet wurden, sind von Platte Nummer drei jetzt derart überzeugt, dass sie sogar den Vorgänger latent schlechtreden. Klappern gehört zum Handwerk, und eine selbstbewusste Band dürfte allemal besser aufgestellt sein als eine hadernde - aber entscheidend ist nun mal nach wie vor auf dem Teller.
Was dieser Absatz soll? „In Ignorance We Trust“ ist eine schwierige Angelegenheit. Einerseits natürlich letzten Endes ein herausragendes Classic-Rock-Album, dafür sorgen schon die hervorragende, warme Live-Produktion, die „echten“ Gitarren und Drums und der Signature-Gesang von Hakim Krim - andererseits ein „Opfer“ seiner brillanten Vorgänger, deren Homogenität alles in allem nicht erreicht wird. Wo „typischer“ Band-Stoff wie das Opening-Triple inklusive der tollen ersten Single ´Reruns´, das energetische ´Kill Them All´ oder der Rauswerfer ´Darker Times´ nach wie vor kaum Konkurrenz kennen, lassen einen die nicht wenigen eher ruhigen Stellen, ´Leave Me Be´, ´Part Of Me´ oder auch ´Never Die´, seltsam unberührt zurück - und ´The Glitch´, Schlusstrack der A-Seite, ist, man muss das so offen sagen, ein echter Stinker, der erste richtige Ausfall der Band-Geschichte.
Noch mal: Im Szene-Vergleich stellt „In Ignorance We Trust“ ein Album dar, das man sich als Genre-Fan kaufen sollte, auf dem man seine Faves garantiert findet - was eine knappe Acht rechtfertigt. Im Band-Vergleich ist „In Ignorance We Trust“, auch wenn Jens das anders sieht, aber leider ´ne kleine Enttäuschung...


Boris Kaiser 8.0

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