ReviewAlbum

Band
PARAGON 
Kategorie
Album 
Heft
RH #144 
Titel
Chalice Of Steel 
Note
8.0 

PARAGON sind eine Band, die polarisiert. Zwar sind sich (fast) alle darüber einig, daß vom musikalischen Aspekt her bei den vier Freaks aus Hamburg alles im grünen Bereich ist, nur an den Vocals scheiden sich die Geister. Und daran wird auch der zweite Longplayer "Chalice Of Steel" nichts ändern. Aber der Reihe nach: Hinter PARAGON stecken vier ehrliche Arbeiter, für die Heavy Metal noch eine Lebenseinstellung ist und die klassischen teutonischen Stahl schmieden, der stellenweise an die alten Solinger Haudegen von Accept erinnert, überwiegend straight und schnörkellos nach vorne losgeht und ohne den heute fast schon üblichen Bombast mit fetten Chören (die live sowieso keiner reproduzieren kann), mehrstimmigen Leads und x-fach übereinandergelegte Gitarrenspuren auskommt. Ja, wenn man den Jungs böses will, könnte man ihren Sound auch "altbacken" nennen. Man kann ihre Mucke aber auch als roh, erdig und direkt bezeichnen - das ist sicherlich eine Streitfrage. Jedenfalls haben PARAGON mit ihrer Musik das Attribut "True Metal" mehr verdient als viele andere Combos, da ihr Sound wirklich sehr nahe an den Ursprüngen der Achtziger liegt. Bleiben also noch die Vocals von Andreas Babuschkin. Die sind in der Tat nicht immer in der richtigen Tonlage und lassen hier und da das nötige Volumen vermissen, auch die Backings sind nicht gerade umwerfend. Andererseits - und da kommt die Geschmacksfrage ins Spiel - verpassen sie dem Material von PARAGON einen unverwechselbaren, kultig-trashigen Touch, den ich persönlich sehr schätze. Ich meine, die Sänger von Agent Steel, Cirith Ungol oder Exciter (um nur drei Beispiele zu nennen) waren in ihren Performances auch weißgott nicht immer zielsicher, wurden aber trotzdem von einer gewissen Fanschar vergöttert. Warum sollte es PARAGON nicht genauso ergehen? "Chalice Of Steel" ist jedenfalls ein Schritt in die richtige Richtung.


Frank Albrecht 8.0

AMAZONEMPFEHLUNG