ReviewDynamit

Band
TYPE 0 NEGATIVE 
Kategorie
Dynamit 
Heft
RH #194 
Titel
Life Is Killing Me 
Erscheinungsjahr
2003 
Note
8.5 

(73:32)
Fast vier geschlagene Jahre haben Peter Steele & Co. gebraucht, um mit "Life Is Killing Me" an die Öffentlichkeit zu gehen. Selbst für die nie als superschnelle Komponisten bekannten Brooklyner ist das jede Menge Holz. Das Überraschende dabei ist, dass die Zeit scheinbar nicht nur dafür verwendet wurde, neue Horizonte zu erschließen, sondern auch ausgiebig in der eigenen Vergangenheit zu kramen. Beim ersten Durchlauf des Mammutwerks bleiben sofort das smarte ´I Don´t Wanna Be Me´ und der amtlich rockende Titelsong hängen, beides treffsichere Zitate aus der "Bloody Kisses"-Periode. Das schwermütige ´Anesthesia´ hätte gut und gern auch auf dem Vorgänger "World Is Coming Down" stehen können. Das traurige Piano in Kombination mit Steeles charismatischer Stimme sind beste Garanten für eine gut situierte Gänsehaut in jeder Lebenslage. Nach dem eher sanften, mit satter Beatles-Harmonie ausstaffierten ´The Dream Is Dead´ folgt mit ´Todd´s Ship Gods´ wieder allerbestes Futter. Ein richtig schweres, fett rockendes Riff (das fatal an ´Slaydream´ vom Godsend-Debüt "As Shadows Fall" erinnert) führt zu einem wunderbar durchkomponierten Song, ausstaffiert mit allerhand Hintergrundperkussion und sehr markanter Gesangslinie. Die logische Konsequenz ´(We Were) Electrocute´ folgt auf dem Fuß. Steele erneut in Bestform, Trompeten schmettern im Hintergrund, sphärische Orgelklänge vermischen sich mit einfühlsamen Gitarrensoli. Das haben The Who in ihrer Spätphase zwar auch hin und wieder gemacht, aber in dieser Kombination ist das schlicht und einfach genial. Bei ´Less Than Zero´ kommt unüberhörbar eine Sitar zum Einsatz, erneut im Wechsel mit einer mächtig rockenden Rhythmusfraktion. Nach dem eher zerrigen ´Better Served Coldly´ und einem Instrumental wird es nach so viel Schwere und Langsamkeit endlich wieder mal richtig flott. ´I Like Goils´ ist darüber hinaus vermutlich auch einer der positivsten Songs (rein musikalisch) aus Steeles Feder. Und ´How Could She´, der folgende Song, hätte ebenfalls glänzend auf "Bloody Kisses" gepasst. Der recht experimentelle Mittelteil von "Life Is Killing Me" ist unüberhörbar zu Ende, die drei abschließenden Gassenhauer ´Nettie´, ´Angry Inch´ und ´Gimme That´ sind bestenfalls Querverweise auf bisher erschienenes Material und stellen die bis dahin etwas grimmig dreinschauende "Slow, Deep & Hard"-Fraktion endlich zufrieden.
Summa summarum eine feine Scheibe. Kein Meilenstein, aber besonders im Mittelteil sehr erfrischende neue Ideen, die der Band in dieser Form nicht zuzutrauen waren.


Volkmar Weber 8.5

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